Ein Rück- und Ausblick „mit der Angel“/Nachgefragt beim Landesanglerverband

Angeln- Symbolbild

Das Jahr neigt sich dem Ende entgegen. Die meisten sportlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Jubiläen sind gefeiert, viele sportive Vereine und Verbände konnten insgesamt zufrieden auf ihre Aktivitäten zurückblicken und zahlreiche Erfolge konnten diese in den letzten Jahrzehnten aufweisen.

Das alte Jahr 2017 ist im Endspurt – und so kurz vor den Festtagen heißt es wieder Karpfen oder „Fischstäbchen“.

Doch, „die“ müssen erst einmal geangelt werden. Tja und dafür gibt es natürlich Spezialisten – die Angler im Landesangelverband M-V.

Große sportliche Angel-Tradition in M-V

Natürlich hat das maritime Flächenland M-V dabei eine große Tradition in puncto Angeln und Angelsport. Bereits 1924 wurde der Schweriner Sportanglerverein gegründet. Auch Rostock-Warnemünde hat selbstverständlich diesbezüglich einiges aufzuweisen. 1931 konstituierte sich der Anglerverein „Ostseestrand“ Warnemünde, ein Vorläufer des Warnemünder Angler-Vereines. Die Angelgruppe SER Rostock e.V. besteht seit 1970.

Tja, in Mecklenburg und Vorpommern wurde schon immer – ob in Vereinen oder nicht – geangelt.

Doch wie sieht die Situation der Angler und Sportangler zurzeit, 2017/18, in M-V aus?!

Nachgefragt bei Claudia Thürmer, Pressesprecherin des Landesanglerverbandes M-V

Claudia Thürmer über die zurückliegenden 12 Angel-Monate 2017

„Einigkeit macht auch die Anglerinnen und Angler stark…“

Frage: Frau Thürmer, fast 30 Jahre besteht nunmehr auch der Landesanglerverband M-V. Wie verlief die Entwicklung 2017? Wie viele organisierte Anglerinnen und Angler im Land gibt es?

Symbolbild Angeln

Claudia Thürmer: Wir blicken auf ein bewegtes Anglerjahr 2017 zurück und freuen uns, dass unsere Mitgliederzahl stabil ist. Mit 43 777 Mitgliedern, darunter 2 900 Kinder unter 14 Jahren, sind wir der größte Naturschutzverband in unserem Land und der drittstärkste Verband nach den Fußballern und den Kleingärtnern. Das macht uns stolz und zeigt, wie viele Menschen diese uralte Leidenschaft teilen, zurecht ist Angeln ein Kulturgut.

Frage: Während die große Politik über Fischfang-Quoten debattiert … Was waren die größten Probleme und Hindernisse für die Anglerinnen und Angler hierzulande 2017?

Claudia Thürmer: Uns erreichen sehr oft Nachrichten über weitere Einschränkungen der Angelei. Ich denke da an das leidige Verbot der Freizeitfischerei in der Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) oder die Einschränkung der Dorschfangmenge pro Angler und Tag. Diese Fangbegrenzung war nötig, so ist der Grundtenor unserer organisierten Angler, jedoch finden wir die Lösung nicht optimal und haben die Agenda 45-0-10 erarbeitet, Dorschmindestmaß 45 Zentimeter, damit die Tiere sich mindestens einmal reproduzieren können, 0 Dorsche in der Schonzeit Februar und März, damit sie in Ruhe Hochzeit halten können und dann für die selbstauferlegten Einschränkungen 10 Dorsche pro Angler und Tag als Fangmenge. So wäre allen gedient, vor allem dem Dorsch, dessen Bestand sich natürlich erholen soll.

Wir ärgern uns über Pachtverträge in Naturschutzgebieten, die uns nicht verlängert werden, obwohl es möglich wäre. Dagegen gehen wir massiv vor und nutzen jede Möglichkeit, unseren Unmut kund zu tun. Letztmalig in großem Rahmen auf dem parlamentarischen Abend, dessen Inhalt gerade all die Einschränkungen und die „Verwaltung der fortschreitenden Verbote“ war.

Auch der einerseits idealisierte, übertriebene Schutz einzelner Arten ist ein Ärgernis, dem wir bereits seit einigen Jahren Nachdruck verleihen. So kann sich der Kormoran ungehindert ausbreiten, richtet aber ökologischen und ökonomischen Schaden an. So steht beispielsweise auch der Aal auf seiner Speisekarte, den wir Jahr für Jahr mit großem finanziellem und personellem Aufwand mühsam besetzen, um diese Fischart überhaupt zu erhalten und nicht das nächste Verbot zu erleben.

So konnte das Aalangelverbot gerade noch abgewendet werden und das nicht zuletzt durch unsere massiven Proteste, die wir ganz klar an Landes-, Bundes- und auch EU-Politiker adressierten. So wurden wir denn auch in der politischen Entscheidungen in diesem Fall bedacht.

Auch regional gesehen kleinere Ärgernisse, wie die Sperrung dera lten Rügenbrücke für Angler, ausgelöst durch das Fehlverhalten einiger ganz weniger Petrijünger, hält uns natürlich auf Trab. Da konnten wir einen Sieg erringen! Der Rügendamm erhält eine Wurfbegrenzung. Bis zum 31. März nächsten Jahres soll die montiert sein und dann dürfen wir die leckeren Heringe in der Saison 2018 dort wieder angeln. Auch im Schweriner See haben wir Zugeständnisse errungen. Die Inseln Kaninchenwerder und Ziegelwerder dürfen, nach zuerst ausgesprochenem Verbot nun doch wieder befahren werden. Uns bleiben Liegeplätze erhalten, die wir nun nutzen können. Auch darüber sind wir sehr froh.

Es ist eine alte Weisheit: Einigkeit macht stark. Das ist so und genau das wollen wir weiter und verstärkt nutzen. Langsam werden zumindest in M-V die Angler als Größe und politische Schwungmasse wahrgenommen. Daran wollen wir mit ganzer Kraft weiter arbeiten und an verschiedenen Stellen für unsere Belange weiter Gehör verschaffen. Es liegt viel Arbeit vor uns – packen wir sie gemeinsam an!

Frage: M-V hat ja eine große Tradition im Angelsport. 1968 fanden ja z.B. auch die WM im Casting in Güstrow statt, viele traditionsreiche Vereine gibt es. Zudem lebt mit Helga Wischer, die erfolgreichste Sportanglerin aller Zeiten, im Land. Welche Erfolge gab es im Turnierangelsport für M-V 2017?

Claudia Thürmer: Unsere Casting-Sportler blicken auf erfolgreiche Höhepunkte zurück. Wie jedes Jahr fanden wieder drei Landescups statt: in Kellinghusen am 22.April, Linstow vom 12. bis 14.Mai und Groß Laasch am 24.Juni. Durch gute Ergebnisse qualifizierten sich dort die Starter. 10 Kinder und Jugendliche starteten für uns daraufhin bei der Deutschen Jugend- und Junioren-Castingmeisterschaft in Iffezheim/Baden-Württemberg.

Bei den WM-Qualifikationsturnieren in Halle/Saale, Ludwigslust und Köln qualifizierte sich Florian Sabban vom SAV Ludwigslust für die Jugend-WM in Bratislava/Slowakei.

Vom 20. bis 23.Juli erkämpfte er einen Vizemeistertitel in Fliege Weit Einhand, Bronzemedaillen in Gewicht Weit Einhand, im 5-Kampf sowie in der Mannschaftswertung mit der Deutschen Jugendnationalmannschaft.

Eine Woche zuvor bei der deutschen Seniorenmeisterschaft in Berlin errang unser Referent für Castingsport Dirk Rojahn den Vizemeistertitel in Gewicht Weit Zweihand. Vom 7. bis 13.August reiste unser Team MV zur 50. Deutschen Jugend-und Junioren-Castingmeisterschaft nach Iffezheim.

Die jungen Starter waren zuvor bei unserem erprobten Trainingslager in Ludwigslust optimal für das Turnier vorbereitet worden. Es gelang den Ausbildern, einen „Teamgeist“ bei den Jungcastern zu wecken, der alle zusammenschweißte. Voller Stolz erlebten wir so eine der erfolgreichsten Jugendmeisterschaften, gekrönt von insgesamt 23 Medaillen; 15 Gold, 5 Silber, 3 Bronze. Besonders erwähnenswert sind die Mehrkampfgewinne von Florian Sabban, Johannes Schepler und Aaron Czarnetzki.

Neben Meisterschaften besuchten wir weitere Wettkämpfe im ganzen Land; So das Hallenturnier „Berliner Bär“ oder der „Große Preis von Lichtenberg“. Wir freuen uns mit den Casternüber die errungenen Siege.

Allen Gewinnern möchte ich hier auch gleich nochmal unsere Glückwünsche aussprechen und ein großes Dankeschön gilt allen Helfern, Sponsoren, Betreuern, Kampfrichtern und Trainern, die diese Erfolge fleißig mit erarbeitet haben.

Nun blicken wir erwartungsvoll auf die Saison 2018. Wir starten im Februar mit dem Berliner Bärenpokal. Alle Termine stehen auf unserer Homepage unter lav-mv.de .

Ganz wichtig, wir wollen den Castingsport vorantreiben und weiter aufbauen. Interessierte, die selbst Caster werden wollen, können sich bei uns melden. Wir arbeiten 2018 verstärkt an der Ausweitung dieser spannenden Sportart in unserem Land und heißen neue Mitglieder herzlich willkommen.

Letzte Frage: Wer hatte 2017 in M-V eigentlich den größten Fisch am Haken? Und: Was ist der Fisch des Jahres 2018?

Fisch ist gesund! Erst recht zum Jahresabschluß und Jahresbeginn. Foto: M.M.

Claudia Thürmer: Der Fisch des Jahres ist der dreistachlige Stichling. Mit diesem Fisch fällt die Wahl auf eine besondere Kleinfischart, die zu den bekanntesten heimischen Fischarten gehört. Er ist nicht gefährdet, soll aber doch ins Licht gerückt werden. Mit der Wahl zum Fisch des Jahres wollen DAFV (Deutscher Angelfischer-Verband), BfN (Bundesamt für Naturschutz) und VDST (Verband Deutscher Sporttaucher) zeigen, dass auch solche kleinen Fische besondere Aufmerksamkeit verdienen. Sie wollen deutlich machen, dass sich hinter Fischarten wie dem Dreistachligen Stichling einzigartige Lebens- und Verhaltensweisen verbergen und damit den Blick für die vielen Besonderheiten unserer heimischen Fischfauna schärfen.

Wer hatte den größten Fisch am Haken? Bislang sind es immerhin 32 Fischarten, deren jeweils größte Vertreter geangelt wurden. Nehmen wir uns drei dicke Fische heraus. Ein echter Brummer ist der Wels aus der Warnow, ein immerhin 1,82 Meter Riese mit 41,7 Kilogramm Schwungmasse, gefangen von Sebastian Bernstein. Dann ist beeindruckend der 1,31 Meter lange Hecht, 14,97 Kilogramm schwer, den Torsten Uckert im Schweriner See am Haken hatte.

Und Exoten gibt’s auch. So beispielsweise einen schmucken Leng von 86 Zentimetern und 3,7 Kilogramm. Über den staunte erst der glückliche Fänger Klaus Riecken und dann mit ihm alle an Bord des Kutters, die da in der winterkalten Wismarer Bucht unterwegs waren. Die ganze Tabelle und alles zur Aktion steht auf unserer Homepage unter lav-mv.de– LAV-Aktion „Größter Fisch des Jahres 2017“.

Da die Aktion noch bis zum 31.12. läuft und Dezemberfänge noch bis zum 31. Januar  eingereicht werden können, kann ich nur sagen: Angel geschnappt und los! Es ist auch über die Feiertage ein herrlicher Ausgleich an oder auf unseren schönen Gewässern zu sitzen und die scheinbar alltäglichen Schätze mit Flossen aus unseren Gewässern zu bergen.

… Ich wünsche Ihnen und Euch, großen und kleinen Anglerinnen und Anglern im ganzen Land, frohe und besinnliche Festtage, Gesundheit und Erfolg im Jahr 2018 und natürlich allzeit Petri Heil!

– Vielen Dank, Frau Thürmer, Ihnen und dem LAV auch schöne Festtage, vielleicht sogar ohne Fisch (?), einen optimalen Jahreswechsel sowie ein erfolgreiches bzw. gesundes Angel-Jahr 2018! Wer weiß schon jetzt, was sie/er sich 2018 „angeln“ wird?!

Die Fragen stellte: M.Michels.