Anette Winkler, Vorsitzende des Schweriner Tennis-Clubs von 1908, über die Hallen-Saison 2018/19, kommende Turniere und die Nachwuchsarbeit ihres Vereines

Drei Monate zählt auch das tennissportliche Jahr 2019 bereits. Zahlreiche internationale, nationale und regionale Turnier, ob in der Halle oder „Open Air“, standen schon auf dem Wettkampfprogramm – auch in M-V, speziell in Schwerin. Anette Winkler im Gespräch…

Tennisplatz in Schwerin am Franzosenweg. Foto: Michels

Interview

Frage: Frau Winkler, der Schweriner TC gehört zu den traditionsreichsten Sportvereinen in der Landeshauptstadt. Durch welche Aktivitäten zeichnet sich ihr Verein gegenwärtig aus? Wie viele Mitglieder zählt er?

Anette Winkler: Wir haben es geschafft, unseren Mitglieder-Bestand nach langen Jahren des Rückgangs erstmals wieder leicht zu steigern. Bei uns sind aktuell rund 230 Tennis-Freundinnen und -freunde aktiv. Viele spielen das ganze Jahr, im Sommer auf unserer Anlage am Franzosenweg, im Winter in der Halle im belasso. Mit Punktspielen, großen und kleinen Turnieren sowie qualifiziertem Tennisunterricht bieten wir allen Alters- und Leistungsstufen viele Möglichkeiten  –  man kann natürlich auch einfach so Tennis spielen.

Frage: Wie ist der Zuspruch bei den jungen Sporttalenten?

 Winkler: Wir wollen weiter wachsen, vor allem im Jugendbereich. Unsere schöne Anlage am Franzosenweg verträgt gut noch einige Mitglieder mehr. Viele Anfragen in den letzten Monaten zeigen uns, dass das Interesse groß ist. So hoffen wir, dass unsere Schnupper-Angebote genau richtig sind, um neue Tennis-Fans zu gewinnen. Außerdem wollen wir noch dieses Jahr bei uns am Franzosenweg einen Beachtennis-Platz einrichten. Dann gibt es ganz neue Möglichkeiten für unsere Mitglieder. Die Zukunft der Anlage wird ohnehin das wichtigste Thema in der nahen Zukunft sein.

Wir sind in Verhandlungen mit der Stadt und hoffen sehr, dass wir zu einer tragfähigen und langfristigen Lösung kommen, die es uns erlaubt, die dringend notwendigen Investitionen auf der Anlage anzugehen.

Letzte Frage: Das belasso-Sportzentrum ist für Sie ein wichtiger Trainings- und Wettkampfort. Welche Wettbewerbe gab es dort zuletzt, was ist für 2019 geplant?

Anette Winkler: Tatsächlich ist das belasso für uns sehr wichtig – in den Wintermonaten und bei Regen können wir ja am Franzosenweg nicht spielen. In der vergangenen Hallensaison haben zwei Mannschaften an den Hallen-Punktspielen teilgenommen. Übrigens sind die Herren sogar Landesmeister geworden! Außerdem haben wir uns auch in diesem Winter zu vereinsinternen Turnieren im Sportzentrum getroffen – sowohl die Jugendlichen als auch die Erwachsenen.

So bleiben wir im Winter aktiv und in Kontakt. Besonders wichtig sind für uns natürlich die Trainings-Kapazitäten. Wir können als Verein nur weiter wachsen, wenn wir auch im Winter ausreichende Möglichkeiten anbieten können. Wir hoffen, dass wir da auch in Zukunft auf denStandort setzen können.

Vielen Dank und weiterhin maximale Erfolge!


Symbolbild-Tennis

Schweriner Tennis – Ein Rückblick

Olympioniken im Tennis hat Schwerin zwar nicht, dafür jedoch eine große Tradition in dieser Sportart … Die allgemeine Tennis-Begeisterung erreichte die Residenzstadt mit einiger Verspätung. Erst im Jahre 1908 gründeten die Schwerinerinnen und Schweriner – mehrheitlich die gutsituierten – ihren ersten Tennis-Club. Nochselben im Jahr trat der „LTC Schwerin“ dem „Deutschen Tennisbund“ bei und übernahm damit auch dessen Spielregeln.

Ab 1913 begann der Club Wettkampf-Turniere zu organisieren – beginnend mit dem „I. Allgemeine Lawn-Tennis-Wettspiel des Schweriner Lawn-Tennis-Vereins 1908 e.V.“. Gespielt wurde zwischen dem 9. und 16. Juni 1913 auf den Plätzen im Schlossgarten (Franzosenweg). An diesem Turnier nahmen Spieler/Spielerinnen aus Mecklenburg-Schwerin, Mecklenburg-Strelitz, Pommern, Brandenburg, Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen und Braunschweig teil. Preise stifteten hierfür der Magistrat Schwerin als auch der Großherzog. Zwischen 1913 und 1933 (mit Ausnahme der Kriegsjahre) veranstaltete der Verein  das deutschlandweit bekannte „Schweriner Lawn-Tennis-Turnier“.

Im Jahr 1922 wurde der „Schweriner Hockey-Club“ aus finanziellen Erwägungen dem „Lawn-Tennis-Club“ angegliedert. Der neue Sportverein nannte sich nun „Schweriner Tennis- und Hockey-Club von 1908 e.V.“.

Olympisches Tennis – Ein Mecklenburger am Start

Übrigens nahm ein einziges Mal auch ein Mecklenburger an einem olympischen Tennis-Turnier teil. 1908 in London startete Friedrich Wilhelm „Fieten“ Rahe (* 1888 in Rostock; † 1949 ebenda) im Einzel und im Doppel (zusammen mit Oscar Kreuzer). Da „Fieten“ auch ein begnadeter Hockeyspieler war, startete er zugleich noch beim Hockey-Turnier. Der Rostocker belegte dort mit der deutschen Hockey-Mannschaft den fünften Platz. In Wimbledon 1913 versuchte sich Friedrich Rahe noch einmal als Tennisspieler.

Interessanterweise wurde 1908 noch eine „tennissportliche Zweiteilung“ durchgeführt. So gab es im Mai ein Hallen-Turnier und im Juli ein Rasen-Turnier.

Im eigenen Land dominierten damals ganz klar die Britinnen und Briten, gewannen 15 von 18 Medaillen und alle sechs Goldene. So waren in der Halle Arthur Gore (H/Einzel), Arthur Gore/Herbert Roper Barrett (Doppel) und Gwendoline Eastlake-Smith (F/Einzel) erfolgreich. Auf dem Rasen siegten Josiah Ritchie (H/Einzel), George Hillyard/Reginald Doherty und Dorothea Douglass Lambert Chambers (F/Einzel). Aus deutscher Sicht holte Otto Froitzheim Silber im Herren-Einzel

 


Symbolbild Tennis

Olympische Tenniserfolge für Deutschland – Medaillenspiegel

Athen 1896
Gold – Friedrich Adolph Traun gemeinsam mit John Pius (Irland) im Doppel

Stockholm 1912
Gold – Dora Köring und Heinrich Schomburgk im Gemischten Doppel
Bronze – Oscar Kreuzer

Mexico-City 1968 (Demonstrationsturnier)
Gold – Helga Masthoff im Einzel
Gold – Helga Masthoff und Edda Buding im Doppel

Los Angeles 1984 (Demonstrationsturnier)
Gold – Steffi Graf im Einzel

Seoul 1988
Gold – Steffi Graf im Einzel
Bronze – Steffi Graf und Claudia-Kohde Kilsch im Doppel

Barcelona 1992
Silber – Steffi Graf im Einzel
Gold – Boris Becker und Michael Stich im Doppel

Atlanta 1996
Bronze – Mark-Kevin Goellner und David Prinosil im Doppel

Sydney 2000
Silber – Thomas Haas im Einzel

Athen 2004
Silber – Nicolas Kiefer und Rainer Schüttler im Doppel

Rio de Janeiro 2016
Silber – Angelique Kerber im Einzel

mic