Skisportlerin Tatjana Mittermayer über die Entwicklung ihrer Sportart

© Tatjana Mittermayer

Die olympische Entscheidung auf der Buckelpiste im Ski-Freestyle bei den Olympischen Winterspielen 2018 in Pyeongchang ist auch schon wieder Geschichte. Es siegte die Französin Perrine Laffont vor der Kanadierin Justine Dufour-Lapointe, der Kasachin Julija Galyschewa und den beiden Australierinnen Jakara Anthony und Britteny Cox.

Goldene Freestyle-Zeiten vor 30 Jahren für Tatjana Mittermayer

30 Jahre zuvor, damals war Ski-Freestyle noch „olympische Demonstrationssportart“, gab es zweimal Gold, einmal Silber für die (west-)deutsche Mannschaft. Auf der Buckelpiste gewann Tatjana Mittermayer, Jahrgang 1964, vom SC Rosenheim Gold vor der Französin Raphaelle Monod, der Schweizerin Conny Kissling und der Norwegerin Stine Lise Hattestad. Gold schaffte aus deutscher Sicht zudem Hermann Reitberger im Ballett und „schwarz-rot-goldenes“ Silber holte Sonja Reichart beim Aerials-Wettkampf.

1992 endlich olympisch: Ski-Feestyle

1992 wurde Ski-Freestyle dann in das olympische Programm aufgenommen. Tatjana Mittermayer war bei den folgenden Winterspielen stets vorn mit dabei: 1992 auf Rang vier (Siegerin Donna Weinbrecht aus den USA), 1994 auf Rang sechs (Siegerin Stine Lise Hattestad aus Norwegen) und 1998 sogar auf dem Silber-Rang (Siegerin Tae Satoya aus Japan). Bei den WM von 1988 bis 1997 erreichte Tatjana Mittermayer neben dem Gold 1988 (Der olympische Demonstrationswettkampf galt gleichzeitig als WM!) noch einmal Silber bzw. dreimal Bronze.

Nachgefragt bei Tatjana Mittermayer

Tatjana Mittermayer über ihren Erfolg bei den olympischen Demonstrationswettkämpfen 1988 in Calgary, die folgenden Olympia-Teilnahmen, die Entwicklung des Freestyle-Skisportes seit den 1980ern, den olympischen Wettkampf auf der Buckelpiste 2018 und ihr sportives Leben in der Gegenwart

„Der Freestyle-Skisport hat eine unglaubliche Entwicklung genommen…“

Frage: Frau Mittermayer, Sie gewannen vor 30 Jahren Gold auf der Buckelpiste im Ski-Freestyle 1988 für Deutschland, wobei Ski-Freestyle damals „nur“ olympisch demonstriert wurde. Wie verlief der Wettkampf damals?

Tatjana Mittermayer: Die Wettkampf-Piste war in Nakiska, direkt neben den alpinen Wettkampfstätten, und obwohl wir unsere Sportart „nur“ olympisch demonstrieren durften, wurden wir vom Veranstalter wie die offiziellen Olympia-Starterinnen bzw. -Starter behandelt.

Wir durften nur nicht im Olympischen Dorf wohnen und erhielten damals auch keine Olympia-Einkleidung über das Nationale Olympische Komitee. Wir durften somit auch nicht zur Eröffnungs- und Schlußfeier der Winterspiele 1988 in Calgary.

Die Siegerehrung fand aber ganz normal auf der Medal Plaza in Calgary statt. Es ehrt mich auch heute noch, dass ich im Flughafen von Calgary mit allen anderen Olympia-Siegerinnen bzw. -Siegerin von 1988 an der dortigen Wall of Fame „verewigt“ wurde.

Frage: Sie nahmen nach Calgary 1988 noch an weiteren drei Olympischen Winterspielen teil. Welche Spiele machten dabei den nachhaltigsten Eindruck auf Sie?

Tatjana Mittermayer: Die Spiele, die mich ganz besonders beeindruckten, waren für mich jene in Lillehammer 1994, weil dort eine ungemein tolle Stimmung herrschte. Zudem waren wir im Olympischen Dorf gleich neben den Freestyle-Anlagen und den Wettkampstätten im Nordischen Skisport  untergebracht. Wir hatten somit  die Möglichkeit  auch eine Menge von den anderen Sportarten zu sehen.

Als haushohe Favoritin war mein Endergebnis zwar etwas enttäuschend mit dem sechsten Platz, aber dennoch denke ich gerne daran zurück.

Zehn Jahre nach dem Sieg in Calgary 1988 dann in Nagano 1998 noch einmal auf dem Siegerpodest zu stehen, hat natürlich die 1998er Spiele als eine ganz besondere Erinnerung verankert. Unglaublich waren auch die zahlreichen bzw. sachkundigen Zuschauer, die jede Athletin bzw. jeden Athleten namentlich kannten.

Frage: Wie beurteilen Sie die Entwicklung des Ski-Freestyle seit den 1980ern?

Tatjana Mittermayer: Der Freestyle-Skisport hat eine unglaubliche Entwicklung genommen. Die Skitechnik läßt sich natürlich nicht neu erfinden, aber die Athletik der Sportler hat sich enorm verbessert.

Anfangs sind wir noch mit einer Ski-Länge von 1,90 Meter gefahren. Die Sprünge wurden direkt auf einem ganz normalen Buckel ausgeführt und die Landung mußte so geplant werden, dass man vor einem Buckel wieder den Schneekontakt bekam und dadurch auch leicht abgebremst wurde.

Im Laufe der Jahre wurden die Sprünge immer schwieriger bzw. höher und  die Schanzen speziell modelliert. Die Landeplätze hackte man wie eine Schnitzelgrube auf, um so eine weiche Landung zu haben.

Durch die „Über-Kopf-Manöver“, welche seit 2002 erlaubt sind, haben sich die Ski-längen verkürzt, da sich dadurch das Schwingungsverhalten der Ski verbessert. Auswirkungen auf die Skitechnik haben die kürzeren Ski nur insofern, dass sie nicht mehr so stabil liegen und den Athletinnen bzw. Athleten somit noch mehr Spannung bzw. Stabilität abverlangen.

Frage: Wie lautet nun Ihr sportliches Urteil zum olympischen Wettkampf 2018 bei den Frauen auf der Buckelpiste?

Tatjana Mittermayer: Buckelpisten-Fahren ist eine wunderbare und sehr komplexe Sportart und ich liebe diesen Sport. Es ist eine Augenweide, die Wettkämpfe mit zu verfolgen. Die Damen haben wirklich eine tolle Show geboten, vor allem weil sie ja auch auf der gleichen Piste wie die Herren aktiv waren. Ich würde mir allerdings mehr Variationen bei den Sprüngen wünschen. Dieses wird sich aber sicher in den nächsten Jahren noch entwickeln, denn aktuell haben die Damen noch kein großes Repertoire an verschiedenen Sprüngen.

Letzte Frage: Was machen Sie heute beruflich? Sind Sie immer noch sportlich aktiv?

Tatjana Mittermayer: Ich bin immer noch auf den Buckelpisten unterwegs und führe mit meinem ehemaligen Trainer und langjährigen Nationalmannschaftstrainer der deutschen Buckelpistenmannschaft, Enno Thomas, Buckelpisten-Camps für interessierte Skifahrer durch (www.skicamp.de).

Außer den Ski-Camps gebe ich Privat-Skikurse und biete Spezialkurse für Skifahrer an, die neue Gelenke (Knie-/Hüftgelenke) erhielten und helfe ihnen, wieder in den Sport zurück zu finden. In den Sommer-Monaten helfe ich hingegen meinem Mann in unserem Fahrradgeschäft in Aschau im Chiemgau.

Vielen Dank und weiterhin alles erdenklich Gute!

M.Michels