Der Basketball-Sport im Blickfeld

Das nacholympische Jahr 2017 war basketballsportlich betrachtet auch wieder ein ereignisreiches. Nachdem die Teams der Vereinigten Staaten von Amerika (Frauen, Herren) bei den WM 2014 und bei den Olympia-Turnieren 2016 jeweils als Sieger hervor gingen, standen in diesem Jahr die 36.EM bei den Frauen bzw. die 40.EM bei den Herren auf dem Programm. Im Frauen-Basketball wurde Spanien 2017 zum dritten Mal EM-Ersten, bei den europäischen Titelkämpfen der Herren setzte sich Slowenien erstmals durch.

Auch in M-V gibt es demnächst wieder spannende Basketballspiele, so für das Team der Rostock Seawolves in der zweiten Bundesliga Nord. Für die Seawolves beginnt die neue Saison 2017/18 mit den Auswärtsspielen am 23.September gegen die VfL Sparkassen Stars Bochum bzw. am 30.September gegen die ETB Wohnbau Baskets Essen. Das erste Heimspiel wird dann am 8.Oktober gegen die Artland Dragons folgen.

Wie beurteilt nun jedoch Christoph Bueker, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit beim Deutschen Basketball-Bund, die Herren-EM 2017, die Entwicklung und den Stellenwert des Basketballsportes in Deutschland?

MV-SPORT fragte nach

„Das deutsche Team hat sich bei der EM bestens präsentiert…“

Frage: Gerade gingen die 40.EM im Herren-Basketball zu Ende. Was zeichnet den neuen Europameister Slowenien aus? Wie beurteilen Sie das Abschneiden des deutschen Teams?

Christoph Bueker: Slowenien hat hochattraktiven Basketball geboten und ist verdient Europameister geworden. Wie es im Finale die Ausfälle von Doncic und am Ende auch Dragic verkraftet hat, das ist schon Anerkennung wert. Unsere Mannschaft hat sich bei der EM bestens präsentiert und tolle Spiele gezeigt. Wir waren das jüngste Team bei der EuroBasket und ich bin sehr zuversichtlich, dass wir solche Spiele wie gegen Spanien im Viertelfinale in zwei, drei Jahren gewinnen werden.

Frage: Wie ist eigentlich die Entwicklung des Basketballsportes in Deutschland – bei Frauen und Männern? Wie viele Vereine und wie viele aktive Basketball-Spielerinnen bzw. -Spieler gibt es?

Christoph Bueker: Die Entwicklung ist entgegen des Trends bei den Mannschaftssportarten positiv, die Mitgliederzahlen steigen leicht an, im jüngsten Altersbereich sogar erfreulich stark. Wir haben derzeit etwa 2.200 Basketball-Vereine bzw. –Abteilungen mit rund 195.000 Mitgliedern.

Frage: Wie ist ansonsten der Zuspruch der jungen Sport-Talente in Deutschland zum Basketballsport?

Christoph Bueker: Wie gesagt, in der jüngsten Altersgruppe verzeichnen wir die stärksten Zuwächse. Das liegt sicher an einem verstärkten Engagement in den Schulen und im Minibasketball. Hier setzen der DBB, die Landesverbände und auch die Bundesligen stärkere Schwerpunkte.

Letzte Frage: Welchen Stellenwert hat der Basketballsport in Deutschland aus Ihrer Sicht?

Christoph Bueker: Der Sport in Deutschland wird bestimmt von Fußball. Dahinter gilt es, seine „Lücke“ zu finden. Ich glaube, dass das dem Basketball gut gelingt und dass bei größeren Erfolgen der Nationalmannschaft auch noch mehr möglich ist. Basketball ist ein attraktiver Sport, dem mehr Aufmerksamkeit gebührt.

Vielen Dank, dann weiterhin bestes Engagement für den Basketballsport und maximale Erfolge!

Zur Info: Die Basketball-EM 2017 im Fokus

Das Basketball-EM-Turnier der Herren 2017 war die 40.Auflage seit der EM-Premiere 1935. Im Finale am 17.September in Istanbul bezwang Slowenien die serbische Mannschaft mit 93:85 und kam damit zum ersten EM-Gold im Herren-Basketball überhaupt. Dritter wurde Spanien, das gegen Russland im kleinen Finale ebenfalls mit 93:85 gewann.

Das deutsche Team war in der Vorrunde in Tel Aviv dreimal siegreich, gegen die Ukraine mit 75:63, gegen Georgien mit 67:57 bzw. gegen Italien mit 61:55, hatte allerdings auch zwei Niederlagen hinnehmen müssen, gegen Israel mit 80:82 bzw. gegen Litauen mit 72:89.

Im Achtelfinale triumphierte die deutsche Mannschaft dann mit 84:81 gegen Frankreich, unterlag folgend im Viertelfinale Spanien mit 72:84.

Die besten Resultate aus deutscher Sicht bei Basketball-EM der Herren waren EM-Gold 1993 und EM-Silber 2005.

Rekord-Europameister bei Herren-Basketball-EM ist Russland (einschließlich UdSSR) mit 15 Titeln vor Serbien (mit Jugoslawien bzw. Serbien-Montenegro) mit 8 Titeln, Spanien bzw. Litauen mit jeweils 3 Titeln, Italien bzw. Griechenland mit jeweils 2 Titeln sowie der Tschechoslowakei/Tschechien, Frankreich, Ungarn, Lettland, Deutschland, Ägypten und Slowenien mit jeweils einem Titel.

Bei den Basketball-EM der Frauen im Juni 2017 in Tschechien triumphierte Spanien vor Frankreich, Belgien und Griechenland. Rekord-Europameister im Frauen-Basketball ist ebenfalls Russland (einschließlich UdSSR) mit 24 Titeln vor Spanien mit 3 Titeln, Frankreich mit 2 Titeln, Bulgarien, Polen, Italien, Litauen, Tschechoslowakei/Tschechien, der Ukraine und Serbien mit jeweils einem Titel. Seit 1938 werden übrigens Basketball-EM für Frauen durchgeführt.

Für deutsche Mannschaften im Frauen-Basketball gab es auch schon EM-Plaketten, so 1966 und 1997 jeweils Bronze.

Marko Michels

Archiv-Foto (Michels): Auch in M-V beliebt – Basketball.