Das wintersportive Geschehen im Fokus

Im Skilanglauf wird es in Pyeongchang auch spannend. Foto: M.M.

Die deutschen Wintersport-Asse überzeugen knapp zweieinhalb Wochen vor den 23.Olympischen Winterspielen weiterhin. So triumphierten am 19./20.Januar beim Weltcup-Finale im Bob- und im Skeleton-Sport am Königssee Stephanie Schneider/Annika Drazek im Zweier-Bob der Frauen, Francesco Friedrich/Thorsten Margis im Zweier-Bob, Jacqueline Lölling im Damen-Skeleton bzw. Axel Jungk im Herren-Skeleton.

Laura Dahlmeier siegte beim Biathlon-Weltcup in Antholz im Verfolgungsrennen. In Lillehammer, beim Weltcup im Rennrodeln, waren Toni Eggert/Sascha Benecken die Besten im Doppelsitzer. Für die Sensation sorgte im Skisport-Alpin Abfahrer Thomas Dreßen, der beim „Hahnenkamm-Rennen“ in Kitzbühel, also auf „der Streif“, zur Nummer eins 2018 avancierte.

Aber nicht nur die olympischen Wintersport-Asse bereiten sich auf Pyeongchang vor.

Von den Olympics zu den Paralympcs

Vom 9.März bis 18.März 2018 findet nämlich der zweite Teil der „Wintersportspiele in Pyeongchang“ statt – nach den 23.Olympischen Winterspielen folgen dann die 12.Paralympischen Winterspiele.

Die Sportwettkämpfe für Athleten mit Handicap haben dabei eine relativ lange Tradition …

Die Geburtsstunde der Paralympischen Spiele schlug faktisch, vor 65 Jahren, 1948. Als am 28. Juli 1948 die ersten Olympischen Spiele nach dem II. Weltkrieg in London feierlich eröffnet wurden, begannen am selben Tag die „Stoke Mandeville Games“ für Sportler mit Handicap in Aylesbury (in der Nähe Londons). Sir Ludwig Guttmann fasste nach dem Erfolg dieser Wettbewerbe den Entschluss, diese „Games“ zu einer sportlichen Veranstaltung auszubauen, die in ihrer Bedeutung – speziell für Sportler mit Handicap – den Olympischen Spielen gleich kommen sollte. An den 1948er Spielen nahmen insbesondere Kriegsversehrte des zweiten Weltkrieges teil.

Anmerkung am Rande: Seit 2014 gibt es wieder spezielle Sportspiele für Kriegsversehrte, die Invictus Games. Erster Austragungsort war London. 2016 folgte Orlando und 2017 Toronto. In diesem Jahr 2018 werden diese Spiele in Sydney ausgetragen.

An den vorerst letzten Invictus-Spielen nahmen Athletinnen und Athleten aus Afghanistan, Australien, Kanada, Dänemark, Estland, Frankreich, Georgien, Deutschland (mit MV-Beteiligung), dem Irak, Italien, Jordanien, den Niederlanden, Neuseeland, Rumänien, der Ukraine, Großbritannien, und den USA teil, die in 12 Sportarten um Medaillen wetteiferten.

Zurück zu den Paralympics… Im Jahr 1960 fanden dann die ersten (Sommer-)Paralympics – allerdings nur für Rollstuhlsportler – in Rom statt. Insgesamt starteten in der italienischen Metropole 400 Athleten aus 21 Ländern. Acht Jahre später – in Tel Aviv (Israel) – bei den III. Paralympics nahmen bereits 750 Sportler aus 29 Ländern teil, was die wachsende Akzeptanz des „Sportes mit Handicap“ in der Welt dokumentierte. In Heidelberg 1972 wurden dann Paralympics erstmals in Deutschland organisiert und die alte Universitätsstadt konnte sogar 1000 Sportlerinnen und Sportler begrüßen.

Ein neuer Meilenstein für den paralympischen Sport war das Jahr 1976. In Toronto starteten bei den V. (Sommer-)Paralympics erstmals auch Sportler mit Amputationen und Sehbehinderungen.

Vorher fanden in Schweden, in Örnsköldsvik, 1976 die ersten Paralympischen Winterspiele statt: Dort kämpften 250 Sportlerinnen und Skisportler mit Beeinträchtigungen aus 14 Ländern um die Medaillen. Seinerzeit standen 53 Entscheidungen auf dem Programm, wobei das westdeutsche Team mit 10 x Gold, 12 x Silber, 6 x Bronze am erfolgreichsten war.

Weitere Austragungsorte der Paralympischen Winterspiele waren: 1980 Geilo, 1984 und 1988 Innsbruck, 1992 Tignes/Albertville, 1994 Lillehammer, 1998 Nagano, 2002 Salt Lake City, 2006 in Turin, 2010 in Vancouver und 2014 in Sotschi.

Von Albertville 1992 nach Sotschi 2014

Im Jahr 1992 fanden dabei die Paralympischen Winterspiele auch in der Region statt, in der zuvor ebenfalls die Olympischen Winterspiele gefeiert wurden – wie erwähnt in Tignes/Albertville. Die USA stellten vor 21 Jahren mit 20 x Gold, 16 x Silber, 9 x Bronze das Top-Team. Deutschland wurde im Medaillen-Ranking mit 12 x Gold, 17 x Silber, 9 x Bronze Zweiter. Insgesamt nahmen 1992 fast 370 Athleten aus 24 Ländern teil. Ab 1992 wurde die Austragungspraxis auch bei den Winter-Paralympics beibehalten: Der Ort, welcher die Winter-Olympics ausrichtet, veranstaltet kurz darauf auch die Winter-Paralympics.

Bei den vorletzten Paralympischen Winterspielen 2010 in Vancouver wurde Deutschland mit 13 x Gold, 5 x Silber, 6 x Bronze die Nummer eins – die Konkurrenz war enorm stark: mehr als 500 Athletinnen und Athleten aus 44 Ländern. Lauren Woolstencroft (Ski-Alpin) aus Kanada und Verena Bentele (Ski-Nordisch/Biathlon) aus Deutschland gehörten mit jeweils fünf Goldmedaillen zu den Besten.

In Sotschi 2014, bei den vorerst letzten Winter-Paralympics, waren indes Russland mit 80 Medaillen (30 x Gold), die Ukrainine mit 25 Medaillen (5 x Gold), die USA mit 18 Medaillen (2 x Gold), Kanada mit 16 Medaillen (7 x Gold) und Deutschland mit 15 Medaillen (9 x Gold) am erfolgreichsten. Nach den Spielen wurden Doping-Vorwürfe gegenüber den russischen Athletinnen und Athleten geäußert, die zumindest teilweise bestätigt wurden.

Der Winter-Sport mit Handicap in M-V

Auch in Mecklenburg-Vorpommern hat der winter-paralympische Sport eine gute Heimat. Einige Athletinnen und Athleten mit Handicap aus M-V nehmen erfolgreich an nationalen und internationalen Wettkämpfen teil, nicht zuletzt im Nachwuchsbereich. So wurde die „Schule an der Bleiche“ in Ludwigslust, beim Bundesfinale 2013 „Jugend trainiert für die Paralympics“/“Jugend trainiert für Olympia“ Zweiter im paralympischen Skilanglauf – nur ein positives Beispiel von vielen.

Der paralympische Alpin-Skisport im Blickfeld

Zu den erfolgreichsten alpinen Para-Ski-Athletinnen aus schwarz-rot-goldener Sicht der jüngeren Sportgeschichte gehört zweifellos Anna Schaffelhuber, Jahrgang 1993, TSV Bayerbach.

So erkämpfte die fesche Bajuwarin bei den Winter-Paralympics 2014 in Sotschi fünfmal Gold, bei den Winter-Paralympics 2010 in Vancouver einmal Bronze und bei den IPC-WM zwischen 2011 und 2017 insgesamt neunmal Gold, siebenmal Silber, dreimal Bronze. Bei IPC-Weltcups errang Anna bis Dezember 2017 insgesamt 55 Weltcup-Siege. In Pyeongchang 2018 möchte die zudem ambitionierte Juristin natürlich wieder maximale Erfolge erreichen.

Ohnehin waren die deutschen Alpinen bei den Winter-Paralympics seit 1976 bestens dabei. Bereits bei den ersten Winter-Paralympics 1976 in Örnsköldsvik schafften sie achtmal Gold, siebenmal Silber, zweimal Bronze. Die Goldenen von 1976 errangen Petra Merkott (drei), Annemie Schneider (drei), Hans Strasser (eine) und Ulli Helmbold (eine). Die alpine Bilanz bei den Winter-Paralympics von 1976 bis 2014 ist für Deutschland ohnehin eine imponierende: 192 Medaillen, darunter 81 x Gold, 54 x Silber, 57 x Bronze.

Skisportliches Kalenderblatt: Interview mit Anna Schaffelhuber bei „rostock-sport.de“ vom 9.April 2014

Die Winter-Paralympics vom 7.März bis 16.März 2014 in Sotschi – ein Resümee

Sotschi 2014 ist längst Wintersport-Historie. Es waren mehr als zwiespältige, anstrengende und ambivalente Winterspiele. Der zunehmende Einfluß der Politik, der Sponsoren und der Sportverbände auf die Austragung der Olympischen Spiele allgemein, auf deren Inhalte, Gestaltung und letztendlich auf die Austragungsorte ist und bleibt Frevel an der olympischen Idee.

Dennoch: Eines bleibt festzustellen, die Menschen in Sotschi, die echten Sportfans vor Ort und vor allem die Athletinnen bzw. Athleten haben für zahlreiche positive Momente gesorgt. Die Gastfreundschaft der Russinnen und Russen bleibt unvergessen, daran ändert auch das suboptimale Verhalten einiger Politiker, ob aus Russland, der EU, den USA oder anderswo, nichts.

Mit viel Liebe und Engagement gestalteten die russischen Organisatoren die Eröffnungs- und Abschlussfeiern der Olympischen und Paralympischen Winterspiele. Die Wettkämpfe verliefen stimmungsvoll, auf hohem Niveau und mit oftmals zahlreichen Zuspruch.

Eine „schürfte“ jedoch das Gold jedoch mehr als erfolgreich in den Bergen von Sotschi – Anna Schaffelhuber aus Bayern, Jahrgang 1993, Jura-Studentin. Sportliche Bilanz: 5 x Gold, 1 x Bronze bei den Winter-Paralympics 2010/14 und 4 x Gold, 3 x Silber, 2 x Bronze bei alpinen Ski-WM.

Mehr als drei Goldmedaillen bei den gleichen Winterspielen zu gewinnen, das ist schon außergewöhnlich. Bei den „Winter-Olympics“ fallen einem da die Namen des Eisschnellläufers Eric Heiden (USA/5 x Gold 1980 in Lake Placid), der Eisschnellläuferin Lidija Skoblikowa (UdSSR/4 x Gold 1964 in Innsbruck) oder des Biathleten Ole Einar Björndalen (Norwegen/4 x Gold 2002 in Salt Lake City) ein.

Im Hinblick auf die „Winter-Paralympics“ gibt es da ähnliche Beispiele, wie unter anderem die Alpinen Gerd Schönfelder (Deutschland/4 x Gold 2002 in Salt Lake City), Martin Braxenthaler (Deutschland/4 x Gold 2002 ebenfalls in Salt Lake City), Lauren Woolstencroft (Kanada/5 x Gold 2010 in Vancouver) und Verena Bentele (Deutschland/5 x Gold im alpinen Skisport und Biathlon 2010 in Vancouver) ein.

Nun ist Anna Schaffelhuber „in einem Atemzug“ mit diesen großartigen Sport-Persönlichkeiten zu nennen, denn Anna erkämpfte ebenfalls „auf einmal“, in Sotschi 2014, fünfmal Gold als Mono-Skifahrerin im alpinen Skisport.

Nachgefragt bei Anna

Anna über Sotschi 2014 und ihre Wettkämpfe

„Einfach ein einzigartiges Erlebnis…“

Frage: Anna, die Winter-Paralympics sind seit fast vier Wochen Geschichte… In der Rückblende: Die Spiele in Sotschi – was verbinden Sie mit den Tagen in der Olympiastadt 2014: sportlich und persönlich?

Anna Schaffelhuber: Es war einfach ein einzigartiges Erlebnis. Die Atmosphäre war einfach nur genial und unbeschreiblich. Ich habe in diesen Tagen sehr viel an Erfahrung sammeln können. Die Eröffnungsfeier war zudem ein eigenes Highlight.

Frage: Welche Ihrer fünf Goldmedaillen ist Ihnen die „liebste“?

Anna Schaffelhuber: Ich glaube, das kann ich so nicht sagen. Jede Medaille hat ihre eigene Geschichte und ich habe bei jedem Wettkampf sehr viel erlebt. Die erste Medaille war sicherlich jene mit der größten Erleichterung, der Druck war weg. Die dritte Medaille war für mich jedoch die emotionalste.

Frage: Die Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2014 wurden vielfach von politischen Diskussionen überlagert… Wie war jedoch die Stimmung vor Ort, das sportliche Miteinander, die Organisation? Wie würden Sie die Winter-Paralympics 2014 in Sotschi charakterisieren?

Anna Schaffelhuber: Die Stimmung vor Ort war absolut super. Man hat von politischen Dingen nur über Medien-Anfragen etwas mitbekommen. Die Organisation war sehr gut und die Wege recht kurz. Die Russen hatten das super im Griff.

Letzte Frage: Welche Ziele – sportlich, beruflich und persönlich – haben Sie nun?

Anna Schaffelhuber: Da habe ich einige Ziele: Einerseits, dass ich meine Leistungen weiter verbessere und andererseits, dass ich noch stärker bzw. konstanter die Trainingsleistungen in die Rennen einbringe. Beruflich steht für mich die erfolgreiche Beendigung des Jura-Studiums im Fokus.

Weiterhin alles erdenklich Gute für Sie!

Marko Michels