Die 15.Paralympics in Rio starten

Es wird zum zweiten Mal in diesem Jahr in Rio de Janeiro „gespielt“. Nach den 31.Olympischen Spielen der Neuzeit im August folgen nun die 15.Paralympischen Spiele vom 7.September bis 18.September.

Elf schwierige Tage

Elf Tage voller Heiterkeit und Frohsinn werden es sicher nicht, auch wenn den Sportinteressierten wieder TV-Bilder von „Potjemkinschen Paralympics-Dörfern“ präsentiert werden. Es gibt keine heile Olympics-Welt mehr und ebenso wenig eine unbeschwerte Paralympics-Welt. …Dass sich Brasilien und speziell auch Rio diese Spiele weder finanziell noch materiell leisten können, ist hinlänglich bekannt – auch wie die schwierige politische Lage dort.

Entgegen aller Bekundungen der Paralympics-Verantwortlichen dem Gigantismus Einhalt zu gebieten, wurde das Wettkampfprogramm noch weiter ausgebaut – 528 Entscheidungen in zehn Tagen. Da verliert selbst der extrem Interessierte den Überblick.

Ausschluss von Russland

Das russische Team wurde wegen vermeintlichen „Staatsdopings“ ausgeschlossen. Dass auch woanders kräftig gedopt wird, ob medizinisch oder technisch, scheint indes fast niemanden zu stören. Warum auch! Russland erkämpfte bei den letzten(Sommer-)Paralympics 2012 mit 102 Medaillen, darunter 36 x Gold, Rang zwei im Medaillenspiegel. Jetzt, wo die Russinnen und Russen mit Handicaps nicht starten dürfen, freuen sich halt andere über einen willkommenen Medaillen-Zuwachs. Gold stinkt bekanntlich nicht, aber der paralympische Fisch vom Kopfe her.

USA mit 2064 Paralympics-Medaillen seit 1960

Bislang waren die USA die großen paralympischen Medaillensammler, die zwischen 1960 und 1912 insgesamt 2064 paralympische Medaillen, davon 731 x Gold, errangen. Die amerikanische Schwimmerin Trischa Zorn ist mit 46 erkämpften Paralympics-Medaillen, darunter 32 x Gold, zwischen 1980 und 1988 die bislang erfolgreichste Paralympionikin. Bei den Herren ist der schwedische Sportschütze Jonas Jakobsson mit 27 Medaillen, darunter 17 x Gold, zwischen 1980 und 2012 der Beste im „ewigen Ranking“ der Paralympics. Deutsche Athletinnen und Athleten mit Handicaps schafften bislang 1446 Medaillen, darunter 490 x Gold.

Blick auf die paralympischen Anfänge

Seit 1960, damals firmierten sie noch unter der Bezeichnung „International Stoke Mandeville Games“, sind die Paralympics im „Sportkalender“ zu finden und mittlerweile gehören „Olympics“ und „Paralympics“ unmittelbar zusammen, denn seit Seoul 1988 finden die Olympischen und Paralympischen Spiele – nur geringfügig zeitversetzt – am gleichen Austragungsort statt, stehen Olympioniken sowie Paralympioniken die gleichen Sportanlagen bzw. Sportstätten zur Verfügung.

Das war bis dato, also bis 1988, nur in Rom 1960 bzw. in Tokyo 1964 der Fall. Dort nutzten die Sportlerinnen und Sportler mit Handicaps ebenfalls die Sportstätten der Olympia-Teilnehmerinnen und Olympia-Teilnehmer. Bei den Olympics 1960 gab es auch vier Medaillen für M-V: Gold errang der gebürtige Vorpommer, Tutower, Karl-Heinrich von Groddeck, der im Juli 80 Jahre wurde, mit dem westdeutschen Achter. Der Rostocker Ringer Lothar Metz und der Schweriner Speerwerfer Walter Krüger holten Bronze. Und die Rostocker Schwimmerin Bärbel von Fircks schaffte Bronze.

Übrigens: Vor 68 Jahren, 1948, hatten die Paralympics zudem ihren Vorläufer: In Stoke Mandeville wurden die ersten Sportspiele für Rollstuhlfahrer und Amputierte zeitgleich mit den Olympischen Spiele in London – auf Initiative von Ludwig Guttmann – ausgetragen. Zum ersten und einzigen Mal fanden (Sommer-)Paralympics in Deutschland 1972, in Heidelberg, statt.

Paralympische Highlights aus M-V-Sicht

Paralympische Höhepunkte aus MV-Sicht waren seit 1990 ff. zweifellos die Goldmedaille von Karl-Christian Bahls im Bogenschießen 1992, die neun Goldmedaillen von 1992 bis 2008 der Leichtathletin Marianne Buggenhagen, die in Ueckermünde geboren wurde, die drei Goldmedaillen von 1988 bis 2016 der Leichtathletin Martina Willing, die in Pasewalk geboren wurde, die vier Schwimm-Medaillen der Wahl-Greifswalderin Natalie Ball 2004 oder die Judo-Goldmedaillen der Zwillingsschwestern Brussig (PSV Schwerin) 2012.

Bei den vorerst letzten Paralympics 2012 in London gab es auch Medaillen für M-V. Ramona und Carmen Brussig (PSV Schwerin) gewannen, wie angesprochen, Judo-Gold in ihren Gewichtsklassen, wobei Ramona schon 2004 in Athen Gold erkämpfte. Die gebürtige Ueckermünderin Marianne Buggenhagen holte Kugelstoß-Silber. Jana Schmidt, die aus Waren/Müritz stammt und für den 1.LAV Rostock startet, belegte im Weitsprung Rang vierzehn und in ihrer Parade-Disziplin, den 100 Metern, den Bronze-Rang.

Ein gebürtiger Schweriner, der einst beim PSV Schwerin bzw. Hanse-Schwimmclub Greifswald seine Karriere begann bzw. weiter entwickelte und mittlerweile beim SC Potsdam aktiv ist, Torben Schmidtke, erkämpfte Silber über die 100 Meter Brust. Die in Greifswald geborene Verena Schott (für Berlin startend) errang hingegen Silber über 200 Meter Lagen.

Und eine gebürtige Schwerinerin war bei den Paralympics 2012 ebenfalls vorn mit dabei. Vanessa Low, nun Leverkusen, kam im Weitsprung auf Platz sechs und im 100 Meter Sprint auf Rang vier. Den Bronze-Rang im Speerwerfen erkämpfte die gebürtige Pasewalkerin Martina Willing.

Auch auf der Planche konnte eine Wahl-Rostockerin mehr als überzeugen. Simone Briese-Baetke erreichte mit dem Degen das Viertelfinale und errang mit dem Florett Silber.

Bei den diesjährigen Paralympics starten sechzehn Sportlerinnen und Sportler mit Geburtsort und/oder Verein in M-V.

Die bisherigen (Sommer-)Paralympics

– 1960 in Rom mit 400 Athletinnen und Athleten (57 Entscheidungen in 8 Sportarten)
Erfolgreichste Nation – Italien: 29 x Gold, 28 x Silber, 23 x Bronze, deutsche Bilanz: 15 x Gold, 6 x Silber, 9 x Bronze

– 1964 in Tokyo mit 375 Athletinnen und Athleten (144 Entscheidungen in 9 Sportarten)
Erfolgreichste Nation – USA: 50 x Gold, 41 x Silber, 32 x Bronze, deutsche Bilanz: 5 x Gold, 2 x Silber, 5 x Bronze

– 1968 in Tel Aviv mit 750 Athletinnen und Athleten (181 Entscheidungen in 10 Sportarten)
Erfolgreichste Nation – USA: 33 x Gold, 27 x Silber, 39 x Bronze, deutsche Bilanz: 12 x Gold, 12 x Silber, 11 x Bronze

– 1972 in Heidelberg mit 1004 Athletinnen und Athleten (187 Entscheidungen in 10 Sportarten)
Erfolgreichste Nation – Deutschland: 28 x Gold, 17 x Silber, 22 x Bronze

– 1976 in Toronto mit 1657 Athletinnen und Athleten (447 Entscheidungen in 13 Sportarten)
Erfolgreichste Nation – USA: 66 x Gold, 44 x Silber, 45 x Bronze, deutsche Bilanz: 37 x Gold, 34 x Silber, 26 x Bronze

– 1980 in Arnhem mit 1973 Athletinnen und Athleten (489 Entscheidungen in 12 Sportarten)
Erfolgreichste Nation – USA: 75 x Gold, 66 x Silber, 54 x Bronze, deutsche Bilanz: 67 x Gold, 48 x Silber, 46 x Bronze

– 1984 in New York und in Stoke Mandeville mit 1800 Athletinnen und Athleten in News York (300 Entscheidungen in 15 Sportarten) sowie 1100 Athletinnen und Athleten in Stoke Mandeville (603 Entscheidungen in 15 Sportarten) – Erfolgreichste Nation – USA: 136 x Gold, 131 x Silber, 129 x Bronze, deutsche Bilanz: 79 x Gold, 76 x Silber, 74 x Bronze

– 1988 in Seoul mit 3057 Athletinnen und Athleten (732 Entscheidungen in 16 Sportarten)
Erfolgreichste Nation – USA: 92 x Gold, 90 x Silber, 91 x Bronze, deutsche Bilanz: 76 x Gold, 66 x Silber, 51 x Bronze

– 1992 in Barcelona mit 3020 Athletinnen und Athleten (487 Entscheidungen in 15 Sportarten)
Erfolgreichste Nation – USA: 75 x Gold, 52 x Silber, 48 x Bronze, deutsche Bilanz: 61 x Gold,51 x Silber, 59 x Bronze

– 1996 in Atlanta mit 3259 Athletinnen und Athleten (508 Entscheidungen in 20 Sportarten)
Erfolgreichste Nation – USA: 47 x Gold, 47 x Silber, 68 x Bronze, deutsche Bilanz: 40 x Gold, 58 x Silber, 51 x Bronze

– 2000 in Sydney mit 3846 Athletinnen und Athleten (551 Entscheidungen in 20 Sportarten)
Erfolgreichste Nation – Australien: 63 x Gold, 39 x Silber, 47 x Bronze, deutsche Bilanz: 16 x Gold, 41 x Silber, 38 x Bronze

– 2004 in Athen mit 3806 Athletinnen und Athleten (519 Entscheidungen in 19 Sportarten)
Erfolgreichste Nation – China: 63 x Gold, 46 x Silber, 32 x Bronze, deutsche Bilanz: 19 x Gold, 28 x Silber, 31 x Bronze

– 2008 in Peking mit 4200 Athletinnen und Athleten (472 Entscheidungen in 20 Sportarten)
Erfolgreichste Nation – China: 89 x Gold, 70 x Silber, 52 x Bronze, deutsche Bilanz: 14 x Gold, 25 x Silber, 20 x Bronze

– 2012 in London mit rund 4200 Athletinnen und Athleten (503 Entscheidungen in 21 Sportarten)

Erfolgreichste Nation – China mit 95 x Gold, 71 x Silber, 65 x Bronze, deutsche Bilanz: 18 x Gold, 26 x Silber, 22 x Bronze

– 2016 in Rio de Janeiro mit 5000 Athletinnen und Athleten (528 Entscheidungen in 22 Sportarten)

Marko Michels