Der frühere Geschäftsführer des Reitsportverbandes M-V, Hans-Joachim Begall, über die Weltreiterspiele 2018 und den Pferdesport in M-V

Das pferdesportliche 2018 verlief in den vergangenen neun Monaten sowohl aus regionaler als auch internationaler Sicht sehr ereignisreich. Auch Reitsportlerinnen und -sportler aus M-V spielten dabei positive Hauptrollen, so unter anderem Andre Thieme, Holger Wulschner oder Alina Roß. Zuletzt standen die Weltreiterspiele in Tryon im Fokus des reitsportliche Interesses.

Wie beurteilt nun der frühere Geschäftsführer des Reitsportverbandes M-V, Hans-Joachim Begall, das Reitsport-Geschehen in Tryon? Nachgefragt…

Pferdesport

Pferdesport – Symbolfoto

Interview

Frage: Herr Begall, 13 Tage pferdesportliche Titelkämpfe in Tryon: Wie lautet Ihr Resümee aus deutschem Blickwinkel?

Hans-Joachim Begall: Für den deutschen Pferdesport hätte es nicht besser laufen können. Die Krönung war der WM-Titel von Simone Blum mit einem in Ostdeutschland gezogenen Pferd namens Alice.

Frage: Wie lautet Ihr Rückblick aus internationaler Sicht? Wie stellt sich das internationale Kräfteverhältnis im Reitsport, insbesondere in den olympischen Disziplinen, aktuell dar?

Hans-Joachim Begall: Erst einmal hat Deutschland in den drei olympischen Disziplinen sich für Tokio qualifiziert. Besonders in der Vielseitigkeit und im Springen sind viele Nationen ähnlich stark. Da hängt alles von der Tagesform ab. Das wird 2020 in Tokio bei den Olympischen Spielen noch einmal spannend.

Frage: Welche Reitsportlerinnen und Reitsportler setzten in Tryon nachhaltige Akzente? Wer imponierte Ihnen dabei?

Hans-Joachim Begall: In allen Disziplinen haben die deutschen Sportler ihr Bestes gegeben. Simone Blum und ihre Stute Alice möchte ich für eine tagelange konstante Leistung herausheben. Aber auch die Schweizer Springreiter Martin Fuchs, der vor einigen Jahren mit einem Mecklenburger Pferd sehr erfolgreich war, und Steve Guerdat haben verdient Medaillen gewonnen.

Frage: Die nichtolympischen Disziplinen gehen medial oft etwas unter… Wie waren die Leistungen im Voltigieren, im Vierspännerfahren oder im Western-Reiten in Tryon?

Hans-Joachim Begall: Im Voltigieren wurde erstmals ein Nationenpreis-Wettbewerb ausgetragen und den hat Deutschland gleich gewonnen. Hinzu kamen noch Medaillen in den Einzelwettbewerben. Im Vierspännerfahren hat es dieses Mal nicht für das Treppchen gereicht. Dafür gab es bei den Western-Reitern überraschend Mannschafts-Bronze. Und Distanzreiten fiel in Tryon leider wegen vieler organisatorischer und wetterbedingter Probleme aus.

Letzte Frage: Von Tryon nach M-V: Auch wenn Sie nicht mehr Geschäftsführer des Reitsportverband M-V sind… Wie beurteilen Sie die Entwicklung des Pferdesportes im Land?

Hans-Joachim Begall: Sportlich haben Pferdesportler aus M-V in diesem Jahr viel erreicht. Kürzlich siegte Deutschland mit den Springreitern André Thieme und Holger Wulschner beim Nationen-Preis in Kanada. Im Sommer gewann ein M-V-Team mit Mecklenburger Pferden den Bundeswettkampf in der Vielseitigkeit, im Distanzreiten holte Clara Haug einen Deutschen Meister-Titel, in der Para-Dressur sicherte sich Saskia Deutz bei der Deutschen Meisterschaft Bronze und im Voltigieren errang Juniorin Alina Roß jeweils Silber bei EM und DM. Die Entwicklung stimmt uns positiv.

Vielen Dank und weiterhin bestes Interesse für den Pferdesport!


 

Vor 90 Jahren: Olympisches Reiter-Gold für das heutige M-V

Die Reitsport-Wettkämpfe der IX. Olympischen Spiele in Amsterdam im August 1928 wurden nicht nur von deutschen Reitern mit dominiert, nein, auch der 1887 in Klein Belitz (heutiger Landkreis Rostock) geborene Carl-Friedrich von Langen, dem auch ein Gut in Parow bei Stralsund gehörte, war einer der erfolgreichen Protagonisten der Dressur-Wettbewerbe 1928. Auf „Draufgänger“ gewann er Gold im Einzel als auch mit der Mannschaft.

Das deutsche Reitsport-Team war seinerzeit in Amsterdam mit 2 x Gold und 1 x Bronze hinter den Niederlanden, die das Vielseitigkeitsreiten dank Charles Pahud de Mortanges beherrschten und 2 x Gold, 1 x Silber, 1 x Bronze erkämpften, das zweiterfolgreichste Team 1928 im Pferdesport. Im Springreiten gingen Gold an die Tschechoslowakei (Einzel: Frantisek Ventura) und Spanien (Mannschaft).

M.Michels