Deutsche Wintersport-Asse mit ausgezeichneten Resultaten 1972 und 1998/Auch „M-V“ war jeweils vor Ort

Winter-Olympia-Feeling auch in M-V?! Blick in die Skihalle in Wittenburg (M-V). Foto: M.M.

Die XXIII. Olympischen Winterspiele in Pyeongchang rücken immer näher. Nicht einmal mehr drei Wochen sind es zum Beginn der Spiele und viele deutsche Sportlerinnen bzw. Sportler reisen zwischen 5.Februar und 7.Februar in die südkoreanische Olympiastadt.

Noch ist aber Zeit, um winter-olympisch zurückzublicken: zum Beispiel auf die bisherigen Olympischen Winterspiele in Asien…

Winter-Olympia in Asien, in Japan – stets mit vielen deutschen Medaillen

Olympische Winterspiele in Asien waren stets ein „gutes sportliches Pflaster“ für die deutschen Athletinnen und Athleten – sowohl Sapporo 1972 als auch Nagano 1998.

Athletinnen und Athleten mit MV-Background in Sapporo und in Nagano dabei

Sogar Athletinnen und Athleten mit MV-Background waren bei beiden Spielen aktiv. Bei den XI. Olympischen Winterspielen 1972 konnte die spätere Wahl-Rostockerin Ute Rührold, deren größte sportliche Erfolge EM-Gold 1972, EM-Silber 1973, EM-Bronze 1974, WM-Silber 1973, WM-Silber 1975, WM-Bronze 1974 und dazu jeweils Olympia-Silber 1972 bzw. 1976 waren, Rang zwei belegen.

Und die damaligen Rodel-Entscheidungen 1972 waren „fest in deutsch-deutscher Hand“. Bei den Herren gab es für die beiden Deutschländer einen sechsfachen Triumph: Wolfgang Scheidel siegte vor Harald Ehrig, Wolfram Fiedler, Klaus-Michael Bohnsack, Leonhard Nagenrauft bzw. Josef Fendt. Beim Frauen-Einsitzer waren vier deutsche Mädels vorn: Anna-Maria Müller vor Ute Rührold, Margit Schumann bzw. Elisabeth Demleitner.

Im Herren-Doppelsitzer wurden zwei Goldmedaillen vergeben: für das (ost-)deutsche Duo Horst Hörnlein/Reinhard Bredow und auch für die Italiener Paul Hildgartner/Walter Plaikner. Bronze holte sich hier das (ost-)deutsche Duo Klaus-Michael Bohnsack/Wolfram Fiedler.

Ja, die deutsche Rodel-Dominanz existierte bereits damals…

Mit den Bobschlitten waren die Deutschen ebenfalls äußerst erfolgreich. Pilot Wolfgang Zimmerer holte im Zweier Gold und Bronze im Vierer (plus Silber für Pilot Horst Floth & Co. im Zweier). Anmerkung am Rande: Seine Nichte Maria Riesch sollte 38 Jahre bzw. 42 Jahre später, bei Winter-Olympia 2010 bzw. 2014, für drei alpine Goldmedaillen aus deutscher Sicht sorgen.

In den beiden Biathlon-Entscheidungen erreichte Deutschland-Ost  dank Hansjörg Knauthe und dessen Teamkollegen Silber und Bronze.

Im Eisschnelllaufen sorgten die (west-)deutschen Starterinnen und Starter für zwei Goldene – durch Erhard Keller über die 500 Meter und Monika Pflug über die 1000 Meter. Auch im Eissport, aber im Eiskunstlaufen, gab es eine Medaille für Deutschland. Im Paarlaufen wurden Manuela Groß/Uwe Kagelmann aus (Ost-)Berlin Dritte. Im Nordischen Skisport erkämpfte hingegen Ulrich Wehling, geboren in Halle/Saale, den ersten seiner drei Olympiasiege in der Nordischen Kombination. Bei den „Nordis“ schafften die Deutsch-Deutschen insgesamt 1 x Gold, 2 x Bronze in Sapporo. Im Eishockey erreichte die (west-)deutsche Auswahl um Erich Kühnhackl Rang sieben.

19 Medaillen für die Deutsch-Deutschen

36 Goldmedaillen wurden in Sapporo 1972 vergeben. Etwas mehr als 1000 Athletinnen bzw. Athleten aus 35 Ländern nahmen teil und nur 8 Sportarten waren im olympischen Programm. Die beiden Deutschländer schafften die meisten Medaillen (19) – darunter 7 Goldene. Die Union der 15 sozialistischen Sowjetrepubliken, die UdSSR, kam zwar nur auf 14 Medaillen, aber eine Goldene mehr (8), so dass diese den Medaillenspiegel für sich entschied.

26 Jahre später: Winterspiele in Nagano

In Nagano 1998, den zweiten und vorerst letzten Olympischen Winterspielen in Asien, waren die Größenordnungen hinsichtlich Teilnehmerzahl, Entscheidungen und Kosten schon ganz andere. 68 Entscheidungen in 12 Sportarten standen auf der Agenda, wobei Curling wieder und Frauen-Eishockey bzw. Snowboarden erstmals um olympische Plaketten wetteifern konnten.

Deutschland wurde mit 29 Medaillen, darunter 12 x Gold, erfolgreichste Nation der Winterspiele 1998 vor Norwegen (25 Medaillen, 10 x Gold), Russland (18 Medaillen, 9 x Gold), Kanada (15 Medaillen, 6 x Gold) und den USA (13 Medaillen, 6 x Gold).

Im Biathlon errang Deutschland 2 x Gold, 1 x Silber, 2 x Bronze, wobei die Goldenen durch die Frauen Staffel mit Uschi Disl, Martina Zellner, Katrin Apel bzw. Petra Behle und durch die Herren-Staffel mit Ricco Groß, Peter Sendel, Sven Fischer und Frank Luck die Höhepunkte aus schwarz-rot-goldenem Blickwinkel darstellten.

Im Bobsport holten die deutschen Teams des Piloten Christoph Langen Gold im Vierer und Bronze im Zweier.

Im Vierer-Bob des Piloten Harald Czudaj belegte der Mecklenburger Torsten Voss, der in seiner Bob-Karriere WM-Bronze 1995 und 1996, WM-Silber 1997, EM-Gold 1998 bzw. 2001, EM-Silber 1996 und  EM-Bronze 1997, 1999 bzw. 2002 (jeweils im Vierer-Bob) erkämpfte, Rang acht. Vor seiner bobsportlichen Laufbahn war der gebürtige Güstrower und Athlet des SC Traktor Schwerin ein exzellenter Zehnkämpfer, der WM-Gold 1987 und Olympia-Silber 1988 (hinter dem Rostocker Christian Schenk) im leichtathletischen Mehrkampf schaffte.

Bei den Curling-Turnieren erreichten beide deutsche Teams (Frauen und Herren) ebenfalls jeweils Rang acht.

Im Eishockey-Turnier landete die deutsche Mannschaft um Goalie Olaf Kölzig auf Rang neun.

Mandy Wötzel/Ingo Steuer setzen hingegen im Paarlaufen (Eiskunstlaufen) die dortige Medaillen-Tradition fort und wurden Dritte.

Ein halbes Dutzend Medaillen „schürften“ 1998 die Eisschnellläuferinnen und Eisschnellläufer  „vom olympischen Eis“: zweimal Gold, dreimal Silber, einmal Bronze. Gunda Niemann (3000 Meter) und Claudia Pechstein (5000 Meter) holten für das deutsche Team jeweils Gold.

Ski-Freestylerin Tatjana Mittermayer holte in Nagano 1988 zwar kein Gold, aber Silber (Moguls/Buckelpiste). Zehn Jahre zuvor, in Calgary 1988, hatte sie auf der Buckelpiste bereits Gold gewonnen, aber in Calgary wurde Ski-Freestyle nur olympisch demonstriert. In Albertville 1992 folgte Rang vier, in Lillehammer 1994 Rang sechs.

Auf die Rodlerinnen und Rodler war auch in Nagano 1988 Verlass, deren Ausbeute lautete 3 x Gold, 1 x Silber, 1 x Bronze. Im Herren-Einsitzer jubelte Georg Hackl über seine dritte olympische Goldmedaille nach 1992 und 1994. Dazu errang er jeweils Silber 1988 und 2002.

Im Frauen-Einsitzer war 1998 Silke Kraushaar die Beste und im Doppelsitzer Stefan Krauße/Jan Behrendt.

Im Nordischen Skisport schnitten die Deutschen vor zwanzig Jahren nicht sonderlich gut ab – nur eine Medaille (Silber für das Skisprung-Team um Sven Hannawald) stand letztendlich auf der Haben-Seite.

Dafür präsentierten sich die deutschen Alpinen um so prächtiger: 3 x Gold, 1 x Silber, 2 x Bronze, so die 1998er Bilanz. Katja Seizinger, bereits Abfahrt-Olympiasiegerin 1994, wurde jeweils die olympische Nummer eins in der Abfahrt bzw. in der Kombination. Hilde Gerg triumphierte dazu im Slalom. Im Snowboarden schnitten die Deutschen in Nagano zudem sehr gut ab: mit Gold durch Nicola Thost in der Halfpipe und Silber durch Heidi Renoth im Riesenslalom.

Im Short Track gingen die deutschen Starterinnen und Starter leider leer aus, aber zwei Kurzbahn-Eisschnellläuferinnen und ein Kurzbahn-Eisschnellläufer des ESV Turbine Rostock waren aktiv vor Ort.

Anne Eckner und Katrin Weber, EM-Staffel-Dritte 1998, wurden in Nagano Staffel-Achte mit der deutschen Mannschaft. Für Arian Nachbar, der bei den Europameisterschaften zwischen 1998 und 2005 zweimal Gold, zweimal Silber, viermal Bronze erkämpfte, wurde gegen die fast übermächtige Konkurrenz aus Asien und Nordamerika in Nagano über die  500 Meter 23. und über die 1000 Meter 19. .

2002 und 2006 nahm Arian Nachbar zudem an Olympischen Winterspielen teil.

Nun gilt es jedoch für die deutschen Wintersport-Asse, in Pyeongchang 2018 erfolgreich zu bestehen. Und 2022 gibt es wieder Winterspiele in Asien – in Peking, das bereits Austragungsort der Sommerspiele 2008 war…

Marko Michels