Natürlich die Wintersportlerinnen und Wintersportler…

Bekanntlich werden erfolgreiche Wintersportlerinnen und -sportler im Sommer gemacht. Es dauert nicht mehr lange und in sieben Monaten beginnt der olympische Flocken-Wirbel in Pyeongchang.

Auch die Rennrodlerinnen bzw. Rennrodler müssen natürlich schon jetzt, im Sommer 2017, für Winter-Olympia 2018 schwitzen. Das nimmt die Öffentlichkeit kaum wahr, darum ist es um so wichtiger, einmal darauf deutlich hinzuweisen…

Eine Rodlerin, die ebenfalls zu Winter-Olympia 2018 strebt, ist Tatjana Hüfner, vom RC Blankenburg, die seit 2003 leistungssportlich rodelt und bereits jede Menge Edelmetall gewann, so Olympia-Bronze 2006, Olympia-Gold 2010, Olympia-Silber 2014, zehn WM-Plaketten, darunter 8 x Gold, von 2007 bis 2017, acht EM-Medaillen, darunter 2 x Gold, von 2004 bis 2017 und fünf Gesamt-Weltcup-Siege.

Bei den WM 2017 in Innsbruck-Igls triumphierte Tatjana Hüfner im Damen-Einsitzer vor Erin Hamlin (USA) bzw. KImberley McRae (Kanada) und wurde WM-Dritte im Sprint. Bei den EM am Königssee schaffte sie im Damen-Einsitzer Rang drei, hinter Natalie Geisenberger und der Russin Tatjana Iwanowa. Im Gesamt-Weltcup 2016/17 belegte Tatjana Hüfner hinter Natalie Geisenberger Rang zwei.

Und nun soll es möglichst in Pyeongchang 2018 wieder mit einer Medaille klappen…

MV-SPORT fragte bei Tatjana Hüfner nach

Tatjana Hüfner über ihr Sommer-Training, das Faszinierende am Rennrodeln, ihren Weg zum Rennrodel-Sport, berufliche Herausforderungen und die kommende Wintersport-Saison

„Man muß immer wieder an der Perfektion arbeiten…“

Frage: Einige denken ja tatsächlich, die Winter-Sportlerinnen und -Sportler liegen im Sommer am Strand, schlürfen (alkoholfreie) Cocktails und sammeln Muscheln… Wie sieht es aber tatsächlich aus? Wie anstrengend ist so ein Sommer aus Rennrodlerinnen-Sicht?

Tatjana Hüfner: Im Sommer werden die Grundlagen für den Winter gelegt. Da steht vor allem natürlich das Athletik-Training an, das heißt, schwitzen im Kraftraum, Koordinationstraining in der Sporthalle und Optimierung der Starttechnik. Aber, was viele unterschätzen, auch die Materialvorbereitung für die kommende Saison wird größtenteils im Sommer gemacht und braucht fast genauso viel Zeit wie das Training.

Frage: Was ist eigentlich das Faszinierende für Sie am Rennrodeln? Wie gelangten Sie dorthin?

Tatjana Hüfner: Für mich ist das Faszinierende an der Sportart, immer wieder an der Perfektion arbeiten zu müssen. Jeder Lauf ist anders, immer sind zudem auch die Bedingungen unterschiedlich – und natürlich betrifft das ebenfalls die Tagesform. Da ist es äußerst schwer, stets eine konstante, perfekte Leistung abzuliefern.

Zum Rennrodelsport bin ich durch meinen Bruder gekommen. Er war ein sehr aufgewecktes Kind und für ihn haben meine Eltern eine sportliche Betätigung gesucht. Durch die Arbeit lernten sie einen ehemaligen Rennrodel-Trainer kennen, der ihnen diesen Sport empfahl, da mein Bruder sich dort im Training austoben konnte, aber zugleich auch lernen musste, sich auf den Punkt zu konzentrieren.

Da ich ihn immer mit zum Training brachte und wieder abholen musste, meinte ich eines Tages, dass ich ja auch gleich beim Training bleiben sowie mitmachen könnte. Es hat mir von Anfang an Spaß gemacht.

Frage: Olympia ist noch einmal eine ganz andere „sportliche Haus-Nummer“ als eine EM, eine WM oder ein Weltcup… Was erwarten, was erhoffen Sie sich sportlich von Olympia 2018? Sie gewannen ja schon drei Olympia-Medaillen…

Tatjana Hüfner: Ich habe keine speziellen Erwartungen an die Olympischen Spiele 2018. Ich weiß aus meiner Erfahrung der letzten Spiele, dass Olympia noch einmal etwas ganz anderes ist – und dass man sich gewissermaßen darauf einlassen muss.

Von daher lasse ich es „Step by Step“ auf mich zukommen: Jetzt Vorbereitung auf die Saison, dann Quali für den Weltcup, folgend die Weltcups bzw. die Quali für Olympia und wenn das alles gut gelaufen ist, geht es zu den Spielen und dort schauen wir mal!

Frage: Wie sieht Ihr Leben neben dem Rodel-Schlitten aus? Widmen Sie sich noch anderen Sportarten intensiv? Was sind Ihre Hobbys?

Tatjana Hüfner: Im Moment konzentriere ich mich voll und ganz auf den Sport. Letztes Jahr habe ich mein Studium zur Kindheitspädagogin (Bachelor of Arts) erfolgreich abgeschlossen und genieße es daher, mich wieder ohne Zusatzbelastung voll auf den Rennschlittensport – und auf alles, was dazu gehört-  konzentrieren zu können.

Sehr gern bin ich auch am Fels anzutreffen. Ich gehe gerne Klettern oder Bergsteigen. Leider ist beides durch das Studium in den letzten Jahren etwas kurz gekommen. Ansonsten sind mein Freund und ich gern im Garten unterwegs, und wissen uns dort gut zu beschäftigen.

Letzte Frage: M-V hat auch eine kleine „Rodel-Tradition“, denn immerhin entschieden sich Ilse Geisler, die Olympia-Zweite 1964, und Ute Rührold-Klawonn, die Olympia-Zweite 1972 bzw. 1976, in „MeckPomm“ zu arbeiten und zu wohnen. Sind Sie auch „ab und zu“ in M-V? Hatten Sie schon Trainingslager auf Rügen oder auf Usedom?

Tatjana Hüfner: Ich war schon das eine und andere Mal in Mecklenburg-Vorpommern im Urlaub oder auch im Trainingslager in Zinnowitz. Aber ich bin ehrlich: Auf Dauer würden mir dort einfach die Berge fehlen 😉 !

Vielen Dank! Dann eine optimale Vorbereitung auf die wintersportive olympische Saison 2017/18 und maximale Erfolge bei Ihren Wettkämpfen! MV-SPORT drückt die Daumen.

Exkurs: Auch die Landeshauptstadt M-V mit Schlitten-Tradition

Schlittensport und Schwerin – das geht ebenfalls. Schwerinerinnen und Schweriner sind sogar rodelbegeistert, wobei die Möglichkeiten zum „Aktivsein“ arg eingeschränkt sind – zwischen hoffentlich schneebedecktem Schlossgarten bzw. Lankower Bergen im Winter oder der Rodelbahn während des Weihnachtsmarktes.

Schwerin hat aber sogar eine gewisse nationale und internationale Schlitten-Tradition.

Der Zehnkampf-Weltmeister von 1987 und Zehnkampf-Olympiazweite von 1988 Torsten Voss, 1963 in Güstrow geboren und für den SC Traktor Schwerin als Leichtathlet startend, war ebenfalls ein hervorragender Bob-Sportler. Seine WM-Bilanz im Vierer: WM-Silber 1997, WM-Bronze 1995 und WM-Bronze 1996, dazu Olympia-Teilnehmer 1998 in Nagano.

Und vor 66 Jahren wurde der Schweriner Walter Wendt mecklenburgischer Meister im Rennrodeln in Oberhof, wobei diese Titelkämpfe im Frühjahr 1951 im bekannten Wintersportort auf einer Natureisbahn durchgeführt wurden.

Marko Michels

Foto (Tatjana Hüfner/privat): Tatjana Hüfner – die deutsche Erfolgsrennrodlerin.