„Olympia sollte sich seiner ursprünglichen Werte erinnern…“

ZDF-Sportjournalistin Anna Kraft über Olympia, die Sport-Angebote im TV und ihr neues Buch

Anna Kraft, die ZDF-Sportjournalistin. Foto: Maximilian Sydow.

Sie ist kompetent. Sie ist schnell. Und: Sie ist anmutig. Geboren wurde sie 1985, als Stabhochspringer Sergej Bubka die 6 Meter meisterte, Tennis-Ass Boris Becker Wimbledon gewann, Golfer Bernhard Langer einen historischen Sieg bei den US-Masters feierte, Eiskunstlauf-Queen Katarina Witt über WM-Gold in Tokyo jubelte und sich „M-V“ über Ruder-Gold im Einer für die Greifswalderin Cornelia Linse freute…

Gemeint ist natürlich Anna Kraft, Jahrgang 1985, die Sport-Journalistin, deren Stationen der WDR, Sat.1, Sky und Sport1 waren und die nun beim ZDF engagiert ist.

Zuletzt war sie „sportlich“ am Herd aktiv – bei der ZDF-Sendung „Die Küchenschlacht“. Dort wurde sie allerdings bereits „im Achtelfinale“ nach umstrittener Juroren-Entscheidung aus der Challenge gekegelt – leider gibt es für so etwas weder Stopp-Uhr noch Zentimeter-Maß, nur der Geschmack des Juroren entscheidet (und der ist ja mitunter suboptimal).

Aber über Koch-Künste lässt sich streiten, über Moderatorinnen-Künste hingegen nicht und so ist Anna Kraft wieder oben auf, denn der tägliche Sport ruft, dazu sind ja die Winterspiele in Pyeongchang schon in Sicht…

Anna Kraft über ihre Koch-Challenge, ihr sportives Buch über eine vermeintliche „Problemzone“, zu den Sportangeboten im TV, den gegenwärtigen Stellenwert der Olympischen Spiele und ihren „Ausgleich“ zum Sport

„Olympia sollte sich seiner ursprünglichen Werte erinnern…“

Frage: Frau Kraft, eigentlich sollte es an dieser Stelle einen großen Glückwunsch zur erkochten Goldmedaille geben, aber mitunter gilt „Auch Frauen kochen nur mit Wasser…“ Hadern Sie noch etwas mit dem Juroren-Urteil?

Anna Kraft: Ganz und gar nicht, in diesem Fall zählte für mich ausnahmsweise der olympische Gedanke. In dieser Auswahl an Spitzenhobbyköchen mit einem Tagessieg überhaupt das Achtelfinale erreicht zu haben, fühlte sich für mich an wie Olympia-Gold.

Frage: Zum wirklich Sportlichen… Sie waren Leichtathletin, sind jetzt Sportjournalistin. Sport bedeutet heute immer mehr: Fußball, Fußball, Fußball, dann Profi-Boxen, Motor-Sport und zeitweise Wintersport (mit zumeist Biathlon und Ski-Alpin). Eigentlich gibt es mehr als 100 weit verbreitete Sportarten, aber diese finden – auch wenn medial schon Besserung vorhanden – im TV kaum statt. Wie beurteilen Sie die Sportangebote im deutschen Fernsehen? Fehlt Ihnen nicht auch eine größere Vielfalt?

Anna Kraft: In der ZDF-Sportreportage greifen wir genau diesen Ansatz auf und versuchen, den Spitzenathleten sämtlicher Sportarten gerecht zu werden. Aber natürlich richtet sich die Programmauswahl der großen TV-Sender am Interesse des Zuschauers aus, und das liegt nun mal in erster Linie im Fußball. Aber ich gebe Ihnen durchaus Recht: Der Spitzensport außerhalb des Fußballs könnte etwas mehr Programmfläche vertragen.

Frage: Früher gab es zudem regelmäßige, tiefgründige Sportsendungen, wie den „Sportspiegel“, die sich gerade nicht an „Aufreißer-Themen“ orientierten. Wäre eine Wiederbelebung nicht auch etwas für Sie? Wenn Sie könnten: Was würden Sie in der Sportwelt der öffentlich-rechtlichen Sender gern verändern?

Anna Kraft: Ich will da jetzt keine große Eigenwerbung betreiben, möchte aber dennoch auch hier die ZDF-Sportreportage herausstellen, in der wir Woche für Woche auf einem prominenten Sendeplatz versuchen, die Geschichte hinter der Geschichte zu beleuchten. Da gehen wir auch vermeintlich schwierigen, teilweise sportpolitischen Themen auf den Grund – wie beispielswiese dem Korruptionsskandal bei der Fifa oder Doping im Spitzensport mit all seinen Facetten. Gerade für diese Hintergrundberichterstattungen bekommen wir von unseren Zuschauern immer wieder sehr positive Rückmeldungen.

Wie schon betont: Für mich könnte den Randsportarten im deutschen Fernsehen eine größere Fläche eingeräumt werden. Dazu bräuchte es allerdings auch die Mitarbeit und Kompromissbereitschaft der Verbände. Vielleicht sind die European Games im nächsten August ein erster Schritt in diese Richtung. Ich bin gespannt, wie der Zuschauer dieses Angebot annehmen wird, weil am Ende allein der Zuschauer entscheidet, was das Fernsehen an Sport zeigt.

Frage: Die Olympischen bzw. Paralympischen Winterspiele 2018 sind nicht mehr weit. Ebenso die Fußball-WM der Herren in Russland 2018 oder noch Ende des Jahres die Heim-WM der deutschen Handball-Frauen. Der Hochleistungssport wird jedoch immer kommerzieller, Olympia hat sich von seinen ursprünglichen Idealen längst entfernt. Bert Brecht meinte einst: „Leider fängt der große Sport erst dort an, wo er aufhört, gesund zu sein.“. – Sie waren früher Leichtathletin… Was verbinden Sie persönlich heute mit dem „großen Sport“. Welchen Stellenwert haben für Sie „anno 2017“ noch Olympische Spiele?

Ganz ballsportiv – Anna Kraft. Foto: Maximilian Sydow.

Anna Kraft: Was bei der Diskussion um Olympische Spiele häufig vergessen wird, ist, dass von allen Athleten nach wie vor Höchstleistung erbracht werden. Und das erstmal unabhängig davon, dass mittlerweile sämtliche Rekorde zunächst hinterfragt werden und scheinbar sämtliche Austragungsorte Zahlungen an fragwürdige Kanäle leisten müssen.

Hier stehen alle Verantwortliche in der Pflicht zu verhindern, dass der olympische Gedanke nicht, wie punktuell schon geschehen, vom ausschließlich wirtschaftlichen Gedanken überholt wird. Dass sich derzeit die Bevölkerung so vieler westlicher Nationen per Volksentscheid gegen eine Austragung Olympischer Spiele entscheidet, kommt nicht von ungefähr. Dass sich Olympia gewissen wirtschaftlichen Interessen unterwerfen muss, ist unstrittig.

Im Moment tut es Not, dass sich diese Veranstaltung sich ihrer ursprünglichen Werte erinnert, denn diese sind fraglos unterstützungswürdig.

Frage: Sie sind ja Autorin des interessanten Buches „Ein Arsch – ein Ziel: Meine Challenge“. Einige Politikerinnen und Politiker haben ihr Buch wohl falsch gelesen bzw. verstanden und kleben mit ihrem A… trotz sportiver Wahl-Niederlagen an ihren Sesseln… Wie kam es aber nun zum Buchprojekt? Eigentlich hatten Sie doch nie ein derartiges Training nötig?

Anna Kraft: Danke für die Blumen. Das geschah eher durch Zufall, bei meinen eigenen Workouts experimentiere ich gerne, insbesondere an meinen ‚Problemzonen‘. Ein Verlag bekam Wind davon und überzeugte mich von der Idee darüber ein Buch zu machen.

Letzte Frage: Was ist eigentlich Ihr Ausgleich zum Sport in Theorie und Praxis? Lösen Sie zur Abwechslung Kreuzworträtsel?

Anna Kraft: Glücklicherweise habe ich nicht das Gefühl, dass ich dazu irgendeinen Ausgleich brauche. Wenn ich mich nicht sportlich beschäftige oder betätige, genieße ich die Zeit mit meiner Family, beim Shoppen, Urlaub machen oder Faulenzen.

Vielen Dank, dann weiterhin für Sie bzw. die Familie alles erdenklich Gute und weiterhin maximale Erfolge mit bzw. ohne Sport-Mikrofon!

Die Fragen stellte: M. Michels.

 

 

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