Turnen: WM-Qualifikation in Stuttgart

Am 09. September 2017 treffen in der Stuttgarter SCHARRena Deutschlands beste Turnerinnen und Turner aufeinander. Bei der innerdeutschen Qualifikation für die Weltmeisterschaften in Montreal werden die beiden Cheftrainer Ulla Koch und Andreas Hirsch die Plätze im Turn-Team Deutschland für die WM besetzen.

Die Zuschauer können sich auf die besten deutschen Athletinnen und Athleten und alle späteren WM-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer für Deutschland freuen. Ein Blick auf die Ergebnisse der Deutschen Meisterschaften im Turnen zuletzt beim Internationalen Deutschen Turnfest in Berlin zeigt, welch erlesenes Feld in Stuttgart an den Start gehen wird.

Medaillen sicherten sich dort unter anderem Turnerin Kim Bui, Amelie Föllinger, Leah Grießer, Pauline Schäfer, Elisabeth Seitz und Michelle Timm. 13 von 15 möglichen DM-Medaillen gingen an dieses Sextett. Dazu kommt bei der WM-Qualifikation in der Stuttgarter SCHARRena außerdem noch Gesamt-Weltcupsiegerin Tabea Alt, die in Berlin pausierte.

Bei den Männern ist das Teilnehmerfeld ebenfalls namhaft besetzt. Der zweifache olympische Silbermedaillengewinner Marcel Nguyen trainiert gleich nebenan im Kunst-Turn-Forum am Bundesstützpunkt und freut sich bereits auf sein Heimspiel: „Es ist immer wieder toll, in Stuttgart vor voller Halle zu turnen. Das sind die Momente, für die wir jeden Tag hart trainieren.“

Mit Spannung erwartet werden zudem die Auftritte von Andreas Toba und Andreas Bretschneider, die beide nach langer Verletzungspause wieder ins aktive Wettkampfgeschehen eingreifen werden. An welchen Geräten sie starten, steht noch nicht endgültig fest.

Die Titelkämpfe im kanadischen Montreal werden in diesem Jahr als sogenannte Einzel-Weltmeisterschaften ausgetragen. Dies bedeutet, dass es keine Mannschaftswertung gibt und lediglich an den jeweiligen Einzel-Geräten sowie im Mehrkampf Medaillen vergeben werden. Der DTB kann für die WM vier Frauen und sechs Männer benennen. Pro Gerät dürfen maximal jeweils drei Athletinnen bzw. Athleten starten.

Turn-Metropole Stuttgart

Nach der WM-Qualifikation und der WM in Montreal können sich die deutschen Gerätturnerinnen und -turner gleich auf den nächsten Auftritt in Stuttgart freuen: Vom 16. bis zum 18. März 2018 treten die weltbesten Gerätturnerinnen und -turner beim EnBW DTB-Pokal Stuttgart in der Porsche-Arena an. Gut ein Jahr später findet dann die Turn-WM Stuttgart 2019 statt (04. bis 13. Oktober).

Alle vorläufigen Starter auf einen Blick

Frauen

Elisabeth Seitz (MTV Stuttgart), Tabea Alt (MTV Stuttgart), Pauline Schäfer (TuS Chemnitz-Altendorf), Kim Bui (MTV Stuttgart), Michelle Timm (SC Berlin), Leah Grießer (TG Neureuth), Sarah Voss (Turnzentrum Deutsche Sporthochschule Köln), Amélie Föllinger (TSG Haßloch)

Männer

Marcel Nguyen (TSV Unterhaching), Andreas Toba (TK Hannover), Andreas Bretschneider (KTV Chemnitz), Philipp Herder (SC Berlin), Nils Dunkel (MTV Erfurt), Nick Klessing (SV Halle), Ivan Rittschik (KTV Chemnitz), Felix Pohl (VfL Kirchheim), Alexander Maier (TSV 1860 Mühldorf), Florian Lindner (KTV Chemnitz), Felix Remuta (TSV Unterhaching), Carlo Hörr (TSV Schmiden)

Pressemittteilung / Deutscher Turner-Bund, Torsten Hartmann

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Weitere Infos zum Turnsport – auch aus M-V-Sicht (M.M.)

Glasgow und die WM im Geräte-Turnen 2015

Im Herbst 2015, in Glasgow, fand die vorerst letzte WM im Turnen statt und „Team U.S.A.“ setzte die deutlichsten sportlichen Akzente – mit 5 x Gold, 2 x Silber, 3 x Bronze vor Japan mit 4 x Gold, 1 x Bronze, Russland mit 3 x Gold, 1 x Silber und China mit 2 x Gold, 2 x Silber, 4 x Bronze.

Wie „gewohnt“, wurde Amerikas Top-Turnerin Simone Biles die Erfolgreichste mit 4 x Gold (Team, Einzel-Mehrkampf, Schwebebalken und Boden), 1 x Bronze und Japans Top-Turner Kohei Uchimura der Erfolgreichste mit 3 x Gold (Team, Einzel-Mehrkampf und Reck).

Beim Sprung-Wettkampf der Herren verteidigte Nordkoreas Ri Se-gwang seinen Titel von 2014, seine Landsfrau Hong Un-jong sprang zu Silber bei den Frauen. Angenehm überraschen konnte Manrique Larduet aus Kuba mit Silber im Einzel-Mehrkampf und Bronze am Reck (bei den Herren) und der Brite Max Whitlock wurde der beste europäische Turner 2015 mit 1 x Gold (Seitpferd), 2 x Silber.

Gleich vier Goldmedaillen wurden in der Entscheidung am Stufenbarren vergeben… Fan Yilin (China), Viktoria Komova (Russland), Daria Spiridonova (Russland) und Madison Kocian teilten sich hier Gold.

Für die deutsche Mannschaft schaffte Pauline Schäfer Bronze am Schwebebalken.

Vom weltmeisterlichen Glasgow 2015 ins olympische Rio 2016

Die USA wurden auch bei Olympia in Rio 2016 die erfolgreichste Turn-Nation mit 4 x Gold, 6 x Silber, 3 x Bronze – vor Russland mit 3 x Gold, 5 x Silber, 3 x Bronze, Großbritannien mit 2 x Gold, 2 x Silber, 3 x Bronze und Japan mit 2 x Gold, 1 x Bronze.

Aus kontinentaler Sicht hatte in Rio Europa die turnsportliche Spitzen-Position inne, gewann 29 der 54 turnsportlichen Olympia-Medaillen 2016, darunter 10 x Gold. Dahinter folgten der amerikanische Doppel-Kontinent mit 16 Medaillen, darunter 5 x Gold, und Asien, als großer Verlierer, mit „nur“ 9 Medaillen, darunter 3 x Gold.

Die olympischen Einzel-Mehrkämpfe 2016 waren „die erwarteten Angelegenheiten“ für Simone Biles (USA) und Kohei Uchimura (Japan). Aus deutschem Blickwinkel sorgten bei den Spielen 2016 Fabian Hambüchen mit Gold am Reck und Sophie Scheder mit Bronze am Stufenbarren für die sportlichen Höhepunkte.

WM-Medaillen im Turnen für M-V

Bislang gab es für Mecklenburg-Vorpommern vier Medaillen bei Turn-Weltmeisterschaften. Bei den Welt-Titelkämpfen 1970 in Ljubljana erkämpfte die gebürtige Rostockerin Christine Schmitt, die zudem für den SC Empor Rostock startete, mit der DDR-Frauen-Riege Silber hinter der Sowjetunion. Außerdem schaffte Christine Schmitt am Schwebebalken bei den gleichen WM den Bronze-Rang, zusammen mit Larissa Petrik (Weissrussische SSR), hinter Erika Zuchold (SC Leipzig) und  Cathy Rigby (USA).

Des Weiteren holte der gebürtigen Neustrelitzer Ulf Hoffmann (SC Dynamo Berlin) mit der DDR-Herren-Riege jeweils Bronze 1985 in Montreal und 1987 in Rotterdam. Dessen Bruder Lutz wurde bei den WM 1979 in Fort Worth mit der DDR-Herren-Riege Vierter.

In der jüngeren Turn-Geschichte –  ab 1988 ff. – sorgten aus M-V-Blickwinkel folgende Turnerinnen bei Olympia oder WM für gute Resultate: die Rostockerinnen Christiane Thoms, Kathleen Kern-Stark bzw. Jana Günther und die gebürtige Neubrandenburgerin Yvonne Pioch.

Marko Michels

Foto (Michels): Der Turnsport fasziniert auch M-V.