Nachgefragt bei Deutschlands Erfolgs-Speerwerferin Katharina Molitor

Der 8.August 2017 war leider nicht so ganz der Tag der Katharina Molitor. Die Speerwurf-Weltmeisterin von 2015 in Peking konnte ihren Titel leider nicht verteidigen. Es gab auch keine Medaille. Es wurde jedoch ein achtbarer siebenter Rang. Die Speerwurf-Weltmeisterin von London 2017 kam aus Tschechien: Barbora Spotakova verwies die Chinesinnen Li Lingwei bzw. Lü Huihui und die Kroatin Sara Kolak, die Olympiasiegerin 2016, auf die Plätze zwei, drei und vier.

Auch wenn es nicht zur ersehnten WM-Medaille reichte, Respekt hat die Leistung von Katharina Molitor verdient, die so ungemein knapp, fast schon unmenschlich knapp Olympia 2016 verpasste…

Foto (Michels): Im Olympiastadion von Berlin findet 2018 die Leichtathletik-EM statt.

In Erinnerung bleiben jedoch ohnehin die großartigen Erfolge ihrer Karriere, ob die Silbermedaille bei den U 23-EM 2005, die drei Deutschen Meistertitel 2010, 2015 bzw. 2017, sogar ihre volleyballsportlichen Einsätze für das Leverkusener Team oder eben der goldene 30.August 2015 in Peking, als Katharina WM-Gold vor Lü Huihui (China), Sunette Viljoen (Südafrika) und Christina Obergföll (LG Offenburg) gewann. Die EM 2018 in Berlin könnte noch einmal ein großer Höhepunkt für Katharina werden.

Es war erst der dritte WM-Titel für eine deutsche Speerwerferin nach der gebürtigen Rüganerin Steffi Nerius 2009 und Christina Obergföll 2015. Geboren wurde atharina Molitor übrigens 1983, als die ersten Leichtathletik-WM der Sportgeschichte überhaupt, in Helsinki, stattfanden und die Finnin Tiina Lillak WM-Gold erkämpfte…

Überhaupt hat Deutschland ja eine große Tradition in puncto Speerwerfen der Frauen, holten doch 1936 Tilly Fleischer, 1972 bzw. 1976 die einstige Wahl-Güstrowerin Ruth Fuchs, 1988 Petra Felke und 1992 Silke Renk olympische Goldmedaillen in dieser Disziplin.

Wie lautet nun aber der persönliche WM-Rückblick 2017 von Katharina Molitor? Welche weiteren Ziele hat sie?

Interview

„Die Heim-EM 2018 in Berlin sind noch einmal ein schönes Ziel…“

Frage: Nach dem WM-Gold 2015 nun WM-Rang sieben 2017… Wie verlief der 2017er Wettkampf aus Ihrer Sicht – einschließlich der Quali?!

Katharina Molitor: Die Quali verlief sehr gut. Sie hat die Trainingsergebnisse der letzten Einheiten bestätigt und ich war sehr zufrieden. Leider verlief der Haupt-Wettkampf dann nicht mehr ganz so gut.

Schon das Einwerfen draußen war nicht ganz so spritzig wie in der Quali. Trotzdem hatte ich ein gutes Gefühl, als ich ins Stadion gegangen bin. Nach der Quali befürchtete ich ein wenig, dass die nötige Spannung vielleicht fehlt, aber es gab schon eine „gesunde“ Nervosität und Anspannung.

Der zweite Versuch war ja auch ganz gut. Hätte ich da den Arm noch ein bisschen mehr Länge gegönnt, wäre es sicherlich auch ein Stück weiter gegangen. Danach versuchte ich wirklich alles, aber mir fehlte einfach die Kraft. Ich habe richtig gespürt, dass es langsamer wurde. Warum das passiert ist, weiß ich leider nicht.

Frage: Wie waren die Wettkampf-Bedingungen aus Ihrer Sicht?

Katharina Molitor: Es war schade, dass es den Einwurf-Platz von den Olympischen Spielen nicht mehr gab. Das hätte die Wege etwas verkürzt, aber es war alles noch im Rahmen. Zum Finale wurde es dann doch recht frisch.

…Dass man beim Höhepunkt im Sommer von der Daunenjacke Gebrauch macht, ist auch eher selten. Aber die Briten sind sehr gut organisiert und das Stadion ist top. Dazu kam noch eine gigantische Stimmung, so dass man über das Wetter hinwegsehen konnte. Die Bedingungen waren also gut.

Frage: Wie verlief die WM-Vorbereitung insgesamt betrachtet? War alles optimal?

Katharina Molitor: Wenn man die Saison vom ersten Winter-Training bis zum letzten Training vor der Saison betrachtet, hätte es sicherlich besser laufen können. Die Pause vom letzten Wettkampf 2016 bis zum ersten Training für die Saison 2017 war schon recht lang, so dass ich das Gefühl hatte, von einem schlechteren Ausgangsniveau als die Jahre zuvor zu starten.

Dann kamen leider immer wieder leichte Infekte dazu, die mich zu Trainingspausen bzw. abgespeckten Einheiten zwangen. Besonderen Einfluß hatte aber sicherlich die Entzündung im Ellbogen, durch die ich mehrere Wochen nicht werfen und kaum Krafttraining machen konnte.

Die letzten Trainingswochen vor der WM verliefen dann aber endlich so, wie ich mir das vorgestellt hatte.

Frage: Wie geht es jetzt für Sie weiter? Welche sportlichen Ambitionen haben Sie noch? Ist Tokyo 2020 eventuell noch ein Thema?

Katharina Molitor: Nein, Tokyo 2020 ist für mich kein Thema mehr, die Heim-EM in Berlin im nächsten Jahr sind noch einmal ein schönes Ziel und dann hoffentlich auch ein schöner Abschluss.

Letzte Frage: Welche beruflichen Perspektiven möchten Sie – mit Blick in die Zukunft – realisieren?

Katharina Molitor: Da ich mir zu viel Zeit mit meinem Studium gelassen habe, musste ich mich jetzt noch einmal umschreiben, aber jetzt soll es das Grundschullehramt für die Zukunft werden.

Vielen Dank, dann eine schöne Abschluß-Saison 2018 und weiterhin alles erdenklich Gute!

Marko Michels