Die Situation vor Pyeongchang

Im Skilanglauf wird es in Pyeongchang auch spannend. Foto: M.M.

Die 23.Olympischen Winterspiele 2018 in Pyeongchang starten in vier Tagen. Wie ist nun die sportliche Situation im deutschen Team, zum Beispiel im Skilanglauf der Frauen, im Skispringen und im Biathlon?!

Blick zum Skilanglauf der Frauen

Ende November ging sie in Kuusamo endlich auch für die Skilangläuferinnen und Skilangläufer los. Was?! – Natürlich die olympische Saison 2017/18 mit den Weltcup-Wettkämpfen.

Und… Was wurde dafür in den letzten Monaten nicht geschwitzt, „gerackert“ und „gekeult“, um in Pyeongchang wieder vorn mit dabei zu sein. Und bei Olympia ging für die Skilanglauf-Frauen in den letzten 16 Jahren ohnehin immer etwas – 2002 Salt Lake City, 2006 Turin, 2010 Vancouver und 2014 Sotschi: Immer waren die deutschen Langlauf-Mädels mit Medaillen dekoriert.

Deutsche Ski-Langlauf-Mädels seit 1980 viermal „goldig“

Überhaupt haben die skilaufenden deutschen Damen den deutschen Herren „olympia-historisch“ noch immer oder immer noch „den Rang abgelaufen“. In der olympischen Skilanglauf-Geschichte holten die Frauen 4 x Gold, 4 x Silber, 3 x Bronze, die Herren waren mit 6 x Silber, 2 x Bronze etwas bescheidener.

Die erste olympische Frauen-Skilanglauf-Medaille aus deutscher Sicht erkämpfte 1976 in Seefeld die DDR-Staffel  in der Besetzung Monika Debertshäuser, Sigrun Krause, Barbara Petzold und Veronika Schmidt.

Vier Jahre später, 1980 in Lake Placid, gab es für das DDR-Quartett mit Marlies Rostock, Carola Anding, Veronika Schmidt und Barbara Petzold sogar Gold – Barbara Petzold belegte seinerzeit ebenfalls über die 10 Kilometer Platz eins.

Dann dauerte es 22 Jahre bis zum nächsten Staffel-Gold… In Salt Lake City 2002 war das vereinte deutsche Staffel-Team mit Evi Sachenbacher (jetzige Stehle), Viola Bauer, Manuela Henkel sowie Claudia Künzel (jetzige Nystad) nicht zu bezwingen.

Jeweils Silber folgte dann 2006 in Turin (mit Stefanie Böhler, Viola Bauer, Evi Sachenbacher-Stehle und Claudia Künzel) und 2010 in Vancouver (mit Katrin Zeller, Evi Sachenbacher-Stehle, Miriam Gössner und Claudia Nystad). Im denkwürdigen olympischen Teamsprint-Finale 2010 schafften Evi Sachenbacher-Stehle und Claudia Nystad dann zusätzlich Gold. Und 2014 gelang der deutschen Frauen-Staffel mit Claudia Nystad der Bronze-Rang.

Meilensteine für den deutschen Frauen-Skilanglauf waren übrigens ebenfalls die WM 1974, als es dank Barbara Petzold über die 10 Kilometer mit Silber die erste deutsche Einzel-Medaille für die Frauen gab.

Vier Jahre zuvor, bei den Welttitelkämpfen 1970, erkämpfte die DDR über 3 x 5 Kilometer in der Besetzung Gabriele Haupt, Renate Fischer und Anna Unger mit Silber die erste deutsche Frauen-Staffel-Medaille.

Dieser Erfolge wurde 1974 wiederholt – mit dem DDR-Quartett Sigrun Krause, Petra Hinze, Barbara Petzold und Veronika Schmidt dieses Mal über die 4 x 5 Kilometer.

Unvergesslich bleiben auch die WM-Erfolge von Veronika Schmidt über die 20 Kilometer bei der WM-Entscheidung 1980 oder der Staffel-Triumph durch Manuela Henkel, Viola Bauer, Claudia Nystad und Evi Sachenbacher-Stehle 2003.

In der aktuellen Weltcup-Saison 2017/18 mit den diversen Frauen-Wettbewerben gelang zwar noch keine deutsche Podiumsplatzierung, aber was nicht ist, kann ja dann in Pyeongchang etwas werden.

Deutschland und das Skispringen

Medaillen bei Olympia 2018 wollen auch die deutschen Skispringerinnen und Skispringer.

– Was sehr wahrscheinlich ist, denn: Deutschland, Skispringen und Winter-Olympia. Da ging in der Vergangenheit einiges. Da könnte auch manches in Pyeongchang möglich sein.

Goldene olympische Skisprung-Momente erlebten Jens Weißflog 1984 in Sarajevo von der Normalschanze, 1994 in Lillehammer von der Großschanze bzw. mit dem Team (Hansjörg Jäkle, Dieter Thoma bzw. Christof Duffner), Helmut Recknagel (feierte 2017 seinen 80.Geburtstag!) 1960 in Squaw Valley von der Normalschanze, Hans-Georg Aschenbach 1976 in Innsbruck von der Normalschanze, Dieter Thoma 1994 in Lillehammer mit dem Team und Sven Hannawald 2002 in Salt Lake City mit dem Team (Stephan Hocke, Michael Uhrmann bzw. Martin Schmitt).

Am Olympiasieg 2014 für Deutschland in Sotschi im Team-Wettkampf waren Andreas Wank, Marinus Kraus, Severin Freund (fällt durch einen Kreuzbandriss, rechts, für die Olympia-Saison 2017/18 aus) und Andreas Wellinger beteiligt. Und die erste Olympiasiegerin im Skispringen für Frauen wurde 2014 Carina Vogt.

Auf Edelmetall 2018 in Pyeongchang hoffen Richard Freitag, Andreas Wellinger, Katharina Althaus, Carina Vogt & Co., ob in den Einzeln oder in den Team-Wettkämpfen.

Olympischer Biathlon mit Denise Herrmann

Die olympischen Biathlon-Wettkämpfe in Pyeongchang rücken natürlich auch immer näher. Gute Olympia-Chancen hat dabei – neben der Goldschürferin des vorolympischen Winters 2016/17 Laura Dahlmeier –  auch Denise Herrmann vom WSC Erzgebirge Oberwiesenthal, die im Olympia-Jahr 1988 geboren wurde, als der gebürtige Güstrower Frank-Peter Roetsch zweimal Olympia-Gold im Biathlon in Calgary gewann.

Denise Herrmann startete übrigens noch 2014 bei Winter-Olympia in Sotschi als Langläuferin und holte dort mit der deutschen Frauen-Staffel im Skilanglauf Bronze. Inzwischen wechselte Denise zum Biathlon, wo sie ebenfalls sehr erfolgreich ist. In dieser Weltcup-Saison 2017/18 war sie bereits zweimal Erste in Einzel-Wettkämpfen in Östersund und einmal Staffel-Erste in Ruhpolding.

Im olympischen Weltcup-Winter 2017/18 gab es für Schwarz-Rot-Gold bis dato 17 Medaillen (Männer: 1 x Silber, 3 x Bronze, Frauen: 6 x Gold, 4 x Silber, 1 x Bronze bzw. Mixed-Wettkämpfe: 1 x Silber, 1 x Bronze).

M.Michels

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AKTUELLE STATEMENTS zum Biathlon bzw. Ski-Nordisch, Ski-Cross bzw. Ski-Freestyle und zum Ski-Alpin – übermittelt von Ralph Eder, Pressesprecher des Deutschen Skiverbandes

Karin Orgeldinger, DSV-Sportdirektorin Biathlon/Nordisch
„Insgesamt sind wir über alle Disziplinen hinweg sehr gut aufgestellt und entsenden ein starkes Team nach Korea. Das haben nicht zuletzt die Ergebnisse in den zurückliegenden Weltcups gezeigt.

Die Nominierung war in diesem Jahr für uns als Deutscher Skiverband entsprechend einfach. Ich glaube sogar so einfach wie noch nie zuvor. Fast alle Athletinnen und Athleten, die in Korea mit dabei sind, haben die entsprechenden Leistungsnachweise und Qualifikationskriterien voll umfänglich erfüllt und die wenigen Sportlern, die nur eine Teilnorm stehen haben, konnten bei den Weltmeisterschaften im Vorjahr ebenfalls unter Beweis stellen, dass sie für die Mannschaft, insbesondere für die Staffel- und Teamwettbewerbe enorm wichtig sind. Von daher haben wir mit Sicherheit die richtigen Athleten in Korea am Start.

Im Skisprung schöpfen wir natürlich alle fünf Quotenplätze bei den Herren voll aus. Die Vorleistungen im Laufe der Saison, unter anderem mit den tollen Platzierungen von Richard Freitag und Andreas Wellinger, stimmen uns optimistisch, dass wir auch zum Saisonhöhepunkt um die vorderen Plätze mitspringen können. Und auch bei den Damen versprechen wir uns doch einiges. Vor allem mit Carina Vogt und Katharina Althaus sollten wir in der Lage sein, zum Großereignis unser volles Leistungspotential abzurufen und ähnlich gute Ergebnisse erzielen können wie in den zurückliegenden Weltcupwochen.

Im Langlauf zeigt die Formkurve ebenfalls nach oben. Unsere Vorbereitung und der gesamte Saisonaufbau waren ganz klar auf die Olympischen Spiele ausgerichtet. Dieser Plan scheint aufzugehen, auch wenn wir die Formsteigerung ehrlicherweise gerne ein bisschen früher gehabt hätten. Aber wenn es sich nun so fortsetzt wie in den letzten Wochen, dann sollten wir uns auch beim Langlauf in dem Bereich bewegen, den wir uns zu Beginn der Saison vorgestellt hatten.

Bei den Biathleten haben wir die Situation, dass alle zwölf Athletinnen und Athleten, die bei den Spielen dabei sind, die Top-8-Norm erfüllen konnten. Das gab es meines Wissens noch nie und spiegelt das hohe Leistungsvermögen und die Konstanz der gesamten Mannschaft wider. Das gibt uns gerade mit Blick auf die vielen Einzel- und Teambewerbe eine gewisse Sicherheit. Die Biathleten haben ja bei Olympia ein sehr dichtes und anstrengendes Programm zu absolvieren, von daher ist es gut zu wissen, dass auch die vermeintlich zweite Reihe in der Lage ist, um die vorderen Plätze mitzulaufen.

Die Nordischen Kombinierer, das kann man nach dem Wochenende in Seefeld feststellen, sind ebenfalls auf dem richtigen Weg. Wir haben immer gesagt, dass die Ergebnisse aus der letzten Saison nicht so einfach zu kopieren sind. Aber das Team und der gesamte Trainer- und Betreuerstab haben die zurückliegenden Wochen intensiv genutzt, um noch einmal an der einen oder anderen Schraube zu drehen. Und ich bin sehr zuversichtlich, dass Hermann Weinbuch mit all seiner Erfahrung auch diesmal wieder seine Mannschaft auf den Punkt genau topfit an den Start bringt und seinen Beitrag zum Medaillenspiegel leistet.

Alles in allem, das ist unser erklärtes und ambitioniertes Ziel, wollen wir in den kommenden zwei olympischen Wochen wieder an die erfolgreichen Großereignisse der letzten Jahr anknüpfen. Die Weltcups in den unterschiedlichen Disziplinen haben gezeigt, dass das Leistungsniveau und die Leistungsdichte in der Weltspitze sicher nicht kleiner geworden sind. Auf der anderen Seite haben unsere DSV-Athleten aber mehrfach unter Beweis gestellt, dass sie gerade auch mit speziellen Drucksituationen sehr gut umzugehen wissen. Von daher sind wir optimistisch, dass es uns auch in Korea gelingt, regelmäßig bei den Siegerehrungen dabei zu sein.

Wolfgang Maier, DSV-Sportdirektor Alpin/Ski Cross/Freeski
„Wir stellen 20 Aktive der Olympiamannschaft aus den Disziplinen Alpin, Ski-Freestyle und Skicross. Im Detail reisen wir mit fünf Damen und sechs Herren der Disziplin Alpin, zwei Damen und drei Herren aus dem Bereich Ski Cross, zwei Damen, die in Halfpipe und Slopestyle starten werden, sowie zwei Starterinnen in der Buckelpiste nach Korea. Alle Aktiven haben die vom DOSB gesetzte Qualifikationsnorm erfüllt.

Ebenfalls die Norm erfüllt, aber verletzungsbedingt leider nicht am Start sind die alpine Gallionsfigur Felix Neureuther, der Top-Techniker Stefan Luitz, der in einer außergewöhnlich guten Form war sowie Heidi Zacher, die im Ski Cross bei fast jedem Rennen bis zu ihrer Verletzung auf dem Podium landete. Auch Daniel Bohnacker musste aufgrund einer Kreuzbandverletzung pausieren. Insgesamt müssen auf also auf vier potentielle Medaillenkandidaten verzichten. Leider kann auch Jessica Hilzinger, die sich in der vergangenen Woche einen Bruch des Schienbeinkopfes im rechten Knie zugezogen hatte, nicht an den Spielen teilnehmen.

Ausfälle wie Felix Neureuther und Stefan Luitz lassen sich gerade hinsichtlich des Team-Events nur schwer kompensieren. Mit Stefan Luitz, Linus Straßer sowie Felix Neureuther und Fritz Dopfer hätte man auf der Herrenseite eine absolute Top-Besetzung. Vor allem die erstgenannten sind pfeilschnell in dieser Disziplin und haben schon sehr gute Ergebnisse erzielt – Linus hat mit seinem Podest in Stockholm erneut seine Fähigkeiten eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Aber wir sind in dieser Saison gezwungen, uns an viele Dinge anzupassen und werden auch hier vernünftige Lösungen für den neu im olympischen Programm stattfindenden Team-Event finden.

Wir erwarten eine gute Organisation und Struktur der Wettkampfstätten. Die Koreaner sind frühzeitig mit einem sehr hohen Prozentsatz der Infrastruktur fertig geworden. Wie die Gesamtorganisation wird, muss man sehen. Olympia ist ein extremer Aufwand. Wir hatten zwei Test-Events, die sehr gut organisiert waren. Alles hat so funktioniert, wie wir das gewohnt sind. Ich sehe keine großen Probleme auf uns zukommen, wenn die Dinge so weitergehen, wie sie in den vergangenen zwei Jahren angelaufen sind.

Über Medaillen spreche ich generell nicht gerne. Wir werden aber alle Anstrengungen unternehmen, um mit Edelmetall nach Hause zu kommen, denn als Touristen reisen wir nicht nach Korea. Zu den Medaillenanwärtern zählen in erster Linie diejenigen Aktiven, die im bisherigen Saisonverlauf bereits auf dem Podium standen. Dazu gehört natürlich Viktoria Rebensburg, die in ihrer Kerndisziplin, dem Riesenslalom, mehrmals gewinnen konnte. Bei den Herren ist das gesamte Abfahrtsteam zu nennen. Thomas Dreßen mit seinen Podien in Kitzbühel und Beaver Creek und Josef Ferstl mit dem Sieg in Gröden haben ebenso Chancen wie Andreas Sander, der zwar noch nicht aufs Podium gefahren ist, aber sich in der erweiterten Weltspitze etablieren konnte. Es wird spannend und wir sind entschlossen jede sich uns bietende Chance zu nutzen.“