Im Gespräch mit Schwimmer Carl Louis Schwarz

Es war bislang ein sehr durchwachsenes Jahr für Carl Louis Schwarz. Nachdem der Rücken-Spezialist bei den Deutschen Hochschulmeisterschaften in Würzburg das Triple über die Rückenstrecken holte, lief es bei der Universiade nicht ganz nach Wunsch. Auf der 50m Bahn wurde der Potsdamer, der seine sportliche Karriere in Schwerin begann, nur 27. Auf der 100 Meter Distanz belegte er Rang 41. Bei der WM in Gwangju war er erst gar nicht dabei.

Jetzt bereitet sich der 23-Jährige auf die Deutschen Meisterschaften in Berlin vor. Vorher stand er aber noch Rede und Antwort zu den vergangenen WM, den nationalen Titelkämpfen im August und zu möglichen olympischen Ambitionen.

Drei Schwimmer ziehen ihre Bahnen im Becken

Symbolfoto Schwimmen

Interview

Die WM in Gwangju fanden leider ohne dich statt. Wie beurteilst du die dortigen Ergebnisse aus deutscher und internationaler Sicht?

Carl Louis Schwarz: Im Beckenschwimmen dominierten ganz klar die Amerikanerinnen und Amerikaner. Auch wenn ich fand das sie dieses Jahr bei der WM schwächer waren als sonst. Sechsmal Gold schaffte allein Caeleb Dressel – eine klasse Leistung. Und auch das US-Duo Lilly King und Simone Manuel beeindruckte mit jeweils dreimal WM-Gold. Die Europäer hielten sich mit 15 Erfolgen mehr als wacker. Aus deutscher Sicht war natürlich der WM-Sieg von Florian Wellbrock über die 1500 Meter Freistil der Höhepunkt dieser Schwimm WM. Er hatte zuvor schon Gold über die 10 Kilometer im Freiwasserschwimmen erkämpft. Und Sarah Köhler holte zudem Gold im Freiwasser-Team-Event und Silber über die 1500 Meter Freistil.

Nach meiner Ansicht waren die Leistungen des deutschen Becken-Teams nicht herausragend – bis auf die erwähnten Medaillen durch Florian und Sarah. Zudem erbrachten Philip Heintz (200 Meter Lagen / Platz vier) und Franziska Hentke (200 Meter Schmetterling / Rang vier) gute Leistungen bzw. Platzierungen, wenn auch nicht die vorher erhofften. Die Breite der deutschen Staffel-Leistungen war ebenfalls gut. Alle deutschen Staffeln konnten sich  schon jetzt für Tokio qualifizieren.

Und dein Resümee zum Rücken-Schwimmen?

Carl Louis Schwarz: Beim Rücken-Schwimmen der Herren gab es in Gwangju keinen dominierenden Sportler. Drei Strecken, 50 Meter, 100 Meter und 200 Meter, waren im Programm und es gab drei verschiedene Sieger: Zane Waddell (Südafrika, 50 Meter), Xu Jiayu (China, 100 Meter) und Jewgeni Rylow (Russland, 200 Meter). Die Zeiten der Sieger waren außerdem langsamer als ich erwartet habe.

Du warst auch Starter bei der Universiade in Neapel, konntest aber nicht in den Medaillenkampf eingreifen. War die Teilnahme dennoch ein Gewinn?

Carl Louis Schwarz: Ja, die Universiade-Teilnahme war dennoch ein Gewinn, wenn auch nicht gerade sportlich. Es ist schon super, wenn man beim zweitgrößten Sport-Event nach Olympia dabei sein darf. Die Italiener bewiesen eine große Gastfreundschaft und boten sehr gute Wettkampfstätten. Zwar verlief organisatorisch nicht alles wie gewünscht, aber dennoch bleibt Neapel für mich in nachhaltiger Erinnerung. Letztendlich stimmte in der deutschen Mannschaft auch der Teamspirit, gab es ein freundschaftliches Miteinander der Sportler der verschiedenen Nationen.

An welchen Wettkämpfen wirst du 2019 noch teilnehmen?

Carl Louis Schwarz: Ich werde am ersten August-Wochenende an den Deutschen Meisterschaften in Berlin teilnehmen. Darauf liegt nun mein Fokus. In der deutschen Hauptstadt finden ja in zehn Sportarten zeitgleich DM statt, werden insgesamt 202 Titel vergeben. Danach werde ich eine Saison-Pause machen. Aus diesem Grund starte ich auch nicht beim Schweriner Schlossschwimmen. Weitere Wettkämpfe sind ebenfalls noch nicht geplant.

Wie sieht dein Training für Berlin aus?

Carl Louis Schwarz: Es steht nicht mehr viel auf dem Plan. Wir tapern nur noch. Und nach den Deutschen geht es, wie erwähnt,  in die Pause…

Bleibt Tokio 2020 ein Thema für dich?

Carl Louis Schwarz: Tokio an sich ist für mich als Sportler erst einmal in weite Ferne gerückt. Aufgrund meiner Leistungsentwicklung dürfte es sehr unwahrscheinlich sein, dass ich mich für die Olympischen Spiele 2020 qualifiziere. Nicht zuletzt ist der Schwimmsport in Deutschland leider so organisiert bzw. strukturiert, dass dieser Sportlern keine hinreichende Sicherheit und Förderung zukommen lässt. Das stürzt Sportler in eine extreme Unsicherheit – insbesondere im Hinblick auf persönliche und berufliche Perspektiven.

Geht es denn mit deinen Studien voran?

Carl Louis Schwarz: Meine Studien der Verkehrssystemtechnik an der Technischen Hochschule Wildau hatte ich für die letzte Saison „auf Eis gelegt“, um mich eigentlich besser auf den Sport konzentrieren zu können. Leider funktionierte das nicht wie gewünscht, so dass ich im Wintersemester 2019/2020 meine Studien fortsetzen werde.

Vielen Dank


 

Exkurs zum aktuellen Langstreckenschwimmen in M-V

Das Schweriner Schloss-Schwimmen ist beliebt in Mecklenburg-Vorpommern

Start bei einem früheren Schloss-Schwimmen. Foto: M.M.

Seit jeher erfahren die verschiedenen Angebote auf den langen Kanten in Mecklenburg-Vorpommern einen regen Zuspruch.

Im Nordosten gibt es über den Sommer verteilt eine ganze Reihe von traditionsreichen Wettkämpfen. So fanden beispielsweise am 22. Juni das Darßer Ostseeschwimmen, am 29. Juni das Peeneschwimmen, am 6. Juli das Sundschwimmen, am 13. Juli das Warnowschwimmen, am 21. Juli das Greifswalder Boddenschwimmen sowie am 28. Juli das Kummerower Seeschwimmen und das Inselschwimmen Hiddensee statt.

Im August folgen weitere. Unter anderem am das Müritzschwimmen (3.08.), das Schweriner Schlossschwimmen (11.08.), das Internationale Vilm-Schwimmen (24.08.) und das Wismarbucht-Schwimmen (25.08.).