Mit Ringkampf-Ass Aline Focken im Gespräch

Im Ringkampf ist diesen Monat schon einiges geschehen. So stand Anfang April das 16. Pokalturnier der Stadt Demmin auf dem Programm der Ringergemeinde des Landes. Diesmal konnte der Athletic Energy Grimmen die Vereinswertung für sich entscheiden. Mitte April dann lud der SV Warnemünde zu seinem 48. Traditionsturnier. Ganze 125 Athleten aus über 25 Vereinen und 3 Nationen nahmen an diesem in seiner Art größten Turnier in Norddeutschland teil. Und auch auf der ganz großen internationalen Bühne ging es schon hoch her – bei den Elite-Europameisterschaften vom 8. bis 14. April in Bukarest.

Am Start war auch die deutsche Erfolgsringerin Aline Rotter-Focken aus Krefeld. Im Gespräch verriet die 27-jährige, die in der Gewichtsklasse bis 76 Kilogramm startet, wie es dort für sie lief.

Interview

Erfolgsringerin Aline Focken. Foto: Aline Focken/privat

Frage: Die EM 2019 sind abgehakt… Wie bewertest du deine dortigen Leistungen?

Aline Rotter-Focken: Meine eigene Leistung bewerte ich als ganz gut, aber noch nicht überragend. Ich bin froh, dass ich nach meinre Verletzung vor der EM im letzte Jahr und nur Platz acht in Budapest wieder eine internationale Medaille holen und damit irgendwie auch abliefern konnte. Aber: Ich weiß halt auch, dass mehr als Bronze drin gewesen wäre.

Deshalb ist auf der einen Seite Freude, mal wieder bestätigt und gut gekämpft zu haben, aber auch ein wenig Unzufriedenheit, weil das große Ziel Gold war und auch bleibt. Ich denke, das ist normal als Leistungssportler, dass man immer mehr will und ich weiß, dass ich – wenn ich kleine taktische Fehler abstelle – noch mehr kann!

Frage: Der Jahreshöhepunkt werden die Weltmeisterschaften im September sein. Was hast du dir für diese Titelkämpfe vorgenommen?

Aline Rotter-Focken: Das oberste Ziel ist in jedem Fall die direkte Qualifikation für Tokio 2020. Dazu muss ich unter die Top Fünf. Dies habe ich vor vier Jahren auch in Las Vegas geschafft und würde mich in eine gute Ausgangsposition im Kampf um eine Olympia-Medaille bringen. Darüber hinaus möchte ich schon gerne eine Medaille erkämpfen, aber das Wichtigste ist auf jeden Fall die Quali!

Frage: Wie sah deine Vorbereitung auf das vorolympische Jahr 2019 aus?

Aline Rotter-Focken: Mein Trainingsalltag ist intensiv wie immer. In Kombination mit meiner Arbeit und meinem Privatleben ist und bleibt es auch stressig. Ich werde jetzt versuchen, mich jetzt bis zur WM noch mehr auf den Sport zu konzentrieren. Daher mache ich auch nicht mehr so viele öffentliche Events oder Auftritte und  „schraube“ auch die Arbeit so weit es geht zurück , sodass das meiste nebenher funktioniert und ich alles für Olympia 2020 geben kann.

Frage: An welchen Turnieren wirst du bis zu den WM noch teilnehmen?

Aline Rotter-Focken: Ich werde voraussichtlich noch die Deutsche Meisterschaft im Mai in Riegelsberg (Saarland) ringen. Und noch zwei weitere internationale Ranking-Turniere, die Punkte für die Weltrangliste geben. Eines davon wird Ende Mai in Sassari (Italien) stattfinden und das andere, was zugleich wohl mein letztes Vorbereitungsturnier für die WM darstellt, ist das Yasar-Dogu-Turnier Mitte Juli in Istanbul .

Frage: Und… Welcher Ausgleich bleibt dir zum Ringen?

Aline Rotter-Focken: Mein bester Ausgleich ist und bleibt meine Familie. Zusammen mit meinem Mann, meinen Eltern, Bruder, Schwägerin, Neffen und Hund gehen wir auch jetzt erst einmal eine Woche über Ostern in den Urlaub. Dort ist nichts weiter als Familien-Zeit, Spiele-Abende und gutes Essen angesagt. Gemeinsam mit meinen beiden Neffen und Paten-Kindern kann ich total abschalten und die Zeit vergessen. Ansonsten bin ich super gerne in der Natur – auch mit unserem Hund – gehe spazieren und lese super viel.

Vielen Dank, dann fröhliche Ostern und viel Erfolg für die kommenden Herausforderungen!


 

Die EM 2019 in Zahlen

Die EM 2019 (8. bis 14. April) in Bukarest war bereits die 70. Auflage von europäischen Ringer-Titelkämpfen. Insgesamt konnten Ringerinnen und Ringer aus 27 Ländern Medaillen erkämpfen, darunter zehn Nationen eine oder mehrere Goldmedaillen.

Die erfolgreichsten Nationen in Bukarest waren Russland (acht Titel), die Türkei (sechs Titel), die Ukraine (fünf Titel) und Aserbaidschan (vier Titel).

Aus deutscher Sicht gab es zweimal Silber und dreimal Bronze. Aline Rotter-Focken belegte in der Gewichtsklasse bis 76 Kilogramm hinter der Türkin Yasemin Adar, der Österreicherin Martina Kuenz und zusammen mit der Ungarin Zsanett Nemeth den Bronze-Rang.

.. Übrigens: Beim letzten olympischen Ringer-Turnier 2016 in Rio waren Russland und Japan mit jeweils vier Goldenen die Top-Nationen. Bei den WM 2018 in Budapest holte Russland als erfolgreichstes Land sogar zehn Titel.

Nächster Termin in MV

Frühjahrsturnier in Lübtheen – 4. Mai 2019

mic