Die einstige Erfolgs-Rennrodlerin und -Bobsportlerin Susi Erdmann über ihre Sport-Karriere und die Winterspiele 2018

Susi Erdmann: Bob und Skeleton Weltcup Innsbruck/Igls
Damen Bob 1. Lauf
Susi Erdmann GER, Jahr 2006, Foto: bsd / s.krauß

Winter-Olympia 2018 ist fast abgehakt. Neben den Biathletinnen bzw. Biathleten, Nordischen Kombinierern, Skispringerinnen bzw. Skispringern, dem Paarlauf-Duo Aliona Savchenko/Bruno Massot und auch den Eishockeyspielern feierten insbesondere die Schlitten-Sportlerinnen und -Sportler aus deutscher Sicht in Pyeongchang zahlreiche Erfolge und knüpften dabei an deutsche Erfolgstraditionen an.

Eine, die diese Erfolgstradition zwischen 1989 und 2007 mit großen Erfolgen fortführte, ist auch Susi Erdmann, Jahrgang 1968, die sowohl im Rennrodeln als auch im Bobsport zahlreiche Siege und Medaillen errang. So wurde die einstige Athletin des WSV Oberhof, des SpVgg Unterhaching bzw. des WSV Königssee zwischen 1989 und 1997 fünfmal Weltmeisterin sowie zwischen 1992 und 1998 viermal Europameisterin jeweils im Rennrodeln. Zudem schafte Susi Erdmann 2003/2004 zweimal WM-Gold im Zweierbob. An Olympischen Winterspielen nahm die gebürtige Blankenburgerin fünfmal teil. So wurde Susi Erdmann 1992 Dritte, 1994 Zweite bzw. 1998 Vierte jeweils im Rennrodeln und 2002 Dritte bzw. 2006 Fünfte jeweils im Zweierbob.

Was macht Susi Erdmann heute? Wie beurteilt Sie die aktuellen Ergebnisse der Winterspiele 2018? Und: Welche eigenen Erfolge blieben ihr nachhaltig in Erinnerung?

Interview

„Alle Sportlerinnen und Sportler der Olympia-Mannschaft 2018 überzeugten…“

Frage: Frau Erdmann, bei den Olympischen Winterspielen 2018 gewannen in Ihren einstigen Disziplinen, dem Frauen-Einsitzer im Rennrodeln und dem Zweier-Bob, jeweils Deutsche: Natalie Geisenberger bzw. Mariama Jamanka/Lisa Buckwitz. Wenn Sie auf ihre eigenen olympischen Wettkämpfe blicken, 1992 Bronze im Frauen-Einsitzer bzw. 1994 Silber im Frauen-Einsitzer (jeweils im Rennrodeln) und 2002 Bronze im Zweier-Bob: Was hat sich 2018 gegenüber 1992, 1994 und 2002 geändert?

Susi Erdmann: Vor zehn Jahren beendete ich ja meine leistungssportliche Karriere und es gab seitdem eine permanente Weiterentwicklung im Schlittensport. Die Athletinnen und Athleten haben heute schon deutlich besseres Material und in der Athletik ist ebenfalls eine äußerst positive Entwicklung festzustellen. So streben immer mehr Top-Leute aus der Leichtathletik zum Bobsport.

Das war in meiner aktiven Zeit noch nicht so. Allerdings war zu meiner Zeit der Bobsport für Frauen eine noch junge Disziplin. Und auch im Sport ist es nun einmal so: Die Entwicklung geht immer weiter.

Frage: Welche Ihrer Olympischen Winterspiele blieben Ihnen besonders in Erinnerung? Was waren die Defizite wie positiven Eindrücke in Albertville 1992, in Lillehammer 1994, 1998 in Nagano, in Salt Lake City 2002 und in Turin 2006?

Susi Erdmann: Die Winterspiele 1994 in Lillehammer ragen doch heraus. Die Norwegerinnen und Norweger mit ihrer großen Wintersport-Tradition organisierten sehr bodenständige, sympathische, fast schon familiäre Spiele. Gigantismus war dort verpönt. Die Winterspiele kehrten 1994 zu ihren einstigen Wurzeln zurück.

Auch Salt Lake City 2002 waren sehr positive Winterspiele. Wir fuhren – nach den Terror-Anschlägen im September 2001 – mit viel Skepsis dorthin. Aber: Die Amerikanerinnen und Amerikaner boten ebenfalls, trotz aller berechtigten, intensiven Sicherheitsvorkehrungen, sehr gute Spiele, die begeistern konnten.

Albertville 1992, Nagano 1998 und Turin 2006 waren eher Spiele, auf die ich zwiespältig zurückblicke. Und schaue ich mir die Vergabe der Winterspiele in den letzten Jahren so an, so muß ich leider sagen, dass die Auswahl der Orte nicht immer sehr glücklich war. Es wäre schön, wenn wieder Orte mit echter Wintersport-Tradition und Wintersport-Begeisterung entsprechende Berücksichtigung finden könnten.

Frage: Das deutsche Winter-Olympia-Team war überaus erfolgreich. Viele Medaillen wurde dabei im Schlittensport, Rennrodeln, Skeleton und Bob, erkämpft. Dazu kamen zahlreiche Medaillen-Erfolge im Biathlon, im Skispringen und in der Nordischen Kombination. Was sind die Ursachen der deutschen Erfolge insbesondere im Schlittensport? Warum sind gerade die Wintersportler – neben den Fußballerinnen/Fußballern – in Deutschland so gut dabei? Ist die Förderung in einigen Disziplinen des Wintersportes besser als im Sommer-Sport?

Susi Erdmann: Die deutschen Winter-Sportlerinnen und -Sportler waren eigentlich immer eine (Erfolgs-)Bank. Deutschland hat ganz einfach eine große Wintersport-Tradition.

Was den Schlittensport betrifft: Wir sind das einzige Land auf der Welt, das vier Kunst-Eisbahnen besitzt. Das ist schon ein großer Vorteil, weil an den Bahnen entsprechende Leistungszentren und Sportschulen entstanden sind. Die Nachwuchsförderung im Schlittensport ist in Deutschland herausragend.

Und die deutschen Trainer haben eine ausgezeichnete Kompetenz. Natürlich ist es auch so, dass – obwohl auch im Wintersport die Mitbewerber immer stärker werden – die Konkurrenz nun einmal nicht so zahlreich ist, wie in vielen Sommersportarten. Das liegt ganz einfach an den natürlichen Bedingungen hierzulande. Nicht viele Länder haben nun einmal Eis und Schnee.

Der Schlittensport ist, trotz wachsender Beliebtheit, noch immer eine exotische Randsportart, bei dem die angesprochene Konkurrenz noch überschaubar bleibt. Was ungemein wichtig ist: Den deutschen Wintersportlerinnen und -sportlern werden auch berufliche Perspektiven geboten, ob bei der Bundeswehr, der Polizei oder beim Zoll, um nur drei Beispiele zu nennen.

Frage: Welche Leistungen beeindruckten Sie ansonsten in Pyeongchang?

M.Jamanka/A.Drazek in Aktion. Mariama Jamanka wurde nun mit Lisa Buckwitz Olympiasiegerin in Pyeongchang. Foto: BSD/Sportpresse Reker

Susi Erdmann: Also, der Olympiasieg von Mariama Jamanka/Lisa Buckwitz beeindruckte mich doch sehr. Beide galten ja „nur“ als zweite Mannschaft und starteten als Außenseiterinnen.

Klasse, was sie aus dieser Position heraus machten. Der vierte Lauf des Duos war dabei schon imponierend, nahezu fehlerfrei. Beide wiesen Nervenstärke und großes technisches Können auf.

Ansonsten möchte ich dem gesamten deutschen Winter-Olympia-Team 2018 ein großes Kompliment machen. Alle Sportlerinnen und Sportler der Mannschaft überzeugten. Es wäre vermessen, alles nur an Medaillen festzumachen. Denn: Jeder gab sein Bestes!

Letzte Frage: Wie sieht Ihr Leben derzeit aus – persönlich, beruflich und sportlich?

Susi Erdmann: Ich arbeite seit drei Jahren als Sportfeldwebel an der Sanitätsakademie der Bundeswehr in München. Dort bin ich für die Sportausbildung der Soldaten verantwortlich, organisiere Sportveranstaltungen, bin Verantwortlich für die Materialbeschaffung und leite Kurse für das betriebliche Gesundheitsmanagement.

Es ist ein vielfältiger und interessanter Job. Außerdem biete ich nach wie vor für Firmenkunden und private Interessenten Viererbob-Fahrten in Innsbruck-Igls an, um diese für den Bobsport zu begeistern. Auf diese Weise kann man „Außenstehenden“ diese schöne Sportart näher bringen. Zusätzlich spiele ich auch gern Golf und engagiere mich im Charity-Bereich.

Vielen Dank und weiterhin alles erdenklich Gute!

Das Interview führte M.Michels