Der Segelsport in M-V – zwischen Historie und Gegenwart

Sportlich werden in den kommenden Wochen auch in Mecklenburg-Vorpommern intensiv die „Segel gesetzt“. Nach den ersten Regatten des Jahres hierzulande und dem 15.Seglertag Ende März in Schwerin wird insbesondere ab Ende Mai segelsportlich „so richtig durchgestartet“.

Höhepunkte sind unter anderem die Müritz-Sail vom 25.Mai bis 28.Mai und dann folgend – unter anderem – die 80.Warnemünder Woche vom 1.Juli bis 9.Juli und die 27.Hanse Sail in Rostock vom 10.August bis 13.August.

Blick zur 80.Warnemünder Woche

So werden 1500 Seglerinnen und Segler aus über 30 Ländern zum runden Jubiläum in Warnemünde erwartet. Besondere segelsportliche Programmpunkte sind die Kurz- bzw. Langstreckenregatten, die Wettkämpfe in der zweiten Deutschen Segel-Bundesliga, die EM der 505er, die Internationalen Deutschen Meisterschaften im Seesegeln, der Laser Europa Cup, der Deutschland-Cup bei den Topcats oder die Seeregatta „Rund um Bornholm“.

Aber nicht nur der Segelsport steht auf dem Programm der Warnemünder Woche. So werden die 23.Beachhandball-Tage vom 8.Juli bis 9.Juli ausgetragen, dazu der Beachhandball-Junior-Cup am 1.Juli/2.Juli.

Natürlich dürfen die Drachenbootsportlerinnen und -sportler bei einer Warnemünder Woche ebenfalls nicht fehlen. Die 12.Drachenboot-Schülermeisterschaften werden dabei am 7.Juli auf dem Alten Strom veranstaltet, vom 8.Juli bis 9.Juli folgt das 22.Warnemünder Drachenbootfestival an gleicher Stelle.

Was wäre jedoch eine Warnemünder Woche ohne den „Nieger Ümgang“ (zum 16.Mal 2017) und das Waschzuberrennen (zum 30.Mal 2017) am Eröffnungstag (1.Juli)… Die Sport- und Beach-Arena ist inzwischen auch fester Bestandteil der „WW“.

Viel Zuspruch dürften 2017 zudem unter anderem das Lacrosse-Turnier „LAX at the beach“, das AHOI-Beach-Kubb-Turnier und die Beachvolleyball-Angebote finden.

Ja, der „Beach-Sport“ und vor allem das Segeln hat in M-V eine ausgezeichnete sportliche Heimat…

Wie war das segelsportlich aber noch einmal 2016?!

Ein segelsportlicher Rückblick auf das olympische 2016

Anfang November 2016 fand in Plau am See die Seglerinnen- bzw. Segler-Ehrung des Segelsportverbandes M-V statt. Gerade im Nachwuchs-Bereich überzeugten die Seglerinnen und Segler aus M-V 2016 bei nationalen und internationalen Konkurrenzen.

Berufung des Glashäger-Segelteams 2017

Außerdem wurde das Glashäger-Segelteam 2017 (Leistungsteam) berufen, zu dem Theres Dahnke/Birte Winkel (470er), Malte Winkel/Matti Cipra (470er), Max Schuberth/Silas Oettinghaus (470er), Lena Haverland (Laser Radial), Hannah Anderssohn (Laser Radial), Theodor Bauer (Laser), Max Wilken (Laser), Paul Bothe (Laser Radial) und Sofie Schöne/Line Thielemann (420er) gehören.

Olympische Segel-Regatta 2016: Zehn Entscheidungen auf dem Programm

Im letzten Jahr wurden zuvor allerdings olympisch wie paralympisch im August und im September die Segel gesetzt. Zehn Entscheidungen standen bei der olympischen Segel-Regatta 1016 vor Rio de Janeiro auf dem Programm.

Bei den Frauen gewannen Charline Picon (Frankreich, RS:X), Marit Bouwmeester (Niederlande, Laser Radial), Hannah Mills/Saskia Clark (Grossbritannien, 470er) und Martine Grael/Kahena Kunze (Brasilien, 49er FX).

Dorian van Risselberghe (Niederlande, RS:X), Tom Burton (Australien, Laser), Giles Scott (Grossbritannien, Finn), Sime Fantela/Igor Marenic (Kroatien, 470er) und Peter Burling/Blair Tuke (Neuseeland, 49er) hießen hingegen die Sieger bei den Herren.

Und in der einzigen Mixed-Klasse, der Nacra 17, waren Santiago Lange/Cecilia Carranza Saroli (Argentinien) am besten.

Drei paralympische Goldmedaillen im Segeln im September

Bei den paralympischen Segel-Wettkämpfen 2016 wurden dann Goldmedaillen in drei Entscheidungen vergeben, in der Klasse „Norlin Mark 3, 2,4 Meter“, in der „Skud 18“ und in der „Sonar“. Damien Seguin war dabei in der Klasse „Norlin Mark 3, 2,4 Meter“ die Nummer eins. Die „Skud 18“ wurde von Daniel Fitzgibbon/Liesl Tesch (Australien) dominiert. Colin Harrison/Russell Boaden/Jonathan Harris (ebenfalls Australien) konnten sich in der „Sonar“ durchsetzen.

Australien beste Segel-Nation vor Rio de Janeiro

Insgesamt schafften Seglerinnen und Segler aus 18 Ländern olympische bzw. paralympische Medaillen, darunter 8 Staaten eine oder mehrere Goldmedaillen. Die erfolgreichsten Segel-Nationen bei den Olympics und Paralympics 2016 vor Rio de Janeiro waren Australien mit 3 x Gold, 4 x Silber, Grossbritannien mit 2 x Gold, 1 x Silber, 2 x Bronze, Frankreich mit 2 x Gold, 2 x Bronze, die Niederlande mit 2 x Gold und Neuseeland mit 1 x Gold, 2 x Silber, 1 x Bronze.

Einmal Segel-Bronze für deutsche Mannschaft

Aus deutscher Sicht gab es bei der olympischen Segel-Regatta 2016 einmal Bronze durch Erik Heil/Thomas Plössel (49er). Für die besten Platzierungen aus deutschem Blickwinkel bei den segelsportlichen Wettkämpfen der Paralympics 2016 sorgten Heiko Kröger (Rang sechs, Norlin Mark 3, 2,4 Meter) und Lasse Klötzing/Siegmund Mainka/Jens Kroker (Rang sechs, Sonar).

An der olympischen Regatta 2016 nahmen 381 Seglerinnen bzw. Segler aus 68 Ländern teil. Bei den Paralympics 2016 waren 80 Seglerinnen bzw. Segler aus 23 Nationen aktiv.

M-V und das weltmeisterlich-olympische Segeln

Zwar qualifizierten sich 2016 keine Seglerinnen und Segler aus M-V für die Spiele in Rio,aber die Erfolge von 1955 bis 2012 sprechen für den Segelsport „Made in M-V“…

Bei WM spielten die Seglerinnen und Segler aus Mecklenburg-Vorpommern eigentlich immer eine gute Rolle, glänzten mit vorderen Platzierungen, mit Medaillen oder WM-Titeln. Einige Beispiele hierzu dokumentieren den hohen Stellenwert, den der Segelsport in Mecklenburg-Vorpommern besitzt.

So wurde Jürgen Mier vom ASK Vorwärts Rostock Weltmeister (Goldcup) im Finn-Dinghy 1965.

Einen „silbernen WM-Drachen“ hatten 1968 Paul Borowski/Karl-Heinz Thun/Konrad Weichert (SC Empor Rostock). Eine weitere WM-Medaille für die Drei folgte 1970 vor Travemünde. Die Vize-Weltmeisterschaft im Flying Dutchman sicherten sich 1974 Herbert Hüttner/Ulf Pagendorf vom ASK Vorwärts Rostock. Für den SC Empor Rostock ersegelten Jörn Borowski/Egbert Swensson 1982 vor Cascais den Weltmeistertitel bei den 470ern. WM-Bronze 1985 gab es für Jörn Borowski, seinerzeit mit Mathias Gall.

Weitere WM-Erfolge

Auch für Schweriner Crews wehten die segelsportlichen Winde bisweilen sehr gut. Jürgen Brietzke/Ekkehard Schulz vom SC Traktor Schwerin/Sektion Segeln gewannen 1987 WM-Bronze.

Weltmeisterliches Gold konnten dann Ulf Lehmann/Stefan Mädicke (Schweriner Yacht-Club) 1996 im Flying Dutchmann erringen und 1997/1998 triumphierte Jürgen Knuth (SYC) bei den Tempest-Seglern.

Gleich dreifaches WM-Gold holten Ines Bohn/Sabine Rohatzsch (SC Traktor Schwerin / Schweriner Yacht-Club) bei den 470ern „vom Wasser“: 1990, 1993 und 1994.

Eine gebürtige Grevesmühlenerin, Wibke Bülle, sammelte ebenfalls segelsportliches WM-Edelmetall, so erkämpfte sie unter anderem WM-Bronze 1991, WM-Silber 1997 jeweils bei den 470ern und WM-Silber 2002 und 2003 in der Yngling-Klasse.

Jürgen Mier, Paul Borowski oder Wibke Bülle & Co. – nur ein paar Beispiele für erfolgreiche WM-Seglerinnen und WM-Segler „Made in M-V“.

Mecklenburger und Vorpommern unter den fünf olympischen (Segel-)Ringen

Und Olympia war ohnehin auch eine „Sache“ für die MV-Seglerinnen und –Segler:
Vor allem die Rostocker „Drachen“ waren zwischen 1964 und 1972 bei Olympia bestens dabei: Peter Ahrendt, Wilfried Lorenz und Ulrich Mense schafften 1964 Silber.

Paul Borowski, Konrad Weichert und Karl-Heinz Thun sorgten 1968 (Bronze) und 1972(Silber) ebenfalls für segelsportliches Olympia-Edelmetall bei den Drachen. Und „so“ ging es olympisch in puncto Segel-Medaillen für M-V weiter… Vor Kingston 1976 gab es außerdem segelsportlichen Medaillen-Zuwachs für M-V.

Der gebürtige Rostocker Dieter Below und seine Crew wurden Olympia-Dritte im Soling. Dieter Below war übrigens 1972 auch olympischer Ersatz-Segler und 1980 Olympia-Vierter im Soling. Jörn Borowski/Egbert Swensson (Rostock) waren dann vor Tallinn 1980 weit vorn: mit Silber bei den 470ern.

An olympischen Segel-Regatten für MV nahmen unter anderem auch 1964 Eberhard Reschwamm/Dietmar Gedde (ASK Vorwärts Rostock/Flying Dutchman, 13.), 1968 Hartmann Bogumil/Udo Springsklee (ASK Vorwärts Rostock, Star, 14.) und Jürgen Mier (ASK Vorwärts Rostock, Finn-Dinghy, 14.).

1972 folgten Hans-Christian Schröder (ASK Vorwärts Rostock, gebürtiger Schweriner, Finn-Dinghy, 7.), Herbert Hüttner (gebürtiger Schweriner, 1964 bereits olympischer Ersatz-Segler)/Dietmar Gedde (ASK Vorwärts Rostock, Flying Dutchman, 13.) und Herbert Weichert (SC Empor Rostock)/Hans-Joachim Lange (ASK Vorwärts Rostock, Star, 17.) und als olympischer Ersatz-Segler Klaus Eckard-Mayer (ASK Vorwärts Rostock).

Weitere olympische Seglerinnen und Segler aus M-V waren 1980 Wolfgang Haase/Wolfgang Wenzel (SC Empor Rostock, Flying Dutchman, 4.) und 1988 Susanne Theel (geboren in Ribnitz-Damgarten, mit Silke Preuß, 470er, 7.).

Im Jahr 1988 nahmen auch Ulf Lehmann/Stefan Mädicke (SC Traktor Schwerin, Flying Dutchman, 9.) und Jürgen Brietzke/Ekkehard Schulz (SC Traktor Schwerin, 470er, 11.) an der olympischen Regatta vor Pusan teil.

Wibke Bülle, die bereits erwähnte, gebürtige Grevesmühlenerin, wurde mit Nicola Birkner zwölf Jahre später Fünfte 2000 vor Sydney  bei den 470ern.

Vorerst letzte olympische Teilnahmen

Zuletzt nahmen mit dem heutigen LSB-Geschäftsführer und Vize-Präsidenten des DSV Torsten Haverland mit Ronald Rensch (Schweriner Yacht-Club/470er) vor Savannah 1996, Monika Leu (Schweriner Yacht-Club/470er, mit Steffi Rothweiler) vor Athen 2004 und Franziska Goltz (Schweriner Segel-Verein von 1894/Laser Radial) vor Weymouth 2012 zwei Segler und zwei Seglerinnen aus Vereinen in Mecklenburg-Vorpommern an Olympischen Spielen teil.

Vielleicht sind ja bei den Spielen 2020 wieder Seglerinnen und Segler aus M-V aktiv?!

Marko Michels

Foto (Michels): Segelsport in M-V – mit großer Tradition.