Sarah Scheurich vom BC Traktor Schwerin wird Dritte im Mittelgewicht

Nicht nur erfolgreich im Boxring: Sarah Scheurich vom BC Traktor Schwerin. M.M.

Vom 4. bis 12. Juni 2018 gehörte der europameisterliche Boxring den Faustkampf-Amazonen. In Sofia traten 150 Sportlerinnen aus 33 Ländern in den Wettstreit um die zehn Goldmedaillen. Darunter waren auch Sarah Scheurich (24, Mittelgewicht) vom BC Traktor Schwerin und Ornella Wahner (25, Federgewicht) vom SKC TaBeA Halle 2000 e.V.. Beide trainieren am Olympiastützpunkt Schwerin.

Zweimal Bronze für die deutsche Staffel

Von den neun Starterinnen der deutschen Staffel, die sämtlich nicht enttäuschten aber auch viel Los-Pech hatten,  erboxten sich Sarah Scheurich und Nadine Apetz (Weltergewicht) jeweils eine Bronzemedaille.  Ornella Wahner musste gleich im ersten Kampf gegen die russische Favoritin in der Gewichtsklasse bis 57 Kilogramm, Daria Abramowa, ran und verlor nach großem Kampf. Die Russin erreichte letztendlich auch das Finale und wurde in der Endabrechnung Zweite hinter der Bulgarin Stanimira Petrowa.

In der Gewichtsklasse von Sarah Scheurich, dem Mittelgewicht, siegte die Niederländerin Nouchka Mireille Fontijn vor der Ukraine Mariya Borutsa. Platz drei teilten sich die Waliserin Lauren Louise Price und Sarah. Die Athletin des BC Traktor Schwerin hatte im Viertelfinale die Polin Elzbieta Wojcik klar bezwungen, unterlag dann allerdings der Niederländerin Nouchka Mireille Fontijn (Europameisterin und WM-Dritte 2014, Siegerin der Europaspiele 2015 und WM- bzw. Olympia-Zweite 2016).

Das Niveau der diesjährigen EM war insgesamt ausgezeichnet und die Leistungsdichte enorm. So erkämpften Athletinnen aus 14 Nationen Medaillen, wobei die zehn Goldenen an Russland bzw. Bulgarien mit je drei Erfolgen, Finnland mit zwei Erfolgen und die Niederlande bzw. Italien mit jeweils einem Erfolg gingen. In der leichtesten Gewichtsklasse, dem  Halbfliegengewicht,  siegte übrigens die Russin Jekaterina Paltschewa und in der höchsten Gewichtsklasse, dem Schwergewicht, die Italienerin Flavia Severin. Die Bulgarinnen nutzten ihren Heimvorteil gekonnt, erreichten dreimal Gold, einmal Silber, zweimal Bronze und stellten damit nach Russland (dreimal Gold, viermal Silber, zweimal Bronze) die zweiterfolgreichste Staffel.

EM der Frauen seit 17 Jahren

Seit 17 Jahren finden Europameisterschaften im Frauen-Boxen statt. Saint-Amand-les-Eaux (Frankreich) war 2001 erster Austragungsort einer offiziellen Frauen-Box-EM für Amateurinnen. Sofia, bereits 2016 EM-Gastgeber, richtete zwei Jahre später auch jene für Frauen aus, die unter der Bezeichnung „European Amateur Boxing Championships“ firmieren. Aus deutscher Sicht gab es bislang neun EM-Medaillen.

Zusätzlich werden seit 2006 auch europäische Titelkämpfe veranstaltet, die den Titel „European Union Amateur Boxing Championships“ (EU-Meisterschaften) haben. An diesen dürfen allerdings nur jene Länder teilnehmen, die Mitglied der Europäischen Union sind. Bei den bisherigen acht Auflagen zwischen 2006 in Porto Torres (Italien) und 2017 in Cascia (Italien) waren die deutschen Boxerinnen ungleich erfolgreicher, weisen dort die Ausbeute von 18 Medaillen, darunter einmal Gold (2017 in Cascia) auf. Diese Goldmedaille erkämpfte die WM-Dritte von 2016, Nadine Apetz im Weltergewicht. Ornella Wahner, die Junioren-Weltmeisterin von 2011  holte im selben Turnier Silber.

Gute Entwicklung des Frauen-Boxsportes

Insgesamt läßt sich resümieren, dass sich der Frauen-Boxsport weltweit weiter positiv entwickelt. Seit 2001 in Scranton finden offizielle Amateur-WM statt und seit 2012 ist Frauen-Boxen olympisch. Vergleicht man die Teilnehmerzahlen der ersten Frauen-Box-EM 2001 (78 Athletinnen aus 14 Ländern) mit der Teilnehmerzahl von 2018 (150 Athletinnen aus 33 Ländern), so kann man feststellen, dass in fast allen europäischen Ländern der Frauen-Boxsport nicht nur akzeptiert ist, sondern auch intensiv gefördert wird.

WM und Jugend-Olympia als nächste Herausforderungen

Weltmeisterlich wird es für die Boxsportlerinnen 2018 ebenfalls noch: Vom 15. bis 24.November finden die zehnten Weltmeisterschaften  in Neu-Delhi statt. Zuvor, vom 6. bis 18.Oktober,  sind die jungen Faustkämpferinnen bei den dritten Olympischen Jugend-Spielen in Buenos Aires gefordert.

M. Michels