Die sportliche Situation im Skilanglauf vier Wochen vor den Winterspielen in Pyeongchang

Im Skilanglauf wird es in Pyeongchang auch spannend. Foto: M.M.

Der Countdown zu den Olympischen Winterspielen 2018 in Pyeongchang läuft. Nicht einmal mehr vier Wochen ist es bis zum Beginn der Spiele am 9.Februar. Auch die Skilangläuferinnen und Skilangläufer sind schon „heiß“ auf die Winterspiele.

Die bisherigen Weltcup-Entscheidungen 2017/18 im Skilanglauf

Bei den bisherigen Weltcup-Stationen im Skilanglauf 2017/18, bis 12.Januar insgesamt 15 Entscheidungen jeweils bei den Herren und Damen, war wieder einmal Norwegen „das Maß aller Skilanglauf-Dinge“. Bei den Damen erkämpfte Norwegen 10 x Gold, 9 x Silber, 5 x Bronze und bei den Herren 9 x Gold, 4 x Silber, 3 x Bronze.

Heidi und Martin derzeit führend

Im Gesamt-Weltcup im Frauen-Skilanglauf führt Heidi Weng (Norwegen) vor Ingvild Flugstad Östberg (Norwegen) und Jessica Diggins (USA). Im Gesamt-Ranking bei den Herren ist zurzeit Martin Johnsrud Sundby (Norwegen) vor Dario Cologna (Schweiz) und Alex Harvey (Kanada) der Beste.

Norwegerinnen überragend

Immer für eine Überraschung gut – die kämpferische Stefanie Böhler. Foto: Deutscher Skiverband

Bei den Weltcup-Entscheidungen zwischen November 2017 und Anfang Januar 2016, in Ruka, in Lillehammer, in Davos bzw. in Toblach und bei der 12.Tour de Ski mit den Stationen Lenzerheide, Oberstdorf bzw. Val di Fiemme konnten im Frauen-Bereich neben Norwegen auch Schweden (4 x Gold, 1 x Silber, 1 x Bronze), die Schweiz (1 x Gold), die USA (2 x Silber, 5 x Bronze), Finnland (2 x Silber, 2 x Bronze), Österreich (1 x Silber, 1 x Bronze) und Russland (1 x Bronze) Edelmetall gewinnen. Insbesondere die Schwedinnen Charlotte Kalla und Stina Nilsson fordern die Norwegerinnen um Heidi Weng & Co. heraus.

Die Schweizerin Laurien van der Graaff kam Ende Dezember 2017 zudem überraschend zu einem Sprint-Erfolg. Sehr stark präsentierten sich 2017/18 auch die US-Amerikanerinnen Kikka Randall, Sadie Bjornsen, Jessica Diggins und Elizabeth Stephen. Zwei Weltcup-Podest-Ränge 2017/18 schaffte die Österreicherin Teresa Stadlober – auch das überraschend.

Die Formkurve der deutschen Skilangläuferinnen Sandra Ringwald, Stefanie Böhler, Nicole Fessel, Victoria Carl, Katharina Hennig, Hanna Kolb und Pia Fink stieg zuletzt auch an. In Pyeongchang könnten die deutschen Loipen-Mädels eine mehr als gute Rolle spielen.

Starkes Norwegen auch bei den Herren

Thomas Bing ist olympischer Hoffnungsträger im Skilanglauf aus deutscher Sicht. Foto: Deutscher Skiverband

In der Weltcup-Saison 2017/18 der Skilangläufer setzten neben dem norwegischen Team um Martin Johnsrud Sundby und Emil Iversen auch Frankreich (2 x Gold, 2 x Silber, 1 x Bronze), der Schweiz (2 x Gold), Russland (1 x Gold, 5 x Silber, 5 x Bronze), Kasachstan (1 x Gold, 1 x Silber, 1 x Bronze), Italien (2 x Silber, 1 x Bronze), Finnland (1 x Silber, 1 x Bronze), Schweden, Großbritannien und Kanada (jeweils 1 x Bronze) die sportlichen Akzente. Für Frankreich bzw. die Schweiz schafften Maurice Manificat und Dario Cologna jeweils zwei Erfolge in der Saison 2017/18. Der Kasache Alexei Poltoranin war einmal erfolgreich. Die deutschen Skilangläufer um Thomas Bing zeigten zuletzt aufsteigende Form, müssen und sollten sich mit Blickrichtung Pyeongchang aber noch verbessern.

Die Gesamt-Rankings beim Ruka-Triple im November 2017 und bei der 12.Tour de Ski Ende Dezember 2017/Anfang Januar 2018 waren „eine Angelegenheit“ für Charlotte Kalla (Schweden) bzw. Johannes Hosflot Klaebo (Norwegen, Ruka-Triple) und für Heidi Weng (Norwegen) bzw. Dario Cologna (Schweiz, Tour de Ski).

Die WM im Lahti 2017 im Skilanglauf – ein Resümee

Bei den vorerst letzten Weltmeisterschaften im Skilanglauf (12 Entscheidungen) , Ende Februar 2017/Anfang März 2017, in Lahti kamen Athletinnen und Athleten aus nur sieben Ländern zu Medaillen-Ehren, so Norwegen (7 x Gold, 3 x Silber, 5 x Bronze), Russland (2 x Gold, 4 x Silber), Finnland (1 x Gold, 1 x Silber, 3 x Bronze), Italien (1 x Gold, 1 x Silber), Kanada (1 x Gold), Schweden (2 x Silber, 2 x Bronze) und die USA (1 x Silber, 2 x Bronze).

Die erfolgreichsten Skilangläuferinnen in Lahti 2017 waren Marit Björgen (Norwegen, 4 x Gold), Maiken Caspersen Falla (Norwegen, 3 x Gold) und Heidi Weng (2 x Gold, 1 x Silber). Russland stellte jedoch den besten weltmeisterlichen Skilangläufer 2017 mit Sergej Ustjugow, der 2 x Gold, 3 x Silber erkämpfte. Über den 50 Kilometer-Kanten triumphierte – etwas unerwartet – der Kanadier Alex Harvey, der bei den Elite-WM 2011-2015 allerdings auch schon 1 x Gold, 1 x Silber, 2 x Bronze gewonnen hatte und bei den Winterspielen 2010 mit Rang vier im Teamsprint eine Medaille nur knapp verpasste.

Deutsche Skilangläuferinnen bzw. Skilangläufer gingen bei den WM 2017 in Lahti indes leer aus.

Aber das sollte sich in Pyeongchang im Februar 2018 ändern…

Sportliches Kalenderblatt vom 28.Februar 2010 / rostock-sport.de-Interview mit der Skilangläuferin Claudia Nystad zu den Olympischen Winterspielen 2010

Die Olympischen Winterspiele 2010 – das waren die bislang aufrichtigsten, authentischsten und menschlichsten Winterspiele aller Zeiten. Dabei begannen sie extrem traurig … Der tödliche Trainingsunfall des georgischen Rennrodlers Nodar Kumaritaschwili überschattete die Eröffnungsfeier, warf einen traurigen Schatten auf die Spiele.

Wenn Spiele so beginnen, stehen sie meistens nicht „unter günstigen Sternen“ … Aber sollte man Spielen, die traurig, nachdenklich beginnen, nicht eine Chance geben ?!

Ja, die olympischen Ideale mußten und wurden in Whistler und in Vancouver mit Leben erfüllt. Es gab große Momente, sehr, sehr traurige, große Sieger und noch größere Verlierer.

Lindsey Vonn war eine der großen Siegerinnen, auch wenn sich die Goldmedaillen-Flut für sie nicht einstellte. Aber erste amerikanische Olympiasiegerin in der Abfahrt – das hat etwas, zumal das US-Girl mit Schienbein-Verletzung startete.

Besondere Momente

Doch was ist eine Schienbein-Verletzung gegen das, was der Slowenin Petra Majdic im Einzel-Sprint des nordischen Skisportes passierte … Beim Aufwärmen hatte sie einen Unfall, brach sich vier Rippen, zog sich einen Riss im Lungenfell zu, startete dennoch und wurde Dritte – eine übermenschliche Leistung.

Die traurigsten Momente ihres Lebens im schönsten Wettkampf ihres Lebens musste die Kanadierin Joannie Rochette in Vancouver erleiden. Ihre Mutter Therese starb zwei Tage vor Beginn der Wettbewerbe – die Emotionen der so sympathischen Eisläuferin bleiben unvergessen und berührten jedes Herz. Joannies Bronzemedaille, die sie ihrer Mutter widmete, hatte goldene Tränen.

Starke deutsche Athletinnen und Athleten

Die deutschen Olympionikinnen und Olympioniken boten wieder Herausragendes, aber die Frauen waren der Aktiv-Posten im Team. Ohne das olympische Fräulein-Wunder „Made in Germany“ wäre das Olympia-Team nicht wieder vorn gewesen. Starke Persönlichkeiten, wie Maria Riesch, die noch 2006 wegen eines Kreuzbandrisses Olympia verpasste, wurde Olympiasiegerin in der Kombination, die junge Viktoria Rebensburg sorgte für Sensations-Gold im Riesenslalom, Biathletin Magdalena Neuner sorgte für sportive Sternstunden, die Skeletoni Kerstin Szymkowiak und Anja Huber holten das erste Edelmetall in dieser Sportart für Deutschland, die junge Eisschnellläuferin Stephanie Beckert erkämpfte zweimal Silber, Rodlerin Tatjana Hüfner setzte die deutsche Gold-Tradition in ihrer Sportart fort, usw., usw.

Auch der Jubel der Skilangläuferinnen Claudia Nystad und Evi Sachenbacher war im Teamsprint grenzenlos – Gold hatte ihnen kaum jemand zugetraut. Als Zugabe folgte Silber in der Staffel. Die Langläuferinnen, vorher als „trainingsfaul“ von „Experten“ kritisiert, erwiesen sich als fleißige Medaillensammlerinnen.

Medaillen das Nonplusultra?!

Aber sind Medaillen wirklich so wichtig, sind sie wirklich das „Nonplusultra“? Zählt nicht allein die Teilnahme mehr als der Sieg? Frommes, naives Wunschdenken. Wer die tief-traurigen Augen der so anmutigen Skeletona Melissa Hollingsworth aus Kanada nach dem Skeleton-Wettbewerb sah – dort landete sie als Top-Favoritin nur auf Rang fünf – wußte spätestens da, dass nur ein Motto gilt „Ein guter Platz, der zählt nicht viel, eine Medaille ist das Ziel!“.

Deutsche, Amerikaner oder Norweger erwiesen sich als „ausverschämte Gäste“, nahmen an Edelmetall mit, was sie nur kriegen konnten.

Dabei wollten die Kanadierinnen und Kanadier, die bei ihren bisherigen Heim-Spielen 1976 in Montreal oder 1988 in Calgary nie (offizielles) Gold gewannen, das erklärte Ziel „Stärkste Nation“ unbedingt erreichen. Sie holte zwar die meisten Goldmedaillen mit 14, aber insgesamt „nur“ 26 Medaillen, was in der Medaillen-Wertung Rang drei hinter den USA (37 Medaillen, darunter 9 x Gold) und Deutschland (30 Medaillen, darunter 10 x Gold) „nur“ Rang drei bedeutete. Dieser „Spiegel“ schien ja medial ohnehin das Wichtigste zu sein, nur vergaßen dabei viele, dass in einem Spiegel alles seitenverkehrt erscheint. Die Realität „via Spiegel“ bleibt eben relativ…

Doch Erfolge wollten alle: Man sah den kanadischen Zuschauern ihre Enttäuschungen bei manchen aussichtsreichen Entscheidungen, die nicht wie gewünscht liefen, ob im Skisport, im Rodeln, im Short Track oder Ski-Freestyle, schon an, aber sie waren auch im Moment der größten Niederlagen fair. Das gilt ebenso für die Sportler des Gastgeberlandes.

Unvergesslich der herzliche Glückwunsch von Melissa Hollingsworth an Kerstin Szymkowiak oder Anja Huber im Skeleton.

Ein besonderer Fauxpas

Für den „Fauxpas“ der Spiele sorgte ein niederländischer Trainer. Der schickte seinen Schützling auf die unkorrekte Bahn. Falsche Entscheidung. Falsche Richtung. Das Gold ging „richtigerweise“ an die Konkurrenz.

Nicht alles optimal

Nicht alles war zudem optimal bei Winter-Olympia. Von der Bob- und Rodelbahn ganz zu schweigen. Die Eismaschinen funktionierten zunächst beim Eisschnelllauf nicht, die Zeitnahme beim Biathlon war defekt, u.a. wurden drei Schwedinnen bei der Verfolgung zu spät auf die Strecke geschickt. Wetter-Kapriolen waren an der Tagesordnung, Wettbewerbsverschiebungen und – verzerrungen die Folge. Olympia-Gegner randalierten in der Innenstadt.

Vorwürfe an die Olympiastadt sind jedoch fehl am Platze. Vancouver und Whistler wollten keine perfekten, sondern menschliche Spiele. Am Ende waren sie menschlicher, als manche ertragen konnten. Sie passten in die aktuelle widersprüchliche Zeit.

Wem gehörten die Spiele 2010?

Olympia 2010 – das waren auch die Spiele der Sport-Politiker, der Sport-Funktionäre und Sport-Manager, also jene Spezies, die sich für wichtig halten, aber es in den seltensten Fällen sind.

Wie begeistert war so mancher Sportpolitiker, wenn es ihm gelang, mit einer goldenen Olympionikin abgelichtet zu werden. Daheim geht es ja zurzeit wenig „goldig“, begeisternd zu.

Viele trendige Sportarten wurden hingegen begeistert aufgenommen: Die Ski-Crossies „mundeten“ ähnlich wie die Auftritte von Shaune White mit dem Snowboard oder von der Australierin Lydia Lassila im Trick-Ski. Deutschland blieb zwar nicht im „Trend“, war aber medaillensüchtig im Schlittensport, bei den Alpinen oder im Bobsport bei den Herren. Andre Lange sorgte hier für vier (plus …) Olympiasiege – einzigartig.

Einzigartiges – im künstlerisch wie sportlichen Sinne – leisteten nicht zuletzt die nordamerikanische Eistanz-Paare Tessa Virtue/Scott Meir sowie Meryl Davis/Charlie White. Beide Duos zelebrierten Kunst auf dem Eis!

Herzliche Gastgeber

Kanada war in Vancouver zwar nicht die stärkste Wintersport-Nation, wohl aber der herzlichste olympische Gastgeber, den man sich nur vorstellen konnte – und natürlich die beste Eishockey-Nation. Begonnen hatte das Herren-Turnier für „Team Canada“ dabei alles andere als optimal, sogar eine schmerzvolle Niederlage gegen den Erz-Rivalen USA, die erste nach 50 Jahren bei Olympia, musste hingenommen werden. Aber Kanada kann eben kämpfen – gerade in Sachen Eishockey…

Kämpfen konnte auch die bereits angesprochene Skilangläuferin Claudia Nystad, Jahrgang 1978, vom WSC Erzgebirge Oberwiesenthal. Als es darauf ankam, war sie da – und ihre mittlerweile handzahmen Kritiker ebenfalls …

Claudia Nystad über die Olympischen Winterspiele 2010, destruktive Kritik, die Stimmung bei den deutschen Skilangläuferinnen, ihr soziales Engagement und ihre „sommersportlichen Vorlieben.

„Der Grad zwischen Erfolg und Misserfolg ist sehr schmal…“

Claudia Nystad, die erfolgreichste deutsche Olympia- und WM-Skilangläuferin „aller Zeiten“. Foto: Deutscher Skiverband

Frage: Claudia, erst einmal einen ganz herzlichen Glückwunsch zu Ihrem Gold im Teamsprint mit Evi und natürlich auch zu Staffel-Silber. Wie harmonieren eigentlich eine fröhliche Bajuwarin, wie Evi, und eine eher nachdenkliche Sächsin und „halbe Wikingerin“, wie Sie, im Training und außerhalb der Loipe. Immer alles „bestens“?

Claudia Nystad: Vielen Dank für die Glückwünsche. Ja, Evi und ich harmonieren im und neben dem Training sehr gut, anders kann man auch nicht so erfolgreich sein, wie wir es im Team waren. Dass Evi fröhlich ist und ich nachdenklich, das wurde allerdings über Jahre in den Medien aufgebaut, wenn man uns privat kennt, dann kann es durchaus sein, dass sich das Bild komplett dreht. Aber die Erfahrung will ich keinem vorweg nehmen.

Frage: Mehr als „bestens“ war Ihr Wettkampf im Teamsprint. Dabei: Was gab es in den letzten zwölf Monaten nicht alles an Negativ-Schlagzeilen aus dem Lager der deutschen Skilangläuferinnen: Trainer-Wechsel war angesagt, von „Zicken-Kriegen“ wurde gesprochen, viel mediale Häme und Spott ausgeschüttet, das Engagement der Athletinnen harsch kritisiert. In den meisten Fällen unsachlich wie unbegründet.
Wie sind Sie, aber auch Ihre Team-Kameradinnen, mit dieser Kritik, dieser Häme umgegangen? Schweißt so etwas eher zusammen ? Und: Fühlen Sie nun angesichts des Teamsprint-Goldes und des Staffel-Silbers eine „große Genugtuung“?

Claudia Nystad: Ich fühle keine Genugtuung … Mir tun solche Menschen leid, die sich über andere Personen profilieren wollen. Wenn wir als fast „zahnlose, alte Frauen, die zu faul sind, zu trainieren und ausgetauscht gehören“, trotzdem in der Lage sind, auf das Podium zu kommen, dann haben wir entweder ein überdurchschnittlich hohes Talent oder Olympia ist vom Niveau zu niedrig für uns, oder ganz einfach: Es stimmt nicht, was in den Medien über uns gesagt wurde.

Ich denke, es ist die dritte Variante, wobei ich eine der Frauen bin, die Zeitungen in der Saison nicht liest, da ich an den Berichten über mich festgestellt habe, dass manchmal höchstens ein Prozent stimmt, aber das auch nur, wenn der Name richtig geschrieben wurde. Aus der Sicht von Athleten braucht man ein Umfeld, was einen in Erfolgszeiten und auch in harten Zeiten unterstützt sowie aufbaut. Es ist nur oft leider so, dass alle zu uns halten, wenn die Fahne gehisst wird und in schwierigeren Zeiten stehen wir fast allein da.

Frage: Sowohl im Teamsprint als auch in der Staffel demonstrierten Sie große Power. War Ihr Siegeswillen nach den ganzen Diskussionen ganz einfach „unbändig“?

Claudia Nystad: Als Athlet kann ich mich nicht vom Druck aus den Medien stören lassen, sonst hätte ich keine Chance auf internationalen Erfolg bei Großereignissen wie Olympia. Dass ich an den Sprint- und Staffeltagen in so guter Form war, lag an der Vorbereitung. Ich habe dieses Mal darauf verzichtet, jedes der sechs Rennen zu bestreiten, um mich auf zwei ganz bestimmte Läufe besser konzentrieren zu können. Damit habe ich mentale, als auch physische Energie gespart und war durch meine Erfahrungen aus den letzten Jahren perfekt vorbereitet. Dass allerdings solche, meist verletzenden Aussagen nicht helfen, ein Team voran zu bringen, das muss ich, und da bin ich mir sicher, keinem erklären.

Frage: Sie gelten für die Norwegerinnen und Norweger als „Drama-Queen“, nachdem sie den Nordländerinnen schon einige Male „gutes Edelmetall“ wegschnappten. Sie sind nun seit fünf Jahren mit dem Norweger Trond Nystad verheiratet. Angesichts der „ewigen Kritik und Nörgeleien `Made in Germany`“ hatten Sie da schon einmal gedacht: „Das alles tue ich mir hier nicht mehr an. Jetzt starte ich für Norwegen.“?!  Wie beurteilen Sie generell den Stellenwert des Skilanglaufes in Deutschland?

Claudia Nystad: Ich habe in der Tat darüber nachgedacht, nach der Heirat die norwegische Staatsbürgerschaft anzunehmen. Aber die Konkurrenz in Norwegen ist auch nicht gerade einfach. Außerdem bin ich jetzt sehr froh, dass ich es nicht getan habe, weil mir so die schönen Momente entgangen wären, die ich mit Evi bei dem Teamsprint in Vancouver 2010 erlebt habe.
Der Stellenwert von Skilanglauf in Deutschland ist meiner Ansicht nach sehr hoch, da durch die vielseitigen Wettkampfarten und interessanten Massenstarts enorme Spannung aufgebaut wird. Im Vergleich zu Biathlon haben wir allerdings in den letzten Jahren in Sponsoren-Hinsicht und an Publicity etwas verloren.

Frage: Gerade die deutschen Winter-Olympionikinnen in Whistler und in Vancouver überzeugten, ob Biathletin Magdalena Neuner, die Skifahrerin Maria Riesch bzw. Viktoria Rebenburg, Rodlerin Tatjana Hüfner, die Skeletoni Kerstin Szymkowiak oder Anja Huber, Paarläuferin Aliona Savchenko, (Bobfahrerin Sandra Kiriasis), die Eisschnellläuferinnen Jenny Wolf bzw. Stephanie Beckert oder nun Evi und Sie. Schinden sich Sportlerinnen mehr als ihre Kollegen? Sind sportive Frauen willensstärker und selbstkritischer – und schieben Misserfolge nicht nur auf äußere Umstände? In Deutschland gibt es ja nicht nur im Sport die viel zitierte „Frauen-Power“?

Claudia Nystad: Der Grad zwischen Erfolg und Misserfolg ist sehr schmal. Ich denke nicht, dass es in dieser Hinsicht einen Unterschied gibt, zwischen uns deutschen Frauen und deutschen Männern. Wir sind alle ausgebildet in dem gleichen und einzigartigen Sportförderungssystem (Sportschulen, Sportfördergruppen Bundeswehr und Bundespolizei, ect.). Erfolg ist eher ein Faktor von Talent und unterstützendem Umfeld und hat weniger zu tun mit spezifischen männlichen oder fraulichen Qualitäten.

Frage: Sie gehören zu den Sportlerinnen, die auch über den sportlichen Tellerrand hinausblicken, sich für soziale Projekte engagieren. So versteigerten sie zu Gunsten der Stiftung „Hänsel und Gretel“, die Kinderschutzprojekte für missbrauchte Kinder fördert, ihre olympische Staffel-Goldmedaille 2002. Sich von der olympischen Goldmedaille zu trennen, die ja das „Nonplusultra“ für eine Sportlerin bzw. einen Sportler symbolisiert, ist Ihnen dieser Schritt nicht schwer gefallen? Gibt es einen ganz besonderen Beweggrund für Ihr soziales Engagement?

Claudia Nystad: Die Medaille an sich ist das Symbol für den Schweiß, das Blut und die Tränen. Wichtiger für den Athlet ist der lange Weg, den man gehen muss, um zu den Olympischen Spielen zu kommen und die Emotionen, die sich während dem Weg dorthin bzw. danach auftun. Mir ist dieser Schritt überhaupt nicht schwer gefallen, weil es das erste Mal war, dass ich mit meinem Namen anderen Menschen in Not helfen konnte. Ich fühle mich eher privilegiert, dass ich in einer Situation bin, in der dieses soziale Engagement im großen Stil möglich ist.

Frage: Bei Ihnen hat der Alterungsprozess ja mit 18 aufgehört. Sotschi 2014 dürfte doch das nächste Ziel sein? Oder wollen Sie lieber die norwegischen Fjorde erkunden?

Claudia Nystad: Gerade jetzt bin ich in der Stimmung, mit meiner Mannschaft die Erfolge zu feiern und wir werden die Saison zusammen zu Ende laufen. Was danach kommt, das besprechen wir auch erst danach.

Frage: Was macht eine Claudia Nystad eigentlich im Sommer? Träumen Sie unter heißer Sonne von verschneiten, klirrend kalten Gegenden ? Wird ganz einfach nur der gekühlte Cocktail genossen?

Claudia Nystad: Ich träume immer von warmen Stränden und heißer Sonne und nicht zuletzt von Beach-Boys. Ich bin eine Sommersportlerin, aber leider gefangen im Körper einer Wintersportlerin… Anders, als viele wissen, ist unsere Haupttrainingszeit im Sommer und somit auch die Zeit, wo wir am meisten reisen und trainieren.

Frage: Zurück zu den Begleitumständen bezüglich des Teamsprint-Olympiasieges … – Was die Kritik von Medien, Trainern und Funktionären der letzten Monate betrifft: Welche „Lehren“, Erkenntnisse ziehen bzw. zogen Sie aus diesen „verbalen Einlassungen“?

Claudia Nystad: Im Nachhinein weiß ich, dass jeder mit Erfolg umgehen kann, aber fast keine Menschen mit Misserfolg. Die sehr wenigen Menschen, die in schwierigen Zeiten zu mir gehalten haben, sind meine wahren Freunde.

Frage: Bereits vor Olympia gab es Druck von Sport-Politikern, -Funktionären oder sonstigen -„V.I.P.`s“ hinsichtlich der Medaillen-Ausbeute – in allen Sportarten. Wie ist die Meinung einer Sportlerin dazu?

Claudia Nystad: Ich finde es eher schön, dass sich so viele hoch profilierte Menschen unserer Gesellschaft für Sport interessieren. Für mich entsteht dadurch kein Druck. Ich freue mich, dass das Augenmerk somit auf unseren Sport gelenkt wird.

Letzte Frage: Was waren für Sie die besonderen Momente der Winterspiele 2010?

Claudia Nystad: Die Hilfsbereitschaft aller Attachés im olympischen Dorf hat mich tief beeindruckt. Eine der Frauen hat mir zum Beispiel vor meinem ersten Rennen meinen Laufanzug, der nicht perfekt gepasst hat, umgenäht. Die freiwilligen Helfer haben extrem hohe Anerkennung verdient. Bei Regen und Schnee standen sie draußen und hatten für jeden ein freundliches Wort. Auch das schlechte Wetter hat mich beeindruckt, sieben Tage Dauerregen… Wobei: An unserem Goldmedaillentag war es wunderschöner Sonnenschein!

Vielen Dank!

Sportliches Kalenderblatt vom 16.Februar 2014 / Claudia Nystad und die Olympischen Winterspiele 2014 – eine Würdigung / rostock-sport.de-Beitrag vom Februar 2014

Olympischer Skilanglauf: Nun alleinige Spitzenreiterin…

Was für eine großartige skisportliche Athletin: Claudia Nystad hat es wieder einmal allen gezeigt – den ewigen Kritikern aus den verschiedensten Bereichen.

Wenn es darauf ankommt, ist sie da, die grosse und „ewig junge“ Wikingerin aus Deutschland. Wer hätte noch vor ein paar Tagen einen „Pfifferling“ auf die deutschen Skilanglauf-Damen gesetzt – außer ein paar aufrichtigen Skisport-Fans und echten Skisport-Experten wohl niemand.

Und nun doch: Bronze in der Langlauf-Staffel – mit Claudia N., der spirituellen Kraft im Team, die allein durch ihre bloße Anwesenheit imponiert, Feuer entfacht und mitreisst.

Auch wenn es mal nicht so läuft, abschreiben sollte man die „Miss Skilanglauf“ eben nie.

Von wegen Geschichte wiederholt sich nicht! Im Skilanglauf-Sport doch… Nicht ganz genau so, aber doch irgendwie fast identisch…

Die sechste olympische Medaille

Nun erkämpfte Claudia ihre sechste olympische Skilanglauf-Medaille bei Olympischen Winterspielen. Bei den Spielen 2002 in Salt Lake City, 2006 in Turin, 2010 in Vancouver und nun 2014 in Sotschi holte „C.N.“ insgesamt 2 x Gold, 3 x Silber, 1 x Bronze – die erfolgreichste deutsche Skilangläuferin bei Olympischen Spielen „aller Zeiten“. Dahinter folgen Freundin Evi Sachenbacher-Stehle, die nun mit der Biathlon-Staffel nach ziehen kann, mit 2 x Gold, 3 x Silber zwischen 2002 sowie 2010 bzw. Barbara Petzold mit 2 x Gold, 1 x Bronze 1976/1980…

Das sind jedoch nur trockene statistische Daten…

Ihr Teamsprint-Olympiasieg 2010 mit Evi Sachenbacher-Stehle war seinerzeit ein Triumph für die „lebendige“ Sportgeschichte. Vor den Spielen setzte es von allen Seiten härteste Kritik, ob von Trainern, Sportfunktionären oder angeblichen Skisport-Fans, weil es nicht so lief, weil die Erfolge und Podestplätze ausblieben.

Und dann dieses Rennen bei Olympia! Ein Wahnsinn… Ein Triumph, der mehr als einen sportlichen Wert besitzt, ein Erfolg, der nachhallt!

Mit einem unglaublichen Endspurt bezwang Claudia nicht nur die starke Konkurrenz, nein, sie und Evi distanzierten damit auch die Kritiker, die ihnen im Vorfeld so arg zusetzten.

Ein echtes Vorbild

Wenn jemand die Wörter „Vorbilder“ und „Vorbildwirkung“ verdienen, dann Claudia und Evi nach diesem denkwürdigen Rennen am 22.Februar 2010 im Whistler Olympic Park.

Die Lehre daraus, gerade für aufstrebende junge Talente: Gib nie auf! Kämpfe immer weiter! Nehme konstruktive Kritik ernst, aber negiere die destruktive! Und: Glaube stets an Dich und Deine Stärken!

Und das beherzigte Claudia, nachdem sie zunächst 2010 zurück trat, studierte und dann 2013 motiviert auf die Loipe zurückkam, selbst auch bestens. Sie schaffte Winter-Olympia 2014 gerade so auf dem letzten „Quali-Drücker“ und schrieb nun am 15.Februar 2014  erneut Geschichte…

Mit dem Blick über den Tellerrand hinaus

Super, Claudia! Zumal sich die anmutige Sächsin stets auch sozial engagierte bzw. engagiert, geistig und charakterlich top ist und über den berühmten sportlichen Tellerrand hinaus blickt!

Chapeau…

– Und nun sind die deutschen Skilangläuferinnen und Skilangläufer in Pyeongchang im Februar 2018 gefordert!

… Der Skisport und M-V

Nicole Fessel – immer für eine vordere Platzierung gut. Foto: Deutscher Skiverband

Der Skisport, ob alpin oder nordisch, hatte und hat begeisterte Fans und Aktivisten durchaus auch in M-V, auch wenn es (noch) keine Aktive und kein Aktiver zu den Nordischen Ski-WM oder zu Olympia schaffte.

Die Mecklenburger und Vorpommern – tatsächlich skisportlich begeisterte Athletinnen und Athleten?!

Spätestens seit 1997, mit der Gründung des Skisportverbandes M-V in Teterow, der von Vertretern des Skisportvereines Ostseeküste e.V., vom Ski-Club Neubrandenburg und vom CDJ Rostock aus „der Taufe gehoben wurde“, steht fest – der nordische sowie der alpine Skisport hat in unserem Bundesland eine zahlreiche bzw. aktive Fan-Gemeinde mit rund 900 organisierten Vereins-Mitgliedern (wobei der gebürtige Güstrower und Biathlet Frank-Peter Roetsch in den 1980ern und Anfang der 1990er für viel sportive Ski-Furore aus M-V-Sicht sorgte).

So existierten zunächst vier Ski-Clubs, der Skisport-Verein Ostseeküste e.V. Rostock, der Skiklub Neubrandenburg e.V. (gegr. 1995), der Skisportverein Grimmen e.V. (Besondere Anmerkung: Dieser wurde 1997 in Österreich „aus der Taufe gehoben“ !) und – so „exotisch“ es klingt – auch die vorpommersche „Sommer-Sonnen-Insel“ Usedom hat mit dem Skiclub Usedom e.V. einen leistungsstarken Ski-Verein. Die Landeshauptstadt M-V darf in dieser Aufzählung natürlich außerdem nicht fehlen und besitzt mit dem ersten Schweriner Ski- und Snowboarder-Verein von 2003 ebenfalls einen ski-sportive Gemeinschaft. Und in Greifswald besteht zudem ein Ski-Team.

Doch so außergewöhnlich ist die mecklenburgisch-vorpommersche Wintersport-Tradition gar nicht.

Unter anderem hatte in der Vergangenheit bereits der SC Traktor Schwerin, gegründet 1955, jahrelang in Oberwiesenthal eine externe Ski- und Rodelsport-Abteilung, um den heimischen Mitgliedern – gerade im Winter – eine sportive Abwechslung zu bieten.

Hilfe von außen

Bei der Gründung der M-V-Ski-Clubs in den 1990er Jahren gab es dabei oft Hilfe „von außen“, insbesondere von den skisportlichen Traditionalisten aus Skandinavien, Russland oder den Alpen-Ländern.

Der Usedomer Ski-Club wurde, beispielsweise, dank „zufälliger“ Unterstützung von Schweizer Skisport-Aktiven geschaffen: Im Juni 1997 reifte damals im kleinen Kreis von Usedomer Wintersportbegeisterten die Idee, eine Interessengruppe für den Skisport zu bilden. In Anwesenheit von Schweizer Sportlern, die zu einem Trainingsaufenthalt in Zinnowitz weilten, gründeten die Usedomer „symbolisch“ die „Interessengemeinschaft für Wintersportler der Insel Usedom“, die in Karlshagen angesiedelt wurde. Mehr als ein Jahr später – am 28.10.1998 – wurde dann die „richtige“ Gründung des „Ski-Clubs Insel Usedom“ vollzogen.

Zu den Aktivitäten der verschiedenen Skisport-Clubs in M-V gehörte und gehört die Förderung des Wintersportes im allgemeinen Schulsport, die Veranstaltung von skisportlichen Reisen bzw. Ausflügen, die Durchführung entsprechender Trainingscamps zum Beispiel in Österreich, in der Slowakei und in Italien, die Sichtung neuer Talente und die Ausbildung von Ski-Lehrern.

Und vielleicht kommt ja im Jahr 3000 einmal ein Olympiasieger im Skilanglauf oder Skispringen aus M-V?! Bis dahin wird hierzulande fleißig geübt! Wann fangen wir an?! Morgen? Nein! Heute!!

Marko Michels

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Blick zum Snowboarden

Ramona Hofmeister hat sich beim Parallelslalom Weltcup in Bad Gastein (12.1.2018) erstmals in die Siegerlisten des FIS Snowboard Weltcups eingetragen. Die 22-Jährige aus Bischofswiesen fuhr im Finale des zweiten PSL-Rennens der Saison wie entfesselt und ihrer Gegnerin Ekaterina Tudegesheva (RUS) vom Start weg Tor für Tor davon und am Ende mit großem Vorsprung über die Ziellinie. „Das ist Wahnsinn, ein unglaubliches Gefühl. Der Hang liegt mir, es hat mir heute richtig getaugt“, freute sich Hofmeister über ihren Premierenerfolg im 19ten Rennen. „Ich hatte in Carezza am Anfang der Saison mit Platz zwei ja schon mein bislang bestes Ergebnis. Dass es so weitergeht, ist unglaublich.“ Pressemitteilung / Oliver Kraus / Snowboard Germany