Nachgefragt bei Rostocks Erfolgstrainerin Monika Dietrich

Bald ist es so weit. Nur noch knapp drei Wochen bis zu den Europameisterschaften im Wasserspringen in der Neptunschwimmhalle in Rostock. Und Rostock und Wasserspringen – das ist ja seit Jahrzehnten eine Erfolgsgeschichte.

Bei den EM begann diese 1962 in Leipzig als die spätere Wahl-Rostockerin, die Dresdnerin Ingrid Krämer-Gulbin zweimal EM-Gold im Kunst- und Turmspringen gewann. Vom Drei-Meter-Brett wurde seinerzeit Christiane Lanzke (SC Empor Rostock) Zweite. 1970 in Barcelona gab es das erste EM-Gold aus Rostocker Sicht: Im Kunstspringen siegte Heidi Becker (SC Empor). Für das letzte EM-Edelmetall sorgte Christian Löffler 2002 in Berlin vom Ein-Meter-Brett mit Bronze.

Wie beurteilt nun jedoch Rostocks Erfolgstrainerin Monika Dietrich die EM-Aussichten des deutschen Teams?!

Nachgefragt

M.Dietrich über die EM in Rostock, die baldigen Europaspiele in Baku, die deutschen EM-Chancen, ihren Einsatz als Kampfrichterin in Baku und die allgemeine Arbeit beim WSC Rostock

„Wir sind wie immer fleißig am Arbeiten…“

Frage: Das deutsche Team zu den EM in Rostock steht… Wie beurteilen Sie dessen Erfolgsaussichten?

Monika Dietrich: Das deutsche Team setzt sich aus einer Mischung aus erfahrenen Athleten und Youngstern zusammen. So eine Mischung ist immer gut. Man nutzt die Wettkampferfahrung der gestandenen Athleten wie Patrick Hausding, Sascha Klein und Nora Subschinski und gibt den jungen Springern, wie Elena Wassen , Lousa Stawczynski und Timo Bartel, damit auch Sicherheit und nimmt ihnen ein wenig von der Last, die sie sicher bei der ersten EM der Großen spüren.

Unsere Weltklasse-Athleten sind durchaus in der Lage , in allen Disziplinen nach Medaillen zu greifen und es ist nicht vermessen, wenn wir auch Goldmedaillen im Visier haben.

Die amtierenden Weltmeister im Turm-Synchronspringen , Sascha Klein und Patrick Hausding, haben bei den vergangenen beiden EM in Deutschland in dieser Disziplin gesiegt und könnten das Triple in Rostock perfekt machen.

Patrick könnte in Rostock seine riesige  EM-Medaillen-Sammlung noch um zwei weitere Medaillen ergänzen. Auf seine Auftritte vom „Dreier“ im Einzelspringen und im Synchronspringen mit Stephan Feck freuen sich alle Wasserspringerfans.

Auch Tina Punzel ist in Rostock bereits bei der EM 2013 Siegerin geworden. Ein weiterer Sieg würde Rostock und Tina noch mehr verbinden.

Das sind nur einige Medaillenhoffnungen, unsere Erwartungen liegen viel höher.

Frage: Auf welche Auftritte, auch aus internationaler Sicht, freuen Sie sich bei den EM schon ganz besonders?

Monika Dietrich: Ich bin bekennender Fan des Turmspringens der Herren. Deshalb freue ich mich  besonders auf die schweren Programme, die die Herren oft spritzerlos ins Wasser bringen. Eine kleine Enttäuschung für mich ist, dass Thomas Daley (Großbritannien ) nicht gemeldet hat. Er bereitet sich auf die WM im Juli vor.

Auf das Kunstspringen der Herren vom Drei-Meter-Brett freue ich mich ebenfalls. Ich erwarte einen spannenden Kampf zwischen der deutschen Elite und den Könnern aus der Ukraine (Ilja Kvasha) , Russlands (Ilja Zakharov) sowie  den Springern aus Italien und Großbritannien.

Im Kunstspringen der Damen erwarte ich von einigen Athletinnen Programme , die von sportlicher Schwierigkeit und Eleganz geprägt sind.

Gespannt bin ich auf Deutschlands junge Damen. Die Geschwister Elena und Christina Wassen aus Berlin könnten allen Wasserspringern im WSC Rostock  Mut machen, dass man keine Angst vor großen Zielen haben muss.

Frage: Wie schätzen Sie ansonsten das internationale Kräfteverhältnis im Wasserspringen in Europa und der Welt anno Mai 2015 ein? Es gab ja bereits schon vier Stationen des diesjährigen FINA-Grand Prix in Rostock, Leon, Gatineau und San Juan und 2015 ist ja ebenfalls WM-Jahr…

Monika Dietrich: Europas Wasserspringer können in einigen Disziplinen im Weltmaßstab in vorderster Reihe mitspringen.

Neben Deutschlands Top-Athleten sind die Springer aus Großbritannien  bei der diesjährigen Diving-Word-Serie und einigen Grand Prix –Meetings mit sehr guten Platzierungen aufgefallen.

Auch einzelne Springer aus der Ukraine, Russland und Italien ordnen sich nicht automatisch hinter den Leistungen der Chinesen und  Amerikaner ein .

Die Leistungsdichte wird immer enger und die Anzahl der Favoriten immer größer. Das macht die Wettkämpfe bei den Weltmeisterschaften natürlich interessanter.

Im Turmspringen der Damen hat Europa etwas Nachhole-Bedarf. In diese schwierige Disziplin muss viel Arbeit gesteckt werden und nicht jedes kleine Land hat ausreichend Springerinnen, die sich den  Anforderungen stellen können. Diese Frage stellt sich in China gar nicht.

Frage: Im Juni sind zudem die Europaspiele in Baku, vom 12.Juni bis 28.Juni, auf der sportlichen Agenda – auch mit Wettkämpfen im Wasserspringen. Vom 9. bis 14.Juni werden die EM im Wasserspringen in Rostock ausgetragen… Wie ist Ihre Meinung zu der Terminierung – beide „Events“ überschneiden sich ja aus „Wassersprung-Sicht“?

Monika Dietrich: Die Fragen der Terminpläne stellen sich national und international immer wieder. In diesem Jahr sind die Europa-Spiele neu ins Programm aufgenommen.

Die EM in Rostock findet vom 9.Juni bis 14.Juni statt und die Europa-Spiele werden  vom 18.Juni bis 21.Juni in Baku ausgetragen. Junge Sportler  können also an beiden Wettkämpfen teilnehmen.

Mehrere Wettkämpfe hintereinander zu springen, üben die jungen Springer bereits in Deutschland bei der Absolvierung ihrer Altersklassen-Wettkämpfe und den Starts in der offenen Klasse.

An den Europa-Spielen in Baku nimmt Saskia Oettinghaus vom WSC Rostock teil. Sie startet in zwei Disziplinen ( Einzel Drei-Meter-Brett, Drei-Meter-Brett Synchron).

Ich werde als Kampfrichterin der LEN dabei sein. Ich freue mich auf das sportliche Ereignis. Es wird etwas ganz Besonderes sein.

Letzte Frage: Was gibt es ansonsten noch an neuen Infos zum WSC Rostock?!

Monika Dietrich: Wir sind wie immer fleißig am Arbeiten. Sportler und Trainer engagieren sich, um alle Anforderungen zu erfüllen. Maxim Jerjomin hat die Qualifikation  zur EM leider nicht geschafft, aber er ist trotzdem ein sehr guter Springer mit einem tollen Sprungprogramm und der richtigen Einstellung zum Leistungssport. Wir bleiben optimistisch.

Anna Shyrykhay hat nach langer Pause, die ihr vom Arzt verordnet wurde, wieder in die deutsche Spitze in ihrer Altersklasse gefunden und wird zur Jugend-Europameisterschaft der B-Jugend nach Moskau fahren. Auch Leonard Bastian vom WSC Rostock wird dabei sein. Sie werden begleitet von ihrem Trainer Micha Sachiasvili.

Im Nachwuchs-Bereich unterstützt Stadttrainer Peter Gildemeister die  Arbeit von Landestrainerin Anja Neuhäußer und Nachwuchstrainerin Simone Pietsch.

Beim Eurawasser-Cup und bei der Talentiade haben die kleinen Rostocker einige Medaillen erkämpft.

Damit wir aber auch zukünftig viele talentierte Wasserspringer ausbilden können, sind wir auf der Suche nach Sportlern (vor allem Jungs) der Jahrgänge 2007 und jünger. Bei uns findet immer freitags von 16.45 Uhr  bis 17.45 Uhr ein Schnuppertraining statt.

Vielen Dank, erfolgreiche EM in Rostock und ebenso erfolgreiche Europaspiele in Baku mit vielen positiven Erlebnissen und weiterhin bestes Engagement für das Wasserspringen!

Marko Michels