Susanne Krause über ihren Verein Schwert-Greifen Rostock

Fechten gehört zu den Kampfsportarten, die bereits bei den ersten Olympischen Spielen Bestandteil des dortigen Programms waren – mit den Disziplinen Florett, Degen und Säbel. Aber die Geschichte des Fechtens ist natürlich wesentlich älter, fast so alt wie die Menschheit…

Wettbewerbe gab es bereits in der Antike und auch im Mittelalter wie in der frühen Neuzeit gab es Wettstreite im Fechten. Die moderne Sportbewegung, aus Großbritannien kommend, erfasste auch das Fechten. Neue Disziplinen, neue Regeln entstanden im Laufe des 19. Jahrhunderts. 1913 gründete sich letztendlich der internationale Fechtsportverband in Paris. Die ersten WM im modernen Fechtsport gab es 1921.

Wie war jedoch das historische, europäische Fechten? Welche Stilarten, Gattungen gab es im Mittelalter, in der frühen Neuzeit? Wie waren die praktischen Abläufe des historischen Fechtens?

Diesen Fragen geht die Rostockerin Susanne Krause, die Geschichte bzw. Germanistik an der Universität Rostock studierte und aktuell in germanistischer Mediävistik promoviert, nach. Bereits 2011 gründete sie eine Trainingsgruppe im Schwertkampf und 2016 den Verein Schwert-Greifen Rostock.

Interview

Susanne Krause über ihren Verein Schwert-Greifen Rostock, die Idee zur Gründung des Vereines und dessen Entwicklung, ihre Begeisterung für das historische Fechten, neue Ambitionen des Vereines und weitere Ziele

„Es geht doch um ein Stück unserer eigenen Geschichte…“

Frage: Denkt man hierzulande an das Fechten, fällt einem „spontan“ der Rostocker Säbel-Fechter Gerd May ein, der 1980 bei Olympia dabei war. Oder die frühere Erfolgsfechterin Britta Heidemann… Wann entdeckten Sie Ihr Interesse für das Fechten allgemein?

Copyright: Schwert-Greifen Rostock

Susanne Krause: Zuerst war mein Interesse am Mittelalter allgemein, an der Literatur, Musik und Sprache. Mit Beginn des Studiums in Rostock ergab sich dann 2007 die Möglichkeit, Schwertkampf zu trainieren und im Reenactment einzusteigen. Das erfolgte mit der Gruppe „Die Klopffechter“. Zunächst waren es vor allem Schaukampf-Demonstrationen auf dänischen Märkten, zumeist in Kooperation mit dänischen Freilicht-Museen, aber auch mit Einrichtungen in Deutschland. Resümierend kann ich sagen, dass ich über das Mittelalter-Interesse zu diesem Sport fand.

Frage: Und wie wurde Ihr Interesse am „historischen Fechten“, am Schwertkampf, geweckt? Was war der Auslöser?

Susanne Krause: Das Schaukampf-Training für die Mittelaltermärkte, anfangs vor allem mit dem langen Schwert, animierte mich dazu, weil es bereits auf historische Techniken gestützt war. Dazu kam dann die Chance, beim Hochschulsport der Uni Rostock Schwertfechten zu belegen und diese Techniken effektiv zu trainieren.

Als Teil des HEMA (Historical European Martial Arts) wird hier mit moderner Schutzausrüstung – Fechtmasken, Protektoren, gepolstere Handschuhe etc. und flexiblen Waffensimulatoren, wie Nylon-Waster bzw. Fechtfedern aus Stahl, effektives Sparring betrieben. Es ist also mit anderen Kampfsportarten bzw. anderen Kampfkünsten vergleichbar. Von daher war für mich wohl am ehesten die Kombination aus Kampfsport und historischem Interesse besonders reizvoll.

Frage: Um alte Kampftechniken und Waffengattungen wieder zu entdecken, waren sicher Recherchen und ein Quellen-Studium notwendig – oder?

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Susanne Krause: Das ist auf jeden Fall ein zentraler Bestandteil, weil die historischen Kampfkünste auch einen guten Teil Brauchtumspflege beinhalten – bis hin zum Harnisch-Fechten, bei dem dann auch für die Schutzausrüstung, beispielsweise  der Vollplatte/ Rüstung Quellenstudien betrieben werden, um hierfür möglichst nah an historische Vorbilder heranzureichen. Diese sollen ja möglichst gut schützen und im Kampf gebrauchsfähig sein und nicht nur gut aussehen.

Aus dem Mittelalter sind zudem eine ganze Reihe an Fechtbüchern überliefert, viele sind bereits der HEMA-Community in digitalisierter Form zugänglich. Häufig muss man sich allerdings noch mit den mittelalterlichen Handschriften und der mittelalterlichen Sprache auseinandersetzen.

Jede Technik muss somit immer interpretiert und im Sparring erprobt werden. Häufig können Diskussionen über die korrekte Ausführung nie ganz beigelegt werden.

Frage: Wie kam es dann zur Gründung der ersten Trainingsgruppe im Schwertkampf und letztendlich zum Verein Schwert-Greifen Rostock?

Susanne Krause: Irgendwann reichten meinem Mann und mir das Hochschulsport-Training nicht mehr, wir wollten für uns und andere Fortgeschrittene eine zusätzliche Trainingsmöglichkeit schaffen. Nachdem diese Gruppe über die Jahre einigen Zulauf erhielt, kam die Idee auf, das Ganze offiziell zu machen.

Als eingetragener Verein und mit Beitritt in den SSB und LSB erhielten wir letztendlich ganz andere, neue Perspektiven, waren in einem Netzwerk integriert und kamen zudem günstiger und leichter an Nutzungsstätten heran.

…Mit Einrichtung einer Web-Präsenz und der Öffnung nun auch für Anfänger und Jugendliche erhoffen wir uns eine gewisse Öffentlichkeitswirksamkeit und ein stabiles Wachstum.

Frage: Trainiert wird bestimmt und natürlich regelmäßig… Wie sieht das Trainingspensum aus? Präsentieren sich Ihr Verein auch bei Veranstaltungen und Wettkämpfen?

Copyright: Schwert-Greifen Rostock

Susanne Krause: Trainiert wird derzeit einmal pro Woche (anderthalb Stunden), jedoch schauen wir uns bereits nach Möglichkeiten um, weitere Trainingszeiten einzurichten. Zusätzlich veranstalten wir regelmäßig zusätzliche Trainingstage und Workshops, zu denen wir auch andere HEMA-Gruppen und Schwertkampf-Interessierte einladen.

Dann nutzen wir die Möglichkeit, uns auszutauschen, zu vernetzen, einmal andere Waffen und Fechtsysteme auszuprobieren oder gemeinsame Crossover, zum Beispiel im Linienkampf durchzuspielen. Nicht zuletzt  veranstalten wir jeden Sommer einen besuchsoffenen Trainingstag, den wir auch in der Öffentlichkeit ankündigen. Hier gibt es dann ein festes Programm: Workshops und Trainingseinheiten, Schnitttests mit scharfen Schwertern. Das Harnischfechten kommt natürlich prima beim Publikum an.

Langfristig wollen wir uns auch an Wettkämpfen und internationalen Veranstaltungen beteiligen bzw. diese auch selbst veranstalten. Hierzu gibt es bisher noch nicht den einen Weg, aber einige einschlägige Dachverbände wie der DHFB, KDF International oder die International Federation of HEMA bieten immerhin eine Reihe von Möglichkeiten

Frage: Wie ist der Zuspruch zum Verein? Wie ist der Altersdurchschnitt der Mitglieder?

Susanne Krause: Mit Öffnung des Vereins für Anfänger ist der Zulauf deutlich spürbar, was mich sehr freut. Die meisten Mitglieder sind derzeit Studenten, insgesamt bewegt sich die Spanne circa zwischen Mitte Zwanzig bis Mitte Dreißig. Aktuell hat sich der Verein entschlossen, auch Jugendliche ab 14 Jahren aufzunehmen, das werden wir noch einmal gezielt bewerben. Es wäre schon toll, auch eine Jugend-Sparte aufmachen zu können.

Letzte Frage: Was macht für Sie ganz persönlich das historische Fechten, der Schwertkampf aus? Was fasziniert Sie daran ganz persönlich?

Susanne Krause: Mich reizt die Verbindung von Kampfsport-Action und historischer Verwurzelung in einem sportlichen Miteinander. HEMA ist zudem so vielseitig wie kaum ein anderer Kampfsport: Es können Techniken ganz ohne, aber auch an vielen verschiedenen Waffen erlernt werden – vom Dolch, dem einhändig geführten Schwert mit Rund- oder Faustschild, dem Messer, Säbel oder Rapier bis hin zum langen Schwert und den Stangenwaffen. Außerdem muss man zwischen Bloß- und Harnischfechten unterscheiden, kann sich in Linienkämpfen, Team-Fights oder auch in Einzelduellen erproben

Last but not least:  Die Vermittlung des erworbenen Wissens zum historischen Kontext, den Quellen, der Ausstattung und den Techniken auf den verschiedenen Events ist ein schöner Pluspunkt, geht es doch um ein Stück unserer eigenen Geschichte.

Vielen Dank und weiterhin bestes Engagement für die Schwert-Greifen in Rostock!

M.Michels