Aline Focken, die Vize-Weltmeisterin 2017 im Ringen, über den Saison-Höhepunkt in diesem Jahr

In M-V auch mit Tradition: Das Ringen Foto: Maik Micera

Die Welt-Titelkämpfe im Ringen in Paris 2017 sind auch schon wieder längst Geschichte (MV-SPORT berichtete). Bei den Frauen dominierte erwartungsgemäß Japan mit viermal Gold, einmal Silber, einmal Bronze. Die restlichen Titel im Frauen-Ringen verteilten sich auf die USA, die Türkei, Weissrussland und die Mongolische Republik. Auch zwei Ringerinnen aus Afrika kamen in die Finals. Aus deutscher Sicht schaffte die Krefelderin Aline Focken in der Gewichtsklasse bis 69 Kilogramm nach WM-Gold 2014 und WM-Bronze 2015 nun WM-Silber.

Interview

Aline über ihren Wettkampf, die internationale Entwicklung des Frauen-Ringkampfsportes, die WM-Ergebnisse der deutschen Herren, die WM in Paris und weitere sportliche Herausforderungen

„Das WM-Turnier 2017 war ein Fest….“

Frage: Noch einmal ein ganz großes Kompliment zu Ihrem Erfolg, Aline! Wie verlief der Wettkampf aus Ihrer Sicht?

Aline Focken: Vielen Dank. Der Wettkampf in Paris war für mich in vielerlei Hinsicht besonders. Nicht nur, weil ich zum ersten Mal seit langer Zeit wieder fünf harte Kämpfe nacheinander hatte – diese dann auch in vier von fünf Kämpfen ausschließlich gegen Asiatinnen – sondern ebenfalls aufgrund der Tatsache, dass die Vorbereitung erstmals für mich schwierig verlaufen ist.

Ich verletzte mich sechs Wochen vor der Weltmeisterschaft an meiner Schulter und konnte bis eine Woche vor den Titelkämpfen nicht richtig auf der Matte trainieren. Deshalb war ich sehr verunsichert ,wie und ob meine Schulter dem ganzen standhalten würde und ob ich meine volle Leistung abrufen kann. Umso überraschter war ich als das gelang…

Frage: Auch bei den Ringerinnen streben immer mehr Länder auf die Medaillen-Podeste. Wie bewerten Sie persönlich die Entwicklung des Frauen-Ringens?

Aline Focken in Aktion. Foto: Kadir Caliskan / Deutscher Ringer-Bund

Aline Focken: Ich bewerte die Entwicklung des Frauen-Ringens ebenfalls sehr positiv. Es ist bemerkenswert , auf wie viele Nationen die Medaillen mittlerweile verteilt sind und aus wie vielen Ländern inzwischen erfolgreich Ringerinnen stammen. Ich finde diese globale Vielfalt für die Sportart sehr erfreulich. Für mich macht es alles natürlich etwas schwieriger…

Frage: Mit Blick zu den Herren… Wie lautet Ihr Resümee zu den Ergebnissen der deutschen Ringer-Kollegen? Konnten Sie einige Kämpfe bei den Herren mit verfolgen?

Aline Focken: Ja, ich verfolgte die Wettkämpfe der Ringer im griechisch-römischen Stil fast vollständig: Zunächst im Livestream im Bus nach Paris, dann aber auch live in der Halle und war total „geflasht“ von den sensationellen drei Medaillen in zwei Tagen. Diesen Schwung wollte ich unbedingt mitnehmen! Das Turnier der Freistil-Ringer habe ich nicht mehr so verfolgt, aber auch aus dem Grund, dass ich auf dem Heimweg war und ab da von einem Termin zur nächsten Ehrung „gehetzt“ bin.

Frage: Wie war ansonsten das ganze WM-Drumherum in Paris?

Aline Focken: Insgesamt kann ich sagen, dass Paris die besten WM war, an der ich je teilgenommen habe.  Das betraf die Organisation, das Flair und die Show um die Welttitelkämpfe. Die französischen Gastgeberinnen und Gastgeber haben ihren Job phänomenal erledigt. Es hat Spaß gemacht, dort zu ringen. Das Turnier war ein Fest.

Letzte Frage: Welche Wettkämpfe warten in diesem Jahr noch auf Sie?

Aline Focken: Ende des Jahres wartet wie immer die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft auf mich. Das bedeutet, dass ich mit meinem Team Nordrhein-Westfalen gegen die anderen Bundesländer um die Meisterschaft kämpfe. Wir haben den Titel bereits einige Male gewonnen und wollen diesen auch dieses Jahr wieder erlangen.

Außerdem werde ich noch ein paar Kämpfe in der polnischen Profi-Ringer-Liga bestreiten. Sie haben mich als Gast-Ringerin eingeladen und ich freue mich darauf, auch einmal in einer Liga zu ringen.

Vielen Dank, dann weiterhin alles Gute und maximale Erfolge!

Angemerkt…

Vor 40 Jahren (1977) gab es (noch) nur für die Herren Weltmeisterschaften im Ringen. Die Klassiker hatten ihre Wettkämpfe in Göteborg und das Freistil-Turnier wurde in Lausanne ausgetragen. Die deutschen Ringer aus Ost und West kamen auf zweimal Gold, zweimal Silber, einmal Bronze, wobei Heinz-Helmut Wehling (bis 1976 ASK Vorwärts Rostock, ab 1977 ASK Vorwärts Frankfurt/Oder) zu Gold in der Gewichtsklasse bis 68 Kilogramm (griechisch-römisch) kam und Adolf Seger (AV Germania St. Georgen) ebenfalls Gold in der Gewichtsklasse bis 82 Kilogramm (freier Stil) erkämpfte.

Vor 30 Jahren (1987) wurden erstmals offizielle Weltmeisterschaften im Frauen-Ringen organisiert – in Lorenskog (Norwegen). Die WM-Titel dort sicherten sich Frankreich (fünf), Norwegen (drei) und Belgien (einen). Edelmetall schafften zudem Japan, Dänemark und die Niederlande. Die ringkampfsportlichen Herren hatten hingegen ihre WM (Klassik, Freistil) in Clermont-Ferrand (Frankreich) und die deutschen Ringer holten dreimal Silber, einmal Bronze.

Vor 20 Jahren (1997) wurden die WM im Ringen in drei Orten veranstaltet: für die Frauen in Clermont-Ferrand, für die Klassik-Herren in Wroclaw und für die Freistil-Herren in Krasnojarsk. Insgesamt lautete die WM-Ausbeute aus deutscher Sicht zweimal Silber, dreimal Bronze. Die Frauen jubelten über Silber für Stephanie Groß (Bayer 04 Leverkusen, Gewichtsklasse bis 62 Kilogramm) und über Bronze für Nina Englich (KSV 07 Witten, Gewichtsklasse bis 68 Kilogramm).

Marko Michels