Nachgefragt bei Marc Hildebrandt, Vorsitzender der Ruder-Jugend im Deutschen Ruder-Verband

Vom 19.Juli bis 23.Juli fanden die U 23-WM in Plovdiv im Rudern statt. Dann folgten die U 19-WM vom 2.August bis 6.August in Trakai und demnächst gibt es die U 23-EM vom 2.September bis 3.September in Kruszwica. Vom 24.September bis 1.Oktober stehen dann die Elite-Wm in Sarasota auf dem Programm.

Wie bewertet nun Marc Hildebrandt, Vorsitzender der Ruder-Jugend im Deutschen Ruder-Verband, diese internationalen Meisterschaften?!

Marc Hildebrandt über die U 23-Ruder-WM 2017 in Plovdiv, die U 19-WM in Trakai, sportliche Perspektiven, den Zuspruch der Sport-Talente zum Rudern und die Sportart Indoor-Rudern

„Der Rudersport in Deutschland wächst gegen den demografischen Trend…“

Frage: Kürzlich wurde um WM-Gold bei den U 23-Welt-Titelkämpfen gerudert. Wie lautet Ihr Resümee aus deutscher Sicht?

Marc Hildebrandt: Mit den Ergebnissen in Plovdiv weisen wir seit langer Zeit mit 3 Medaillen eine sehr niedrige Podiumsplatzierung aus.

Derzeit sind wir als Verband dabei, die Ergebnisse näher zu analysieren, dennoch möchte ich anmerken, dass wir mit einer vergleichsweise jungen motivierten Mannschaft angetreten sind.

Die internationale Konkurrenz, in ihrer Vorbereitung und Leistungsdichte, konnte starke Fortschritte erzielen.

Ein erheblicher Anteil der U 23-Leistungsträgerinnen und U 23-Leistungsträger rudert derzeit im A-Bereich, mit Ausblick auf die WM 2018 sowie auf Plätze in der  Olympia-Mannschaft 2020. Zufrieden sind wir mit dem Ergebnis nicht, gänzlich überraschend trifft es uns jedoch ebenfalls nicht, zumal wir auch einige Krankheitsausfälle von Leistungsträgern vor Ort in Plovdiv zu beklagen hatten.

Frage: Mit den Junioren-WM in Trakai folgte eine weitere wichtige internationale Nachwuchsmeisterschaft. Wie bewerten Sie die dortigen Ergebnisse?

Marc Hildebrandt: Auch hier kann man sagen, dass wir eine intensivere Vorbereitung und Wettkampfhärte der internationalen Konkurrenz feststellen konnten.  Mit sehr motivierten und technisch sehr guten Athletinnen und Athleten, unter der Leitung der neuen Bundestrainerin Sabine Tschäge, konnten wir dennoch weiterhin die höchste Medaillen-Ausbeute errudern (siebenmal Edelmetall). Mit 11 A-Finalplätzen von 13 Finalmöglichkeiten können wir durchaus zufrieden sein.

Es ist eine gute Ausgangsbasis auch für diese wieder recht junge Mannschaft. Viele der jungen Sportlerinnen und Sportler haben auch im kommenden Jahr die Chance, zur U 19-WM anzutreten. Daher sind wir guter Dinge, für die anstehenden Regatten. Darüber hinausgehende Analysen bzw. Spekulationen sind zu diesem Zeitpunkt aus meiner Sicht noch zu verfrüht.

Frage: Wie ist ansonsten der Zuspruch der deutschen Sport-Talente zum Rudersport?

Marc Hildebrandt: Der Rudersport in Deutschland wächst gegen den demografischen Trend und unsere Jahrgangsstärken im Bereich der 15-18-jährigen liegen konstant bei circa 1.850 Jugendlichen pro Jahrgang. Die Bundestrainerinnen U 19 und U 23 koordinieren gemeinsam mit den Vereinstrainern und den Landesstützpunkten einen kontinuierlichen Aufbau in Richtung internationaler Klasse. Es steht also ein eng verzahntes System zur Verfügung, dass jedem Talent auch die maximalen Entwicklungsmöglichkeiten bietet.

Frage: Aus Ihrer Sicht… Müßte sich das Fördersystem auch im deutschen Rudersport verbessern? Lassen sich Ausbildung/Studium mit dem Leistungssport effektiv verbinden?

Marc Hildebrandt: Dies sind zwei unterschiedliche Sachverhalte. Ja, Studium und Leistungssport lassen sich mit einander verbinden. Rudern in der Leistungsspitze, ist nach wie vor eine sehr akademisch geprägte Sportart. So waren zum Beispiel von den 17 Medaillengewinnerinnen bzw. -gewinnern, in drei Booten, von Rio vier Polizisten bzw. zwei Sportler in einer Ausbildung und 11 Studenten mit sehr ambitionierten Studienfächern.

Das Fördersystem für unsere Athletinnen und Athleten, muss sich über die kommenden Jahre weiter verbessern, um den sich wandelnden Anforderungen und den persönlichen Umständen bzw. Zukunftsplanungen weiterhin gerecht zu werden. Gut finde ich, dass ein Austausch zwischen den verschiedenen Gremien zur Weiterentwicklung aktuell stattfindet ,wo auch die Sichtweise der Sportlerinnen und Sportler kontinuierlich eingebracht werden sollen.

Letzte Frage: Bei den „World Games“ 2017 gab es auch Medaillen im Indoor-Rudern. Eine Sportart mit Zukunft?

Marc Hildebrandt: Ergometer-Rudern ist schon eine eigene Disziplin und trägt zur Verbreitung unserer schönen Sportart bei, insbesondere auch für Quereinsteiger aus dem Fitness-Bereich oder aus anderen Sportarten sowie aus dem Schul-Rudern. Hier möchte ich auch auf die schnellste Klasse Deutschlands hinweisen, ein Projekt der Deutschen Ruderjugend, an dem jedes Jahr circa 10000 Jugendliche teilnehmen. Gemeinsam mit unserem Partner Concept 2, möchten wir als Verband dieses weiter entwickeln.

Vielen Dank und weiterhin bestes rudersportliches Engagement!

Marko Michels

Foto (Michels): Rudern hat auch in Schwerin eine große Tradition.