Leichtathletischer Countdown f├╝r die WM in London

Von Lille ├╝ber Erfurt nach London

Der n├Ąchste sportliche Countdown l├Ąuft. In anderthalb Monaten, zwischen 5.August und 13.August, finden in London, der Olympia-Stadt von 1908, 1948 und 2012, die sechzehnten Leichtathletik-Weltmeisterschaften seit der Premiere 1983 statt.

M-V in London dabei?!

Aus M-V-Sicht haben nur zwei Athletinnen reale Teilnahme-Chancen: die Diskuswerferin Claudine Vita vom SC Neubrandenburg und die Stabhochspringerin Martina Strutz, die f├╝r den Hagenower SV startet. Allerdings verletzte sich Martina zum Saison-Auftakt, ob sie rechtzeitig zu den WM bzw. vor allem zu den WM-Qualifikationswettk├Ąmpfen wieder top-fit sein wird, ist derzeit noch fraglich. Es w├Ąre jedenfalls enorm schade, sollte nur eine Athletin oder sogar ├╝berhaupt keine Leichtathletin bzw. kein Leichtathlet aus M-V in London dabei sein…

Blick ins „leichtathletische Gestern“

Das war schon einmal ganz anders, aber heutige Verh├Ąltnisse lassen sich kaum mit der Vergangenheit vergleichen. Die sportliche F├Ârderung und Auslese ist eine andere, die Bedeutung von olympischen Kernsportartarten hat sich gewandelt und auch der Stellenwert des Hochleistungssportes in der Gesellschaft ver├Ąnderte sich gravierend.

Sicht auf das „sportive Heute“

Sport, speziell der Hochleistungssport, ist aktuell ein gewaltiger Wirtschaftsfaktor. Dabei gilt das Haupt-Interesse der wirtschaftlichen und politischen Sponsoren eher dem Profi-Herren-Fu├čball, dem Profi-Boxen, der Formel 1, dem Profi-Segeln a la „America`s Cup“, ┬ádem Profi-Golf oder den „neuen“ Fun-Sportarten, die von interessierter Seite (Stichwort „Getr├Ąnkemittel-Hersteller“!) „erfunden“ wurden bzw. protegiert werden.

Das mag der „gemeine Sportfan“ beklagen, ├Ąndert aber nichts an den Tatsachen. Letztendlich bleibt nur der Einsatz, der Zuspruch und die Teilhabe an den anderen (aufrichtigen) Sportarten – mit entsprechender Tradition. Dazu geh├Ârt die Leichtathletik wie das Ringen, der Schwimmsport wie das Turnen, der Amateur-Boxsport wie das Fechten oder der Moderne F├╝nfkampf wie das Gewichtheben.

Nun hoffen jedoch erst einmal die Leichtathletik-Fans in M-V auf erfolgreiche Leichtathletik-WM in London, insbesondere aus deutschem Blickwinkel.

M-V und die Leichtathletik-WM

F├╝r Mecklenburg und Vorpommern gab es indes zwischen 1983 und 2015 einige weltmeisterliche Leichtathletik-Medaillen – insgesamt 48, darunter 19 x Gold, 8 x Silber, 21 x Bronze.

F├╝r die ersten Leichtathletik-WM-Titel f├╝r M-V sorgte 1983 in Helsinki die geb├╝rtige Wismarerin Marita Koch (SC Empor Rostock), die seinerzeit die 200 Meter und die Staffeln mit der DDR-Mannschaft ├╝ber 4 x 100 Meter bzw. 4 x 400 Meter gewann. Die erste Leichtathletik-WM-Medaille f├╝r die M├Ąnner im Nordosten holte hingegen Hansj├Ârg Kunze ebenfalls vom SC Empor Rostock ├╝ber die 10000 Meter.

Erfolgreiche WM in Rom

Die erfolgreichsten Leichtathletik-WM f├╝r M-V waren die Titelk├Ąmpfe 1987 in Rom mit 6 x Gold, 3 x Silber, 4 x Bronze. Die Siege gingen damals auf die „sportlichen Konten“ von J├╝rgen Schult (SC Traktor Schwerin/Diskuswerfen), Torsten Voss (SC Traktor Schwerin/Zehnkampf), Silke Gladisch (100 Meter, 200 Meter), Sigrun Wodars (SC Neubrandenburg/800 Meter) und Kirsten Emmelmann (geb├╝rtige Warnem├╝nderin/4 x 400 Meter).

Katrin Krabbe mit Doppel-Gold 1991

Die „Grace Kelly“ der Leichtathletik sorgte dann 1991 f├╝r goldene Momente: Katrin Krabbe vom SC Neubrandenburg in Tokyo war vor 24 Jahren die Beste ├╝ber die 100 Meter sowie 200 Meter – eine ungemein kompakte Sprinterin, mit viel sportlichem Talent und einer sportiven Physis gesegnet…

Auch „ohne alle Mittelchen dieser Welt“ h├Ątte sie ihren Weg auf den Kurzstrecken gemacht. Einige, die damals Kritik ├╝bten, m├╝├čten sich heute mehr als nur sch├Ąmen. … Wei├č man doch inzwischen ├╝ber die intensive sowie fl├Ąchendeckende Einnahme leistungsf├Ârdernder Substanzen in Westdeutschland, den USA, in den Karibik-Staaten, Australien oder Westeuropa ┬áeine ganze Menge. Tja, w├Ąren nur nicht die widerlichen Pharis├Ąer neben und auf den globalen Tartan-Bahnen!

Astrid und Franka mit jeweils dreimal Gold

Mehr als eine „goldene Kugel“ hatte dann Astrid Kumbernuss „im Gep├Ąck“. Bei den WM 1995 in G├Âteborg, den WM 1997 in Athen und 1999 in Sevilla war Astrid im Kugelsto├čen stets die Nummer eins. Bei den WM 1997 kam auch die geb├╝rtige R├Âbelerin Grit Breuer auch zu Gold – mit der deutschen 4 x 400 Meter Staffel.

Drei WM-Titel mit dem Diskus schaffte folgend Franka Dietzsch (SC Neubrandenburg): 1999 in Sevilla, 2005 in Helsinki und 2007 in Osaka. Bei den Heim-WM 2009 in Berlin sorgte die geb├╝rtige R├╝ganerin Steffi Nerius im Speerwerfen f├╝r den letzten WM-Titel aus M-V-Blickwinkel.

Tja, vielleicht gelingt ja Claudine Vita, wie hoffentlich auch Martina Strutz, 2017 zumindest die WM-Teilnahme?!

Wichtig werden nicht zuletzt die Resultate bei den Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften in Erfurt vom 8.Juli bis 9.Juli sein.

Wichtige sportliche Standortbestimmung: Die Team-EM in Lille

Zuvor geht es aber f├╝r die deutschen Leichtathletinnen und Leichtathleten zu den Team-Europameisterschaften (Super Liga) vom 23.Juni bis 25.Juni in Lille.

Zwischen 2009 und 2015 wurden die Team-EM in der Leichtathletik sechsmal ausgetragen, wobei Russland viermal (2010, 2011, 2013 bzw. 2015) und Deutschland zweimal (2009 und 2014) erfolgreich waren. Dabei gibt es nur noch eine Gesamt-Wertung, die sowohl die Ergebnisse bei den Frauen als auch bei den Herren ber├╝cksichtigt.

Der ehemalige Leichtathletik-Europacup im R├╝ckblick

Das war beim Vorg├Ąnger-Wettbewerb, dem Europacup in der Leichtathletik von 1965 bis 2008 einmal anders. Dieser wurde bei den Herren und bei den Frauen getrennt vergeben.

Beim Leichtathletik-Europacup f├╝r die Frauen triumphierten die Sowjetunion/Russland siebzehnmal bzw. die DDR/das vereinte Deutschland zw├Âlfmal. Im Herren-Bereich lauteten die Europacup-Sieger DDR/vereintes Deutschland (zw├Âlfmal), Sowjetunion/Russland (siebenmal), Gro├čbritannien (sechsmal), Frankreich (dreimal) und Polen (einmal).

M-V und der Europacup bzw. die Team-EM

Aus M-V-Blickwinkel gab es im Leichtathletik-Europacup und bei den Team-EM (Einzel-Disziplinen) einige H├Âhepunkte. So gelangen bei den Herren unter anderem dem geb├╝rtigen Trantower J├Ârg Drehmel (1970, Dreisprung), Hansj├Ârg Kunze (SC Empor Rostock, 1979, 5000 Meter), J├╝rgen Schult (SC Traktor Schwerin, Schweriner SC, 1983, 1989 bzw. 1999, Diskuswerfen), Mark Frank (1.LAV Rostock, 2005 und 2009, Speerwerfen) und dem geb├╝rtigen Neubrandenburger Silvio Schirrmeister (2013, 400 Meter H├╝rden) erste R├Ąnge.

M-V-Frauen sehr erfolgreich

Noch erfolgreicher waren die leichtathletischen Frauen aus M-V. In den Lauf-Wettbewerben des Leichtathletik-Europacups setzten sich beispielsweise Katrin Krabbe (SC Neubrandenburg, 100 Meter, 1989), Marita Koch (SC Empor Rostock, 1985, 200 Meter / 1977, 1979 bzw. 1981, 400 Meter), Silke Gladisch (SC Empor Rostock, 1987 und 1989, 200 Meter), die geb├╝rtige R├Âbelerin und fr├╝here SCN-Athletin Grit Breuer (1989, 1996, 1997 bzw. 2001, 400 Meter), die geb├╝rtige Neubrandenburgerin Cornelia Oschkenat (1987 und 1989, 100 Meter H├╝rden) und die geb├╝rtige Demminerin Ellen Fiedler (1981 und 1983, 400 Meter H├╝rden) durch.

In den technischen Disziplinen triumphierten f├╝r Mecklenburg und Vorpommern im Leichtathletik-Europacup und bei den Leichtathletik-Team-EM u.a. die Diskuswerferin bzw. geb├╝rtige Greifswalderin Karin Illgen (1967 und 1970), die Speerwerferin Ruth Fuchs (1970, 1973, 1975 bzw. 1977), die in den 1960er Jahren die Kinder- und Jugendsportschule in G├╝strow absolvierte, die Kugelsto├čerin und geb├╝rtige Demminerin Ilona Slupianek (1979 und 1981), die geb├╝rtige R├╝ganerin Diana Gansky (1987, Diskuswerfen), die geb├╝rtige Sanitzerin und ehemalige SC Empor Rostock-Athletin Helga Radtke (1994, Dreisprung), Astrid Kumbernuss (SC Neubrandenburg, 1994, 1995, 1996, 1997, 2000 bzw. 2003, Kugelsto├čen). Heike Balck (Schweriner SC, 1997, Hochsprung) und die geb├╝rtige R├╝ganerin Steffi Nerius (1995, 2003 bzw. 2005, Speerwerfen).

Mit dem Speer beim Europacup erfolgreich war zudem die fr├╝here SSC-Sportlerin Tanja Damaske (1998 und 1999). Europacup-Triumphe feierten ebenfalls Petra Lammert (SC Neubrandenburg, 2006, Kugelsto├čen) und Franka Dietzsch (SC Neubrandenburg, 2001, 2005, 2006 bzw. 2007, Diskuswerfen).

Aktuell steht nun aber die Team-EM 2017 in Lille im Fokus (aktuelle Ergebnisse dazu unter „leichtathletik.de“).

Marko Michels

Statistisches: Die Leichtathletik-WM-Medaillen f├╝r Athletinnen und Athleten mit Geburtsort oder Vereinen in Mecklenburg-Vorpommern zwischen 1983 und 2015 im ├ťberblick

1983 in Helsinki

10000 Meter: 3.Hansj├Ârg Kunze (SC Empor Rostock), 100 Meter: 2.Marita Koch (SC Empor Rostock), 200 Meter: 1.Marita Koch (SC Empor Rostock), 400 Meter H├╝rden: 3.Ellen Fiedler (geb├╝rtige Demminerin), 4 x 100 Meter: 1.Silke M├Âller, Marita Koch (beide SC Empor Rostock), 4 x 400 Meter: 1.Marita Koch (SC Empor Rostock), Kugelsto├čen: 3.Ilona Slupianek (geb├╝rtige Demminerin), Siebenkampf: 3.Anke Vater (SC Neubrandenburg)

1987 in Rom

10000 Meter: 3.Hansj├Ârg Kunze (SC Empor Rostock), Diskuswerfen: 1.J├╝rgen Schult (SC Traktor Schwerin), Zehnkampf: 1.Torsten Voss (SC Traktor Schwerin), 100 Meter und 200 Meter: jeweils 1.Silke Gladisch (SC Empor Rostock), 400 Meter: 3.Kirsten Emmelmann (geb├╝rtige Warnem├╝nderin), 800 Meter: 1.Sigrun Wodars (SC Neubrandenburg), 2.Christine Wachtel (SC Neubrandenburg), 100 Meter H├╝rden: 3.Cornelia Oschkenat (geb├╝rtige Neubrandenburgerin), 4 x 100 Meter: 2.Silke Gladisch, SC Empor Rostock, und Cornelia Oschkenat, geb├╝rtige Neubrandenburgerin, 4 x 400 Meter: 1.Kirsten Emmelmann (geb├╝rtige Warnem├╝nderin), Kugelsto├čen: 3.Ines M├╝ller (SC Empor Rostock), Diskus: 2.Diana Gansky (geb├╝rtige R├╝ganerin)

1991 in Tokyo

Zehnkampf: 3.Christian Schenk (geb├╝rtiger Rostocker, bis 1990 SC Empor Rostock), 100 Meter und 200 Meter: jeweils 1.Katrin Krabbe (SC Neubrandenburg), 400 Meter: 2.Grit Breuer (SC Neubrandenburg), 4 x 100 Meter: 3.Grit Breuer und Katrin Krabbe (beide SC Neubrandenburg), 4 x 400 Meter: 3.Katrin Krabbe, Grit Breuer und Christine Wachtel (alle SC Neubrandenburg)

1993 in Stuttgart

Diskuswerfen: 3.J├╝rgen Schult (Schweriner SC)

1995 in G├Âteborg

Kugelsto├čen: 1.Astrid Kumbernuss (SC Neubrandenburg)

1997 in Athen

Diskuswerfen: 3.J├╝rgen Schult (Schweriner SC), Kugelsto├čen: 1.Astrid Kumbernuss (SC Neubrandenburg), 4 x 400 Meter: 1.Grit Breuer (geb├╝rtige R├Âbelerin), Speerwerfen: 1.Tanja Damaske (zeitweise Mitglied des Schweriner SC)

1999 in Sevilla

Diskuswerfen: 2.J├╝rgen Schult (Schweriner SC), 4 x 400 Meter: 3.Grit Breuer (geb├╝rtige R├Âbelerin), Kugelsto├čen: 1.Astrid Kumbernuss (SC Neubrandenburg), Diskuswerfen: 1.Franka Dietzsch (SC Neubrandenburg), 200 Meter: 3.Andrea Philipp (geb├╝rtige B├╝tzowerin)

2001 in Edmonton

4 x 400 Meter: 2.Grit Breuer (geb├╝rtige R├Âbelerin)

2003 in Paris

Speerwerfen: 3.Steffi Nerius (geb├╝rtige R├╝ganerin)

2005 in Helsinki

Kugelsto├čen: 3.Ralf Bartels (SC Neubrandenburg), Diskuswerfen: 1.Franka Dietzsch (SC Neubrandenburg), Speerwerfen: 3.Steffi Nerius (geb├╝rtige R├╝ganerin)

2007 in Osaka

Diskuswerfen: 1.Franka Dietzsch (SC Neubrandenburg), Speerwerfen: 3.Steffi Nerius (geb├╝rtige R├╝ganerin)

2009 in Berlin

Kugelsto├čen: 3.Ralf Bartels (SC Neubrandenburg), Speewerfen: 1.Steffi Nerius (geb├╝rtige R├╝ganerin)

2011 in Daegu

Stabhochspringen: 2.Martina Strutz (Schweriner SC)

Marko Michels

Foto (Michels): Blick auf die Tartanbahn im traditionsreichen Stadion am Lambrechtsgrund in Schwerin.

 

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