Short Trackerin Bianca Walter über Pyeongchang 2018 und ihr persönliches Olympia-Resümee

Zum achten Mal seit 1992 stand Short Track bei den Winterspielen 2018 im offiziellen Olympia-Programm, nachdem es 1988 bereits olympisch demonstriert wurde. Für Pyeongchang qualifizierten sich 115 Short Trackerinnen und Short Tracker aus 22 Ländern, darunter die Dresdnerinnen Bianca Walter und Anna Seidel. Insgesamt wurden Medaillen in acht Konkurrenzen vergeben, wobei sich Südkorea (drei) und die Niederlande, China, Kanada, Italien und Ungarn (jeweils eine) die Goldmedaillen teilten.

Wie beurteilt nun Bianca Walter, Jahrgang 1990, vom Dresdner EV das Olympia-Geschehen in Pyeongchang?!

Short Track-Ass aus Dresden: Bianca Walter – Foto: B.Walter/privat

Bianca Walter über ihre Wettkämpfe, ihre olympischen Erlebnisse, den Team-Zusammenhalt vor Ort, weitere olympische Wettkämpfe in Pyeongchang und kommende Herausforderungen

„Ich bin stolz darauf, Teil dieses Teams gewesen zu sein!“

Frage: Pyeongchang ist auch schon wieder Geschichte. Wie lautet Ihr Resümee zu Ihren Einsätzen?

Bianca Walter: Ich bin sehr stolz auf meine Leistung. Ich hatte keine einfachen Läufe, aber so etwas gibt es bei Olympia eben nicht. Aus jedem meiner Läufe holte ich das Maximale heraus, erlaubte mir keine Fehler und war mutig bzw. selbstbewusst gelaufen. Letztendlich weiß ich, dass ich auch meine Familie und Freunde zu Hause vor dem TV stolz machen konnte. Was will man mehr?! Am Ende durfte ich mit zwei 18.Plätzen nach Hause fliegen – dazu mit vielen großartigen Erlebnissen, neuen Freunden und genialen Erinnerungen.

Frage: Wie ist Ihre Meinung zum Wettkampf-Geschehen aus internationalem Blickwinkel? Wer beindruckte Sie besonders? Wer überraschte?

Bianca Walter: Es waren wieder einmal starke und überraschende Spiele. Olympia hat seine eigenen Regeln und so war es auch dieses Mal wieder. Viele Favoriten konnten ihren Ansprüchen nicht gerecht werden und sind ohne Medaille heimgefahren, „Underdogs“ hatten ihren perfekten Tag und die Short Track-Staffeln waren einer der absoluten Hingucker bei Olympia.

Am meisten beeindruckte mich das grandiose Weltrekord-Finale der Männer über 500 Meter. Das zweite Mal überhaupt im Short Track ist die magische Grenze von unter 40 Sekunden gebrochen worden und dann gleich von allen vier Finalläufern!

Auch der Weltrekord der miederländischen Damenstaffel im B-Finale war Wahnsinn und als es dann noch zwei „Penaltys“ im A-Finale gab, rutschten die Niederländerinnen von Platz fünf verdient auf Platz drei! Das ist Short Track!

Frage: Wie war das ganze olympische „Drumherum“? Wie war die Stimmung vor Ort, die Organisation und das Leben im olympischen Dorf? War der „olympische Spirit“ zu spüren?

Bianca Walter: Es waren meine ersten Spiele und es fällt mir nichts ein, was es zu beanstanden gab. Es fehlte uns an nichts und es war ein tolles Miteinander im Dorf.

Ich habe mir auch sagen lassen, dass es nach Sotschi 2014 und Rio 2016 endlich wieder „gute“ Spiele waren. Alles war fertig gebaut, sauber und das Essen war gut bzw. vielfältig.

Frage: Blieb auch genügend Zeit um die Region zu erkunden und andere Wettkämpfe zu besuchen?

In Aktion: Bianca Walter. Foto: B.Walter/privat

Bianca Walter: Wir haben an wettkampffreien Tagen nicht viel außer Training machen können. Einmal konnte ich am Strand die Meeresluft genießen oder das andere Dorf in den Bergen besuchen, in dem ich auch viele Freunde hatte.

Nach dem letzten Short Track-Wettkampf von mir gab es aber die letzten drei olympischen Tage kein Halten mehr! Vor allem Eishockey hat uns sehr begeistert.

Die Jungs waren zuvor bei einem unserer Wettkämpfe und begeistert von unserer Sportart. Wir haben ihnen unsere Regeln erklärt und im Gegenzug dann die Hockey-Jungs im Halbfinale und im Finale lautstark im Stadion mit vielen anderen deutschen Athletinnen und Athleten unterstützt.

Die „rote Wand“, wie wir in der Presse durch unsere einheitlichen roten Jacken genannt wurden, jubelte unseren Eishockey-Cracks dann im Finale zur gewonnen Silbermedaille zu. Es war ein tolles Gemeinschaftsgefühl.

Zudem waren wir auch je einmal beim Eisschnelllauf und beim Snowboard. Dieser Team-Zusammenhalt überall war grandios. Diese gemeinsamen Erfahrungen sind unbezahlbar.

Frage: Das deutsche Olympia-Team 2018 war überaus erfolgreich. Was zeichnete aus Ihrer Sicht das deutsche Olympia-Team aus?

Bianca Walter: Der Zusammenhalt über die Grenzen der eigenen Sportart hinaus zeichnet eine Olympia-Mannschaft aus. Wir haben uns alle gegenseitig unterstützt und uns über die Erfolge anderer gemeinsam gefreut und mit gefiebert. Wir sind innerhalb der kurzen Zeit zu einem großen Team zusammengewachsen, dass sich gegenseitig respektiert, motiviert und ermutigt hat. Es sind Freundschaften entstanden, die nach Olympia weiter bestehen bleiben werden. Ich bin stolz darauf, Teil dieses Teams gewesen zu sein!

Frage: Wie geht es nun für Sie sportlich, beruflich und persönlich weiter? Sind Sie auch einmal wieder bei Wettkämpfen in Rostock?

Bianca Walter: Ich werde meinem Sport noch eine Weile treu bleiben, ob es noch einmal vier Jahre werden, kann ich jetzt noch nicht sagen. Das hängt einerseits von der Entwicklung in Deutschland ab und anderseits von meiner eigenen körperlichen Leistungsfähigkeit. Mit einem internationalen Top-Trainer, der das Team in Dresden die nächsten vier Jahre aufbauen würde, wäre ein wichtiger Grundstein gelegt. Beruflich bin ich Angehörige der Sportfördergruppe der Bundespolizei und könnte jederzeit in den Beruf einsteigen, wenn ich mich irgendwann dazu entscheiden sollte, dem Sport den Rücken zuzukehren.

Was einen Start in Rostock betrifft: Vielleicht haben wir in der nächsten Saison einmal wieder einen Deutschland-Pokal in Rostock, dann bin auch ich natürlich im schönen Norden am Start.

Vielen Dank und weiterhin alles erdenklich Gute!

M.Michels