Ulrich Creuznacher vom TSV Rostock Süd über Vergangenes und Kommendes im Tischtennis 2018

Tischtennis Symbolfoto

Symbolfoto Tischtennis

Einige internationale Tischtennisturniere 2018 sind bereits Vergangenheit, darunter die Team-WM Anfang Mai im schwedischen Halmstad. Einen großartigen 2. Platz sicherten sich dort die deutschen Herren um Timo Boll und Dimitrij Ovtcharov. Die Damen belegten indes Platz 9.
Der kontinentale Höhepunkt im Tischtennis, die EM in Alicante, steht dann im September auf dem Programm. Einen Monat später folgen die Olympischen Jugend-Spiele in Buenos Aires.

Auch in M-V war es tischtennissportlich bereits spannend in diesem Jahr, so bei den Landesmeisterschaften in Parchim oder bei den Landespokal-Turnieren in Ribnitz-Damgarten.

Nachgefragt

Ulrich Creuznacher vom TSV Rostock Süd über das erste sportliche Drittel im Tischtennis 2018, die Ergebnisse bzw. die Erfolge seines Vereines bei den verschiedenen Turnieren sowie Meisterschaften, die WM in Halmstad, die weiteren sportlichen Ziele des TSV Rostock Süd 2018 und die kommenden Turniere im Tischtennis in M-V

„Wir tanzen wieder auf vielen (Tischtennis-)Hochzeiten…“

Frage: Herr Creuznacher, das Sportjahr 2018 ist auch schon zu einem Drittel vorbei. Wie lautet das Resümee zu ersten vier Monaten 2018 aus Rostocker, Mecklenburger und deutscher Sicht?

Ulrich Creuznacher: Aus Rostocker Sicht war viel los. An erster Stelle sind die Landesmeisterschaften zu nennen, die aus Vereinssicht wirklich klasse waren. Hier schaffte es Sven Stürmer  bei den Herren als erster Tischtennis-Spieler überhaupt den Titel-Hattrick (2016-2018) und holte seinen insgesamt vierten Titel.

Rekordsieger bleibt allerdings Mathias Wähner (neun Titel), der Stürmer im Finale unterlag. Nachwuchs-Ass Til Puhlmann (mit 23 Titeln Rekordhalter im Nachwuchsbereich) gewann hingegen seinen ersten Titel im Erwachsenen-Bereich (Mixed).

Von den Landesmeisterschaften der Senioren brachten die Rostockerinnen bzw. Rostocker, wie schon in den vorigen Jahren, jede Menge Medaillen mit, verteilt über fast alle teilnehmenden Rostocker Vereine.

Noch bemerkenswerter war dann aber das Abschneiden der Rostocker Tischtennis-Oldies bei den folgenden Norddeutschen Meisterschaften. Am Ende gingen 23 Medaillen nach M-V, davon 15 nach Rostock (2 x Gold, 4 x Silber, 9 x Bronze) – beides ein Rekord in der Geschichte des Wettbewerbs.

Weitere Premieren inklusive: Marion Geselle (TSV Rostock Süd) gewann als erste Frau aus M-V überhaupt Gold im Einzel. Gleiches gelang ihrer Vereinskameradin Ute Dudek, die im Doppel der Altersklasse 40 mit Antje Audörsch aus Hagenow ebenso für den ersten MV-Titel in dieser Altersklasse sorgte.

Die erste Herren-Mannschaft des TSV Rostock Süd schaffte ihrerseits Historisches, da es als erstes MV-Team überhaupt die Meisterschaft in der Oberliga für sich entschied und in der kommenden Saison in der Regionalliga Nord, der viert höchsten Spielklasse Deutschlands, aufschlagen wird – wieder mit dem bewährten Rostocker Lokalkolorit im Team.

Bei den Deutschen Meisterschaften der Behinderten gewann mit René Graumann (TSV Rostock Süd) ebenso erstmals ein Rostocker eine Medaille – Bronze im Doppel der Wettkampfklasse AB.

National drückte Timo Boll dem Tischtennis einmal wieder seinen Stempel auf. Als ältester Spieler übernahm er im März die Spitzenposition in der Weltrangliste – 15 Jahre nach seiner letzten „Regentschaft“ – auch das ist einmalig. Hinzukam Bolls zwölfter Triumph bei den Deutschen Meisterschaften. Mit seinem Team gewann der Ausnahmespieler zudem den Pokal, die Meisterschaft und steht im Halbfinale der Champions League.

Bei den Frauen ist etwas „der Wurm drin“ – viele Verletzungen, erfüllte Kinderwünsche und Startverbote für eingebürgerte chinesische Topstars (Han Ying, Shan Xiaona) bestimmen das aktuelle Bild. Das Abschneiden bei den kürzlich zu Ende gegangenen Team-Weltmeisterschaften – knappes Achtelfinal-Aus gegen Österreich – ist da als Erfolg zu werten.

Deutschlands Vorzeige-Mannschaft der letzten 5-6 Jahre, der „ttc eastside Berlin“ (4 x Deutscher Meister und Champions League Sieger, 5 x Deutscher Pokalsieger und viele andere Titel mehr), schwächelt derzeit, unter anderem wegen der erwähnten Probleme.

Frage: Die Team-WM 2018 sind bereits abgehakt… Wie bewerten Sie – zwei Jahre vor dem olympischen Turnier in Tokyo – das internationale Kräfteverhältnis im Tischtennis?

Ulrich Creuznacher: Chinas Männer hatten einen Durchhänger im Schlussviertel des letzten Jahres, sind aber umso dominanter zurückgekommen, nicht erst jetzt zur Team-WM. Offensichtlich ist die Unruhe, die in dem genannten Zeitraum entstanden war, durch den vorgenommenen Austausch der sportlichen Führungsriege beseitigt worden.

Deutschlands Herren hatten im Team-WM-Finale nicht den Hauch einer Chance, waren allerdings auch nicht auf ihrem absoluten Leistungshöhepunkt, vor allem  wegen der Verletzungen einiger Spieler. Japan, Südkorea und Deutschland bleiben die ärgsten Verfolger, allerdings nun wieder mit mehr Abstand als erhofft. Bei den Damen ist das Bild ähnlich. Fazit: Eine Wachablösung ist (leider) nicht in Sicht.

Frage: Von der WM in Halmstad zurück zum Tischtennis in Rostock… Welche weiteren Ziele hat der TSV Rostock Süd in diesem Jahr noch?

Ulrich Creuznacher: Wir „tanzen“ wieder „auf vielen Hochzeiten“. Die Herren starten ins Abenteuer Regionalliga. Dazu reaktivieren wir den überregionalen Damen-Spielbetrieb wieder – nach zehn Jahren. Dazu wollen wir die Nachwuchsarbeit weiter forcieren und hoffen, etliche Rostocker Talente weiter an die Landesspitze im Nachwuchs- bzw. Erwachsenen-Spielbetrieb und  langfristig darüber hinaus zu bringen. Dazu zählt auch die Initiierung und Reaktivierung von Leistungsgruppen, Lehrgängen und Trainingslagern.

Letzte Frage: Wann ist der nächste Tischtennis-Höhepunkt in M-V?

Ulrich Creuznacher: Alle Ligen sind beendet, die Sommerpause rückt unausweichlich näher. Die letzten Höhepunkte waren die Norddeutschen Senioren-Mannschaftsmeisterschaften, bei denen die Rostocker Süd-Senioren der Altersklasse 40 Silber gewannen, die 50er Bronze knapp verpassten bzw. die Frauen des SV Medizin Stralsund in der Altersklasse 60 Bronze und in der Altersklasse 70 den Titel gewannen.

Es folgen jetzt noch die Bezirksranglistenturniere aller Nachwuchsklassen (Altersklassen U 10, U 12, U 14 und U 17), die Deutsche Meisterschaften der Leistungsklassen mit zwei Rostocker Starterinnen sowie die Senioren-Weltmeisterschaften in Las Vegas mit einer kleinen Rostocker Delegation. Der erste Höhepunkt in der kommenden Saison wird das alljährliche Landespokalturnier in Schwerin (8./9. September) sein – der allgemein erste Härtetest nach der Sommerpause. Bei den Nachwuchsspielerinnen bzw. -spielern sind dann schon die Landesranglisten gespielt.

Vielen Dank und weiterhin bestes Engagement für den Tischtennissport!


 

Rückblick auf die Team-WM vom 29. April bis 6. Mai 2018 in Halmstad

Bei den Damen setzte sich im Finale China gegen Japan mit 3:1 durch. Gemeinsame Dritte wurden die Teams aus Hongkong und Korea. Die deutschen Frauen hatten in der Vorrunden-Gruppe D hinter Südkorea bzw. Hongkong und vor Thailand, Luxemburg bzw. Brasilien Rang drei belegt. So verloren die deutschen Spielerinnen um Petrissa Solja gegen Südkorea mit 2:3 sowie gegen Hongkong mit 1:3 und gewannen gegen Thailand mit 3:1, Luxemburg mit 3:0 und Brasilien ebenfalls mit 3:0. Im Achtelfinale war dann gegen Österreich knapp mit 2:3 leider Endstation.

Ein historisches Ereignis gab es im Viertelfinale. Eigentlich sollten hier die Teams aus Süd- und Nordkorea gegeneinander spielen. Beide einigten sich jedoch darauf, bei Zustimmung des internationalen Tischtennisverbandes, ab dem Halbfinale eine gemeinsame Mannschaft zu bilden. Das sportlich vereinigte koreanische Damen-Team unterlag folgend im Halbfinale gegen Japan mit 0:3.

Im Herren-Finale standen sich China und Deutschland gegenüber, wobei das deutsche Team um Timo Boll und Dimitrij Ovtcharov eine klare 0:3-Niederlage hinnehmen mußte. Die Vorrunden-Gruppe A hatte Deutschland mit Siegen gegen Schweden (3:0), gegen Hongkong (3:1), gegen Rumänien (3:0), gegen Slowenien (3:2) und gegen Ägypten (3:2) als Erster abgeschlossen.

Im Viertelfinale triumphierten die deutschen Herren gegen Brasilien mit 3:1 und entschieden auch das Halbfinale gegen Südkorea mit 3:2 für sich. Hinter China und Deutschland wurden Südkorea und Schweden gemeinsame Dritte.

M. Michels