Deutsche Medaillenhoffnung im Paarlaufen

Die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang rücken immer näher. Dort sind selbstverständlich auch die Eiskunstläuferinnen und Eiskunstläufer gefordert, deren Sportart seit 1908 olympisch ist.

Eiskunstlauf – Symbolbild

Sieben Goldene für deutsche Eiskunstlauf-Asse

Bei den Frauen gab es aus deutscher Sicht bislang drei Goldmedaillen: 1980 durch Anett Pötzsch (Dritte: Dagmar Lurz), 1984 bzw. 1988 durch Katarina Witt, die dann immerhin 1994 noch einmal Siebente wurde. Auch im olympischen Paarlaufen triumphierten deutsche Duos bislang dreimal: 1908 Anna Hübler/Heinrich Burger, 1936 Maxi Herber/Ernst Baier und 1952 Ria Falk/Paul Falk. Bei den Herren ist es erst eine Goldene für Deutschland zu verzeichnen: 1964 durch Manfred Schnelldorfer.

Insgesamt erkämpften deutsche Eiskunstläuferinnen und Eiskunstläufer bei Olympia 23 Medaillen. Besser waren nur Russland (mit SU und GUS) mit 56 Medaillen (darunter 28 x Gold), die USA mit 48 Medaillen (darunter 15 x Gold) und Kanada mit 25 Medaillen (darunter 4 x Gold).

M-V mit drei Olympia-Startern im Eiskunstlaufen

Aus M-V Sicht starteten bislang drei Eiskunstläufer bei Winter-Olympia, so der gebürtige Rostocker Ralph Borghard (SC Dynamo Berlin) 1964 in Innsbruck (Herren-Einzel/Elfter), der gebürtige Rostocker Rolf Oesterreich (SC Dynamo Berlin) 1976 in Innsbruck (Paarlauf, mit Romy Kermer, Silber) und der gebürtige Greifswalder Robin Szolkowy (Chemnitzer EC) 2010 in Vancouver (Paarlauf, mit Aliona Savchenko, Bronze) bzw. 2014 in Sotschi (Paarlauf, mit Aliona Savchenko, Bronze).

Blick auf das globale Eiskunstlauf-Geschehen 2017/18

In der Gegenwart bestimmen insbesondere die Eiskunstläuferinnen und Eiskunstläufer aus Nordamerika, aus Ostasien, Russland und Westeuropa das Welt-Niveau.

Die amtierenden Weltmeisterinnen und Weltmeister im Eiskunstlaufen (WM 2017 in Helsinki) sind Jewgenija Medwedewa (Russland, Frauen), Yuzuru Hanyu (Japan, Herren), Sui Wenjing/Han Cong (China, Paarlauf) und Tessa Virtue/Scott Moir (Kanada, Eistanz). Die nächsten Welt-Titelkämpfe im Eiskunstlaufen werden – kurz nach Olympia 2018 – rund drei Wochen später vom 19.März 2018 bis 25.März 2018 in Mailand ausgetragen.

Bei der „Grand Prix-Serie“ 2017/18, die von Oktober 2017 bis Dezember 2017 dauerte und die Stationen Moskau (Rostelecom-Cup), Regina (Skate Canada), Peking (Cup of China), Osaka (NHK-Trophy), Grenoble (Internationaux de France), Lake Placid (Skate America) und Nagoya (Grand Prix-Finale) umfasste, ginge die ersten Ränge an Russland (neun), die USA (fünf), Kanada (vier), Frankreich (drei), Japan, China bzw. Deutschland (jeweils zwei) und Spanien (einen).

Aliona Savchenko/Bruno Massot – die deutsche Medaillen-Hoffnung für Pyeongchang

Die Erfolge beim Grand Prix-Finale in Nagoya im Dezember erkämpften Alina Zagitova (Russland, Damen), Nathan Chen (USA, Herren), Aliona Savchenko/Bruno Massot (Deutschland, Paarlauf) und Gabriella Papadakis/Guilllaume Cizeron (Frankreich, Eistanz).

Für Aliona Savchenko/Bruno Massot gab es neben Gold in Nagoya noch eine weitere Goldmedaille in Lake Placid und eine Silbermedaille in Regina.

Blick zu den aktuellen Kontinental-Meisterschaften 2018

Bei den EM 2018 im Januar in Moskau triumphierten dann Alina Zagitova (Russland, Frauen), Javier Fernandez (Spanien, Herren), Jewgenija Tarassowa/Wladimir Morosow (Russland, Paarlauf) und Gabriella Papadakis/Guillaume Cizeron (Frankreich, Eistanz).

Und bei den Vier-Kontinente-Meisterschaften (mit den besten Eiskunstläuferinnen und Eiskunstläufern aus Amerika, Asien, Afrika und Australien/Ozeanien)  2018 im Januar in Taipei setzten sich Kaori Sakamoto (Japan, Frauen), Jin Boyang (China, Herren), Tara Kayne/Danny O`Shea (USA, Paarlaufen) und Kaitlin Hawayek/Jean-Luc Baker (USA, Eistanz) durch. Das nordkoreanische Duo im Paarlaufen Ryom Tae-ok/Kim Ju-sik wurde Dritter.

Olympische Entscheidungen in Pyeongchang

Die olympischen Entscheidungen im Eiskunstlaufen 2018 gibt es am 12.Februar (Team-Wettkampf), am 15.Februar (Paarlaufen), am 17.Februar (Herren), am 20.Februar (Eistanz) und am 23.Februar (Damen), jeweils in der Eishalle in Gangneung.

 


 

Eiskunstlaufsportliches Kalenderblatt vom 12.Februar 2014 (ein „rostock-sport.de“-Beitrag)

Bronze statt Gold: Gebürtiger Greifswalder Robin Szolkowy wurde mit Partnerin Aljona Sawtschenko Dritter im Paarlaufen in Sotschi… / Dreizehnte olympische Paarlauf-Medaille für Deutschland und dreizehntes olympisches Paarlauf-Gold für Russland

Der olympische Paarlauf-Wettbewerb 2014 versprach Spannung pur, wurde doch der „ewige Zweikampf“ der Eis-Duos aus Russland und Deutschland erwartet. Aljona Sawtschenko und der gebürtige Greifswalder Robin Szolkowy versus Tatjana Wolossoschar/Maxim Trankow:

Die Weltmeister 2008, 2009, 2011, 2012 (Anmerkung M.M.: Nach Olympia 2014 in Sotschi, bei den WM 2014 in Saitama, gab es dann das fünfte WM-Gold!), Europameister 2007, 2008, 2009, 2011, Olympia-Dritten 2010 sowie Grand Prix-Final-Gewinner 2007/08, 2010/11, 2011/12, 2013/14 (Sawtschenko/Szolkowy) gegen die Weltmeister 2013, Europameister 2012, 2013, 2014 sowie Grand Prix-Final-Gewinner 2012/13 (Wolossoschar/Trankow).

Russland und Deutschland am erfolgreichsten

Bei den bisherigen olympischen Paarlauf-Wettbewerben zwischen 1908 und 2010 war bislang Russland (mit  UdSSR) mit 20 Medaillen, davon 12 x Gold, vor Deutschland (12 Medaillen, davon 3 x Gold) und Kanada (7 Medaillen, davon 2 x Gold) am besten. Irina Rodnina schaffte dabei 3 x Gold (1972 mit Alexej Uljanow, 1976 und 1980 mit Alexander Saizew).

Von 69 Medaillen (bis 2010) im olympischen Paarlaufen gingen allein 52 nach Europa. Der „alte Kontinent“ gewann damit in dieser Eiskunstlauf-Disziplin bis 2010 mehr als 75 Prozent aller olympischen Medaillen. Lediglich Nordamerika mit 12 Medaillen (Kanada:7, USA: 5) und Asien dank China (5 Medaillen) gelang es, die europäische Dominanz zu durchbrechen.

Von 24 olympischen Goldmedaillen erkämpften die europäischen Paare 21. Lediglich 1960 in Squaw Valley, durch Barbara Wagner/Robert Paul (Kanada), 2002 in Salt Lake City, durch Jamie Sale/David Pelletier (Kanada / gemeinsam mit Jelena Bereschnaja/Anton Sicharulidse aus Russland), und 2010 in Vancouver, durch Shen Xue/Zhao Hongbo (China, vor Pang Qing/Tong Jian ebenfalls aus China), konnten nicht-europäische Duos olympisches Paarlauf-Gold erringen.

Deutsche Duos mit dreimal Gold

Den Traum vom olympischen Paarlauf-Gold erfüllten sich aus deutscher Sicht indes 1908 in London (im Rahmen der Sommerspiele) Anna Hübler/Heinrich Burger, 1936 in Garmisch-Partenkirchen Maxi Herber/Ernst Baier und 1952 in Oslo Ria Falk/Paul Falk.

An der olympischen Goldmedaille im Paarlaufen 1920 in Antwerpen (wie 1908 im Rahmen der Sommerspiele) war auch die gebürtige Potsdamerin Ludowika Jakobsson, geborene Eilers, beteiligt. Sie startete zusammen mit ihrem finnischen Ehemann Walter Jakobsson und hatte natürlich ebenfalls die finnische Staatsangehörigkeit.

„Glamour on Ice“

„Glamour on Ice“ präsentierten zudem Marika Kilius/Hans-Jürgen Bäumler bei den Olympischen Winterspielen 1960 und 1964 (jeweils Silber). Das wohl anmutigste, berührendste, ja  hinreißendste Paar in der Geschichte des olympischen Paarlaufens ist jedoch das Duo Jekaterina Gordejewa/Sergej Grinkow (Russland), die 1988 und 1994 jeweils den ersten Platz belegten und die Zuschauer mit ihren Darbietungen wahrlich verzauberten. Leider verstarb Sergej im Alter von gerade einmal 28 Jahren…

Auch M-V, speziell Rostock, konnte in der olympischen Paarlauf-Historie bereits jubeln: Der gebürtige Rostocker Rolf Oesterreich, der 2012 „60 Lenze“ feierte, wurde mit seiner Partnerin Romy Kermer bei den Weltmeisterschaften 1974 in München Dritter, 1975 in Colorado Springs Zweiter und 1976 in Göteborg noch einmal Zweiter. Höhepunkt war zweifellos das olympische Silber 1976 in Innsbruck.

Wie ging „das Ganze“ jedoch 2014 im olympischen Paarlauf-Wettbewerb in Sotschi aus?!

Am zweitägigen Wettbewerb am 11. Und 12.Februar 2014 im „Iceberg Skating Palace“ in Sotschi nahmen 20 Paare aus 12 Ländern teil, wobei für Russland sowie Kanada jeweils drei Paare starteten. Für Deutschland – neben Aljona Sawtschenko und Robin Szolkowy waren auch Maylin Wende/Daniel Wende qualifiziert – China, den USA und Italien nahmen zwei Paare teil. Und für Frankreich, Israel, Österreich, Japan, Großbritannien und die Ukraine waren jeweils ein Paar vor Ort, wobei die österreichschen, japanischen, britischen und ukrainischen Duos leider die Kür sportlich verpassten.

Nach dem Kurzprogramm bestätigten sich die Erwartungen der Experten und Fans: Tatjana Wolossoschar/Maxim Trankow lieferten sich mit Aljona Sawtschenko/Robin Szolkowy eine Zweikampf. So führte das russische Eis-Paar zunächst mit 84,17 Punkten vor Aljona bzw. Robin, die 79,64 Punkte – mit ihrem Programm „Pink Panther“ – erreichten. Dahinter folgten Ksenia Stolbowa/Fjedor Klimow (Russland), Pang Qing/Tong Jian (China) und Meagan Duhamel/Eric Radford (Kanada). Eine mega-spannende Entscheidung in der Kür am 12.Februar war damit „vorprogrammiert“…

Leider kam für Robin Szolkowy und seiner Partnerin Aljona Sawtschenko dann bei der Kür vor 12000 Zuschauern vor Ort dann vieles anders als erhofft. Mit ihrer Darbietung zu Tschaikowskis „Nussknackersuite“ „knackten“ sie zwar durchaus die Herzen des Publikums, blieben aber leider nicht fehlerfrei. Am Ende gab es für Robin und Aljona wieder „nur“ Bronze – wie schon bei Olympia 2010 in Vancouver. Gold erhielten verdient Tatjana Wolossoschar/Maxim Trankow mit beeindruckenden 236,86 Punkten vor ihren Landsleuten Ksenja Stolbowa/Fjodor Klimow, die 218,68 Punkte erreichten. Robin und Aljona kamen hingegen nur auf 215,75 Punkte. Hinter Robin und Aljona folgten Pang Qing/Tong Jian aus China und Kirsten Moore-Towers/Dylan Moscovitch aus Kanada.

Auch wenn die Enttäuschung bei Aljona und Robin, deren Ziel „einzig und allein“ Olympia-Gold 2014 war, nun groß ist, so sollten sich beide doch an die vielen positiven und goldenen Momente in ihrer so imposanten Laufbahn erinnern. Hey – und was heißt hier „nur“ Bronze! Eine Leistung, die zu einer solchen Medaille führt, muß erst einmal erbracht werden. Und die bisherigen WM-, EM- und Grand Prix-Erfolge beweisen doch, dass Robin und Aljona auch ein Sieger-Paar sind. Mit ihren leidenschaftlichen, liebevollen und anmutigen Auftritten haben sie jedenfalls ebenfalls Eiskunstlauf-Geschichte geschrieben.

Was bliebe noch festzuhalten?!

Ach ja: Russland sicherte sich mit Gold und Bronze die Medaillen Nr.21 und Nr.22 im olympischen Paarlaufen – und die insgesamt 13.Goldmedaille in dieser Disziplin. Für Deutschland bedeutete die 2014er Paar-Medaille das 13.Edelmetall in der Geschichte des Paarlauf-Wettbewerbes unter den olympischen Ringen. Damit steht auch die – in Medaillen gemessene – olympische Kräfteverteilung zwischen 1908 und 2014 im Paarlaufen bei Olympia fest: Von 72 olympischen Medaillen im Paarlaufen holten sich die Europäerinnen bzw. Europäer bislang 55 … Und die 22.olympische Goldmedaille für den „alten Kontinent“ war am Ende dann doch eine klare Angelegenheit für Tatjana Wolossoschar/Maxim Trankow …

Die Olympiasiegerinnen und Olympiasieger 2014 im Eiskunstlaufen

Neben Tatjana Wolossoschar/Maxim Trankow  triumphierten bei Winter-Olympia 2014 Yuzuru Hanyu (Japan/Herren-Einzel), Adelina Sotnikova (Russland/Damen-Einzel), Meryl Davis/Charlie White (USA/Eistanz) und das russische Team unter anderem mit Jewgeni Pluschenkow und Julia Lipnitskaja bzw. Xenia Stolbowa/Fedor Klimow.

 


 

Die nominierten deutschen Eiskunstläuferinnen und Eiskunstläufer für Winter-Olympia 2018

Ruben Blommaert (SC Berlin/Paarlauf), Paul Fentz (SC Berlin/Einzellauf Herren), Annika Hocke (SCC Berlin/Paarlauf), Kavita Lorenz (EC Oberstdorf/Eistanz), Bruno Massot (EC Oberstdorf/Paarlauf), Joti Polizoakis (EC Oberstdorf/Eistanz), Aljona Savchenko (EC Oberstdorf/Paarlauf), Nicole Schott (Essener Jugend Eiskunstlauf/Einzellauf Damen)

Übrigens: Der Greifswalder Robin Szolkowy ist inzwischen Co-Trainer des russischen Erfolgs-Duos Jewgenia Tarassowa/Wladimir Morosow, den  Europameistern 2017 und 2018 sowie WM-Dritten 2017.

 

Text: Marko Michels