Deutsche Eishockey-Auswahl im Olympia-Finale

Eishockey-Turnier auf dem Alten Garten in Schwerin im Jahr 2009. Vielleicht findet ja in der Landeshauptstadt M-V „irgendwann“ ein olympisches Turnier statt?! Foto: M.M.

Es gibt sie also doch noch – die echten Sensationen bei Olympia! In einem denkwürdigen Halbfinalspiel am 23.Februar 2018 spielte sich die deutsche Eishockey-Auswahl endgültig in die Sportgeschichtsbücher und erreichte das Finale gegen Russland. Mit 4:3 wurde der neunfache Olympiasieger Kanada verdient bezwungen. Jetzt scheint sogar Gold möglich… Es ist atemberaubend, welch positive Entwicklung das deutsche Eishockey unter Teamchef Marco Sturm genommen hat – vom „Underdog“ zum „Gold-Aspiranten“!

Dass Kanada seine besten Spieler nicht „im Olympia-Gepäck“ hatte, weil diese derzeit in der NHL aktiv sind und für Olympia nicht frei gestellt wurden, kann als Entschuldigung nicht herhalten, denn auch die anderen Teams mußten ohne ihre NHL-Stars auskommen.

Besser als vor 42 Jahren

Damit sorgt wieder ein deutsches Eishockey-Team für eine Sensation. Gab es 1976 – ohne Kanada und Schweden, die seinerzeit nicht teilnahmen – Bronze für die Mannschaft vom damaligen Teamchef Xaver Unsinn, so folgte 42 Jahre später, 2018, der Final-Einzug. Und ausgerechnet die Gegner wurden 2018 bezwungen, die 1976 nicht „anwesend“ waren: Schweden mit 4:3 nach Verlängerung und Kanada mit 4:3 in der regulären Spielzeit. Die dritte Medaille in der olympischen Eishockey-Geschichte hat die deutsche Herren-Auswahl damit schon sicher – nach jeweils Bronze 1932 bzw. 1976 nun Silber oder sogar Gold.

Olympisches Eishockey mit vielen Sensationen

Überhaupt setzte es in olympischen Eishockey-Turnieren der Vergangenheit einige Sensationen: 1936 konnte Großbritannien, allerdings mit kurz zuvor eingebürgerten Kanadiern, Olympia-Gold vor den „offiziellen Kanadiern“ gewinnen. Der olympische Newcomer, die UdSSR, entriss gleich beim ersten Winter-Olympia-Start 1956 den Kanadiern Gold, die sich damals sogar mit Bronze hinter den USA begnügen mußten.

Die USA schafften jeweils unerwartet, allerdings bei Olympischen Winterspielen stets zu Hause, 1960 in Squaw Valley und 1980 in Lake Placid, ihre „Gold-Wunder“. 1960 vor Kanada und der Sowjetunion und 1980 vor der damals für unschlagbar gehaltenen sowjetischen Auswahl. Auch der Sieg der US-Girls vor den Kanadierinnen bei der olympischen Premiere des Frauen-Eishockeys 1998 in Nagano war eine faustdicke Überraschung.

Deutsche Wintersport-Asse mit weiteren Überraschungen und Sensationen in der Historie

Ansonsten sorgten in der Historie ebenfalls deutsche Wintersport-Asse für einige Überraschungen und Sensationen bei Olympia. Helmut Recknagel gelang es als erstem Skispringer der Welt, die Skandinavier bei Winter-Olympia zu bezwingen: 1960 in Squaw Valley. Bei den gleichen Winterspielen überraschten zudem die frühere Wahl-Schwerinerin Helga Haase, die als erste Deutsche Eisschnelllauf-Gold erkämpfte (über 500 Meter plus Silber über 1000 Meter), und Georg Thoma, der erste nichtskandinavische Olympiasieger in der Nordischen Kombination.

Barbara Petzold war hingegen die erste nichtskandinavische und nichtsowjetische Olympiasiegerin im Skilanglauf: 1980 in Lake Placid über 10 Kilometer und in der Staffel.

Nordamerikanische Überraschungen im Skilanglauf

In der „nordischen Loipe“ überraschten in der Winter-Olympia-Historie zudem der US-Amerikaner Bill Koch mit Silber über 30 Kilometer 1976 (erste olympische Skilanglauf-Medaille für die USA) und 2002 die Kanadierin Beckie Scott in der Verfolgung (erstes Skilanglauf-Gold für Kanada bei Olympia). Für die USA holten Jessica Diggins/Kikkan Randall im Team-Sprint dann 2018 das erste Skilanglauf-Gold überhaupt – allerdings nicht so unerwartet, waren beide doch bereits bei früheren WM und Weltcups vorne zu finden.

Weitere Sensationen aus internationaler Sicht

Riesige Sensationen waren außerdem – international betrachtet – der Olympiasieg von Franco Nones (Italien) im Skilanglauf über 30 Kilometer in Grenoble 1968 und die Olympiasiege des Polen Wojciech Fortuna 1972 in Sapporo von der Großschanze und des Spaniers Francisco Fernandez Ochoa im alpinen Slalom.

Apropos olympischer Alpin-Slalom: Dort holte 1956 in Cortina d`Ampezzo der Japaner Chiharu Igaya völlig unerwartet Silber. 1992 in Albertville, im Slalom der Frauen, errang ebenso überraschend Annelise Coberger mit Silber die erste Olympia-Medaille für Neuseeland bei Winterspielen. In diesem Wettbewerb erreichte die Schwester des 1972er Olympiasiegers Francisco Fernandez Ochoa, Blanca, Bronze.

Im Eisschnelllaufen gab es zudem schon zahlreiche Überraschungen. Eine ganz große ereignete sich 1964. Nicht nur die Deutsche Helga Hasse feierte unerwartete Medaillen-Gewinne, auch eine Nordkoreanerin durfte sich über Edelmetall freuen: Pil-Hwa Han lief zu Silber über 3000 Meter.

Steven Bradbury im „Schon-Gang“ zu Gold 2002

Die großen neuseeländischen „Nachbarn“, die Australier, kamen erst zwei Jahre später, 1994 in Lillehammer, zu ihrer ersten Olympia-Medaille bei Winterspielen: Überraschungs-Bronze im Short Track dank der Herren-Staffel unter anderem mit einem gewissen Steven Bradbury.

Der schrieb dann acht Jahre später wieder Wintersport-Geschichte, als er in einem verrückten Finale, als alle vier vor ihm laufenden Konkurrenten stürzten, „im Schon-Gang“ Olympia-Gold über 1000 Meter im Short Track erkämpfte. Am 16.Februar 2002 in Salt Lake City war das. Mithin das erste Winter-Olympia-Gold für Australien. Zwei Tage später, am 18.Februar 2002, holte dessen Landsfrau, die Ski-Freestylerin Alisa Camplin das erste Frauen-Gold bei Winter-Olympia…

Nicht unbedingt auf der sportlichen Rechnung hatten „die Experten“ hingegen bei den aktuellen Winterspielen 2018 die Tschechin Ester Ledecka, die in der alpinen Super G-Konkurrenz Gold schaffte und eigentlich bislang „nur“ durch überragende Erfolge im Snowboarden auffiel (und dort auch ihr zweites Olympia-Gold 2018 errang) , und die ungarische Herren-Staffel im Short Track, welche die Gold-Favoriten aus China, Kanada bzw. Südkorea hinter sich ließ. Das bedeutete das erste Olympia-Gold für Ungarn bei Olympischen Winterspielen.

Nun deutsches Eishockey-Gold 2018?!

Tja, und vielleicht gewinnt am 25.Februar 2018 sogar das deutsche Eishockey-Team das erste Olympia-Gold im Eishockey für Schwarz-Rot Gold?! Wenn nicht, ist es allerdings auch okay! Bereits Silber funkelt wie Gold…

– Dass ein vermeintliches „B-Team“ durchaus Sieges-Chancen haben und nutzen kann, bewies ja das deutsche Frauen-Bob-Duo Mariama Jamanka/Lisa Buckwitz in Pyeongchang.

Marko Michels