Rennrodler gehen als Erste auf Medaillenjagd

PyeongChang (bsd/05.02.2018) Die deutschen Rennrodler gehen im Kampf um die Medaillen bei den Winterspielen in Südkorea einmal mehr als Topfavoriten ins Rennen. Bei Olympia 2014 in Sotschi schafften die Schützlinge von Cheftrainer Norbert Loch gar historisches: Nach den Erfolgen von Felix Loch und Natalie Geisenberger in den Einzelrennen sowie dem Triumph der Doppelsitzer Tobias Wendl/Tobias Arlt waren die BSD-Asse auch gemeinsam in der erstmals bei Olympia ausgetragenen Team-Staffel nicht zu schlagen und feierten im vierten Wettbewerb den vierten Olympiasieg. Das gab es bei Olympischen Spielen noch nie.

Und auch in Pyeongchang bahnt sich historisches an: Felix Loch peilt in Südkorea sein drittes Einzelgold nacheinander an. Damit würde der 28-Jährige mit seinem Freund und Vorbild Georg Hackl gleichziehen und seinen Status als einer der besten Rodler der Geschichte untermauern. Die Chancen dazu stehen nicht schlecht… Dank seiner vier Saisonsiege sicherte sich der Dominator der vergangenen Jahre vor knapp zwei Wochen den sechsten Sieg im Gesamtweltcup und tankte damit reichlich Selbstvertrauen für die Wettbewerbe in Pyeongchang.

Auch die zwei weiteren BSD-Herren, Andi Langenhan und Johannes Ludwig, zählen bei den olympischen Wettbewerben, die bereits am kommenden Samstag, 10. Februar, mit den ersten zwei von insgesamt vier Durchgängen ihren Auftakt erleben, durchaus zum erweiterten Kreis der Medaillenkandidaten. Andi Langenhan lag in Sochi undankbar auf Rang Vier und musste lange um eine Bronzemedaille bangen, bis der Internationle Gerichtshof CAS am 1. Februar 2018 bekannt gab, dass Silbermedaillengewinner Albert Demtchenko (Russland) nicht nachträglich disqualifiziert wird wegen seiner Verstrickungen in den russischen Dopingskandal von Sochi. Im Dezember 2017 wurde Demtdchenko die Medaille vom IOC (Internationales Olympisches Komitee) noch aberkannt.

Der Deutsche Meister Langenhan schaffte in der abgelaufenen Saison immerhin zweimal den Sprung aufs Weltcup-Podium (jeweils Dritter in Altenberg & Oberhof). Und auch Johannes Ludwig, der in Pyeongchang seine Olympia-Premiere feiert, konnte als Zweiter im Sprintrennen von Lake Placid sowie als Dritter beim Einzelrennen am Königssee im Olympia-Winter auf das Weltcup-Podest fahren.

Bei den Frauen gilt Titelverteidigerin Natalie Geisenberger erneut als Gold-Favoritin. Die dreimalige Weltmeisterin sicherte sich im Olympia-Winter zum sechsten Mal in Serie den Gesamtweltcup und verbuchte dabei fünf Saisonsiege. Eine weitere Bestmarke für die überragende Rodlerin der vergangenen Jahre: Zuvor war sie mit fünf Erfolgen gleichauf mit ihrer Dauerrivalin Tatjana Hüfner (2008 bis 2012) und Silke Kraushaar-Pielach (1999, 2001, 2001, 2006 und 2007) gelegen. Zudem hält die Miesbacherin auch den Rekord für die meisten Weltcup-Einzelsiege bei den Frauen (43).

In den Kampf um Gold will auch Tatjana Hüfner eingreifen. Die Olympiasiegerin von Vancouver 2010, die zu Jahresbeginn an einer Nervenentzündung im rechten Bein laborierte, konnte im Olympia-Winter ein Weltcup-Rennen für sich entscheiden und stand insgesamt fünf Mal auf dem Podest. Die 34-Jährige fährt als amtierende Weltmeisterin nach Pyeongchang. Bei den Welt-Titelkämpfen im Vorjahr sicherte sich Hüfner zum fünften Mal den WM-Titel und krönte sich damit zur alleinigen Rekordweltmeisterin. Medaillenchancen rechnet sich auch die dritte BSD-Starterin Dajana Eitberger aus. Im Weltcup überzeugte die 27-Jährige mit Gesamtrang zwei und verbuchte dabei zwei Siege (Sprintrennen Lake Placid & Oberhof) sowie insgesamt fünf Podest-Platzierungen.

Bei den Doppelsitzern liebäugeln die Weltmeister Toni Eggert und Sascha Benecken mit ihrem ersten Olympia-Gold. Das Duo aus Thüringen dominierte den Olympia-Winter beinahe nach Belieben und feierte seinen dritten Sieg im Gesamtweltcup. Dabei gewannen die amtierenden Weltmeister sage und schreibe zehn von 13 Weltcuprennen und sicherten sich ganz nebenbei auch noch den dritten EM-Titel ihrer Karriere.

Aber auch die Olympiasieger Tobias Wendl/Tobias Arlt werden in Pyeongchang alles daran setzen, ihren Triumph von Sochi zu wiederholen. In der abgelaufenen Saison lief es für den erfolgsverwöhnten „Bayern-Express“ aber nicht ganz so rund. Am Ende mussten sich die viermaligen Weltmeister im Gesamtweltcup mit „nur“ zwei Siegleistungen (Sprint Winterberg & Königssee) deutlich den Teamkollegen Eggert/Benecken geschlagen geben. Für den Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD) war der Erfolg von Wendl/Arlt in Sotschi 2014 im Übrigen das erste Doppelsitzer-Gold seit zwölf Jahren. Der bis dahin letzte deutsche Olympiasieg gelang dem Duo Patric Leitner/Alexander Resch im Jahr 2002 bei den Winterspielen in Salt Lake City. In der olympischen Doppelsitzer-Statistik war es die insgesamt 20 Medaille für Deutschland (10x Gold/4x Silber/6x Bronze).

Insgesamt feierten deutsche Rennrodler seit der Aufnahme der Rodelwettbewerbe ins Olympia-Programm 1964 immer mindestens einen Olympiasieg und verbuchten bislang insgesamt 31 Goldmedaillen in der olympischen Geschichte: je 10x Gold bei Damen, Herren & Doppelsitzern sowie 1x Gold im Team-Wettbewerb.

Die Bilanz der Rennrodel-Damen ist sicherlich besonders beeindruckend: Bei den bisher 14 olympischen Rennrodel-Wettbewerben seit 1964 in Innsbruck gab es nur viermal kein Gold (1968, 1980, 1992, 1994) für Deutschland. Die letzte Niederlage bei Olympischen Winterspielen gab es 1994: Damals ließ sich Susi Erdmann in Lillehammer die Gold-Medaille von der Italienerin Gerda Weissensteiner wegschnappen. In den vergangenen 50 Jahren gewannen die deutschen Mädels insgesamt 31 von 42 möglichen Olympiamedaillen. Bei den letzten fünf Winterspielen 1998, 2002, 2006, 2010 und 2014 holten die deutschen Damen zwölf von fünfzehn möglichen Medaillen.

Die Nominierungen

Herren

Felix Loch RC Berchtesgaden
Andi Langenhan RRC Zella-Mehlis
Johannes Ludwig BSR Rennsteig Oberhof

Damen

Natalie Geisenberger SV Miesbach
Tatjana Hüfner RC Blankenburg
Dajana Eitberger RC Ilmenau

Doppelsitzer

Tobias Wendl RC Berchtesgaden
Tobias Arlt WSV Königssee
Toni Eggert BRC Ilsenburg/Harz
Sascha Benecken RT Suhl

Der Zeitplan

Einzelwettbewerb Herren: 10. (1. und 2. Lauf) und 11. (3. und 4. Lauf) Februar 2018, 10.50 Uhr MEZ
Einzelwettbewerb Damen: 12. (1. und 2. Lauf) und 13. (3. und 4. Lauf) Februar 2018. 11.30 MEZ
Doppelsitzer Herren: 14. Februar 2018, 12.20 Uhr MEZ
Teamwettbewerb: 15. Februar 2018, 13.30 Uhr MEZ

Margit Dengler-Paar, Pressechefin, Bob- und Schlittenverband für Deutschland e. V.

______________________________________________________________________

Rodelsportliches Kalenderblatt vom 28.April 2010 (Archiv-Beitrag rostock-sport.de)

Als ein Schweriner die Rodelbahnen eroberte/Walter Wendt sorgte 1951 für Glücksmomente im Schlittensport

Mecklenburg-Vorpommern und leistungssportlich orientierter Schlittensport – ein NO GO oder doch im Bereich des Möglichen?!

Tja, richtig ist, sogar in Sachen „Rennrodeln“ konnten die Mecklenburger und Vorpommern, der Nordosten allgemein, in der Vergangenheit mit den „Großen“ aus Thüringen, Sachsen oder Bayern mithalten.

So wurde der auf der Insel Rügen wohnende Meinhard Nehmer dreifacher Olympiasieger 1976/1980 im Bobsport. Torsten Voss vom SC Traktor Schwerin, 1987 Zehnkampf-Weltmeister und 1988 Zehnkampf-Olympia-Zweiter, konnte später als Anschieber des Czudaj-Bobs 1995 bzw. des Hoppe-Bobs 1996 jeweils WM-Bronze und mit dem Vierer-Bob von Dirk Wiese die Vize-Weltmeisterschaft 1997 erkämpfen.

Ein weiterer Leichtathlet aus M-V sorgte vor mehr als 16 Jahren für viel schlittensportlichen Wirbel: Ulf Hielscher, 1967 geboren und für den SC Neubrandenburg über die 110 Meter-Hürden mit passablen regionalen Erfolgen startend, wechselte zu den Bobfahrern. Als Anschieber gewann er im Hoppe-Bob bei den Olympischen Winterspielen 1994 in Lillehammer die Bronzemedaille; 1995 wurde er gar Weltmeister!

Eine sehr erfolgreiche bayrische Rennrodlerin, die Olympia-Dritte 2010 Natalie Geisenberger, hat sogar „preußische Wurzeln“. So beantwortete sie die Frage kurz vor den Winterspielen 2010, ob sie schon einmal in Mecklenburg-Vorpommern war, folgendermaßen:

„Nein, bisher leider noch nicht. Mein Großvater ist in Wolletz und Holzendorf aufgewachsen – also ganz in der Nähe von Mecklenburg-Vorpommern. Seit langem schon möchte ich mit ihm seine alte Heimat besuchen und die Gegend per Pferd oder Rad erkunden. Für die Winter darf ich Ihnen dann aber doch einen Urlaub in meiner bayrischen Heimat empfehlen. Bei mir quasi um die Ecke kann man wunderbar Skifahren und auf dem Wallberg hobbymäßig rodeln!“

Erfolgreiche Bobfahrer hat M-V bereits aufzuweisen, aber auch gute Rennrodler …?!

Ja, auch die gab es. Einer davon ist Walter Wendt, Jahrgang 1928, der aus Schwerin stammt, im Jahre 1951 mecklenburgischer Meister im Rennrodeln wurde und Ende April seine diamantene Hochzeit feierte.

Aber wie war das damals?!

Nachgefragt bei Herrn Walter Wendt ….

Frage: Herr Wendt, Sie wurden 1951 mecklenburgischer Meister im Rennrodeln in Oberhof. Wie kam es dazu? Wie lief der Wettkampf damals ab?

Walter Wendt 1948. W.Wendt/privat

Walter Wendt: Die Meisterschaften wurden im Frühjahr 1951 in Oberhof auf einer Naturbahn durchgeführt. Zu diesem Zeitpunkt lag dort noch etwas Schnee, so konnten die Meisterschaften dort durchgeführt werden. Der Schlitten war ein ganz normaler Holzschlitten, der mit den heutigen HighTech-Geräten in keiner Weise vergleichbar ist.

In diesem Zusammenhang wäre es vielleicht interessant, wie die heutigen Sportler mit so einem Gerät zurechtkommen, und ob sie sich überhaupt damit die Bahn runter trauen, dieses aber nur am Rande …

Beim Championat verletzte ich mich jedoch an der Hand, so dass ich an den eigentlichen Deutschen Meisterschaften nicht teilnehmen konnte, aber zumindest eine Wertung hatte.

Frage: Hatten Sie nach dem Mecklenburger Meistertitel auch weitere sportliche Ziele im Rennrodeln?

Walter Wendt: Zwar hätte ich meine rodelsportlichen Ambitionen gern weiter verfolgt, aber mit dem Wegzug aus Schwerin im Januar 1952  und aufgrund neuer beruflicher Aufgaben hatte ich nicht mehr die Möglichkeit, mich weiter dem Rennrodeln zu widmen.

Frage: Sie wurden in Crivitz geboren und wohnten viele Jahre in Schwerin. Wo wohnten und arbeiteten Sie damals in der heutigen Landeshauptstadt M-V?

Walter Wendt: Ich arbeitete damals im Finanzamt in Schwerin und wohnte  in der Münzstrasse, in der mein Sohn Rüdiger 1951 das Licht der Welt erblickte.

Frage: Wie sah Ihr weiterer Lebensweg aus?

Walter Wendt: Nach mehreren Stationen in Westdeutschland arbeitete ich bis zu meiner Pensionierung bei einem großen amerikanischen Unternehmen, lebe jetzt seit über 17 Jahren in Bremen und genieße dort seinen wohlverdienten Ruhestand mit meiner Ehefrau.

Dann herzliche Grüße und Glückwünsche aus der alten Mecklenburger Heimat, weiterhin beste Gesundheit und sportliches Aktiv sein!

Marko Michels