Nachgefragt beim Landestrainer für die Para-Leichtathletik M-V, Dr. Peer Kopelmann

Stadion am Lambrechtsgrund in Schwerin. Foto: M.M.

Das Leichtathletik-Jahr 2018 ist auch schon wieder zwei Monate alt. Im Januar und im Februar standen auch in M-V und in ganz Deutschland zahlreiche Hallen-Wettkämpfe und -Meisterschaften auf dem Programm.

Anfang März gibt es in Birmingham dann die Hallen-WM. Höhepunkt der Freiluft-Saison im Sommer 2018 werden jedoch die Europameisterschaften in Berlin sein, einerseits die EM für Athletinnen bzw. Athleten ohne Handicaps vom 7.August bis 12.August, andererseits die EM für Athletinnen bzw. Athleten mit Handicaps vom 20.August bis 26.August.

Wie beurteilt Dr. Peer Kopelmann, Landestrainer für die Para-Leichtathletik in M-V, Vergangenes und Kommendes in der Leichtathletik?

„Auch die Leichtathletik ist ein Quotengarant…“

Frage: Das Jahr 2017 ist  längst abgehakt. Wie lautet jedoch Ihr Resümee zum Leichtathletik-Jahr 2017 aus M-V-Sicht, speziell für die Para-Leichtathletik? Die gebürtige Neubrandenburgerin Lindy Ave (HSG Uni Greifswald) konnte ja bei den IPC-WM 2017 Silber über die 200 Meter und Bronze über die 100 Meter erkämpfen…

Dr. Peer Kopelmann: Lindys Medaillenerfolge in London waren der absolute Höhepunkt einer insgesamt sehr erfolgreichen Saison für die Para-Leichtathleten Mecklenburg-Vorpommerns. Neben Lindy Ave war auch die 21jährige Hanna Wichmann bei den Grand Prix-Meetings in Dubai und Berlin erfolgreich. In diesem Jahr geht es für Hanna um die Teilnahme an den Para-EM in Berlin.

Der 20jährige Vincent Fischer durfte sich erstmals das Nationaltrikot überstreifen, als er von der verantwortlichen Nachwuchsbundestrainerin in das U23-Team berufen wurde, welches beim Grand Prix in Nottwil (Schweiz) an den Start ging. Beide starten wie Lindy für die HSG Universität Greifswald. Aber auch Karol Mikesz (SC Neubrandenburg) und Nils Krake (Greifswald) durften sich im Jugend-Bereich über beachtliche Erfolge und Leistungsentwicklungen freuen.

Frage: Welche Ziele hat Lindy Ave mit Blick auf die EM in Berlin? Wird sie ebenfalls an Hallen-Meetings im Winter teilnehmen?

Dr. Peer Kopelmann: Für Lindy ist das EM-Jahr eher ein Übergangsjahr. 2018 hat für sie ihre berufliche Ausbildung mit den Abschlussprüfungen im Juli und August absolute Priorität. In der Halle wird sie lediglich bei den Deutschen Para-Meisterschaften am kommenden Wochenende (Ende Februar) in Erfurt an den Start gehen. Auch im Sommer wird sie nur wenige Wettkämpfe bestreiten. Wenn es ihr gelingen sollte, sich dabei für die EM zu qualifizieren, möchte sie in Berlin natürlich dabei sein.

Frage: Welchen weiteren Leichtathletinnen und Leichtathleten mit Handicaps aus M-V haben 2018 gute Chancen, national wie international erfolgreich zu sein?

Dr. Peer Kopelmann: Anfang Juli finden in Irland die diesjährigen IWAS-Jugendweltmeisterschaften statt. Leider sind die Normen hierfür noch nicht präsent, so dass eine klare Einschätzung schwer fällt. Vincent Fischer und Tom Schulz (beide HSG Universität Greifswald) kämpfen um die Norm, die allerdings bereits schon bis Mitte Mai erfüllt sein muss. Auch Karol Mikesz hat vielleicht eine Chance auf Norm-Erfüllung. Neu im Nachwuchs-Team Mecklenburg-Vorpommerns ist Lee Anne Windmüller (Greifswald), die allerdings erst international klassifiziert werden muss. Je nachdem, welche Startklasse ihr zugewiesen wird, könnte auch Lee Anne eine Chance haben, an den Jugend-WM teilzunehmen.

Letzte Frage: Wie beurteilen Sie generell den Stellenwert der Leichtathletik in Deutschland? Ein Nachrichtenmagazin aus Norddeutschland stieß ja eine Diskussion an, dass der Fußball fast alle anderen Sportarten in Deutschland nahezu „erdrückt“…

Dr. Peer Kopelmann: In den Medien ist das sicher so. Doch die Leichtathletik findet zuallererst in den Stadien statt. Der Deutsche Leichtathletik-Verband bewies in den vergangenen Jahren durch attraktive Meisterschaften und Meetings, dass man auch mit der Leichtathletik viele Zuschauer in die Stadien locken kann.

Viele Vereine mit ihren zahlreichen engagierten Trainerinnen und Trainern leisten ohnehin ein großartige Arbeit bei der Betreuung der Leichtathleten aller Altersklassen. Bei Olympia und WM ist die Leichtathletik auch im Fernsehen Quotengarant. Ich denke, dass es leider die Medien selbst sind, die die Leichtathletik in den Schatten stellen. Die unbefriedigende Medienpräsenz bildet die Leichtathletik-Wirklichkeit aus meiner Sicht nicht ab.

Vielen Dank und ein erfolgreiches Leichtathletik-Jahr 2018!

M.Michels