Nachgefragt bei Axel Trautmann, Fliegerischer Leiter und Pressereferent des PLSC

Ohne Luftfahrt-Pionier Otto Lilienthal und seinen Erfindungsgeist würde es heute auch keinen Luftsport geben. FOTO: Impression von einer früheren Ausstellung in Schwerin über Erfinder, Entdecker und Tüftler aus M-V. © M.M.

2018 gab es in ganz Mecklenburg-Vorpommern schon einige wichtige Sportwettkämpfe in den verschiedensten Sportarten, ob zu Lande, zu Wasser oder in der Luft. Letztgenannte ist auch „das Wettkampfgebiet“ des Pasewalker Luftsportclubs „Die Ueckerfalken“ e.V.. Nachgefragt bei dessen Fliegerischen Leiter und Pressereferenten, Axel Trautmann.

Interview

„Würden uns mehr Jugendliche für die Ueckerfalken wünschen..“

Frage: Was waren aus Sicht die bisherigen sportlichen Highlights für die „Ueckerfalken“ zwischen Januar und Mai?

Axel Trautmann: Die Flug-Saison beginnt ja erst im April und ist zudem extrem vom Wetter abhängig. Gerade wir Pasewalker – sowie auch die Vereine aus Anklam, Schmoldow, Stralsund und Rostock – liegen doch sehr nah an der Küste. Da hängt es immer von der Windrichtung und -stärke ab, ob für unsere Piloten Leistungsflüge möglich sind. Bis heute wurden wir dahingehend nicht verwöhnt.

…Aber nun zum sportlichen Teil: Im Pasewalker LSC betreiben wir als Wettkampf-Sport den Segelflug und den Modellflug. Die Modellflieger bereiten sich noch auf die Höhepunkte im Jahr vor. Die Segelflieger sind am Anfang der Saison.

Wir beteiligen uns zurzeit an dezentralen Wettbewerben wie der Deutschen Meisterschaft im Streckensegelflug, die durch den Deutschen Aero Club (DAeC) deutschlandweit und unseren Landesverband – für Vereine unseres Bundeslandes – gewertet wird. Zudem beteiligen wir uns auf der Internetplattform „onlinecontest.org“ am Streckensegelflug- und Geschwindigkeitswettbewerb.

Für die Streckensegelflugwettbewerbe konnten wir bis heute 16 Flüge einreichen, darunter einen Flug über 489 Kilometer und einen Flug über 230 Kilometer und 6 Flüge über 100 Kilometer. Der Geschwindigkeitswettbewerb wird nur am Wochenende geflogen und startete am letzten April-Wochenende. An den 4 durchgeführten Runden konnten wir uns auf Grund des Wetters nur an 2 Runden beteiligen, wobei nur 3 Flüge gewertet wurden.

Frage: Wie bewerten Sie die Entwicklung der „Ueckerfalken“ in den letzten Jahren? Was waren die ganz besonderen Höhepunkte?

Axel Trautmann: Im Bereich Modellflug ist die Wettbewerbstätigkeit in den letzten Jahren konstant. Im Leistungssegelflug nimmt das Interesse , zu zentralen Wettbewerben zu fahren, immer mehr ab. Waren es vor 10 Jahren noch 7 Piloten, die an zentralen Wettbewerben teilnahmen, so war es im letzten Jahr nur noch ein Pilot.

Die Teilnehmerzahl an den dezentralen Wettbewerben ist relativ konstant und schwankt zwischen 20 bis 25. Die Anzahl der eingereichten Flüge und Streckenkilometer hat sich in den letzten 4 Jahren ebenfalls kontinuierlich reduziert. So erreichten wir 2013 noch 49500 Kilometer und 2017 nur noch 19200 Kilometer.

Unsere jugendlichen Segelflieger nehmen ab einem bestimmten Ausbildungsstand am Landesjugendvergleichsfliegen teil. Diese Wochenende ist dann für sie der absolute Höhepunkt. Die Besten des Vergleichsfliegens qualifizieren sich für das Bundesjugendvergleichsfliegen. Zwei unserer Jugendlichen konnten sich in den letzten Jahren dazu qualifizieren.

Frage: Gibt es eigentlich immer wieder „neue Gesichter“ und Sporttalente, die den Weg zu den „Ueckerfalken“ finden?

Axel Trautmann: Im Durchschnitt gewinnen wir jedes Jahr ein bis zwei Mitglieder jeweils in den Sektionen Segelflug und Modellflug hinzu. Es beenden aber auch genauso viele ihre Mitgliedschaft, so dass unser Verein im Schnitt 90 bis 100 Mitglieder in den Sektionen Segelflug, Motorflug und Modellflug verzeichnet.

Wir wünschen uns natürlich, dass vor allem mehr Jugendliche unserem Verein beitreten. Die Gebühren sind im Vergleich zu anderen Vereinen eher gering. Trotzdem war kaum ein Mitgliederzuwachs aus der Region um Pasewalk zu verzeichnen.

Frage: Vorpommern ist ja ohnehin – dank Otto Lilienthal – eine Hochburg des Fliegens in Deutschland. Welchen Stellenwert hat der Luftsport in Deutschland aus Ihrer Sicht?

Axel Trautmann: Der Luftsport in all seinen Formen ist eine technische Nischen-Sportart. Die Mitgliederzahl geht in den meisten Vereinen kontinuierlich zurück. Viele Jugendliche scheuen den Zeit- sowie Arbeitsaufwand. Die relativ lange Ausbildungszeit für Theorie und Praxis schreckt außerdem ab. In der Bevölkerung wiederum haben die Sportflieger ein hohes Ansehen.

In der kommunalen Verwaltung der umliegenden Städte und Gemeinden wird unsere Vereinsarbeit sehr geschätzt und bestmöglich unterstützt. Welchen Stellenwert der Luftsport aber in den höheren Ebenen der Verwaltung und Politik hat, darüber kann ich mir kein entsprechendes Urteil erlauben. Ich habe das Gefühl, dass bei Landes – und Bundespolitikern der Sachverstand über den Luftsport sowie das Wissen, welche Leute diesen Sport betreiben, sehr gering ist. Daher nehme ich an, dass sich Politiker nur von Ministerialbeamten beraten lassen und weniger von Fachgremien des Deutschen Aeroclubs. Ansonsten hätten wir mehr Differenziertheit im Hinblick auf aktuelle  Gesetze und Verordnungen, die den Luftsport betreffen.

Letzte Frage: Welche Wettkämpfe stehen für die „Ueckerfalken“ 2018 noch auf dem Programm?

Axel Trautmann: Die Segelflieger nehmen jährlich an den dezentralen Wettbewerben teil, wie schon eingangs erwähnt. Für andere Wettbewerbe hat sich bislang noch keiner bei mir gemeldet. Am Landesjugendvergleichsfliegen werden wir jedoch wieder vertreten sein.

Unsere Modellflieger richten jedes Jahr am letzten Juli-Wochenende einen Wettbewerb aus, bei denen es um die Erzielung der Höchstgeschwindigkeit über eine vorbestimmte Strecke geht, wie beim Pasewalker Speed Pokal. Dazu erwarten wir auch Teilnehmer aus anderen Bundesländern.

Vielen Dank und weiterhin bestes sportliches Engagement!

M.Michels