Im August 2017 findet die 29.Sommer-Universiade statt…

Auch ein weiteres sportliches Großereignis rückt immer näher, die 29.Universiade in Taipei im August. Dort wird auch wieder ein qualitativ und quantitativ starkes Team des „Allgemeinen Deutschen Hochschulsportverbandes“ (adh) dabei sein.

Wie ist derzeit aber „der Stand der Universiade-Dinge“?!

Nachgefragt bei Malin Hoster, Öffentlichkeitsreferentin des adh

Malin Hoster über die baldige Sommer-Universiade 2017, das adh-Team, die Ziele des adh dort, die Sportarten der Universiade und die Bedeutung der Universiaden

„Eine hervorragende Plattform, um weitere Erfahrungen zu sammeln…“

Frage: Wann erfolgt die endgültige Nominierung des deutschen Universiade-Teams 2017? Sind einige Sportlerinnen und Sportler aus deutscher Sicht bereits qualifiziert? Wie groß dürfte das kommende Universiade-Team sein?

Malin Hoster: Die Sportlerinnen und Sportler konnten in den letzten Wochen und Monaten bei verschiedenen Wettkämpfen versuchen, die geforderte Norm zu erfüllen. Eine Normerfüllung reicht aber noch nicht, um sicher bei der Universiade dabei sein zu können. Anfang nächster Woche (3.Juli und 4.Juli) wird der Vorstand die Nominierungen bestätigen und der adh veröffentlicht eine Liste mit den nominierten Aktiven.

Nach jetzigem Stand der Dinge wird das deutsche Team etwa 180 Personen umfassen, inklusive Trainer- und Betreuungsteam. Genaueres lässt sich aber erst nach der finalen Nominierung durch den Vorstand sagen.

Frage: Was sind die sportlichen Ziele des ADH für Taipei?

Malin Hoster: Unsere Ziele sind natürlich immer, dass unsere Athletinnen und Athleten ihre Bestleistungen abrufen. Natürlich wünschen wir uns Platzierungen unter den Top 8 oder sogar auf dem Treppchen, aber grundsätzlich ist es das Ziel des adh, möglichst junge Athletinnen und Athleten, die innerhalb ihres Fachverbandes noch nicht die nationale Spitze erreicht haben, jedoch über die entsprechende Perspektive verfügen, zu fördern und über die studentischen Wettkämpfe zu motivieren.

Für diese jungen Athletinnen und Athleten stellen die internationalen Studierenden-Wettkämpfe bei Universiaden und Studierenden-Weltmeisterschaften eine hervorragende Plattform dar, um weitere wichtige Erfahrungen in ihrer leistungssportlichen Entwicklung zu sammeln.

Frage: Wie viele Entscheidungen wird es in Taipei geben? Wie viele Sportarten werden angeboten?

Malin Hoster: Es werden in Taipei insgesamt 21 Sportarten angeboten. Davon sind 14 fest und 7 wechseln mit jeder Universiade. Die deutsche Studierenden-Nationalmannschaft wird in 14 Sportarten vertreten sein. Eine genaue Anzahl der Entscheidungen lässt sich jetzt noch nicht sagen, wir werden aber mit einem weit aufgestellten Team anreisen und unser Bestes geben.

Letzte Frage: Welche Bedeutung hat aus Ihrer Sicht eine Universiade?

Malin Hoster: Die Universiade bietet jungen Athletinnen und Athleten die Möglichkeit, internationales Flair zu erleben und wichtige Erfahrungen zu sammeln. Ein so großes Multisport-Event wie die Universiade hilft jungen Sportlerinnen und Sportlern, internationale Wettkämpfe und Konkurrenzen kennen zu lernen und sich für die Zukunft zu motivieren.

Daher finde ich, dass die Veranstaltung extrem wichtig ist. In der Vergangenheit haben wir gesehen, dass einige Aktive nach der Universiade auch bei Olympischen Spielen erfolgreich waren – das zeigt uns, wie wichtig die Universiade auf dem Karriere-Weg der Sportlerinnen und Sportler sein kann.

Vielen Dank und eine erfolgreiche Sommer-Universiade 2017 für die deutsche Mannschaft!

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Exkurs: Rückblick auf die Sommer-Universiade 2015 in Gwangju

In knapp sieben Wochen, vom 19.August bis 30.August in Taipei, gibt es in diesem Sportsommer noch ein weiteres traditionsreiches Sportereignis, die Sommer-Universiade. In diesem Jahr finden diese Weltspiele im Studentensport  zum 29.Mal statt und eine deutsche Mannschaft wird natürlich auch wieder dabei sein.

Vor zwei Jahren, 2015, wurde die vorerst letzte Sommer-Universiade in Gwangju ausgetragen.

Rund 13000 studentische Athletinnen und Athleten aus 146 Ländern nahmen an den Wettkämpfen der Universiade 2013 teil. Medaillen wurden in 272 Entscheidungen, bei einem Angebot von 21 Sportarten, vergeben… Dominierend war dabei Südkorea, Russland, China, Japan und die USA, wobei die südkoreanischen Gastgeberinnen und Gastgeber sportlich – insbesondere in der Anzahl der Goldmedaillen – das Maß aller Dinge darstellten.

Die deutschen Sportlerinnen und Sportler sammelten ebenfalls fleißig Medaillen, unter anderem gab es Gold für die Siebenkämpferin Anna Maiwald, Jahrgang 1990, vom TSV Bayer 04 Leverkusen und Studentin der Universität Köln. Anna setzte sich mit 5965 Punkten vor Ida Marcussen (Norwegen / 5865 Punkte) und Anna Petrich (Russland / 5795 Punkte) durch.

Der Siebenkampf ist übrigens auch eine leichtathletische Traditionsdisziplin aus M-V-Sicht, denn Birgit Gautzsch vom Schweriner SC erkämpfte bei der Universiade 1993 in Buffalo Silber und Sonja Kesselschläger vom SC Neubrandenburg belegte Platz drei bei der Universiade 2001 in Peking.

Überhaupt präsentierten sich die Leichtathletinnen und Leichtathleten des adh-Teams in Gwangju in ausgezeichneter Verfassung. Hinter Russland (29 Medaillen, darunter 12 x Gold), Japan (12 Medaillen, darunter 4 x Gold), Polen (12 Medaillen, darunter 3 x Gold), China (9 Medaillen, darunter 2 x Gold) wurde Deutschland mit 7 Medaillen, darunter 3 x Gold, die fünftbeste Nation in der Medaillenwertung der Leichtathletik-Wettbewerbe der 28.Universiade.

So gab es neben dem Erfolg für Anna Maiwald im Siebenkampf auch Goldmedaillen für Martin Christian Grau (3000 Meter Hindernis) bzw. Lena Urbaniak (Kugelstoßen), Silbermedaillen für Jenny Elbe (Dreisprung) bzw. Maricke Steinamacker (Diskuswerfen) sowie Bronzemedaillen durch Rene Strauss (Zehnkampf) bzw. Fabienne Kohlmann (800 Meter) aus Sicht des adh-Teams.

Wie verlief jedoch der Universiade-Siebenkampf 2015 aus Sicht von Anna Maiwald, Jahrgang 1990, Mitglied des TSV Bayer 04 Leverkusen und Studentin der Universität Köln?!

Interview mit Anna Maiwald am 12.Juli 2015

A.Maiwald über ihren Siebenkampf in Gwangju, die Organisation bzw. die Stimmung bei der Universiade 2015 und die allgemeine Bedeutung der Weltspiele im Studentensport

„Ein wahnsinnig tolles Erlebnis…“

Frage: Riesigen Glückwunsch zum Universiade-Gold! Wie verlief der Wettkampf aus Ihrer Sicht?

Anna Maiwald: Vielen Dank! Der Wettkampf war für mich einer der härtesten und anstrengendsten Siebenkämpfe meiner bisherigen Karriere. Neben den etwas schwierigen Witterungsbedingungen mit großer Hitze und strömendem Regen war es für mich sehr schwer und vollkommen ungewohnt, die Konzentration und Spannung zwölf Stunden aufrecht zu erhalten und die Kräfte trotzdem gut einzuteilen.

Auch die Nacht war mit ungefähr fünf Stunden Schlaf etwas kürzer als gewohnt, aber durch die hervorragende medizinische und physiotherapeutische Betreuung konnte die verkürzte Regenerationszeit ganz gut kompensiert werden. Im Wettkampf selbst gab es für mich viele Höhen und Tiefen und ich habe gelernt, dass es sich wirklich immer lohnt, bis zum Schluss zu kämpfen und nicht vorher aufzugeben.

Frage: Welchen Stellenwert hat dieser Erfolg in Ihrer bisherigen sportlichen Karriere?

Anna Maiwald: Es ist für mich der größte Erfolg meiner bisherigen sportlichen Karriere und ich bin sehr glücklich, dass es bereits bei meinem ersten richtigen internationalen Einsatz so gut geklappt hat.

Frage: Über die Universiaden wird zwar zunehmend medial berichtet, sind aber immer noch nicht so ganz im Fokus… Welche Bedeutung haben die Universiaden mittlerweile aus Ihrer persönlichen Sicht?

Anna Maiwald: Die Universiade ist ein wahnsinnig tolles Erlebnis und ist das größte Multisport-Event nach den Olympischen Spielen. Gerade für die jüngeren Athleten bieten die Universiaden einen optimalen Einstieg in das internationale Wettkampfgeschehen. Meines Erachtens wird der Stellenwert der Universiade leider immer noch unterschätzt.

Frage: Wie war und ist ansonsten die Stimmung, die Organisation und das ganze „Drumherum“ der Universiade in Gwangju?

Anna Maiwald: Im Dorf herrscht eine sehr lockere Atmosphäre, man kommt mit Sportlern aus vielen verschiedenen Nationen und aus den unterschiedlichsten Kulturen in Gespräche und es entstehen viele neue Kontakte und auch Freundschaften. Generell wird hier alles dafür getan, uns möglichst optimale Bedingungen zu bieten. Die Koreaner sind sehr hilfsbereit und gastfreundlich.

Die Stimmung im deutschen Team ist super und es herrscht auch sportartenübergreifend ein großer Zusammenhalt.

Frage: Und… Wie geht es mit Ihren Studien voran?

Anna Maiwald: Im Studium läuft es gut. Ich werde mich nun zum Ende der Saison intensiver mit meiner Masterarbeit zum Thema Arbeitgeberattraktivität beschäftigen und diese dann voraussichtlich im Frühjahr nächsten Jahres abschließen.

Vielen Dank und weiterhin maximale Erfolge – persönlich, im Studium und natürlich sportlich!

Zur Information: Universiade-Erfolge aus Schweriner Sicht

Zwischen 1990 und 2005 gab es auch immer wieder gute Platzierungen für Schweriner Athletinnen und Athleten – allerdings bei Sommer-Universiaden: In Buffalo 1993 gab es Silber für Siebenkämpferin Birgit Gautzsch (Schweriner SC) und weiteres Silber für Speerwerferin Tanja Damaske, die von 1985 bis 1989 für den SC Traktor Schwerin und von 1990 bis 1992 für den Schweriner Sportclub startete. Der gebürtige Schweriner Marco Liefke feierte dann 1999 auf Mallorca seinen größten internationalen Erfolg.

Der Volleyball-Spieler aus der Landeshauptstadt M-V gewann mit der deutschen Auswahl Gold vor Japan und Spanien. In Izmir 2005 erreichte der Schweriner Basketballspieler Lars Grübler mit dem deutschen Team einen Achtungserfolg – mit Rang fünf.

Birgit Gautzsch über ihren Universiade-Wettkampf 1993 (Statement vom Februar 2015)

„Ein tolles Erlebnis…“

Frage: Frau Gautzsch, im Jahr 1993 erkämpften Sie bei der Sommer-Universiade in Buffalo Silber… Wie war das damals? Wie erlebten Sie die Universiade?

Birgit Gautzsch: Die Universiade 1993 in Buffalo war ein tolles Erlebnis – nicht nur sportlich gesehen. Unvergesslich bleiben für mich das Zusammentreffen mit den Sportlern anderer Sportarten, die Ausflüge zu den Niagarafällen und in die Umgebung von Buffalo… Das alles beeindruckte mich sehr. Leider fehlte die Akzeptanz in der Öffentlichkeit.

Der Wettkampf war damals sehr spannend. Ich wurde ja Zweite (5934 Punkte) hinter Urszula Wlodarczyk (Polen/6127 Punkte), knapp vor der Amerikanerin Kelly Blair (5926 Punkte). Besonders der Zweikampf zwischen Kelly und mir um Silber bedeutete viel Dramatik. So war es seinerzeit enorm wichtig, dass ich vor Kelly im  abschließende 800 Meter-Lauf ins Ziel kam. Da ich am Wochenende zuvor noch beim Europacup der Mehrkämpfer in Oulu Finnland gestartet war, hatte ich nicht so große Erwartungen an den Universiade-Wettkampf und dann gab es Silber… Echt cool!

Vielen Dank und weiterhin alles Gute!

Marko Michels

Foto (Michels): Auch im Schwimmbecken wird es in Taipei spannend…