Bald 200 Jahre: Der Doberaner Rennverein

Symbolfoto – Pferdesport

Seit rund 200 Jahren hat der organisierte Galopp-Rennsport in Bad Doberan eine gute Heimat. Bereits 1804 fanden erste Pferderennen bei Bad Doberan statt und offiziell gibt es dort seit 1822 eine Galopprennbahn. In vier Jahren feiert auch der ebenfalls 1822 gegründete Doberaner Rennverein den 200. Geburtstag. Aktuell, in den letzten Jahren, fand das Ostsee-Meeting jeweils im August ebenfalls stets eine gute Resonanz.

Wie laufen nun die Vorbereitungen auf das diesjährige Ostsee-Meeting und nicht zuletzt auf das baldige 200. Jubiläum? Nachgefragt bei Mandy Kriegsheim vom Doberaner Rennverein

Interview

„Können einen großen historischen Moment im Galopprennsport in M-V feiern…“

Frage: Das Ostsee-Meeting 2018 im Galopp-Rennsport ruft… Mit wie vielen Teilnehmern, Ländern und Zuschauern rechnen Sie 2018? Wie sind die organisatorischen Vorbereitungen?

Mandy Kriegsheim: Wir befinden uns gegenwärtig in der Planung für das Ostsee-Meeting am 4. August und am 5. August. Unsere Webseite wird zurzeit gerade neu gestaltet, Gespräche mit Sponsoren werden geführt, Angebote für die notwendige Infrastruktur eingeholt und noch einige aktive Helfer generiert. Es liegt also noch viel Arbeit vor uns…

Was das Teilnehmerfeld betrifft: Angaben zu Teilnehmerzahlen sind im Rennsport erst kurzfristig absehbar, weil die Trainer ihre Nennungen erst circa eine Woche vor den Renntagen melden. Es wird am Samstag (4.8.) Rennen mit hochkarätigen Jockeys und Pferden geben.

Einen Tag später, am Sonntag (5.8.), planen wir einen Familientag, an dem wir den Reiterinnen bzw. Reitern aus M-V die Möglichkeit geben möchten, ihre Pferde und Ponys zu präsentieren. Wir wünschen uns viele Zuschauer und planen einige schöne Highlights, wie beispielsweise den traditionellen Hut-Wettbewerb am Ladys Day.

Frage: Welche Bedeutung und welchen Stellenwert hat das Ostsee-Meeting im Galopp-Rennsport mittlerweile aus Ihrer Sicht?

Mandy Kriegsheim: Das Ostsee-Meeting ist bei vielen Jockeys und Trainern ein fester Termin im Kalender. Als historischer Ort des Galopprennsport ist es für viele Reitsportlerinnen bzw. -sportler eine Tradition, im Sommer an die Ostsee zu reisen und die Renntage mit ein paar Tagen Urlaub zu verbinden.

Frage: Wo kann man Karten für das Ostsee-Meeting 2018 erhalten?

Mandy Kriegsheim: Eintrittskarten wird es an der Tageskasse und bei MV-Ticket an allen VVK-Kassen geben. VIP-Tickets sind hingegen direkt über den Rennverein zu erwerben. Infos dazu teilen wir dann zeitnah auf unserer Web- und Facebook-Seite mit.

Letzte Frage: Wird es in vier Jahren auch ein besonderes Ostsee-Meeting zum 200. Geburtstag Ihres Vereines geben?

Mandy Kriegsheim: Ich freue mich über diese Frage sehr. Bisher denken noch nicht viele Menschen daran, dass wir in wenigen Jahren einen großen historischen Moment im europäischen Galopprennsport haben werden und diesen sogar bei uns in Mecklenburg-Vorpommern feiern können. Die ersten Ideen dafür sind entstanden und Gespräche zur Thematik habe ich bereits geführt. Ich möchte eine Arbeitsgruppe mit Menschen, die sich bei der Planung dieses historisch wichtigen Events engagieren wollen, zusammen stellen. Das Jahr 2022 wird jedenfalls ein ganz besonderes für den Reitsport, speziell für den Galopp-Rennsport, in M-V und darüber hinaus.

Vielen Dank und weiterhin bestes Engagement für den Galopprennsport!


 

Reitsportler aus M-V bei Olympia

Olympia-Gold vor 90 Jahren für „M-V“

M-V hat, wie ganz Deutschland, eine große Reitsport-Tradition. So wurden die olympischen Wettkämpfen im August 1928 in Amsterdam nicht nur allgemein von deutschen Reitern mit dominiert. Nein, auch der 1887 in Klein Belitz (Landkreis Rostock) geborene Carl-Friedrich von Langen, dem auch ein Gut in Parow bei Stralsund gehörte, war einer der Protagonisten der Dressur-Wettbewerbe. Auf „Draufgänger“ gewann er sowohl Gold im Einzel als auch mit der Mannschaft. Das deutsche Team war in Amsterdam mit 2 x Gold und 1 x Bronze hinter den Niederlanden, die das Vielseitigkeitsreiten dank Charles Pahud de Mortanges beherrschten und 2 x Gold, 1 x Silber, 1 x Bronze erkämpften, das zweiterfolgreichste Team. Im Springreiten gingen Gold an die Tschechoslowakei (Einzel: Frantisek Ventura) und Spanien (Mannschaft).

Berlin 1936 mit „M-V“-Gold in der „Military“

Ein mecklenburgischer Springreiter war ebenfalls bei Olympia 1936 erfolgreich. Ludwig Stubbendorf aus dem mecklenburgischen Turloff (Dabel) gewann in Berlin auf „Nurmi“ olympisches Gold in der „Military“, dem heutigen Vielseitigkeitsreiten – vor dem Amerikaner Earl Foster Thomson auf „Jenny Cam“ und Hans Lunding aus Dänemark auf „Jason“. Auch mit dem deutschen Team gewann Ludwig Stubbendorf Gold – vor Polen und Großbritannien.

Weitere Olympia-Reiter aus M-V

MV kann nicht nur Carl-Friedrich von Langen und Ludwig Stubbendorf vorweisen, sondern auch weitere Reitsportler mit olympischen Ehren. Der 1938 in Röbel geborene Horst Köhler wurde 1968 Olympia-Fünfter im Einzel und Olympia-Vierter mit der DDR-Dressur-Equipe. In München 1972 konnte er mit dem DDR-Dressur-Team dann Rang fünf belegen. Unter anderem war er auch Vize-Europameister 1969 und WM-Dritter 1970 mit dem DDR-Team.

Aus Willershausen/Grimmen stammt Rudolf Beerbohm, Jahrgang 1941, der z.B. 1972 in München in der Military mit seinem Pferd “Ingolf” Elfter im Einzel und Fünfter mit dem DDR-Team wurde. Gerhard Brockmüller aus Darchau kann folgende Resultate bei Olympischen Spielen vorweisen: in Mexico-City 1968 / Dressur-Einzel (12.), Dressur-Team mit der DDR (4.) – in München 1972 / Dressur-Einzel (13.), Dressur-Team mit der DDR (Besetzung: mit Gerhard Brockmöller, Wolfgang Müller und dem in Röbel geborenen Horst Köhler/5.).

Die Reiterspiele 1968 und 1972

Die olympischen Reiter-Wettkämpfe 1968 in Mexico-City und 1972 in München sahen erfolgreiche Reiterinnen und Reiter aus Deutschland. So konnte das westdeutsche Dressur-Team 1968 um Josef Neckermann, Reiner Klimke und Lieselott Linsenhoff in Mexico-City Gold vor der Sowjetunion und der Schweiz gewinnen. Für Josef Neckermann gab es damals außerdem Einzel-Silber (hinter Iwan Kissimow/Sowjetunion), für Reiner Klimke zusätzlich Einzel-Bronze.

Die westdeutsche Springreiter-Equipe kam 1968 auf Platz drei – hinter Kanada und Frankreich. Letztendlich gewann den olympischen Reitsport-Medaillenspiegel 1968 Großbritannien mit 1 x Gold (Gold in der Mannschaftswertung des Vielseitigkeitsreiten), 2 x Silber, 1 x Bronze vor Deutschland mit 1 x Gold, 1 x Silber, 2 x Bronze, den USA mit je 1 x Gold, Silber, Bronze (Gold durch William Steinkraus im Springreiten-Einzel), der Sowjetunion und Frankreich je 1 x Gold und Silber und Kanada mit 1 x Gold.

Bei den Wettkämpften in München 1972 war Deutschland dann die Top-Nation mit 2 x Gold, 1 x Silber, 2 x Bronze vor Großbritannien mit 2 x Gold, 1 x Silber, Italien mit je 1 x Gold, Silber, Bronze und der Sowjetunion mit 1 x Gold, 1 x Silber. Die Goldenen sicherten sich Liselott Linsenhoff (Bundesrepublik/Dressur-Einzel), Jelena Petuschkowa, Iwan Kissimow sowie Iwan Kalita (Sowjetunion/Dressur-Mannschaft), Richard Meade (Großbritannien/Vielseitigkeitsreiten-Einzel), ebenfalls Richard Meade, Mary Gordon-Watson, Bridget Parker sowie Mark Philipps (Großbritannien/Vielseitigkeitsreiten-Mannschaft), Graziano Mancinelli (Italien(Springreiten-Einzel) sowie Fritz Ligges, Gerhard Wiltfang, Hartwig Steenken und Hans Günter Winkler (Deutschland/Springreiten-Team). Nicht auf dem Treppchen gestanden aber dafür Top-Platzierungen erzielt, hatten ’68 und ’72 auch Reiter aus M-V.

Der Team-Dritte in der Military 1972, Harry Klugmann, stammt übrigens auch aus Vorpommern. Er wurde 1940 in Stolpe geboren und startete für den RFV Greven.

Pferdesportliche Traditionen in Schwerin und in Redefin

Pferdesportliche Traditionen hat auch Schwerin: Der Verkauf von Pferden aus dem Großherzoglichen Gestüt des Schweriner Marstalls für „Dressur-Wettbewerbe“ in Deutschland erfolgte seit 1818. Erste „Dressur-Wettstreite“ wurden in Schwerin im Jahr 1846 ausgetragen.

Das Landgestüt in Redefin wurde bereits 1812 gegründet, nachdem es dort sogar seit 1710 ein landesherrschaftliches Gestüt gab.

 

Text und Interview: M. Michels