Von Tampere über Paris nach M-V: Der Ringkampfsport

Nach den Junioren-WM in Tampere ist vor den Elite-WM in Paris

Maik MiceraIn einigen olympischen Sportarten, so auch im Ringen, werden im August Weltmeisterschaften ausgetragen. Die Elite-WM „steigen“ dabei vom 21.August bis 26.August in Paris.

Zwischen Kadetten-EM 2017 in Sarajevo…

Zuvor waren die Ringkampf-Sportlerinnen und -Sportler, aus dem Nachwuchsbereich, jedoch noch bei den Kadetten-EM Ende Juli in Sarajevo gefordert und dann Anfang August bei den Junioren-WM in Tampere.

An beiden Großereignissen im internationalen Ringkampf-Sport nahmen auch Athletinnen und Athleten aus M-V teil, so bei den Kadetten-EM Josefine Purschke (SV Warnemünde) bzw. Karl Marbach (Greifswalder RV) und bei den Junioren-WM Andrej Ginc (SAV Torgelow / MV-SPORT berichtete), und bei den Junioren-Welt-Titelkämpfen Andrej Ginc (SAV Torgelow).

…und den Junioren-WM im Ringen 2017 in Tampere

Leider war das Losglück dem Torgelower Ringer in Tampere nicht hold und Andrej traf gleich im ersten Kampf in der Gewichtsklasse bis 60 Kilogramm des griechisch-römischen Stils auf den späteren Weltmeister Keramat Morad Abdevali aus dem Iran…

Die Ringer aus dem Iran dominierten insgesamt die acht Entscheidungen im griechisch-römischen Stil bei den JWM 2017, erkämpften 3 x Gold, 1 x Silber, 1 x Bronze. Die verbliebenen fünf Titel teilten sich die Türkei, Russland, die USA, die Ukraine und Georgien.

Für die deutschen Ringerinnen und Ringer gab es im griechisch-römischen Stil der jungen Herren die einzige Medaille in Tampere – durch Jan Zirn mit Bronze in der Gewichtsklasse bis 96 Kilogramm.

Im Freistil-Ringen der Junioren setzten Russland (4 x Gold, 1 x Silber, 1 x Bronze) und die USA (3 x Gold, 3 x Silber, 1 x Bronze) die sportlichen Akzente. Aserbaidschan war einmal erfolgreich.

Hingegen war im Freistil-Ringen der Juniorinnen Japan mit 4 x Gold, 1 x Silber die Top-Nation. Russland schaffte zweimal Gold, die USA und Kirgisien je einmal.

Nun wird es jedoch bei den Elite-Weltmeisterschaften im Freistil-Ringen der Frauen bzw. der Herren und im Klassik-Ringen der Herren Ende August in Paris spannend.

Wichtige ringkampfsportliche Herausforderungen in M-V

In Mecklenburg-Vorpommern gibt es bis Dezember 2017 auch noch einige wichtige Turniere und ringkampfsportliche Herausforderungen.

Am 14.Oktober wird der Ostseepokal, gleichzeitig das neunte Gedenk-Turnier an Reinhold „Otto“ Steingräber, in Rostock im Freistil-Ringen für die Jugend C/D/E bzw. die weiblichen Schüler veranstaltet. Es folgen unter anderem am 21.Oktober der Skoda-Cup in Demmin im Freistil-Ringen für die Schüler und am 16.Dezember das Weihnachtsturnier für die Jugend C/D im griechisch-römischen Stil in Torgelow. Drei Monate später, am 17.März 2018, wird dann das 25.Petermännchen-Turnier der Jugend B/C/D/E im Freistil-Ringen in Schwerin ausgetragen.

Bereits in etwas mehr als drei Wochen starten die Ringer des RV Lübtheen in die erste Bundesliga Süd-Ost 2017. Am 2.September müssen die Lübtheener auswärts beim TSV Westendorf ran. Den ersten Heim-Kampf der neuen Saison für den RV Lübtheen gibt es am 9.September gegen WKG Pausa-Plauen.

Exkurs: So kurz vor den Elite-WM im Ringen 2017 in Paris: Wie war das noch vor Jahresfrist, bei den olympischen Wettkämpfen im August 2016 in Rio?!

Die olympischen Wettkämpfe im Ringen waren nicht die große sportliche Offenbarung für die deutschen Athletinnen und Athleten. Gerade einmal eine Bronze-Medaille stand nach Abschluß der Wettkämpfe zu Buche. Da waren vorher auch andere Ziele gesetzt worden.

Russland am erfolgreichsten

In den Ringkampf-Konkurrenzen in Rio de Janeiro bestimmten Russen, Japaner, Kubaner und Amerikaner das sportliche Niveau maßgeblich mit. Russland wurde mit 4 x Gold, 3 x Silber, 2 x Bronze die erfolgreichste Ringer-Nation, vor Japan mit 4 x Gold, 3 x Silber, Kuba mit 2 x Gold, 1 x Silber und den USA mit 2 x Gold, 1 x Bronze.

Klassik-Ringen mit starken Kubanern

Im Klassik-Ringen waren die Kubaner am besten dabei, mit 2 x Gold, 1 x Silber. Russland kam auf 2 x Gold, 1 x Bronze. Ismael Borrero und Mijain Lopez siegten für die „Zucker- und Zigarren-Insel“ in den Gewichtsklassen bis 59 Kilogramm bzw. bis 130 Kilogramm. Die Russen Roman Vlasov und Davit Chakvetadze holten hingegen Gold in den Gewichtsklassen bis 75 Kilogramm bzw. bis 85 Kilogramm.

Im Klassik-Ringen bei den Herren gab es auch die einzige Medaille für das deutsche Team, mit Bronze durch Denis Kudla in der Gewichtsklasse bis 85 Kilogramm.

Freistil-Ringen der Herren: Russland, Iran und die Türkei bestens dabei

Im Freistil-Ringen der Herren waren erwartungsgemäß Russland mit 2 x Gold, 1 x Silber, der Iran bzw. die Türkei mit jeweils 1 x Gold, 1 x Silber, 1 x Bronze und Aserbaidschan mit 2 x Silber, 3 x Bronze die fleißigsten Medaillen-Sammler. Die Russen Soslan Ramonov und Abdulrashid Sadulaev kamen zu Gold in der Gewichtsklasse bis 65 Kilogramm bzw. in der Gewichtsklasse bis 86 Kilogramm. Der Iraner Hassan Yazdani jubelte über Gold in der Klasse bis 74 Kilogramm und der Türke Taha Akgül distanzierte die Konkurrenz in der Klasse bis 125 Kilogramm.

Freistil-Ringen der Frauen: Japanerinnen eine Klasse für sich

Bei den Freistil-Ringerinnen waren die Japanerinnen mit 4 x Gold, 1 x Silber die Dominatorinnen. Russland schaffte dort 2 x Silber, 1 x Bronze. Die japanischen Olympiasiegerinnen 2016 heißen dabei Eri Tosaka (Klasse bis 48 Kilogramm), Kaori Icho (Klasse bis 58 Kilogramm, zum vierten Mal Olympiasiegerin), Risako Kawai (Klasse bis 63 Kilogramm) und Sara Dosho (Klasse bis 69 Kilogramm).

Ringkampfsportliches Kalenderblatt vom April 2016: Ringen in Rostock-Warnemünde

Die Ringer-Hochburg Rostock-Warnemünde lebt und pulsiert / Nachgefragt bei Stefan Pentschew und Martin Buhz / Das Ringen zwischen Rostock-Warnemünde und Rio (Beitrag: 13.April 2016)

Rostock-Warnemünde und Ringen. Das ist seit Jahrzehnten eine Erfolgsgeschichte. Es gab die goldenen Olympia-Zeiten ebenso wie schwierige Entwicklungen, die mit Umstrukturieren zu DDR-Zeiten Mitte der 1970er Jahre zusammen hingen – wie auch mit der Wende-Zeit 1989-1990 und deren Folgen.

Trotz manchen Gegenwinds, trotz neuer Herausforderungen und trotz finanzieller Engpässe blieb die Ringer-Hochburg Rostock-Warnemünde erhalten, lebt und pulsiert – insbesondere dank ehrenamtlicher Enthusiasten.

Nachgefragt bei den Ringkampf-Assen Stefan Pentschew und Martin Buhz aus Rostock-Warnemünde

Stefan Pentschew und Martin Buhz über das Ringen in Rostock-Warnemünde im Wandel der Zeiten , das Warnemünder Traditionsturnier,  neue Herausforderungen, den Zuspruch junger Sport-Talente zum Ringen und das baldige olympische Turnier

„Die Kinder kommen wieder und trainieren mit Freude…“

Frage: Das Warnemünder Traditionsturnier fand in diesem Jahr zum 45.Mal statt… Welche Bedeutung und welchen Stellenwert hat dieses Turnier mittlerweile? Wie begann eigentlich alles?

Stefan Pentschew: Ich bin seit circa 35 Jahren Mitglied beim SV Warnemünde, Abteilung Ringen, und kenne das Turnier schon sehr lange. Früher fand es auf dem Sportplatz – direkt dort, wo jetzt die neue Halle steht – unter freiem Himmel statt. Da hatten wir dann mit starker Sonnen-Einstrahlung, heißen Planen, aber auch Regenschauern zu tun. Für Teilnehmer von außerhalb war dieser Start, 100 Meter vom Stand entfernt, immer ein Highlight.

Neben all den Kämpfen in der DDR-Liga und DDR-Oberliga hatte dieses Turnier immer einen freundschaftlichen Charakter. Sportler, die sich in der Liga gegenüberstanden und hart miteinander kämpften, kamen sich hier näher, es entwickelten sich Freundschaften. Viele Sportler und Vereine nutzten das Turnier für einen Kurzurlaub am Meer. Die Bedeutung war demzufolge immer hoch, aber wie gesagt – mit diesem freundschaftlichen Charme.

Frage: Rostock bzw. Warnemünde und das Ringen, das bedeutet Tradition, Begeisterung und Erfolge – gerade auch in olympischer Hinsicht. Wie beurteilen Sie die rinkampfsportliche Entwicklung in Rostock, in M-V seit den ganz großen Erfolgen und Medaillengewinnen der 1960er und 1970er Jahre?

Stefan Pentschew: Diese Entwicklung ist sehr mit politischen Entscheidungen und Umbrüchen verbunden. Als Jahrgang 1972 habe ich da sicherlich nicht komplett alle Informationen. Das Ringen in Rostock hatte tatsächlich den Höhepunkt Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre  Jahre mit den zwei Olympiasiegern Rudolf Vesper und Lothar Metz.

Durch die Entscheidung zur Verlegung der Kinder- und Jugendsportschule von Rostock nach Frankfurt wurde der Strom der talentierten Ringer umgeleitet. Heinz-Helmut Wehling war dann wohl das erste große Talent, welches zumindest einen Teil der Erfolge (bis 1976 ASK Vorwärts Rostock, ab 1977 für den ASK Vorwärts Frankfurt an der Oder startend) erzielt hat. So blieben die Erfolge im Männer-Bereich nur den Betriebssportgemeinschaften vorbehalten und hier hauptsächlich bei den Besten-Ermittlungen.

Erst mit der politischen Wende und der Entscheidung, junge Sportler in M-V weiter zu trainieren, sind wieder Erfolge im nationalen Männer-Bereich zu verzeichnen gewesen. Jedoch führte die Wende dazu, dass demographisch weniger Kinder vorhanden sind, dem gegenüber jedoch ein wesentlich breiteres Spektrum an Möglichkeiten, was die Freizeitgestaltung angeht, steht.

Es ist leider schwer, Kinder für diesen schönen Sport zu begeistern. Es wird wohl eine Randsportart bleiben. In den letzten Jahren haben unsere Veteranen aus Rostock und Warnemünde national und international die Fahnen hoch gehalten. Dieses Jahr sind wir überglücklich mit den Ergebnissen der weiblichen Jugend.

Frage: Wie ist Ihre Meinung zum Zuspruch der jungen Sport-Talente zum Ringen in Rostock und in Warnemünde?

Stefan Pentschew: Nach schwierigen Jahren, mit sehr wenig Kindern, haben wir uns zurzeit mit einem Team von Trainern und Kindern stabilisiert. Aufgrund der Anzahl der Kinder ist es hier notwendig, vereinsübergreifend zusammenzuarbeiten. Auf anderem Weg werden wir uns nicht erfolgreich etablieren können.

Die Kinder kommen und trainieren mit Freude, sehen natürlich auch gerne eine Belohnung in Form von Urkunden und Medaillen. Wir müssen versuchen, unsere Sportart mehr in den Fokus zu rücken, um noch mehr Nachwuchssportler gewinnen zu können.

Frage: Bei Veteranen-WM sind Rostocker und Warnemünnder oft erfolgreich? Wann sind die nächsten Welt-Titelkämpfe für die Reiferen? Welche Chancen rechnen Sie sich aus?

Stefan Pentschew: Hier heißt es, immer fleißig zu trainieren und körperlich fit zu sein. Mit etwas Glück können wir auf eine funktionierenden Männer-Gruppe blicken, die die Möglichkeit hat, viermal in der Woche auf der Matte zu trainieren. Auch hier wird vereinsübergreifend gearbeitet. Der Erfolg liegt dann tatsächlich in einer Art Gemenge-Lage aus körperlicher Verfassung, Glück und Cleverness…

Vielen Dank, weiterhin bestes Engagement für den Ringersport und maximale Erfolge!

… Weitere Infos zum Ringen und M-V

Achtmal Olympia-Gold für deutsche Ringer

Deutschland kommt im Ringen bei Olympia auf die Bilanz von 8 x Gold, 25 x Silber, 18 x Bronze, wobei hinzuzufügen ist, dass Alexander Leipold olympische Gold 2000 im Weltergewicht (Freistil) erkämpfte, ihm dieses aber wegen erhöhter Nandrolonwerte, deren Ursachen auch natürliches Ursprungs sein konnten, aberkannt wurde. Keine faire Entscheidung seinerzeit.

Die ringsportlichen Olympiasiege im Ringen erkämpften aus deutschem Blickwinkel Carl Schuhmann (1896, Gewichtsklasse ohne Limit), Kurt Leucht (1928, griechisch-römisch, Bantamgewicht), Jakob Brendel (1932, griechisch-römisch, Bantamgewicht), Wilfred Dietrich (1960, Freistil, Schwergewicht), Rudolf Vesper (1968, griechisch-römisch, Weltergewicht), Lothar Metz (1968, griechisch-römisch, Mittelgewicht), Pasquale Passarelli (1984, griechisch-römisch, Bantamgewicht) und Maik Bullmann (1992, griechisch-römisch, Halbschwergewicht).

Natürlich waren Ringer aus M-V auch bei Olympia bestens präsent

Dazu gehören logischerweise ebenfalls die bereits erwähnten Lothar Metz, Rudolf Vesper und Heinz-Helmut Wehling… Lothar Metz, 1939 in Meerane geboren, vom ASK Vorwärts Rostock nahm viermal an Olympischen Spielen von 1960 bis 1972 im griechisch-römischen Stil teil und seine Bilanz ist „atemberaubend“: 1 x Gold, 1 x Silber und 1 x Bronze, wobei er in Mexico-City`68 die Goldmedaille errang. Metz` Klubkollege Rudolf Vesper,  auch Jahrgang 1939, war hingegen zweimal Olympionike: 1964 und 1968.

1964 noch „Lehrling“ (Achter) wurde Rudolf Vesper ebenfalls 1968 „olympischer Meister“.

Zwar ohne Medaillengewinn trotz guter Leistungen blieb der in Teusin bei Demmin geborene Klaus Pohl, der bei Olympia 1968 (Leichtgewicht, GR) und 1972 (Weltergewicht, GR, 7.Platz) startete.

Weitere Medaillen für M-V unter den „fünf Ringen“

Olympia-Bronze für den späteren Weltmeister (1977) gab es für Heinz-Helmut Wehling vom ASK Vorwärts Rostock bei den Spielen 1976 in Montreal. Zuvor, bei Olympia 1972, hatte er schon Silber erkämpft.

Hervorragende Platzierungen bei Olympischen Spielen erreichte auch Roland Gehrke. Dieser „schrammte“ zweimal ganz, ganz knapp an einer Medaille (im Superschwergewicht, Freistil) „vorbei“: In Montreal 1976 und in Moskau 1980 wurde er jeweils Vierter. Hans-Dieter Brüchert wurde 1976 in der Klasse bis 57 kg im Freistil-Ringen olympischer Silbermedaillen-Gewinner.

Mit vorderen Olympia-Platzierungen für MV

Dietmar Hinz, Jahrgang 1953 mit Geburtsort Loitz, schaffte im Halbfliegengewicht in Montreal 1976 Platz fünf. Der gebürtige Rostocker Otto Steingräber, Jahrgang 1957, war Olympia-Teilnehmer 1980 in Moskau (Weltergewicht, Freistil). Des Weiteren nahmen Armin Weier aus Vorbein (1980, Mittelgewicht, Freistil), Olaf Koschnitzke aus Grevesmühlen (1988, Halbschwergewicht, griechisch-römisch), Olaf Brandt aus Greifswald (1992, Fliegengewicht, griechisch-römisch) und Rene Schniekel aus Lübz (1996, Superschwergewicht, griechisch-römisch, 6.Platz) an Olympia teil.

Ganz knapp kämpfte sich der gebürtige Anklamer John Roland Redman, für die USA startend, bei den Olympischen Spielen 1920 in Antwerpen an einer Medaille (Leichtschwergewicht, Freistil) vorbei. Er wurde Vierter.

Marko Michels

Foto (Maik Micera): Impression von den Norddeutschen Titelkämpfen 2017 in Schwerin.

 

 

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