Auch M-V mit einer Eiskunstlauf-Tradition

Rostocker Eiskunstläuferinnen präsentieren ihr Können in Schwerin (bei einer früheren Veranstaltung). Foto: M.M.

Vier Wochen vor den olympischen Konkurrenzen im Eiskunstlaufen gibt es für die europäischen Eiskunstläuferinnen und Eiskunstläufer mit den EM vom 15.Januar 2018 bis 21.Januar 2018 in Moskau noch einen echten sportlichen Härtetest.

Leider ist das aussichtsreiche Medaillen-Duo Aliona Savchenko/Bruno Massot in Moskau nicht dabei.

Wie die Deutsche Eislauf-Union informierte, hat das Duo gemeinsam mit ihrem Trainer Alexander König entschieden, die Teilnahme an der in der kommenden Woche stattfindenden Europameisterschaft in Moskau abzusagen. So habe das Paar nach einer kurzen Weihnachtspause das Training wieder aufgenommen und sich dabei besonders auf die Ausarbeitung einiger technischer Details konzentriert. Das Team stellte aber in den vergangenen Tagen fest, dass nicht alle technischen Feinheiten wunschgemäß laufen, weshalb man die verbleibende Zeit bis zu den Olympischen Winterspielen für eine optimale Vorbereitung nutzen möchte.

Acht für die DEU in Moskau

Für die Deutsche Eislauf-Union werden nunmehr an den EM im Frauen-Einzel Lea Johanna Dastich bzw. Nicole Schott, im Herren-Einzel Paul Fentz bzw. Peter Liebers, im Paarlaufen Annika Hocke/Ruben Blommaert und im Eistanzen Kavita Lorenz/Joti Polizoakis starten.

Die EM 2017 im Rückblick

Die EM-Titel bei den Titelkämpfen im letzten Jahr, 2017, hatten Jewgenija Medwedjewa (Russland, Frauen-Einzel), Javier Fernandez (Spanien, Herren-Einzel), Jewgenija Tarassowa/Wladimir Morosow (Russland, Paarlauf) und Gabriella Papadakis/Guillaume Cizeron (Frankreich, Eistanz) gewonnen.

58.EM-Medaille im Paarlaufen für ein deutsches Duo vor Jahresfrist

Bei der Paarlauf-Konkurrenz der Eiskunstlauf-Europameisterschaften Ende Januar 2017 in Ostrava gab es die 58.EM-Medaille in dieser Eiskunstlauf-Disziplin für ein deutsches Duo, das seine Wurzeln sowohl in der Ukraine als auch in Frankreich hat. Aliona Savchenko/Bruno Massot von der Deutschen Eislauf-Union belegten hinter Jewgenija Tarasowa/Wladimir Morosow (Russland) den Silber-Rang, vor dem französischen Paar Vanessa James/Morgan Cipres. Insgesamt nahmen 18 Paare aus 12 Ländern am Paarlauf-Wettkampf der EM 2017 teil. Das zweite deutsche Paar Minerva Fabienne Hase/Nolan Seegert wurde Zwölfter.

Aliona wieder mit Medaille, Robin auch…

Aliona Savchenko/Bruno Massot hatten bereits bei den EM 2016 in Bratislava Rang zwei belegt. Und Aliona kennt das Gefühl des Erfolges ohnehin schon einige Jahre… Sie konnte zusammen mit dem gebürtigen Greifswalder Robin Szolkowy, ihrem einstigen sportlichen Partner, bereits über zahlreiche Erfolge und Medaillen bei Olympia, WM, EM oder Grand Prix-Wettkämpfen jubeln. Bei Europameisterschaften erkämpfte das Duo Aliona Savchenko/Robin Szolkowy viermal Gold (2007, 2008, 2009 bzw. 2011) und dreimal Silber (2006, 2010 bzw. 2013). Das russische Sieger-Paar von 2017, Jewgenija Tarasowa/Wladimir Morosow, wurde und wird übrigens von Robin Szolkowy trainiert…

Blick in die Paarlauf-EM-Geschichte

In der EM-Geschichte des Eiskunstlaufens, seit den ersten EM im Paarlaufen 1930 in Wien, gewannen deutsche Paare damit 20 x Gold, 17 x Silber und 21 x Bronze. Neben den bisherigen EM-Titeln für Aljona Savchenko/Robin Szolkowy (Chemnitzer EC) 2007, 2008, 2009, 2011 erkämpften folgende deutsche Paare noch EM-Gold: Maxi Herber (Münchener EV)/Ernst Baier (Berliner SC) 1935, 1936, 1937, 1938 und 1939, Ria Baran/Paul Falk (Düsseldorfer EG) 1951 und 1952, Marika Kilius (Frankfurter Eissport Verein/Sport Club Riessersee)/Hans-Jürgen Bäumler (Sport Club Riessersee) 1959, 1960, 1961, 1962, 1963 und 1964, Sabine Baeß/Tassilo Thierbach (SC Karl-Marx-Stadt) 1982 und 1983 bzw. Mandy Wötzel/Ingo Steuer (Eislaufverein Chemnitz) 1995.

Die meisten EM-Titel im Paarlaufen gewannen Russland (einschließlich Sowjetunion und GUS) mit 46  (insgesamt 117 Medaillen) und Deutschland (auch mit Bundesrepublik, DDR) mit 20 (insgesamt 58 Medaillen).

Die erfolgreichsten Paare…

Das Duo Irina Rodnina/Alexander Saizew (Sowjetunion) mit 7 EM-Titel (1973 bis 1978 plus 1980) war ganz besonders im Paarlaufen erfolgreich. Mit einem anderen Partner, Alexej Uljanow, gewann Irina Rodnina noch vier weitere EM-Titel von 1969 bis 1972.

Das wohl berührendste und ausdrucksstärkste Paar in der Eiskunstlauf-Geschichte waren zweifellos Jekaterina Gordejewa/Andrej Grinkow, die 1988, 1990 und 1994 den EM-Titel gewannen. Leider verstarb Andrej Grinkow im Alter von nur 28 Jahren…

„Allgemein Historisches“ zu den EM im Eiskunstlaufen

Seit 1891 gibt es übrigens Europameisterschaften im Eiskunstlaufen. Seinerzeit wurden die männlichen Champions in Hamburg ermittelt, wobei Oskar Uhlig aus Berlin am besten war. 1930 folgten Europameisterschaftskonkurrenzen bei den Damen und im Paarlauf. Und seit 1954 dürfen auch die Eistänzerinnen und Eistänzer europameisterlich ran.

Eiskunstlauf-EM und M-V

In der EM-Geschichte des Eiskunstlaufens verzeichneten Starter aus M-V übrigens bereits beachtliche Erfolge. Der gebürtige Rostocker Ralph Borghard, Jahrgang 1944, belegte bei den Europameisterschaften 1962 Rang 15, 1963 Rang sechs und 1966 ebenfalls Rang sechs bei den Herren.

Rolf Oesterreich, Jahrgang 1952 mit Geburtsort Rostock, errang mit seiner Partnerin Romy Kermer 1974, 1975 und 1976 jeweils EM-Silber im Paarlaufen.

Ein gebürtiger Greifswalder, Jahrgang 1979, war bei den EM im Paarlaufen auch äusserst erfolgreich. Robin Szolkowy erlief mit seiner Partnerin Aliona Savchenko bei den europäischen Titelkämpfen von 2006 bis 2013 insgesamt 4 x Gold, 3 x Silber.

Blick über das eiskunstläuferische Europa hinaus

Unmittelbar nach den EM 2018 im Eiskunstlaufen in Moskau werden die Vier-Kontinente-Meisterschaften vom 22.Januar 2018 bis 28.Januar 2018 in Taipei mit den besten Eiskunstläuferinnen und Eiskunstläufern aus Amerika, Asien, Australien/Ozeanien und Afrika ausgetragen. Bei diesen Meisterschaften gewannen im letzten Jahr, 2017, in Gangneung folgende Sportlerinnen bzw. Sportler Gold: Mai Mihara aus Japan im Frauen-Einzel, Nathan Chan aus den USA im Herren-Einzel, Sui Wenjing/Han Cong aus China im Paarlaufen und Tessa Virtue/Scott Moir aus Kanada im Eistanz. Für Afrika startete die Eiskunstläuferin Michaela Du Toit aus Südafrika.

Bei der Grand Prix-Serie im Eiskunstlaufen 2017/18 vom Oktober 2017 bis Dezember 2017 mit den Stationen Rostelecom Cup in Moskau, Skate Canada in Regina, Cup of China in Peking, NHK-Trophy in Osaka, Internationaux de France in Grenoble, Skate America in Lake Placid und dem Grand Prix-Finale in Nagoya konnten acht Länder die 28 Goldmedaillen erringen: Russland (neun), die USA (fünf), Kanada (vier), Frankreich (drei), Japan (zwei), China (zwei), Deutschland (zwei) und Spanien (einen).

Für Deutschland gab es durch Aliona Savchenko/Bruno Massot im Paarlaufen zweimal Gold (Skate America bzw. Grand Prix-Finale) und einmal Silber (Skate Canada).

Die Olympia-Entscheidungen im Eiskunstlaufen 2018 in Gangneung

Die fünf olympischen Goldmedaillen im Eiskunstlaufen 2018 werden an folgenden Tagen vergeben: 12.Februar 2018 im Team-Wettbewerb, 15.Februar 2018 im Paarlaufen, 17.Februar 2018 im Herren-Einzel, 20.Februar 2018 im Eistanzen und 23.Februar 2018 im Frauen-Einzel.

Die meisten Goldmedaillen in der Geschichte des olympischen Eiskunstlaufens seit 1908 (bis 2014) errangen Russland (mit SU, GUS) mit 28, die USA mit 15 sowie Österreich und Deutschland (mit DDR, Westdeutschland, Drittem Reich bzw. vereint) mit jeweils 7.

Marko Michels