Teilnehmer der Endrunde bei den Fußball-WM der Herren 2018 stehen fest…

Lasst die Fußbälle auch 2018 fliegen! Foto: M.M.

Endlich ist alles klar. Die 32 Endrunden-Teilnehmer der Fußball-WM der Herren vom 14.Juni 2018 bis 15.Juli 2018 in Russland stehen fest.

64 Partien auf dem WM-Plan

64 Begegnungen werden notwendig sein, bis der 21.Fußball-Welmeister der Sportgeschichte feststehen wird. Am 15.Juli 2018 steigt im modernisierten Olympiastadion Luschniki in Moskau das WM-Finale. 38 Jahre zuvor hatte es dort, am 2.August 1980, das olympische Finale im Fußball zwischen der Tschechoslowakei und der DDR gegeben, das 1:0 für die CSSR endete. Gold ging an die Tschechoslowaken und Silber an die Ost-Deutschen mit den Rostockern Bernd Jakubowski bzw. Norbert Trieloff und dem Schweriner Wolf-Rüdiger Netz.

Die Gesamt-Deutschen 2018 dürften indes auf das fünfte WM-Gold einer deutschen Auswahl hoffen.

Europa mit dem größten Kontingent

Unter den fünf Kontinenten stellt Europa das größte Kontingent mit vierzehn Teams. So sind für den „alten Kontinent“ Deutschland, Russland, Frankreich, Schweden, Belgien, Island, die Schweiz, Dänemark, Kroatien, Serbien, Polen, Spanien, England und Portugal am Start.

Für den amerikanischen Doppel-Kontinent hoffen acht Teams auf bestmögliche Resultate, so Argentinien, Brasilien, Kolumbien, Uruguay, Peru, Costa Rica, Mexiko sowie Panama. Aus Afrika sind Ägypten, Marokko, Nigeria, der Senegal und Tunesien dabei.

Der Iran, Japan, Saudi-Arabien und Südkorea vertreten den asiatischen Kontinent. Und für Australien-Ozeanien tritt der Australische Bund (qualifizierte sich jedoch als Mitglied der Asian Football Confederation) an.

Bis auf Italien alle bisherigen Titelträger dabei

Von den bisherigen Titelträgern der zwanzig WM-Endrunden qualfizierten sich für „Russia 2018“ Brasilien (WM-Gold 1958, 1962, 1970, 1994 und 2002), Deutschland (WM-Gold 1954, 1974, 1990 und 2014), Uruguay (1930 und 1950), Argentinien (1978 und 1986), England (1966), Frankreich (1998) und Spanien (2010). Der vierfache Weltmeister Italien (1934, 1938, 1982 und 2006) scheiterte in der Qualifikation, in den Play-offs, an Schweden.

Gruppen-Auslosung Anfang Dezember

Am 1.Dezember 2017 erfolgt dann in Moskau die Auslosung der acht Vorrunden-Gruppen mit den Spielorten Moskau, Jekaterinburg, Kaliningrad, Kasan, Sotschi, Nischni Nowgorod, Rostow am Don, Samara, Saransk, Sankt Petersburg und Wolgograd.

Das globale Fußball-Geschehen und M-V

Bei globalen Turnieren, wie bei Olympia und bei WM, erreichten deutsche Teams mit Spielern aus M-V oftmals sehr gute bis erstklassige Ergebnisse.

Ein Rostocker Quartett erobert (fast) den Fußball-Olymp 1964

So waren die Rostocker Kicker Wolfgang Bartels, Jürgen Heinsch, Herbert Pankau und Klaus Dieter Seehaus bei den Olympischen Spielen 1964 nicht nur Teilnehmer, sie konnten sogar die Bronzemedaille erkämpfen. Herbert Pankau sowie Klaus-Dieter Seehaus wurden viermal in WM-Qualifikationen der DDR-Auswahl eingesetzt und wussten dabei gegen Teams wie zum Beispiel Italien oder Wales zu überzeugen.

Wolfgang Bartels hatte zwei Einsätze in der DDR-Mannschaft und Torwart Jürgen Heinsch stand siebenmal im DDR-Gehäuse. Hans-Ulrich “Sprotte” Grapenthin aus Wolgast (als Ersatz-Torhüter auch Olympiasieger 1976) stand 21 Mal im DDR-Tor und der Rostocker Goalie Bernd Jakubowski errang 1980 Olympia-Silber, ebenso wie der gebürtige Schweriner Stürmer Wolf-Rüdiger Netz und ein weiterer gebürtiger Rostocker, Norbert Trieloff. Der Vorpommer Erich Hamann, 1944 in Pasewalk geboren, der unter anderem für Pasewalk, Greifswald, Neubrandenburg und Frankfurt/Oder spielte, war einer der WM-Helden von 1974.

Zwei (Endrunden) auf einen „Streich“ plus einen Kische

Olympische als auch WM-Endrunden-”Luft” konnten in den 1970ern Joachim Streich und Gerd Kische genießen. Streich erkämpfte 1972 bei den Olympischen Spielen 1972 in München die Bronzemedaille mit der DDR-Equipe. Kische holte 1976 in Montreal mit dem vor rund zehn Jahren verstorbenen Nationaltrainer Georg Buschner gar Olympia-Gold. In der bronzenen Olympia-Auswahl der DDR 1972 stand mit Dieter Schneider als Ersatz-Torwart ein weiterer Hansa-Spieler.

Ein besonderes Erlebnis war dabei 1972 das innerdeutsche Duell DDR gegen das DFB-Team von Trainer Jupp Derwall, in dem solche starken Spieler wie Uli Hoeneß, der heutige Bayern-Manager, Jürgen Kalb, der bekannte Sportjournalist, und der frühere erfolgreiche Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld, eingesetzt wurden. Das Spiel war ausgeglichen und von enormer Spannung. Joachim Streich konnte in der 53.Minute – nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich von Uli Hoeneß – sogar die 2:1-Führung erzielen. Zwar kam die DFB-Auswahl dank Ottmar Hitzfeld noch einmal zum Ausgleich, aber in der 82.Minute “setzte” Eberhard Vogel dann den 3:2-Siegtreffer für die DDR.

Stark präsentierte sich die DDR-Elf zwei Jahre später zudem bei der WM-Endrunde 1974 in der Bundesrepublik, die mit dem Erfolg von Deutschland-West endete. In der Vorrunde gab es den legendären 1:0-Sieg gegen das Team um Franz Beckenbauer, wobei der Pasewalker Erich Hamann den “tödlichen Pass” auf Jürgen Sparwasser gab, ein 1:1 gegen Chile und einen 2:0-Triumph gegen Australien (mit einem Treffer von Joachim Streich). In der Zwischenrunde war die Konkurrenz aus Brasilien (0:1) und Holland (0:2) allerdings überlegen.

Gegen Argentinien konnte das Team von Joachim Streich und Gerd Kische beim 1:1 aber gut mithalten (zumal Streich hier seinen zweiten WM-Treffer erzielte) und belegte in der WM-Endabrechnung einen hervorragenden 6.Platz. Gerd Kische wurde bei der WM 1974 sechsmal und Joachim Streich viermal eingesetzt.

Von Wismar via Rostock nach Magdeburg

Joachim Streich wurde übrigens im April 1951 in Wismar geboren und spielte zunächst für Aufbau Wismar bzw. für die TSG Wismar (bis 1967), ehe er dann von 1967 bis 1975 für Hansa Rostock erfolgreich war. Zwischen 1975 und 1985 kickte der Wismarer Fußball-Akteur dann für Magdeburg. Von 1969 bis 1983 war Streich auch in der DDR-Nationalmannschaft der Top-Stürmer (98 A-Länderspiele plus 4 Olympiaspiele mit 55 Toren.

Heino Kleiminger, der Mann mit dem „Tor-Instinkt“

Neben zum Beispiel Fritz Laband, den einstiger Anker Wismar-Spieler und Fußball-Weltmeister 1954, Joachim Streich oder Carsten Jancker, der einst bei der TSG Wismar mit dem Fußballspielen anfing,  hat die Weltkulturerbe-Stadt Wismar auch einen weiteren Fußballspieler der Sonderklasse in ihren Reihen, der 1963 sein Länderspiel-Debüt gab: Heino Kleiminger wurde am 3.Februar 1939 in Wismar geboren und sollte zwischen 1955 und 1974 die Fußball-Arenen nicht nur in seiner Geburtsstadt Wismar, sondern dann zwischen 1956 und 1969 beim FC Hansa Rostock und sogar bei Länderspiel-Einsätzen mit seinem Tor-Instinkt bereichern.

In 186 Oberliga-Spielen für den FC Hansa Rostock erzielte Kleiminger 62 Tore. Auch bei seinen Länderspieleinsätzen war er stets der “Mann mit dem Tor-Riecher”.

Der Sensations-Sieg 1964 gegen die SU

Höhepunkte in seiner Karriere waren zweifellos die neun Einsätze in der DDR-Olympia-Auswahl. In Warschau 1964 erzielte er beim sensationell hohen 4:1-Erfolg der DDR in der Olympia-Quali gegen die damalige UdSSR “sein Tor”. Die DDR-Olympia-Auswahl im Fußball konnte letztendlich im Olympia-Turnier 1964 in Tokyo Bronze erkämpfen – leider ohne Heino Kleiminger. Da er sich im Vorfeld verletzte, erlebte er Olympia 1964  nur vor dem TV-Bildschirm. Seine Rostocker Kollegen Jürgen Heinsch, Klaus-Dieter Seehaus, Wolfgang Barthel und Herbert Pankau konnten hingegen Bronze in Empfang nehmen.

Seine aktive Zeit ließ Heino Kleiminger zwischen 1970 und 1974 bei der TSG Wismar ausklingen. Er selbst blieb natürlich seiner Geburtsstadt, dem FC Hansa und dem Fußballsport allgemein, unter anderem als Übungsleiter oder Trainer, verbunden.

M-V bei Fußball-WM von 2002 bis 2014

Bei den Fußball-WM der letzten 15 Jahre, 2002 in Japan/Südkorea, 2006 in Deutschland, 2010 in Südafrika bzw. 2014 in Brasilien sowie beim Olympia-Turnier 2016 in Rio setzten auch MV-Fußballspieler deutliche Akzente.

Carsten Jancker gewann mit der DFB-Auswahl 2002 WM-Silber, der gebürtige Neubrandenburger Tim Borowski schaffte bei der Heim-WM 2006 mit der deutschen Auswahl Bronze und der gebürtige Greifswalder Toni Kroos kam 2010 zu Bronze und jubelte 2014 über den vierten WM-Titel einer deutschen Herren-Nationalmannschaft.

Toni Kroos war bei der WM 2014 der beste Spieler des Turniers. Und auch für die WM 2018 in Russland gehört er zu den maßgeblichen Leistungsträgern. Beim Olympia-Turnier im Herren-Fußball vor einem Jahr, 2016 in Rio, belegte übrigens der ehemalige FC Hansa Rostock-Spieler Max Christiansen mit der deutschen Mannschaft Rang zwei.

Marko Michels