Lieber „World Games“ und Universiaden als Olympia?!

Spiele-Zeit im Weltsport

In den Sommer-Monaten 2017 gibt es erst einmal zwei sympathische Spiele, die noch bodenstĂ€ndig, gemĂŒtlich, ja richtig angenehm sein werden: einerseits die 10.“World Games“, die Weltspiele in den nichtolympischen Sportarten, vom 20.Juli bis 30.Juli in Wroclaw, andererseits die 29.Sommer-Universiade, die Weltspiele in Studentensport, vom 19.August bis 30.August in Taipei.

Aber in sieben Monaten warten bereits die 23.Olympischen Winterspiele (plus 12.Winter-Paralympics) in Pyeongchang. Es drohen wieder sterile, kĂŒnstliche und teure Spiele, die eigentlich keiner mag, die keiner sympathisch findet und bereits im Vorfeld keine Begeisterung entfachen. Bestenfalls bei einigen SportfunktionĂ€ren, Sportpolitikern, Sponsoren (Ein neuer Wintersport-Markt wird ja erschlossen!) und einigen ignoranten Sporttreibenden.

Noch rund 200 Tage wird es dauern, bis das olympische Feuer ĂŒber Pyeongchang leuchten wird. Und irgendwie ist die Vorfreude darauf nicht besonders groß, zumal die koreanische Halbinsel fĂŒr politische Konfrontation, fĂŒr militĂ€risches WettrĂŒsten und fĂŒr Eskalation steht. Traurig, dass es Nord- und SĂŒdkorea nicht schafften, eine friedliche Koexistenz herbeizufĂŒhren, dass es einem Volk nicht gelingt, politische Differenzen beizulegen und dass es wahrscheinlich kein gemeinsames koreanisches Team geben wird – falls Nordkorea an den Spielen ĂŒberhaupt teilnehmen sollte.

Ob Olympia eine mĂ€chtige StĂŒtze des Friedens sein kann, was es in den Augen des BegrĂŒnders der Spiele der Neuzeit, Baron Pierre de Coubertin sein sollte, ist eher zweifelhaft.

Aber ein aufrichtiges Miteinander der Sportlerinnen und Sportler inmitten der gastfreundlichen Koreanerinnen bzw. Koreaner – das wĂ€re doch schon etwas! Nur bitte keine Spiele der Politik, der FunktionĂ€re und der Sponsoren.

Rio 2016 und davor Sotschi 2014, Peking 2008, Turin 2006, Athen 2004, Nagano 1998 oder Atlanta 1996 reichten und reichen! Im negativen Sinne…

Was möglich sein kann, bewiesen Lillehammer 1994, Sydney 2000, Vancouver 2010 und mit Abstrichen London 2012!

Olympia auf dem amerikanischen Doppel-Kontinent

Rio 2016 ist gerade einmal elf Monate her. Es waren die siebenten „Sommerspiele“ auf dem amerikanischen Doppel-Kontinent und wieder einmal ĂŒberzeugten sie nicht…

Tja, Olympia auf dem amerikanischen Doppel-Kontinent. Das ging oft nach hinten los. Bereits 1904 in Saint Louis war das Gebotene nicht gerade „das Gelbe vom Ei“. Die Spiele waren seinerzeit in die Weltausstellung integriert und zogen sich von Juli 1904 bis November 1904 hin. Von 651 olympisch Sporttreibenden stammten 543 aus den USA und gerade einmal 17 aus Deutschland. Dank der Berliner Schwimmer Emil Rausch, Walter Brack und Georg Zacharias gab es aus deutscher Sicht immerhin 4 x Gold.

Die nĂ€chsten Spiele auf dem amerikanischen Doppel-Kontinent, 1932 in Los Angeles, waren da schon deutlich attraktiver und auch Mecklenburg spielte mit:  Der gebĂŒrtige Schweriner Alfred Meyer (1882-1956) nahm 1932 bei den Olympischen Spielen in Los Angeles an den „Kunstwettbewerben“ in der Rubrik „Literatur“ teil. Er gewann damals zwar nicht, dafĂŒr aber der Bergsteiger und Schriftsteller Paul Bauer (1896-1990) aus der Nordpfalz fĂŒr sein Buch „Am Kangehenzonga – Kampf um den Himalaya“ (1931).

Der gebĂŒrtige Rostocker Willi Remer wurde 1932 zudem aus M-V-Sicht FĂŒnfter im Modernen FĂŒnfkampf.

Dann kam Mexico-City 1968 (Siehe folgende Abschnitte!), die Boykott-Spiele 1976 in Montreal (Afrika-Boykott), die Boykott-Spiele 1984 in Los Angeles (Boykott des Ostblocks) und die „Coca-Cola-Spiele“ 1996 in Atlanta, die von einem Attentat ĂŒberschattet wurden. Zudem sollten die Spiele 1996 – einhundert Jahre nach den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit 1896 in Athen – wieder in der griechischen Hauptstadt ausgetragen werden. Das IOC hatte jedoch anderweitige wirtschaftliche Interessen.

Und Rio 2016?! Rio steht, wie die meisten  Austragungsorte zuvor, fĂŒr Korruption, Missmanagement, Umweltfrevel, Bau-SĂŒnden, mangelnde Nachhaltigkeit der Sportanlagen, horrende Kosten und auch funktionĂ€rspolitische Arroganz. Gezeigt wurde ein „Olympisches Dorf“, das aber nur ein „Potemkinsches Dorf“ war – die extreme Armut in Brasilien, der wirtschaftliche Niedergang und die extreme KriminalitĂ€t wurden nur am Rande behandelt. Olympia sollte medial ja wie ein „Samba-Tanz zum Karneval“ daherkommen. Es war aber ein „Tanz um das goldene (olympische) Kalb“!

Vor fast fĂŒnfzig Jahren: Mexiko und die Olympischen Spiele 1968

In Mexico-City 1968 lebte hingegen die olympische Idee jedoch wirklich – im Gegensatz zu 1904, 1976, 1984 oder 1996. Aber nur dank der „einfachen Menschen“ vor Ort! Organisatorische und finanzielle Probleme gab es auch, aber noch in einem anderen Rahmen…

Mehr als 4700 Sportler und fast 800 Sportlerinnen aus 112 LĂ€ndern nahmen an den „Höhen-Spielen“ in Mexico-City teil, die relativ spĂ€t, erst im Oktober 1968, stattfanden.

Was war anders, was war neu in Mexico-City 1968?!

Dank der Höhenluft, elektronischer Zeiten-Messung und einer Kunststoff-Bahn (Tartanbahn) in der Leichtathletik wurden zahlreiche Weltrekorde aufgestellt. Die Rekord-Bilanz in Mexico-City ist dabei im RĂŒckblick schon sehr erstaunlich: 32 Weltrekorde und 83 olympische Rekorde. Die meisten Rekorde konnten in der Leichtathletik verzeichnet werden (14 Welt- bzw. 27 olympische Rekorde), gefolgt vom Gewichtheben (7 Welt- bzw. 22 olympische Rekorde), Schwimmen (6 Welt- bzw. 23 olympische Rekorde), Bahn-Radsport (3 Welt- bzw. 5 olympische Rekorde) und Sportschießen (2 Welt- bzw. 6 olympische Rekorde).

Nicht nur am Rande bemerkt: Seit Mexico-City 1968 gibt es die „obligatorischen Doping-Tests“… Wie wir heute wissen, nahmen nicht wenige der damaligen Medaillen-Gewinnerinnen und -Gewinner aus Ost und West „Hilfsmittel“. Die QualitĂ€t und QuantitĂ€t der Tests „hielt“ schon damals mit der (Doping-)RealitĂ€t  „nicht Schritt“.

Schon damals Proteste…

Und es gab auch einige Proteste gegen die Spiele bei den Mexikanerinnen und Mexikanern. Die Studenten- als auch die Frauenbewegung machten gegen die Spiele mobil. Trotz der massiven wirtschaftlichen Probleme wurden exorbitante Summen fĂŒr den Bau der Sportanlagen seitens der mexikanischen Regierung bereit gestellt… Die Maxime war der Proteste war dabei: Spiele ja, aber nicht solche. Das IOC reagierte störrisch auf die Proteste im Vorfeld, wollte sogar die Spiele nach L.A. verlegen!

Leider muß man resĂŒmieren, dass es seitdem nicht besser wurde – im Gegenteil. Die Austragung Olympischer Spiele verschlingt astronomische Summen. Wozu eigentlich? Und: FĂŒr wen?!

Trotz allem: Glanzvolle Siegerinnen und Sieger 1968

Trotz aller Widrigkeiten gab es in Mexico-City herausragende sportliche Leistungen: Die Turn-Königin von Mexico-City, ja die erfolgreichste Olympionikin vor fast 50 Jahren war die Pragerin Vera Caslavska, mit 4 x Gold, 2 x Silber. Da sie den „Prager FrĂŒhling“ 1968, die Demokratie-Bewegung in der damaligen Tschechoslowakei unterstĂŒtzte, durfte sie – auf Geheiß der stalinistischen Staats- und ParteifĂŒhrung – ihre sportliche Karriere nicht fortsetzen…

FĂŒr eine innovative Erfindung im Hochsprung sorgte der Amerikaner Dick Fosbury. Erst lachte man ĂŒber seine neue Technik, nach seinem Olympiasieg mit 2,24 Meter machten es ihm dann allerdings fast alle nach!

Der Sprung (fast) ins nÀchste Jahrhundert

FĂŒr den spektakulĂ€rsten Sprung („Sprung ins 21.Jahrhundert“) 1968 sorgte der Amerikaner Bob Beamon im Weitsprung. Mit 8,90 Meter verbesserte Beamon den damaligen bestehenden Weltrekord seines Landsmanns Ralph Boston aus dem Jahr 1965 (8,35 Meter) gleich um 55 Zentimeter. Erst 1991 verbesserte Mike Powell (USA) bei den WM 1991 in Tokyo den Beamon-Rekord um 5 Zentimeter auf 8,95 Meter. Dennoch: Nach wie vor sind die 8,90 Meter olympischer Rekord.

Ein Amerikaner schrieb hingegen in Mexico-Cita ebenfalls Geschichte – im Diskuswerfen. Nach 1956, 1960 und 1964 erkĂ€mpfte Al Oerter 1968 zum vierten Mal den Olympiasieg im Diskuswerfen. Der Westblock-Boykott verhinderte 1980 sein olympisches Comeback in Moskau. Vor 36 Jahren hatte Al Oerter noch reale Gold-Chancen! Ja, wenn sich die Politik, ob in Ost oder West, in den Sport einmischte und einmischt…

Ein Protest war 1968 dennoch sympathisch – jener von Tommie Smith (Gold) und John Carlos (Bronze) bei der Siegerehrung ĂŒber 200 Meter! Beide demonstrierten mit erhobenen FĂ€usten: Nicht wie angenommen allein gegen die damalige eklatante Rassendiskriminierung in den USA, sondern – wie Tommie Smith in seiner Biographie Ă€ußerte – ein Gruß fĂŒr die allgemeinen Menschenrechte auf der Welt! Das IOC reagierte wie auch heute bei derlei Aktionen – mit Borniertheit!

Im Gewichtheben avancierte dagegen der Ukrainer Leonid Shabotinski mit bewĂ€ltigten 572,5 Kilogramm (Schwergewicht) im damaligen olympischen Dreikampf zum stĂ€rksten Mann der Spiele – vor dem Belgier Serge Reding und dem Amerikaner Joseph Dube.

Im Ringen wurde Japan mit 4 x Gold, 1 x Silber die erfolgreichste Nation im Medaillenspiegel dieser Sportart – dank der Siege im Freistil-Ringen durch Shigeo Nakata (-52 Kilogramm), Yojiro Uetaka (-57 Kilogramm), Masaaki Kaneko (-63 Kilogramm) und im griechisch-römischen Ringen durch Munji Munemura (-70 Kilogramm).

Starke UdSSR-Staffel und Schwergewichts-Gold fĂŒr George Foreman

Die erfolgreichste Box-Staffel 1968 war jene der Sowjetunion mit 3 x Gold, 2 x Silber, 1 x Bronze, wobei Boris Lagutin das Halbmittelgewicht gewann. FĂŒr die USA gab es 2 x Gold – unter anderem durch George Foreman im Schwergewicht – 1 x Silber, 4 x Bronze und fĂŒr Gastgeber Mexiko 2 x Gold – unter anderem fĂŒr Ricardo Delgado im Fliegengewicht – 2 x Bronze.

Im Reitsport errang Deutschland-West (Josef Neckermann, Reiner Klimke, Liselott Linsenhoff) vor der Sowjetunion, der Schweiz und Deutschland-Ost Dressur-Gold. Im Radsport erkĂ€mpfte Frankreich 4 x Gold, 1 x Bronze – nicht zuletzt dank des Ausnahme-Duos Pierre Trentin und Daniel Morelon.

Im Herren-Turnen schaffte Japan 6 x Gold, 2 x Silber, 4 x Bronze mit Ausnahme-Turnern wie Sawao Kato, Akinori Nakayama oder Mitsuo Tsukahara. Bei den Frauen ver- und bezauberte – wie erwĂ€hnt – Vera Caslavska Zuschauer, Fans und Preisrichter.

Im Schwimmen scheffelten die Amerikanerinnen und Amerikaner 21 x Gold, 15 x Silber, 16 x Bronze. Charles Hickcox (3 x Gold, 1 x Silber) und Deborah Meyer (3 x Gold) waren dabei die Erfolgreichsten. Roland Matthes (SC Turbine Erfurt) gewann jedoch beide RĂŒcken-Entscheidungen.

Gold fĂŒr Ungarn im Fußball

In den angebotenen Ballsportarten 1968 setzten sich die Sowjetunion (Frauen-Volleyball, Herren-Volleyball), die USA (Herren-Basketball), Ungarn (Herren-Fußball), Pakistan (Feldhockey) und Jugoslawien (Wasserball) durch.

Zudem wurden Tennis und baskisches Pelota olympisch demonstriert. Die erfolgreichste Tennisspielerin war dabei Helga Masthoff aus Essen, die im Frauen-Einzel bzw.  im Frauen-Doppel (mit Edda Buding) jeweils Gold und im Mixed-Wettbewerb (mit JĂŒrgen Faßbender) Silber holte. In den fĂŒnf Wettbewerben im baskischen Pelota gingen die Medaillen nach Spanien, darunter 2 x Gold, Mexiko, darunter 2 x Gold, Frankreich, darunter 1 x Gold, Argentinien und Uruguay.

Afrika mit 16 Medaillen

Afrika errang 1968 beachtliche 16 Medaillen (Kenia 3 x Gold, 4 x Silber, 2 x Bronze; Äthiopien 1 x Gold, 1 x Silber; Tunesien 1 x Gold, 1 x Bronze; Uganda 1 x Silber, 1 x Bronze und Kamerun 1 x Silber). Die Olympiasiege fĂŒr „den schwarzen Kontinent“ erkĂ€mpften vor fast 50 Jahren ĂŒber 1500 Meter Kipchoge Keino, ĂŒber 10000 Meter Naftali Temu, ĂŒber 3000 Meter Hindernis Amos Biwott (alle Kenia), ĂŒber 5000 Meter Mohamed Gammoudi (Tunesien) und im Marathon-Lauf Mamo Wolde (Äthiopien).

Eine der grĂ¶ĂŸten Überraschungen der Spiele 1968 war zudem der Erfolg der anmutigen Französin Colette Besson ĂŒber 400 Meter.

Ja, es gab im olympischen Sport 1968 wahrlich schöne Momente.

Olympia 1968 und die Mecklenburger bzw. Vorpommern

Und: Das Schöne am „Ganzen“?! Auch M-V war quantitativ (und qualitativ) bestens dabei.

Zwei Rostocker im Ringen „vergoldet“

In der Traditionssportart Ringen waren ein M-V-Quintett vor Ort. Rudolf Vesper sowie Lothar Metz (beide ASK VorwĂ€rts Rostock) gelang vor fast 50 Jahren jeweils Olympia-Gold: Rudolf Vesper im Weltergewicht (griechisch-römischer Stil) und Lothar Metz im Mittelgewicht (griechisch-römischer Stil). Der gebĂŒrtige Demminer Klaus-JĂŒrgen Pohl (SG Dynamo Luckenwalde) startete im Leichtgewicht (griechisch-römischer Stil).

Auch im Freistil-Ringen war M-V vertreten, so durch JĂŒrgen Luczak (ASK VorwĂ€rts Rostock) im Federgewicht und den gebĂŒrtigen Tessiner Peter Döring (SG Dynamo Luckenwalde) im Mittelgewicht (Sechster).

Olympisches Rudern 1968 mit Rostockern

Im Rudern „mischten“ Rostocker 1968 ebenfalls mit. Zwar nur „Ersatz“, aber auch nominiert waren Manfred Wiesner (ASK VorwĂ€rts Rostock, Zweier ohne) und Bernd Meerbach (ASK VorwĂ€rts Rostock, Vierer mit). Mit dem DDR-Achter belegten GĂŒnter Bergau (ASK VorwĂ€rts Rostock), Peter Gorny (ASK VorwĂ€rts Rostock), der gebĂŒrtige Anklamer Peter Hein (TSC Berlin), der gebĂŒrtige Schweriner Manfred Schneider (SC Dynamo Berlin) und Karl-Heinz Danielowski (ASK VorwĂ€rts Rostock) den siebenten Rang.

Der westdeutsche Achter, unter anderem mit dem heute berĂŒhmten „Wetter-Weisen“ Gunther Tiersch, wurde damals Olympiasieger. Indes: Manfred Schneider erkĂ€mpfte dann mit dem DDR-Achter 1972 Olympia-Bronze und Karl-Heinz Danielowski jubelte 1976 mit dem DDR-Achter sogar ĂŒber Gold.

Zwei Schweriner im Box-Ring

In der „Schweriner Sportart Nummer eins“, dem Boxen, waren 1968 zwei FaustkĂ€mpfer des SC Traktor Schwerin im olympischen Box-Ring aktiv: JĂŒrgen Schlegel, EM-Dritter 1967 im Schwergewicht sowie EM-Dritter 1969 im Halbschwergewicht, erreichte im Halbschwergewicht das Viertelfinale und wurde FĂŒnfter. Bernd Juterzenka wurde hingegen Siebzehnter im Bantamgewicht. Vier Jahre spĂ€ter, 1976 in Montreal, schaffte Jochen Bachfeld (SC Traktor Schwerin) das erste olympische Box-Gold (Weltergewicht) fĂŒr M-V.

Zwei vierte PlĂ€tze im Fechten fĂŒr M-V

Knapp verpassten ein Mecklenburger und ein Vorpommer auf der olympischen Planche 1968 eine Medaille. Bernd Uhlig, geboren in Wiek auf RĂŒgen und fĂŒr die SG Dynamo Eisenach startend, belegte mit dem Degen-Team der DDR Rang fĂŒnf und Franz Rompza, geboren in Seehof bei Schwerin und Mitglied des TSB Heidenheim an der Brenz, kam mit dem westdeutschen Degen-Team sogar auf Platz vier.

M-V-Trio in der Leichtathletik

In der olympischen Kernsportart Leichtathletik konnte 1968 ein Trio aus M-V starten. So qualifizierte sich Barbara Wieck vom SC Empor Rostock fĂŒr den 800 Meter Lauf und Renate Garisch-Culmberger, verheiratete Boy, ebenfalls SC Empor Rostock,  das Finale im Kugelstoßen. Dort wurde die Olympia-Zweite von 1964 am Ende FĂŒnfte.

Die gebĂŒrtige Greifswalderin Karin Illgen (SC DHfK Leipzig) schaffte Diskuswerfen einen zehnten Platz.  Nach Olympia 1968 wurde Karin Illgen EM-Dritte 1969, Universiade-Siegerin 1970 und Europacupsiegerin 1970 (wie bereits 1967). Seit 1991 nimmt Karin Illgen wieder an internationalen Meisterschaften teil – im Senioren-Bereich. Dort ist sie ebenfalls Ă€ußerst erfolgreich.

Im Kanu-Rennsport erreichte ein Athlet vom SC Empor Rostock 1968 zudem eine vordere Platzierung: Klaus-Uwe Will wurde mit dem DDR-Vierer-Kajak ĂŒber die 1000 Meter Sechster.

Zwei Reiter aus M-V im Dressur-Viereck 1968

Und auch „hoch zu Ross“ prĂ€sentierte sich M-V vor knapp fĂŒnf Jahrzehnten hervorragend. Horst Köhler, in Röbel geboren und fĂŒr den ASK VorwĂ€rts Potsdam startend, belegte in der Dressur die RĂ€nge vier (mit der DDR-Mannschaft) und fĂŒnf (Einzel). Sein Dressur-Team-Kollege Gerhard Brockmöller, geboren in Darchau (ehemaliger Landkreis Hagenow) und auch fĂŒr den ASK VorwĂ€rts Potsdam startend, wurde in der Dressur-Einzelwertung Zwölfter.

Sehr aktiv: Rostockerinnen und Rostocker im olympischen Schwimmbecken 1968

Im Schwimm-Becken setzten Athletinnen und Athleten aus Rostock sportliche Akzente. So nahmen Sigrid Gorasch (SC Empor Rostock, 800 Meter Freistil), Doris Kohardt (SC Empor Rostock, 200 Meter RĂŒcken) und die gebĂŒrtige Rostockerin Christine StrĂŒbing (100 Meter Schmetterling und 200 Meter Schmetterling) , in Diensten des SC DHfK Leipzig, aktiv am sportiven Geschehen teil.

Bei den Herren sprangen auch vordere Platzierungen und sogar Medaillen heraus. Über 100 Meter Brust bzw. 200 Meter Brust wurde Egon Henninger (ASK VorwĂ€rts Rostock) Achter bzw. Sechster – Klaus Katzur (ASK VorwĂ€rts Rostock erreichte dort die VorlĂ€ufe, was Frank Wiegand (ASK VorwĂ€rts Rostock) ĂŒber 200 Meter Lagen auch schaffte. Über 4 x 100 Meter Freistil wurden Udo Poser und Frank Wiegand (beide ASK VorwĂ€rts Rostock) mit der DDR-Staffel FĂŒnfte und im 4 x 200 Meter Freistil-Wettkampf kamen Alfred MĂŒller bzw. Frank Wiegand (beide ASK VorwĂ€rts Rostock) mit dem DDR-Team auf den siebenten Rang. Über Silber mit der DDR-Staffel ĂŒber 4 x 100 Meter Lagen jubelten dann Frank Wiegand und Egon Henninger.

Bronzener Drachen aus Rostock

Gesegelt wurde 1968 natĂŒrlich auch – vor Acapulco. Dort war ein Rostocker Extett vor Ort… JĂŒrgen Mier (ASK VorwĂ€rts Rostock) wurde im Finn-Dinghi-Wettbewerb Dreizehnter. In der „Star“-Klasse schafften Hartmann Bogumil bzw. Udo Springsklee (ASK VorwĂ€rts Rostock) Rang vierzehn. Und Bronze-Momente erlebten in der „Drachen“-Konkurrenz Paul Borowski, Karl-Heinz Thun und Konrad Weichert (alle SC Empor Rostock).

Zwischen Turnen und Wasserspringen

Im olympischen Turn-Bereich erkĂ€mpfte Marianne Noack (SC Empor Rostock) mit der DDR-Frauen-Riege im Mannschafts-Mehrkampf auch Bronze. Ersatz-Turnerin war hier Christine Schmitt (SC Empor Rostock). Christine Schmitt wurde folgend 1972 in MĂŒnchen mit der DDR-Frauen-Riege Olympia-Zweite.

Und in der Rostocker Traditionssportart Wasserspringen kam Ingrid Gulbin, die gebĂŒrtige Dresdnerin, im Kunstspringen auf Platz fĂŒnf. Diese war acht Jahre zuvor, 1960 in Rom, fĂŒr den SC Einheit Dresden zweifache Olympiasiegerin geworden – im Kunst- und im Turmspringen.

Bei den Spielen 1964 in Tokyo startete Ingrid Gulbin-Engel-KrĂ€mer fĂŒr den SC Empor Rostock und triumphierte dort im Kunstspringen und belegte Rang zwei im Turmspringen. Anmerkung am Rande: Die letzten olympischen Medaillen fĂŒr Rostocker Sportvereine erkĂ€mpften auch zwei Wasserspringerinnen – Annika Walter (WSC Rostock) mit Silber 1996 im Turmspringen und Dörte Lindner (WSC Rostock) mit Bronze 2000 im Kunstspringen (plus paralympisches Bronze fĂŒr Leichtathletin Jana Schmidt vom 1.LAV Rostock 2012 ĂŒber die 100 Meter und paralympisches Silber fĂŒr Schwimmerin Denise Grahl vom Hanse Schwimm-Verein Rostock ĂŒber 50 Meter Freistil).

Was bleibt von Mexico-City 1968?!

Was wird aber von Mexico-City 1968 in nachhaltiger Erinnerung bleiben? Die „Black-Power-Bewegung“ natĂŒrlich – als Tommie Smith(Olympiasieger) und John Carlos (Olympia-Dritter) bei der Siegerehrung ĂŒber die 200 Meter gegen die Rassen-Diskriminierung in den USA demonstrierten. Das widerwĂ€rtige Handeln der tschechoslowakischen Sportfeinde gegen die Turn-Königin von Mexico-City, Vera Caslavska. Der „Sprung ins 21.Jahrhundert“. Der „Fosbury-Flop“ im Hochsprung. Der Sensations-Sieg der Französin Colette Besson. Viele Weltrekorde und olympische  Rekorde im Schwimmen, in der Leichtathletik, im Radsport, im Schießsport  und im Gewichtheben.

Der Erfolg der Amerikaner im Medaillen-Ranking vor der Sowjetunion. Der Erfolg im innerdeutschen Duell fĂŒr die DDR (DDR 9 x Gold, Westdeutschland 5 x Gold). Und vor allem gastfreundliche Mexikanerinnen und Mexikaner.

Blick zum olympisch-paralympischen Pyeongchang 2018

Bestimmt werden die Koreanerinnen und Koreaner auch 2018 mit ihrer unnachahmlichen Gastfreundschaft, Herzlichkeit und Freundlichkeit trumpfen. Auf alles andere haben sie keinen Einfluß. Das liegt in den HĂ€nden der vermeintlich „MĂ€chtigen“ und am Ende doch „Ohn-MĂ€chtigen“ – nicht nur im sportlichen Bereich…

Marko Michels

Foto (Michels): Olympische Ringe vor dem 1936er Olympiastadion in Berlin, das inzwischen modernisiert wurde. Olympische Spiele, bereits in der Antike, waren auch stets ein politischer „Circus maximus“.

 

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