Jubiläum für eine Wismarer Eisschnellläuferin

Ende März 2015 ist es soweit. Eine gebürtige Wismarerin, die das sportliche Eis eroberte, feiert ihren „50.“… Ja, die Eisschnellläuferin Jacqueline Börner, verheiratete Schubert, wird in der Tat schon „so“ jung! Dabei können sich die Sportfans noch ganz frisch an die Olympischen Winterspiele 1992 erinnern – als wäre es „gestern“ gewesen. Mit einem Vorsprung von fünf Hundertstel Sekunden verwies Jacqueline Börner (2:05,87 Minuten) seinerzeit die große Favoritin Gunda Niemann (2:05,92 Minuten) über die 1500 Meter auf Platz zwei. Dritte wurde die Japanerin Seiko Hashimoto.

Gunda Niemann konnte sich in Albertville`92  allerdings noch mit Gold über die 3000 Meter und die 5000 Meter trösten. Die US-Amerikanerin Bonnie Blair holte vor 23 Jahren die beiden restlichen Olympiasiege über die 500 Meter und 1000 Meter.

WM-Sieg zwei Jahre zuvor

 Jacqueline Börner hatte übrigens zwei Jahre zuvor, bei den Mehrkampf-WM 1990 in Calgary, den WM-Titel vor Seko Hashimoto und Constanze Moser-Scandolo errungen und mußte extrem mit den schlimmen Folgen eines Unfalls – Jacqueline wurde im Sommer 1990 von einem PKW angefahren – kämpfen. Aber sie biss sich durch, gab sich nie auf und schaffte nach harter Reha und Training wieder den Anschluß an die absolute Weltklasse, bis hin zum Olympiasieg.

Der bedeutet ihr natürlich unendlich viel: … „Olympia ist für jede Sportlerin und jeden Sportler so großartig. Es gibt sportlich nichts Besseres. Der Olympiasieg war die Erfüllung eines Lebenstraumes, ein großes Glück, eine Selbstbestätigung und ein erfolgreicher Augenblick, den man nicht vergisst.

An die ersten drei Tage danach erinnere ich mich gar nicht mehr so genau. Nicht etwa, weil ich zu viel `Champus` getrunken hätte –  ich lebte wie in Trance.  Es war Freude und Glücksgefühl zugleich! Auch wenn ich ansonsten nicht `bibelfest`bin: Der liebe Gott hat es mehr als gut mit mir gemeint: Er hätte mir in Albertville`92 auch Bronze `schenken` können – und ich wäre sehr, sehr glücklich gewesen … Jedoch Gold – das war der `Hammer`!“

Ja, mitunter gewinnen im Hochleistungssport wirklich die Richtigen!

M-V mit Tradition im Eisschnelllaufen

Auch ansonsten hat M-V, hat Rostock großartige Eisschnellläuferinnen und Eisschnellläufer vorzuweisen.

So wohnte die spätere Olympiasiegerin 1960 über 500 Meter sowie Olympia-Zweite 1960 über die 1000 Meter, Helga Haase, bis 1952 zeitweise in Schwerin-Neumühle.

Und es gibt weitere Beispiele… Horst Freese, der gebürtige Rostocker Eisschnellläufer und für die Bundesrepublik startend, war Olympionike 1976 in Innsbruck. Dort  startete auch Karin Kessow, die Weltmeisterin von 1975 (Mehrkampf), die im damaligen vorolympischen Jahr in Assen Tatjana Awerina (UdSSR) und Sheila Young (USA) auf die anderen Podestplätze verwies. Heike Lange, 1975 Vize-Weltmeisterin im Eisschnelllauf (Sprint) in Göteborg hinter Sheila Young (USA) und vor Cathy Priestner (Kanada), war außerdem – wie Karin Kessow oder Horst Freese – als gebürtige Rostockerin auf den olympischen Strecken 1976 unterwegs.

Medaillen gab es für das Rostocker Trio in Innsbruck`76 leider nicht, insbesondere Karin Kessow „schrammte“ haarscharf an den Olympia-Medaillen „vorbei: Sie wurde Vierte über die 3000 Meter und Fünfte über die 1500 Meter.

Karin Kessow, verheiratete Drbal, blickt noch heute gern auf ihre Zeit in Rostock zurück bzw. ist noch immer in Kontakt mit Rostock … „Mit der heutigen Trainerin für Short Track beim ESV Turbine Rostock Karin Schmidt  war ich ja in einer Trainingsgruppe. Ihre Mutter Gerda Hoffmann war unsere Trainerin. Nicht zuletzt dank ihrer Betreuung konnte ich 1970 Spartakiade-Siegerin werden. Die Grundlagen für meine spätere international erfolgreiche Laufbahn wurden in Rostock gelegt. Glücklicherweise hatten Karin und ich zwei Jahre Altersunterschied, so wurden wir nie direkte Konkurrentinnen und blieben Freundinnen…“

In Calgary 1988, bei den dortigen Winterspielen, kam zudem der gebürtige Barther Roland Freier, für den SC Karl-Marx-Stadt startend, zu jeweils Rang acht über die 5000 Meter und 10000 Meter.

Die Weltmeisterschaften im Eisschnelllaufen 2015 – ein Resümee

Bei den aktuellen Weltmeisterschaften starteten – betrüblicherweise – keine Eisschnellläuferinnen und Eisschnellläufer mit „MV-Background“, aber auch „ohne M-V“ war es auf dem WM-Eis spannend.

So dominierten bei den Einzelstrecken-WM in Heerenveen die Niederlande mit 5 x Gold, 7 x Silber, 5 x Bronze vor den USA mit 4 x Gold, 2 x Silber, 1 x Bronze und Russland mit 2 x Gold, 1 x Silber, 1 x Bronze. Für die Amerikanerin Brittany Bowe (Siegerin 1000 Meter/1500 Meter) und die Tschechin Martina Sablikova (3000 Meter/5000 Meter) gab es jeweils zweimal Gold bei den Frauen. Heather Richardson (USA) avancierte zur Nummer eins in der 500 Meter-Gesamtwertung. Irene Schouten (Niederlande) ließ der Konkurrenz im Massenstart keine Chance und die Team-Verfolgung war „eine Sache“ der Japanerinnen.

Bei den Herren verteilten sich die Medaillen „kunterbunt“, wenngleich die Niederländer sich wahrlich als „fliegend“ entpuppten. Jorrit Bergsma schaffte Gold über die 1000 Meter – ebenso wie seine Landsleute im Massenstart (Arjan Stroetinga) und in der Team-Verfolgung. Die anderen Herren-Titel sicherten sich Pawel Kulischnikow (Russland/500 Meter Gesamt-Wertung), Shani Davis (USA/1000 Meter) und Denis Juskow (Russland/1500 Meter).

Für das deutsche Team belegten Claudia Pechstein (5000 Meter) und Patrick Beckert (10000 Meter) Bronze-Ränge.

Zwischen Calgary und Astana

In der Olympiastadt 1988, in Calgary, fanden in diesem Jahr ebenfalls die Mehrkampf-Weltmeisterschaften – wie schon 1990, als Jacqueline Börner triumphierte, statt. Die 2015er Titelträger kamen jedoch aus Tschechien (Martina Sablikova) und den Niederlanden (Sven Kramer). Martina Sablikova verwies die Niederländerin Ireen Wüst sowie die Norwegerin Ida Njatun auf die Plätze zwei und drei. Sven Kramer platzierte sich vor Denis Juskow (Russland) und Sverre Lunde Pedersen (Norwegen).

Im kasachischen Astana durften dann auch die Sprinterinnen und Sprinter ihre Weltmeister ermitteln. Bei den Frauen setzte sich in der Gesamt-Wertung Brittany Bowe (USA) vor Heather Richardson (USA) und Karolina Erbanova (Tschechien) durch. Im Herren-Klassement jubelte Pawel Kulischnikow (Russland) über Gold. Dahinter folgten Hein Otterspeer (Niederlande) und Alexej Jesin (Russland).

Sie alle feierten – und eine feiert bald mit: Jacqueline Schubert!

Marko Michels

Foto/Michels: Asse aus M-V auf dem Eis: Jacqueline Schubert und Karin Drbal.