Rückblick auf das EM-Gold der DDR 1987 aus Sicht einer gebürtigen Rostocker Volleyballspielerin

Vor 30 Jahren, 1987, wurde die DDR zum zweiten Mal nach 1983 Europameister im Frauen-Volleyball. Im Team war seinerzeit auch Kathrin Langschwager, 1966 in Rostock geboren und für den SC Dynamo Berlin spielend. Zudem war Kathrin Langschwager unter anderem Mitglied des DDR-Frauen-Volleyballteams, das bei Olympia 1988 in Seoul Rang fünf belegte.

MV-SPORT fragte nach

Kathrin Sydlik über die Höhepunkte ihrer Volleyball-Karriere, den EM-Titel 1987, die baldigen europäischen Titelkämpfe 2017 im Frauen-Volleyball, die aktuelle EM-Silbermedaille der Herren und ihre gegenwärtigen sportlichen Aktivitäten

„Das Mega-Highlight meiner sportlichen Karriere…“

Frage: Der Schweriner SC gewann 2017 den elften deutschen Meister-Titel nach der Wende. Die Herren des SC Warnemünde stiegen in diesem Jahr in die zweite Herren-Bundesliga auf. Verfolgen Sie das Volleyballgeschehen, gerade in M-V, noch intensiv – auch mitunter vor Ort?

Kathrin Sydlik: Als meine beiden Töchter, Sandra und Luisa, noch bei den Bundesligisten VCO Berlin, Köpenicker SC bzw. SC Potsdam spielten, war ich auch regelmäßig vor Ort bei den Spielen in Schwerin. Luisa studiert derzeit in den USA und Sandra arbeitet mittlerweile in den Staaten. Sandra ist bei Temple Owls (Philadelphia) aktiv und Luisa ist Akteurin bei Hofstra Pride (New York).

Übrigens: Sandra spielte gegen die heutige SSC-Spielerin Denise Hanke in der Jugend (Berlin, Nordostdeutsche und Deutsche Meisterschaften) und Luisa spielte beim VCO Berlin/SC Potsdam gegen Denise.

… Zwar bin ich selbst nicht mehr „hautnah“ beim Volleyball in M-V, ich verfolge aber die Spiele des SSC via Internet.

Frage: Nun ist es von Rostock nach Schwerin nicht so weit… Warum wurden Sie in den 1980ern nicht Spielerin beim damaligen SC Traktor Schwerin? Warum mußte es Berlin sein?

Kathrin Sydlik: Ich versuchte mich zunächst, von der dritten bis zur sechsten Klasse, im Eisschnelllaufen bei Dynamo Rostock. Dort lief es für mich eher mittelprächtig und mein damaliger Trainer riet mir, mich im Volleyball zu versuchen. Ich fing bei der Volleyball-Mannschaft von Dynamo Rostock an und schnell erkannte man mein Talent dafür. Ich wurde direkt nach Berlin delegiert.

Es war seinerzeit üblich, dass talentierte Volleyballspielerinnen aus Rostock nicht nach Schwerin, sondern nach Berlin vermittelt wurden. Ab 1980 war ich dann in Berlin, zunächst an der Kinder- und Jugendsportschule des SC Dynamo und danach spielte ich beim SC Dynamo Berlin.

Frage: 1987 schafften Sie mit der DDR-EM-Gold, 1988 wurde es bei Olympia Rang fünf. Welche Erinnerungen verbinden Sie mit beiden Turnieren?

Kathrin Sydlik: Ja, die Jahre 1986 bis 1988 waren außerordentlich erfolgreiche Jahre für mich. Bereits ein Jahr vor den Volleyball-EM 1987 wurde ja die WM in der Tschechoslowakei ausgetragen und unser DDR-Team spielte eine klasse WM. Nur denkbar knapp und sehr unglücklich „schrammten“ wir mit Platz vier an einer Medaille vorbei. Weltmeister wurde damals China vor Kuba und Peru. Ich war seinerzeit 19 Jahre und es war mein erstes großes internationales Turnier, ein echtes Erlebnis.

Ein weiteres Turnier, was allerdings nicht so im Fokus der Öffentlichkeit stand, aber um so nachhaltiger in meinem Gedächtnis bleibt, war das Volleyball-Turnier der Sommer-Universiade im Juli 1987 in Zagreb. Die Universiade, die Weltspiele im Studentensport, ist ja als zweitgrößtes Multisportereignis der Welt faktisch so etwas wie eine „kleine Olympiade“. Das DDR-Team belegte damals Platz drei, hinter China und der Sowjetunion. Für mich bedeutet auch diese Medaille eine Menge!

Der Höhepunkt war jedoch der Gold-Erfolg bei der Europameisterschaft im September/Oktober 1987 in Belgien, als es dem DDR-Team gelang, nach 1983 erneut die schier übermächtige Sowjetunion im Endspiel mit 3:2 zu bezwingen. Das war schon eine tolle Sache, dass die kleine DDR wieder gegen die riesige Sowjetunion gewann – das Mega-Highlight meiner volleyballsportlichen Karriere.

Und das olympische Turnier ein Jahr später, 1988 in Seoul, hat wiederum eine ganz andere, besondere Bedeutung für mich. Der fünfte Platz war ein super Ergebnis, aber vielmehr als das, berührte mich allein die Teilnahme bei den Spielen, die eben etwas ganz Einzigartiges sind. Ich bekomme heute noch, wenn ich die Eröffnungsfeiern bei Olympischen Spielen sehe, eine Gänsehaut. Die Atmosphäre, die Stimmung, ja das ganze Fluidum von 1988 wird dann wieder lebendig.

Unvergessen bleibt auch das damals extrem spannende Finale zwischen der Sowjetunion und Peru, das die hoch favorisierte sowjetische Auswahl nur denkbar knapp für sich entscheiden konnte.

Frage: Vom 22.September bis 1.Oktober wird die Frauen-Volleyball-EM in Georgien und in Aserbaidschan stattfinden. Was trauen Sie der deutschen Mannschaft zu? Wer sind Ihre Favoritinnen?

Kathrin Sydlik: Es ist ja noch ein junges Team, das sich noch entwickeln muß. Man sollte die Erwartungen nicht zu hoch schrauben. Ich denke aber schon, dass das Viertelfinale machbar ist. Wichtig ist, dass man gleich einen erfolgreichen Start in das Turnier hat. Ansonsten rechne ich stark mit der Türkei, Russland und Italien.

Frage: „Ein Wort“ zu den deutschen Volleyball-Herren, die gerade bei den EM in Polen Silber erkämpften…

Kathrin Sydlik: Was Bundestrainer Andrea Giani und seine Spieler in Polen leisteten, ist einfach super. Fast wäre ihnen im Finale die Gold-Sensation gelungen, aber auch auf Silber können die deutschen Herren sehr stolz sein. Mir imponierten insbesondere die jungen Spieler, wie Tobias Krick und Julian Zenger, die ganz cool aufspielten.

Frage: Wie sieht Ihr heutiges Leben aus? halten Sie sich sportlich fit ? ?

Kathrin Sydlik: Ich arbeite als Integrationserzieherin an einer Berliner Grundschule. Sportlich bin ich auch noch aktiv, widme mich dem Beach- und Hallen-Volleyball und mache auch Fitness-Training. Bis vor wenigen Monaten spielte ich noch in der Landesliga Berlin-Straußberg. Außerdem bin ich jährlich, zu Pfingsten, bei den Deutschen Meisterschaften im Senioren-Volleyball „am Start“.

Vielen Dank und weiterhin alles Gute !

Marko Michels

1.Foto (Kathrin Sydlik/privat): Kathrin Sydlik wurde vor 30 Jahren Europameisterin mit dem DDR-Team.

2.Foto/3.Foto (Michels): Blick in die Palmberg-Arena Schwerin. / Der SSC wurde 2017 wieder einmal Deutscher Meister!