Pauline Schäfer – Foto: © DTB/ picture alliance

Turnstar Pauline Schäfer holten bei der EM in Polen Platz 6 am Schwebebalken. Nun ist die 22-Jährige Kader-Athletin ganz auf die WM und die Olympia-Quali fokussiert.

Ihr Paradegerät ist der Schwebebalken. Und das hat sie nun erneut unter Beweis gestellt. Pauline Schäfer, WM-Dritte von 2015 und Weltmeisterin von 2017, feierte nach einigem Verletzungspech im vergangenen Jahr ein weitgehend gelungenes Comeback im polnischen Stettin. Die anvisierte und erhoffte erste EM-Medaille blieb eine Woche vor Ostern dennoch aus. Noch in der Qualifikation sah es bestens aus für die Vorzeigeturnerin aus Chemnitz. Mit der höchsten Haltungsnote und 13,666 Punkten zog sie als Zweitplatzierte ins Finale ein. Nur die Italienerin Villa war besser.

Im Medaillenkampf dann der Patzer. Nach einigen Wacklern folgte ein Sturz vom nur 10 cm breiten Gerät. Zwar blieb de Konkurrenz auch nicht fehlerfrei, Edelmetall war für Schäfer aber vom Tisch. Am Ende reichte es für die 22-jährige Schäfer noch zu Platz 6. Mit den gleichen Punkten wie in der Quali wäre es die Silberne gewesen. Neue Europameisterin am Schwebebalken wurde die Britin Alice Kinsella vor den beiden Französinnen Melanie de Jesus dos Santos und Lorette Charpy.

Die anfängliche Enttäuschung ist aber schnell dem nötigen Optimismus gewichen. Auf ihrem Instagram-Profil weiß die gebürtige Saarländerin ihren Kampf zurück auf die internationale Bühne zu würdigen. „Jetzt heißt es das Ergebnis kurz verdauen und dann Vollgas Richtung WM“, schreibt Schäfer ihren Fans – Immerhin fast 30.000 Abbonenten.

Für MV-SPORT sprach Marko Michels mit Pauline Schäfer

„Versuche mich, auf das Wesentliche zu konzentrieren…“

Frage: Pauline, Chapeau zu Rang sechs bei den EM 2019. Wie verlief der Wettkampf aus deiner Sicht?

Pauline Schäfer: Die Qualifikation verlief sehr gut. Das hat mich sehr gefreut, da ich mich im Vorfeld der EM nicht optimal vorbereiten konnte. Ich hatte nämlich mit einer Zerrung und meiner Fußverletzung zu kämpfen. Im Finale konnte ich meine Leistung dann aus der Qualifikation leider nicht wiederholen, was sehr schade war.

Frage: Wie beurteilst du die EM insgesamt?

Pauline Schäfer: Die Organisation der europäischen Titelkämpfe war super. Die Wettkampfhalle und die Trainingshallen beurteile ich ebenfalls sehr positiv. Allerdings waren die Qualifikationswettkämpfe nicht gut besucht. Die Stimmung litt etwas darunter.

Frage: Wie sieht deine Vorbereitung auf das Wettkampf-Jahr 2019 aus?

Pauline Schäfer: Die Vorbereitung verlief – insgesamt betrachtet – so wie sonst auch. Dieses Jahr wird zwar etwas spektakulärer als die anderen zuvor, aber ich versuchte bzw. versuche mich, auch im Hinblick auf die WM in Stuttgart, auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Frage: Deine Ambitionen für Tokyo 2020?

Pauline Schäfer: Der erste Schritt nach Tokyo ist die geschaffte Qualifikation im Oktober in Stuttgart. Als Team wollen wir uns erst einmal qualifizieren!

Vielen Dank und weiterhin alles erdenklich Gute!


 

Symbolbild-Turnen

EXKURS

Olympia und Turnen – Einst auch aus MV-Sicht eine Erfolgsgeschichte

 

1968 bis 1972
Den Medaillen-Anfang für Mecklenburg-Vorpommern machte 1968 die gebürtige Rostockerin Marianne Noack. Mit der DDR-Riege gewann sie in Mexiko-City Olympia-Bronze. Bei den WM 1970 erkämpfte sie mit der Mannschaft Silber. Die ebenfalls in Rostock geborene Christine Schmitt (Jahrgang 1953) gehörte 1968 als Ersatz-Turnerin zur olympischen DDR-Turnauswahl. Ihren endgültigen internationalen Durchbruch feierte sie zwei Jahre später mit WM-Bronze auf dem Schwebebalken und Silber an der Seite von Marianne Noack. Silber mit der Mannschaft wurde es dann noch einmal bei Olympia 1972 in München.

In München 1972 gewann auch der Rostocker Reinhard Rychly Edelmetall. Mit der DDR-Mannschaft errang er Bronze hinter Japan und der Sowjetunion.

In Mexiko-City 1968 war Japan bei den Herren sowie Russland und die CSSR bei den Frauen die überragenden Turn-Nationen. Für Japan gab es 6 x Gold (insgesamt 12 Medaillen), für die UdSSR 5 x Gold (insgesamt 18 Medaillen) und für die CSSR 4 x Gold (insgesamt 6 Medaillen). Die Einzel-Mehrkämpfe gestalteten Vera Caslavska (CSSR-Damen) und Sawao Kato (Japan-Herren) siegreich.

In München 1972 dominierten die UdSSR (6 x Gold, 6 x Silber, 4 x Bronze), Japan (5 x Gold, 5 x Silber, 6 x Bronze) und die DDR (3 x Gold, 4 x Silber, 2 x Bronze). Die erfolgreichste Turnerin vor 40 Jahren war Olga Korbut, der erfolgreichste Turner Sawao Kato.

 

1980 bis 1988
In den 80ern setzten die Hoffmann-Brüder Lutz und Ulf – mit “Neustrelitzer Wurzeln” – die internationalen Kunstturnerfolge für M-V fort. Bei den Olympischen Spielen ’80 erturnte Lutz Hoffmann mit der DDR-Riege den 2. Platz. Sein jüngerer Bruder Ulf war dreimal auf einem Olympia- bzw. WM-Podest. Jeweils mit den DDR-Teams belegte er bei den WM 1985 und 1987 den Bronze-Rang; bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul gab es sogar Silber – die immer noch letzte olympische Medaille für die deutschen Turner im Mannschaftsmehrkampf.

Auch die Rostocker Turnerin Christine Thoms war bei den Spielen ’88 in Seoul dabei. Sie war Ersatz-Turnerin als die DDR-Damen Dritte wurden

In Moskau 1980 war die Sowjetunion das „Nonplusultra“ bei den Turnwettkämpfen (9 x Gold, 8 x Silber, 5 x Bronze), vor der DDR (2 x Gold, 3 x Silber, 6 x Bronze) und Rumänien (2 x Gold, 3 x Silber, 2 x Bronze). Nadia Comaneci, Alexander Ditjatin und Nikolai Andrianow waren 1980 die fleißigsten turnsportlichen Medaillensammler. In Los Angeles 1984 konnten die USA, China und Rumänien je fünf Goldmedaillen erkämpfen. Und in Seoul 1988 war die UdSSR unangefochten Turn-Land Nummer eins mit 11 x Gold, 5 x Silber, 3 x Bronze, vor Rumänien mit 9 Medaillen (davon 3 x Gold) und der DDR mit 8 Medaillen (davon einmal Gold).

 

Nach 1990
Weitere Turnerinnen aus Rostock konnten in den 90ern an olympischen Wettkämpfen teilnehmen. So Kathleen Kern-Stark, die 1992 und 1996 für den DTB startete und Jana Günther, die ’92 in Barcelona dabei war. Auch die “Vier-Tore-Stadt” Neubrandenburg hat mit Yvonne Pioch eine erfolgreiche Turnerin aufzuweisen. Die mehrmalige Deutsche Meisterin war bei Olympia 1996 am Start.

Sogar Ludwigslust kann eine klasse Turnerin aufweisen. Brigitte Kiesler war Olympionikin bei den Olympischen Spielen 1952 in Helsinki, wurde mit der Bundesrepublik Fünfte im Mannschaftsmehrkampf und Vierte in der Gruppengymnastik mit Handgeräten.

mic/pd