SSC-Volleyballspielerin Jennifer Geerties über die WM in Japan und die baldige Bundesliga-Saison

Bald steigt die nächste Weltmeisterschaft im Ballsport, genauer gesagt im Volleyball. Zum Einen die WM der Herren vom 9. bis 30. September in Bulgarien und Italien. Zum Anderen die der Damen vom 29. September bis 20. Oktober in Japan.

Die deutsche Frauennationalmannschaft, betreut von Bundestrainer und SSC-Coach Felix Koslowski, konnte sich, im Gegensatz zu den Herren, für die Welt-Titelkämpfe qualifizieren. Im Team mit dabei sind natürlich auch einige SSC-Spielerinnen. So auch Leistungsträgerin Jennifer Geerties. Die 24-Jährige feierte schon zahlreiche Erfolge mit der Nationalmannschaft. U.a. Gold bei der European League, Silber bei der EM 2013 und den Turniersieg in Montreux 2014.

Jennifer Geerties FOTO: Eckhard Mai

Interview

Jennifer Geerties über die kommende WM-Endrunde in Japan, die Chancen des deutschen Teams, die WM-Vorbereitung, die WM-Facvoritinnen und die baldige Bundesliga-Saison mit dem SSC Palmberg Schwerin

„Wollen immer ans Maximum gehen…“

Frage: Jennifer, der WM-Countdown hat begonnen. Welches sind die sportlichen Ziele für dich und das deutsche Team?

Jennifer Geerties: Unser Ziel ist das Erreichen der Zwischenrunde. In der Vorrunde wolle wir deshalb so viele Punkte wie möglich erringen, weil sich aus den einzelnen Sechser-Gruppen die vier besten Teams für die Zwischenrunde qualifizieren und die Spiele dieser Mannschaften untereinander aus der Vorrunde berücksichtigt werden. Daher ist es notwendig, dass wir in jeder Begegnung an unser Leistungsmaximum gehen und hoch konzentriert jede Partie bestreiten. Dabei darf kein Team unterschätzt werden.

Vor vier Jahren, bei den WM in Italien, erwischten wir leider keinen guten Start, mußten gleich eine 2:3-Niederlage damals gegen die Dominikanische Republik hinnehmen. Und auch gegen die nicht so hoch gehandelten Kroatinnen gab eine 2:3-Niederlage. Daraus haben wir gelernt und wollen es nun besser machen.

Frage: In der Vorrunde habt ihr es mit Gastgeber Japan, Argentinien, Kamerun, Mexiko und den Niederlanden zu tun. Wie beurteilst du diese Gegnerinnen?

Jennifer Geerties: Kamerun und Mexiko sind die „großen Unbekannten“, gegen diese Teams spielten wir noch nicht. Die Niederlande, die bei Olympia 2016 und in der Nations League 2018 jeweils Rang vier belegten, sind sicherlich die größte Herausforderung in der Vorrunde. Auch die Japanerinnen, in der Vergangenheit schon zweimal Olympiasieger und dreimal Weltmeister, sind zu Hause sicher enorm stark. Und Argentinien ist ebenfalls nicht zu unterschätzen.

Frage: Wie sah und sieht eure WM-Vorbereitung aus?

Jennifer Geerties: Wir sind derzeit zur WM-Vorbereitung in Kienbaum, hatten Ende August WM-Testspiele gegen unseren Vorrunden-Gegner Niederlande in Münster (2:3) und in Bremen (0:3). Danach, vom 28.August bis 1.September, nahmen wir an einem Freundschaftsturnier in Rimini teil. Wichtige Spiele, die Aufschluß darüber gaben, was bei uns schon gut läuft und wo noch der „letzte Feinschliff“ erfolgen muß…

Jetzt sind wir, wie angesprochen, wieder in Kienbaum und trainieren bis zum 13.September zusammen mit dem japanischen Team von Denso Airybees. Auch erfolgreiche Testspiele bestritten wir bereits gegen die japanische Mannschaft. Am 19. September fliegen wir dann nach Japan. Dort gibt es noch ein einwöchiges Trainingslager in Nishio. Und am 29. September ist ja in Yokohama schon der WM-Auftakt gegen die Niederlande.

Jennifer Geerties FOTO: Eckhard Mai

Frage: Wer sind ansonsten deine WM-Favoritinnen?

Jennifer Geerties: Die Amerikanerinnen als Titelverteidiger 2014 und Nations League-Gewinner 2018 sind schon die Top-Favoritinnen. Gute WM-Chancen haben auch die anderen Teams, die sich in der Nations League 2018 stark präsentierten, so die Serbinnen, die Brasilianerinnen, die Niederländerinnen und die Türkinnen. Auch China als Olympiasieger 2016 dürfte eine gute Rolle spielen. Viel hängt aber von der jeweiligen Tagesform ab – insbesondere dann ab der dritten Runde (Viertelfinale). Das war ja schon so beim Olympia-Turnier 2016, als man nicht unbedingt mit einem Finale zwischen China und Serbien rechnete.

Letzte Frage: Auch die Bundesliga-Saison 2018/19 ist schon in Sichtweise. Was soll es da geben?

Jennifer Geerties: Im SSC-Team hatten wir ja personelle Veränderungen, die neue Mannschaft wird sich erst finden müssen. Nachdem wir jedoch zweimal hintereinander die deutsche Meisterschaft für uns entscheiden konnten, wollen wir natürlich auch 2019 wieder „die Schale“. Ansonsten möchten wir im Supercup angreifen, wollen wir das DVV-Pokalfinale erreichen und auch die Champions League mitnehmen und „genießen“. Wir möchten dabei zeigen, dass wir ebenfalls zu den besten europäischen Klubmannschaften im Frauen-Volleyball gehören.

Vielen Dank und maximale Erfolge bei der WM und für die Bundesliga-Saison 2018/19!

Acht im vorläufigen Kader

Im vorläufigen deutschen WM-Kader von 2018 spielen mit Denise Hanke, Maren Fromm, Marie Schölzel, Louisa Lippmann, Lenka Dürr, Elisa Lohmannn, Jana-Franziska Poll und Jennifer Geerties acht frühere und aktuelle SSC-Spielerinnen.


 

Historisches zum Frauen-Volleyball

Bei Frauen-Volleyball-WM gab es aus deutscher Sicht leider noch keine Medaillen-Erfolge, beste Resultate waren die jeweils vierten Ränge der DDR-Teams 1974 in Mexiko und 1986 in der Tschechoslowakei. Die erste Schweriner Volleyballspielerin, die erstmals an einer WM teilnahm, war übrigens Traute Voss. Sie belegte mit der DDR-Auswahl bei den WM 1962 in der UdSSR Rang sieben.  Die bislang erfolgreichsten Teams bei Frauen-Volleyball-WM sind Russland (mit SU) mit sieben Titeln sowie Japan bzw. Kuba mit jeweils drei Titeln. Titelverteidiger von 2014 sind die USA.

Erstes WM-Turnier der Frauen 1952

Das erste WM-Turnier im Frauen-Volleyball wurde vom 17. bis 29. August 1952 in Moskau ausgetragen. An der Endrunde nahmen die Teams aus Frankreich, der Sowjetunion, der Tschechoslowakei, Bulgarien, Rumänien, Polen und Indien teil. Den ersten WM-Titel sicherte sich die Sowjetunion vor Polen. Bei der WM-Endrunde 1956 in Paris waren erstmals auch deutsche Mannschaften vertreten: Die DDR wurde Achter und Westdeutschland Sechzehnter.

USA – Sieger der vorerst letzten WM

Bei den vorerst letzten WM, 2014 in Italien, siegten die USA vor China, Brasilien und Italien. Die Mannschaft des damaligen Bundestrainers Giovanni Guidetti sowie mit den früheren SSC-Spielerinnen Lisa Thomsen bzw. Kathleen Weiß und mit den damaligen SSC-Akteurinnen Jennifer Geerties bzw. Laura Weihenmaier schaffte Rang neun.

Hallen-Volleyball und Olympia

Seit 1964 ist Hallen-Volleyball übrigens im olympischen Programm. Der erste Olympiasieg bei den Frauen ging 1964 in Tokyo an Japan. Rekord-Olympiasiegerinnen sind mit vier Goldmedaillen die Athletinnen aus Russland (einschließlich Sowjetunion).

Für deutsche Volleyball-Spielerinnen gab es bis bislang im Hallen-Volleyball eine Olympia-Medaille, bei den Spielen 1980 in Moskau. Die damalige DDR-Auswahl belegte mit den Spielerinnen des SC Traktor Schwerin Martina Heim, Karla Roffeis, Martina Schmidt und Anke Westendorf sowie der gebürtigen Neustrelitzerin Heike Lehmann (SC Dynamo Berlin) Rang zwei hinter der Sowjetunion.

Text und Interview: M. Michels