M-V-Judoka mit internationalen Einsätzen

Im Judosport gab es in diesem Jahr schon einige Höhepunkte. Bei den Elite-EM im April in Warschau dominierten die Judoka aus Russland mit 10 Medaillen (darunter 2 x Gold) und aus Frankreich mit 8 Medaillen (darunter 3 x Gold).

Annika Würfel (VfK Bau Rostock 94), das judosportliche Talent in M-V

Für viel judosportlichen Jubel sorgte in M-V zuletzt auch Annika Würfel, Jahrgang 2000, vom VfK Bau Rostock 94, die bei den U 18-EM in Kaunas im Juli Bronze in der Gewichtsklasse bis 52 Kilogramm und Gold mit dem deutschen Team gewann. Zurzeit nimmt Annika an den U 18-WM in Santiago de Chile teil.

In Santiago de Chile finden 2017 nach Budapest 2009, Kiew 2011, Miami 2013 und Sarajevo 2015 die bislang fünften U 18-WM im Judosport statt.

Bei den letzten beiden U 18-WM in Miami 2013 bzw. in Sarajevo 2015 dominierten jeweils Japan und Russland. 2013 gewann Japan 5 x Gold, 3 x Silber, 3 x Bronze bzw. Russland 2 x Gold, 1 x Silber, 6 x Bronze und 2015 schaffte Japan 4 x Gold, 1 x Silber, 2 x Bronze bzw. Russland 2 x Gold, 1 x Silber, 6 x Bronze. Deutschlands Ausbeute lautete 2013 in Miami jeweils 1 x Gold, Silber bzw. Bronze und 2015 in Sarajevo 1 x Gold.

Und die Konkurrenz ist bei den U 18-WM im Judo 2017 in Santiago de Chile ebenfalls ungemein stark. 428 Judoka aus 64 Ländern sind auf der Tatami in der chilenischen Metropole aktiv.

Leider reichte es für Annika nun nicht zu einer Medaille. Die Ungarin Szofi Ozbas „verbaute“ Annika den Weg zu den Medaillen. Bereits bei den U 18-EM in Kaunas hatte die Ungarin aufgetrumpft und Gold vor Gefen Primo aus Israel und den beiden deutschen Starterinnen Seija Ballhaus und Annika Würfel gewonnen.

Dennoch sollte „diese fehlende Medaille“ für Annika kein Grund zur Traurigkeit sein. Sie hatte 2017 ein überaus erfolgreiches Jahr und ist ein sportives „Kronjuwel“ nicht nur für den Judosport in M-V. Nicht immer können nun einmal Medaillen gewonnen werden, aber für Annika wird es mit Sicherheit noch einige geben – auch bei globalen Meisterschaften…

Die bisherigen U 18-WM-Titel in Santiago de Chile erkämpften bis dato (10.8. / MESZ 23.45 Uhr) bei den Mädels Marina Vorobeva (Russland, bis 40 Kilogramm), Haruka Kawabata (Japan, bis 44 Kilogramm), Brigitta Varga (Ungarn, bis 48 Kilogramm) sowie Deutschlands Seija Ballhaus in Annikas Gewichtsklasse und bei den Jungs Aldi de Oliveira (Brasilien, bis 50 Kilogramm), Mihrac Akkus (Türkei, bis 55 Kilogramm), Kazbek Naguchev (Russland, bis 60 Kilogramm) bzw. Katsura Ranto (Japan, bis 66 Kilogramm).

Seija Ballhaus gewann Gold vor Faiza Mokdar (Frankreich), der schon erwähnten Ungarin Szofi Ozbas bzw. Mina Kobayashi (Japan).

Aus deutscher Sicht holten bislang auch Mascha Ballhaus Silber (bis 48 Kilogramm) und Jana Gussenberg Bronze (ebenfalls bis 48 Kilogramm).

Bronze-Erfolge für Ramona und Carmen Brussig vom PSV Schwerin bei den IBSA-EM 2017

Bei den VI.IBSA-EM im Judosport für Judoka mit visuellen Handicaps Anfang August in Walsall setzten auch zwei Judoka aus M-V sportive Akzente und es gab zudem Grund zur judosportlichen Freude in M-V. Die Zwillingsschwestern Carmen und Ramona Brussig vom PSV Schwerin gewannen jeweils Bronze: Carmen in der Gewichtsklasse bis 48 Kilogramm und Ramona in der Gewichtsklasse bis 52 Kilogramm.

Weitere Medaillen für das deutsche Team in Wolverhampton schafften Schugga Nashwan (SSG Blista Marburg, Bronze, bis 60 Kilogramm), Nikolai Kornhaß (erster Mannheimer JC, Silber, bis 73 Kilogramm) und Oliver Upmann (auch erster Mannheimer JC, Bronze, bis 100 Kilogramm).

Dazu kam noch Team-Bronze für Schwarz-Rot-Gold bei den Frauen, wobei die Titel in den Mannschaftswettbewerben der Frauen und Herren jeweils an Aserbaidschan gingen.

Die erfolgreichsten Nationen der IBSA-EM im Judosport 2017 in den Einzel-Konkurrenzen waren  Aserbaidschan (4 x Gold, 1 x Silber, 2 x Bronze), Russland (3 x Gold, 3 x Silber, 6 x Bronze), die Ukraine (3 x Gold, 1 x Silber, 2 x Bronze) und die Türkei (1 x Gold, 2 x Silber, 4 x Bronze).

Die nächsten judosportlichen Höhepunkte

Nächste internationale Herausforderungen für die Judoka sind die Entscheidungen (20.8.-24.8.) während der 29.Universiade in Taipei (19.8.-30.8.) und vor allem der Jahreshöhepunkt im Judosport, die Elite-WM vom 28.8. bis 3.9. in Budapest.

Wie sah das judosportliche Geschehen eigentlich noch vor Jahresfrist aus?!

Von Olympia zu den Paralympics in Rio

Auf der olympische Tatami waren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Japan wieder am besten – mit 12 Medaillen, darunter 3 x Gold. Die Judoka aus Frankreich und Russland präsentierten sich auch ganz stark. Aus deutscher Sicht gelang nur eine Medaille: Bronze durch Laura Vargas Koch im Mittelgewicht. Viele Länder konnten 2016 olympische Medaillen in den 14 Judo-Entscheidungen erkämpfen, genau 26 – ein Beweis dafür, wie beliebt der Judosport global ist. Insgesamt nahmen 386 Judoka aus 138 Ländern an den Spielen 2016 teil.

Bei den paralympischen Judo-Wettkämpfen in Rio de Janeiro dominierten hingegen die Judoka aus Usbekistan, die 10 Medaillen, darunter 3 x Gold, erkämpften. Die Athletinnen und Athleten aus China, der Ukraine, Südkorea und Mexiko konnten ebenfalls einige Medaillen gewinnen. Insgesamt schafften Judoka aus 15 Ländern den Sprung auf „das Medaillen-Treppchen“ in den 13 paralympischen Judo-Konkurrenzen. Für das deutsche Judo-Team bei den Paralympics 2016 kamen Ramona Brussig (Silber in der Klasse bis 52 Kilogramm), Carmen Brussig (Silber in der Klasse bis 48 Kilogramm) und Nikolai Kornhass (Bronze in der Klasse bis 73 Kilogramm) in die Medaillen-Ränge.

Die vorerst letzten judosportlichen Elite-WM 2015 im Rückspiegel

Astana 2015 mit japanischer Dominanz

Bei den vorerst letzten WM 2015 in Astana war Japan ziemlich eindeutig das „Maß aller judosportlichen Dinge“.

Japan erkämpfte 17 Medaillen, darunter 8 x Gold, und ließ damit die eher magere Ausbeute von Olympia in London 2012 endgültig vergessen.

Sehr stark präsentierten sich auch die Athletinnen und Athleten aus Frankreich (2 x Gold, 2 x Silber, 2 x Bronze) und aus Südkorea (2 x Gold, 1 x Silber, 3 x Bronze. Für Deutschland und die nach Japan und Frankreich drittbeste Judo-Nation der WM-Geschichte Russland blieben nur 1 x Silber, 3 x Bronze bzw. 2 x Silber, 1 x Bronze.

Judoka aus 20 Ländern errangen Medaillen, darunter 7 Staaten eine oder mehrere WM-Titel. Unter den Titelträgerinnen und Titelträger 2015 waren unter anderem Yeldos Smetov (Kasachstan/-60 Kilogramm), Takanori Nagase (Japan/-81 Kilogramm), Teddy Riner (Frankreich/über 100 Kilogramm), Paula Pareto (Argentinien/-48 Kilogramm), Misato Nakamura (Japan/-52 Kilogramm), Mami Umeki (Japan/-78 Kilogramm) und Yu Song (China/über 78 Kilogramm). Die WM-Mannschaftstitel bei den Herren und den Damen gingen jeweils an Japan.

Für das deutsche WM-Team 2015 jubelten Karl-Friedrich Frey (Silber/-100 Kilogramm), Dimitri Peters (Bronze/-100 Kilogramm), Luise Malzahn (Bronze/-78 Kilogramm) und die Frauen-Mannschaften (Bronze) über Edelmetall.

Insgesamt nahmen 729 weibliche und männliche Judoka aus 123 Ländern an den WM 2015 teil.

Exkurs

Olympisch-paralympische Judo-Historie für M-V

In der olympischen bzw. paralympischen Judo-Geschichte konnten aus M-V-Blickwinkel bisher der gebürtige Schweriner Torsten Brechot (Olympia-Bronze 1988 in Seoul im Halbmittelgewicht), der Wahl-Schweriner Harald Heinke (Olympia-Bronze 1980 in Moskau im Halbmittelgewicht) und die schon erwähnten Ramona Brussig (PSV Schwerin, Paralympics-Gold 2004 bzw. 2012 und Paralympics-Silber 2008 bzw. 2016) sowie Carmen Brussig (PSV Schwerin, Paralympics-Bronze 2008, Paralympics-Gold 2012 bzw. Paralympics-Silber 2016) Edelmetall erringen.

Seit 52 Jahren olympisch

Seit 1964 ist Judo nun im olympischen Wettkampfprogramm (Ausnahme 1968, Frauen seit 1992) und bislang konnten 33 Länder Olympiasiegerinnen und Olympiasieger im Judo stellen, 52 Staaten sicherten sich olympische Judo-Medaillen.

Am erfolgreichsten war bislang das Mutterland dieser Sportart Japan, aus dem bis 2016 insgesamt 39 Olympiasiegerinnen und Olympiasieger kamen. Dahinter folgen mit Abstand Frankreich (14), Südkorea (11), Russland (einschließlich Sowjetunion und GUS, 10), China (8), Kuba (6), Deutschland (mit Westdeutschland und DDR, 5), Brasilien (4)  bzw. die Niederlande (4).

Aus deutscher Sicht triumphierten bei Olympia zwischen 1964 und 2012 Dietmar Lorenz (1980, Klasse ohne Gewichtslimit), Frank Wieneke (1984, Halbmittelgewicht), Udo Quellmalz (1996, Halbleichtgewicht), Yvonne Bönisch (2004, Leichtgewicht) und Ole Bischof (2008, Halbmittelgewicht).

Seit den Paralympics 2004 in Athen ist Judo auch im dortigen Programm.

Marko Michels

1.Foto (Dirk Spörcke): Bald wieder auch Annika Würfel wieder „oben auf“ sein!

2.Foto (Wolfgang Gross): Ramona Brussig, wie ihre Zwillingsschwester Carmen, seit Jahren auf der paralympischen Tatami sehr erfolgreich.

3.Foto (Michels): Ramona Brussig bei einem Show-Kampf.