Ereignisreiche Wochen auch für den Tischtennis-Sport

Tischtennis Symbolfoto

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Europameisterlich geht es im September auch im Tischtennis zu. Vom 13.September bis 17.September werden nämlich die 36.Europameisterschaften im Tischtennis in Luxemburg ausgetragen. Dort stehen ausschließlich die Mannschaftsentscheidungen der Frauen und der Herren auf dem Programm.

Seit 1958 Elite-EM im Tischtennis

Seit 1958, Austragungsort war seinerzeit Budapest, gibt es offizielle europäische Titelkämpfe im Tischtennis. Die Team-Goldmedaillen gingen vor fast sechs Jahrzehnten an England (Frauen) bzw. Ungarn (Herren). In den Einzeln triumphierten bei den Frauen Eva Koczian (Ungarn) und bei den Herren Zoltan Berczik (ebenfalls Ungarn). Letztgenannter gewann mit seiner Landsfrau Gizella Lantos ebenfalls Gold im Mixed-Doppel. Den Titel im Damen-Doppel erkämpften Angelica Adelstein-Rozeanu/Ella Zeller-Constantinescu (Rumänien) und im Herren-Doppel waren Ladislav Stipek/Ludvik Vyhnanovsky (Tschechoslowakei) die Besten.

Fast 38 EM-Goldmedaillen für Schwarz-Rot-Gold

Deutsche Tischtennis-Spielerinnen und -Spieler kamen zwischen 1958 und 2016 zu 37,5 Goldmedaillen. Die ersten Goldenen bei EM für Schwarz-Rot-Gold errangen 1962 in Berlin (West) die gebürtige Ungarin Agnes Simon, die 1957 aus Ungarn in die Niederlande und dann weiter nach Westdeutschland geflüchtet war. Ab 1960 spielte sie für den DSC Kaiserberg/Duisburg und wurde bei den EM 1962 für ihre neue Wahl-Heimat Erste. Gold schaffte 1962 auch das westdeutsche Frauen-Team und im Mixed-Doppel, zusammen mit dem Schweden Hans Alser, die gebürtige Rodenbergerin Inge Harst.

Der erste deutsche Herr, der über Gold bei einer Tischtennis-EM jubeln durfte, war 1978 in Duisburg Wilfried Lieck, der übrigens im dänischen Aalborg geboren wurde und zunächst Mitglied des SV Post Bochum bzw. dann Mitglied des SV Moltkeplatz Essen war im Mixed-Doppel an der Seite von Wiebke Hendriksen (Tischtennisvereinigung Weiß-Rot-Weiß Kleve). Im Herren-Einzel erkämpfte dann Jörg Roßkopf (Borussia Düsseldorf/TTV Gönnern) bei der EM 1992 in Stuttgart den ersten deutschen Europameisterschaftstitel.

Im Rückspiegel: Die Tischtennis-EM 2015 und 2016

Bei den vorerst letzten Tischtennis-EM, 2016 in Budapest, gab es keine Team-Entscheidungen. Die Einzel-Goldmedaillen gingen an die für die Türkei startende gebürtige Chinesin Melek Hu bzw. den Franzosen Emmanuel Lebesson. Im Damen-Doppel siegten Kristin Silbereisen/Sabine Winter aus Deutschland, im Herren Doppel Jonathan Groth (Dänemark)/Patrick Franziska (Deutschland) und im Mixed-Doppel Joao Monteiro (Portugal)/Daniela Monteiro Dodean (Rumänien), die beide seit 2013 miteinander verheiratet sind.

Die vorerst letzten EM-Goldmedaillen in den Team-Entscheidungen wurden im Rahmen der EM 2015 in Jekaterinburg vergeben. Bei den Frauen siegte Deutschland und bei den Herren Österreich.

Rekord-Europameister in den Entscheidungen im Frauen-Team ist Ungarn mit neun Titeln, gefolgte von Russland (mit SU) und Deutschland mit jeweils sieben Titel (deutsche Frauen-Team-Siege 1962, 1968, 1996, 1998, 2013, 2014 bzw. 2015). Die meisten Titel bei den EM-Wettkämpfen im Herren-Team sammelte Schweden mit vierzehn. Deutsche Teams kommen auf sechs Titel: 2007, 2008, 2009, 2010, 2011 und 2013.

Die EM-Vorrunde 2017 aus deutscher Tischtennis-Sicht

Die deutschen Frauen spielen bei den EM 2017 in der Vorrunde gegen Ungarn, Schweden bzw. Kroatien und die deutschen Herren müssen gegen Kroatien, Spanien und Weissrussland ran.

Zwischen WM und Olympia

In diesem Jahr (2017), im Mai/Juni, wurden bereits die Tischtennis-WM in Düsseldorf ausgespielt. Dort war China wieder klar die Nummer eins. Die chinesischen Welmeisterinnen und Weltmeister 2017 sind Ding Ning (Frauen-Einzel), Ma Long (Herren-Einzel), Ding Ning/Liu Shiwen  (Damen-Doppel) und  Fan Zhendong/Xu Xin (Herren-Doppel). Nur der WM-Titel im Mixed-Doppel ging nicht an China. Maharu Yoshimura/Kasumi Ishikawa setzten sich in dieser Konkurrenz durch.

Bei den vier olympischen Entscheidungen vor Jahresfrist, im August 2016, in Rio de Janeiro hatte China in den vier angebotenen Entscheidungen viermal Gold, zweimal Silber erkämpft. Die restlichen Medaillen teilten sich Japan (einmal Silber, zweimal Bronze), Deutschland (einmal Silber durch das Frauen-Team und einmal Bronze durch das Herren-Team) und Nordkorea (einmal Bronze).

Mal schauen, wer sich bei den Team-Entscheidungen der EM 2017 in Luxemburg durchsetzen wird… China ist dann, zumindest offiziell und „als separate Nation“, nicht vertreten. Aber es gibt ja die eine oder andere Chinesin bzw. den einen oder anderen Chinesen, der „unter einer anderen Flagge“ antreten wird.

Tischtennissportliches Kalenderblatt

Das Tischtennis-Jahr 2015 mit WM, EM und Europaspielen sowie sportlichen Herausforderungen in M-V (Beitrag vom 21.10.2015)

Das Tischtennis-Jahr 2015 im Rückblick / Zwischen regionalen und internationalen Herausforderungen / Nachgefragt beim TSV Rostock-Süd

Tischtennis-Jahr 2015 geht allmählich auch in den Endspurt. Noch knapp zweieinhalb Monate stehen auf dem sportlichen Programm. Dann gilt es, endgültig Resümee zu ziehen. Bei der EM in Jekaterinburg triumphierten in den Einzelwettbewerben Dimitrij Ovtcharov (Deutschland) bzw. Elizabeta Samara (Rumänien). Bei der WM in Suzhou waren hingegen Ma Long (China) und Ding Ning (China) die Besten.

Wie verliefen jedoch ansonsten die bisherigen zehn Monate – regional, national und international?!

Nachgefragt bei Ulrich Creuznacher, Tischtennis-Abteilungsleiter vom TSV Rostock-Süd

U.Creuznacher über das Tischtennis-Jahr 2015 und kommende Herausforderungen

„Die Rostocker Tischtennis-Asse brauchten sich nur selten verstecken…“

Frage: Auch für die Tischtennis-Asse in M-V ist das Jahr nicht mehr lang… Wie lautet Ihr bisheriges Resümee zum Tischtennis-Jahr aus Rostocker Sicht?

Ulrich Creuznacher: Wie auch in den vergangenen Jahren brauchten sich die Rostocker Tischtennis-Asse selten zu verstecken – und das in allen Alters- und Leistungsklassen. Einiges stach jedoch hervor.

Daniel Bartels vom TSV Rostock Süd setzte das erste Highlight des noch jungen Jahres, indem er im Januar souverän den Landesmeistertitel holte. Zwei weitere Titel unter Rostocker Beteiligung gab es zudem für die Hansestadt (Doppel Herren: Daniel Bartels / Sven Stürmer (Rostock Süd), Mixed-Doppel: Sven Stürmer / Anna Matthäus (Demmin).

Bei den anschließenden Norddeutschen Meisterschaften drang Bartels bis ins Viertelfinale vor und stand damit dicht vor einer Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften (Februar). Hätte er dort nicht gegen den späteren Finalisten Frederick Spreckelsen (2:4) und auch im späteren Platzierungsspiel gegen Deniz Aydin (2:4) knapp verloren, wäre er der erste Rostocker DM-Teilnehmer seit 1992 (Mathias Wähner, TSV Rostock Süd) gewesen.

Bei den 25. Landesmeisterschaften der Senioren in Schwerin (Februar) übertrafen die Rostocker Tischtennis-Oldies mit 17 Gold-, 11 Silber- und 20 Bronzemedaillen sogar den Medaillenrekord aus dem Vorjahr (38). Zu den erfolgreichsten Akteuren gehörte Birgit Finger vom TSV Rostock Süd, die in der AK 50 die Titel im Einzel, Doppel (mit Heidrun Kissmann, Stralsund) und Mixed (mit Jörg Möller, SV Nord-West Rostock) einheimste und damit ihren Dreifachtriumph von 2014 wiederholte.

Auch bei den Norddeutschen Meisterschaften der Senioren in Bremen (März) spielten sich einige Oldies auf das Podest. Darunter waren unter anderem Rostocks älteste Starterinnen Lieselotte Raese (81) und Edith Bruhn (84), die in der Altersklasse 80 Silber im Doppel gewannen.

Daniel Bartels war es auch, der mit seiner Siegen im oberen Paarkreuz (17:16) und im Doppel an der Seite von Sven Stürmer (12:6 und damit sechstbestes Doppel der Liga) maßgeblich daran beteiligt war, dass der TSV Rostock Süd, die einzige überregional spielende Mannschaft aus der Hansestadt, nach dem direkten Wiederaufstieg in die Oberliga Nord-Ost (2013/14) den Klassenerhalt in der Saison 2014/15 schaffte (April).

Mit einer mannschaftlichen Leistungssteigerung in der Rückrunde hatten sich die „Südler“ sogar schon zwei Spiele vor Schluss gerettet.

Deutsche Meister-Ehren erlangte dann im selben Monat Cindy Eggert. Die Rollstuhlfahrerin gewann nach ihrer Babypause mit Einzel-Bronze endlich das lang ersehnte erste Edelmetall bei den nationalen Titelkämpfen im Rollstuhl-Tischtennis (Wettkampfklasse 1-3).

Rostocks Tischtennis-Asse der Zukunft wurden und werden derzeit von Til Puhlmann angeführt, der 2015 viele herausragende Momente erlebte.

Dazu gehörten unter anderem seine Leistungen in der Verbandsliga Mecklenburg-Vorpommern, in der er seiner Mannschaft (TSV Rostock Süd IV) mit seinen Siegen im mittleren und oberen Paarkreuz zum Klassenerhalt führte.

Auch seine Auftritte als M-V`s Spitzenspieler beim Deutschland-Pokal (April) gegen die nationale Konkurrenz aus Hamburg, Sachsen-Anhalt, Bremen und Rheinhessen – alles ohne Einzel-Niederlage – waren weitere Belege dafür, dass er mit seinen 14 Jahren zu Recht das größte Talent seiner Altersklasse ist.

Seine Ausnahmestellung bewies der Süd-Youngster unlängst beim Ranglisten-Finale der besten zwölf Spieler des Landes (September). Nicht nur, dass er sich als jüngster Spieler überhaupt dafür qualifizierte, sondern auch die Tatsache, dass er auf Anhieb die Klasse hielt und dabei viele Arrivierte bezwingen konnte. In der Saison 2015/16 geht Puhlmann den nächsten Schritt, spielt nun mit Spielern wie Sven Stürmer und Mathias Wähner gemeinsam im Oberliga-Team des TSV Rostock Süd.

Doch auch hinter Puhlmann ist die Liste potentieller  Stars von morgen lang. Nicht umsonst gewann der SV Nord-West Rostock die Vereinsgesamtwertung der vierteiligen Nachwuchsturnierserie „Städtecup“ nach 2014 zum zweiten Mal in Folge, diesmal sogar mit 500 Punkten Vorsprung (Juni).

Caroline Urban (Jugend und Schüler A), Melanie Plötz und Nikita Ivanov (beide Schüler B) sicherten sich die Einzelwertungen in ihren Altersklassen. In der Endwertung aller ranglistenrelevanter Turniere der Saison 2014/15 belegte der Nord-West-Nachwuchs mit 2303 Punkten hinter dem SV Aufbau Parchim (2553) den zweiten Platz. Dritter wurden die „kleinen Südler“  (2129).

Die Ergebnisse der jüngst ausgespielten Finalturniere der Landesranglisten untermauerten vor allem in der Breite die aktuelle Rostocker Dominanz (September).

Frage: International gab es auch spannende Turniere. Was waren für Sie dabei die Highlights? Wie beurteilen Sie die Leistungen der deutschen Spielerinnen und Spieler?

 

Ulrich Creuznacher: Im letzten Jahr vor Olympia 2016 in Rio de Janeiro lieferte besonders ein deutscher Spieler immer wieder Top-Leistungen ab und heimste so auch einen Titel nach dem anderen ein: Dimitrij Ovtcharov.

Der gebürtige Ukrainer gewann unter anderem das Europe Top16 Turnier in Baku, wo er am selben Ort nur wenige Monate später mit dem Goldgewinn bei den ersten European Games Geschichte schrieb. Mit seinem Klub Fakel Orenburg (Russland) bezwang er zudem nicht nur Timo Bolls Borussia Düsseldorf im Finale der ETTU Champions League, sondern forcierte auch dessen Wachablösung als Deutschlands bester Spieler.

Vor wenigen Tagen wurde der 27-Jährige Dritter beim World Cup im schwedischen Halmstad, wenn auch ohne Chance gegen die dominierenden Chinesen.

Die Frauen überzeugten insbesondere als Team. Mit der Besetzung Han Ying, Shan Xiaona und Petrissa Solja siegte die deutsche Nationalmannschaft nicht nur bei der historischen Erstausgabe der European Games, sondern auch vor wenigen Wochen bei den 34. Europameisterschaften in Jekaterinburg – hier sogar zum dritten Mal in Folge.

Frage: Im nächsten Jahr sind die Olympischen Spiele in Rio. Wer sind – zum jetzigen Zeitpunkt – Ihre Favoritinnen und Favoriten?

Ulrich Creuznacher: Die Spielerinnen und Spieler, die jetzt in der Weltrangliste auf den ersten drei Positionen stehen, sind auch für das olympische Tischtennisturnier hoch favorisiert, insbesondere bei den Frauen. Bei den Männern liegen die Hoffnungen auf den deutschen Ausnahmespielern  Dimitrij Ovtcharov sowie Timo Boll und wenigen nicht-chinesischen Asiaten, wie zum Beispiel Jun Mizutani aus Japan. Gut für Rest der Welt ist, dass China nur zwei Starterinnen bzw. Starter in Rio stellen darf.

Letzte Frage: Welche sportlichen und weiteren Herausforderungen gibt es für die Rostocker Spielerinnen und -Spieler noch bis zum Jahresabschluss 2015?

Ulrich Creuznacher: Sportlich neigt sich das Jahr dem Ende entgegen. Alle Ligen sind in die Saison 2015/16 gestartet. Das letzte große Highlight in 2015 sind die im Dezember stattfindenden Landesmeisterschaften im Nachwuchsbereich, die wieder viele gute Ergebnisse der Rostocker Talente erhoffen lassen.

Derweil bestimmen jedoch die Unterbringung von Flüchtlingen und die damit verbundene Schließung etlicher Sporthallen den Trainings-, Punktspiel- und Turnierbetrieb in ganz Rostock und sogar darüber hinaus.

Die Sporthallen des SV Hafen Rostock und des TSV Rostock Süd sind zurzeit als Notunterkünfte hergerichtet und erfordern ein hohes Maß an Flexibilität, Entgegenkommen und Improvisation in der Rostocker Tischtennisgemeinde.

Ersatzhallen für den SV Hafen Rostock und TSV Rostock Süd sind vorerst nicht vorgesehen, sodass der gesamte städtische Punktspielbetrieb auf eine Einzelrunde bis April/Mai 2016 reduziert wurde.

Turniere, wie die Stadtmeisterschaften der Herren und Senioren oder die Bezirksmeisterschaften der Schüler A und C, die allesamt beim TSV Rostock Süd hätten ausgetragen werden sollen, wurden verlegt.

Herausragend ist, dass die betroffen Vereine von allen Rostocker Tischtennisvereinen und -abteilungen eine hohe Solidarität erfahren, an fremden Tischen trainieren sowie ihre Punktspiele bestreiten, damit diese das gesellige Bei- und Miteinander sowie sportliche Wetteifern aufrecht erhalten können.

Vielen Dank, weiterhin bestes Engagement und maximale sportliche Erfolge!

Marko Michels

Anmerkung/M.M.: Frühere und aktuelle Tischtennis-Beiträge sind auch in der Rubrik „Tischtennis“ bei MV-SPORT und bei MV-SCHLAGZEILEN (www.mv-schlagzeilen.de) zu finden.

Last but not least: Beim 27.Landespokalturnier des Tischtennisverbandes MV am 2./3.September 2017 in Schwerin erkämpften folgende Spielerinnen/Spieler Gold: im Damen-Einzel Johanna SAlzmann (1.TTC Greifswald), im Damen-Doppel Marianne Lutz/Sophia Scheel (SV Motor Stralsund), im Herren A-Einzel Chris Rehberg (TSV Rostock Süd), im Herren A-Doppel Til Puhlmann/Mathias Wähner (TSV Rostock Süd), im Herren B-Einzel Peer-Manuel Behr (SV Nord-West Rostock 74), im Herren B-Doppel Frank-Jürgen Fahldieck/Uwe Günther (Stavenhagener SV) und im Mixed-Doppel Annkatrin Lange/Chris Rehberg (SC Parchim/TSV Rostock Süd). mm