Julia Nikoleit und ihr Buch 111 Gründe, Handball zu lieben“

„Das Beste, was wir von der Geschichte haben, ist der Enthusiasmus, den sie erregt.“, meinte Deutschlands großer Dichter und Denker, Johann Wolfgang von Goethe. Das gilt erst recht für die Sportgeschichte und noch spezieller für die Geschichte des Handballsportes. Gerade die jungen Sporttalente brauchen aufrichtige Vorbilder, denen sie nacheifern können und wollen. Sie möchten oft auch mehr über ihre Sportart wissen, die sie mit Leidenschaft betreiben.

Es ist klasse, dass eine junge Handball-Expertin, der die handballsportlichen Gene bereits „in die Wiege gelegt wurden“, ihren Sport ganz attraktiv, ganz sachkundig und ganz interessant publizistisch aufarbeitetet. Noch sind es sieben Monate bis zur Heim-WM der Frauen in Deutschland (Dezember 2017) und acht Monate bis zur EM der Herren in Kroatien (Januar 2018). Da bleibt noch etwas Zeit, auf Julia Nikoleits Buch oder auch die Handball-Historie von Mecklenburg-Vorpommern einzugehen.

Ein publizistisches Denkmal für den Handball gesetzt

Eine handballsportliche Enthusiastin ist die junge Hamburgerin Julia Nikoleit (Jahrgang 1991) zweifellos. Mit viel Fleiß und Leidenschaft, mit Herz und Kompetenz schrieb sie ihr Buch „111 Gründe, Handball zu lieben. Eine Liebeserklärung an die großartigste Sportart der Welt“ (Schwarzkopf & Schwarzkopf-Verlag Berlin).  Und in der Tat: Man spürt bei der Lektüre des Buches, das sehr lebendig geschrieben ist, dass Julia Nikoleit Handball liebt. Ihre Beiträge über die großen deutschen Erfolge, so unter anderem den WM-Titel 1978, den Olympiasieg der DDR 1980 oder den gesamtdeutschen Erfolg 2007, ziehen ungemein in den Bann. Fundierte Recherchen zur Entwicklung des Handballsportes, über seine Protagonistinnen bzw. Protagonisten und über die großen Turniere machen das Buch zu einem wichtigen Nachschlagewerk.

„111 Gründe, Handball zu lieben“, ist mehr als eine Liebeserklärung. Mit ihrem Buch setzte und setzt Julia Nikoleit ein publizistisches Denkmal. Lesen lohnt sich hier wirklich – auch wenn man (noch) kein Handball-Fan ist …

Foto (J.Nikoleit/privat): Die Handball-Enthusiastin Julia Nikoleit.

Nachgefragt bei Julia Nikoleit

„Einen Tag ohne Handball gibt es kaum …“

Frage: Erst einmal herzlichen Glückwunsch zu Ihrem erfolgreichen Buch. Wer hatte die Idee zu diesem Buch? Wie lange dauerte die Arbeit an diesem?

Julia Nikoleit: Es war ein glücklicher Zufall, dass dieses Buch entstanden ist. Ein Freund von mir schreibt gerade seinen ersten Roman – und sein Agent suchte im vergangenen Frühjahr jemanden für die „111 Gründe, Handball zu lieben“. Der Freund gab meine Telefonnummer weiter und nachdem ich testweise einen Grund verfasst hatte, wurde der Vertrag aufgesetzt. Ich hatte dann rund acht Monate Zeit, die restlichen 110 Gründe zu recherchieren und zu schreiben.

Frage: Gab es im Rahmen Ihrer Recherchen überraschende Erkenntnisse für Sie?

Julia Nikoleit: Ich habe auf jeden Fall Dinge erfahren, die ich vorher noch nicht wusste. Dass eine DDR-Handballerin, die Silber und Bronze bei Olympia gewann, bereits eine weitere Olympia-Medaille in einer anderen Sportart holte, beispielsweise. Oder dass Andrei Lavrov unter vier verschiedenen Flaggen Olympia-Medaillen holte. Es war wirklich eine sehr interessant Recherche!

Frage: Wie gelangten eigentlich Sie selbst zum aktiven Handballsport? War es „Liebe auf den ersten Blick“?

Julia Nikoleit: Meine Eltern sind beide selbst Handballer – ich hatte dementsprechend gar keine andere Wahl (lacht).

Frage: Wie sieht Ihr Leben ansonsten aus? Dreht sich bei Ihnen tatsächlich alles um den Handball?

Julia Nikoleit: Einen Tag ohne Handball gibt es tatsächlich kaum – schon deshalb, da ich für das Internetportal „handball-world.com“ arbeite und mich daher seit Jahren auch beruflich mit dem Handball beschäftige. Außerdem trainiere ich eine Jugendmannschaft und viele meiner Freunde sind ebenfalls Handballer. Insofern dreht sich tatsächlich (fast) alles um den Handball.

Frage: Und … Folgt bald ein Buch zum Fußball, Basketball oder gar Wasserball?

Julia Nikoleit: Ein Fußball- oder Basketball-Buch wird von mir in nächster Zeit nicht folgen – die „111 Gründe“ gibt es zu beiden Sportarten auch bereits. Wasserball wäre in der Tat interessant…

Vielen Dank, weiterhin alles erdenklich Gute, ob mit oder ohne Handball, und maximale Erfolge! … Vielleicht gibt es ja bald ein Wasserball-Buch von und mit Julia Nikoleit!


M-V und der Handballsport

M-V und Handball. Das ist bekanntlich eine Erfolgsgeschichte.

So konnten bislang 16 Mecklenburger und Vorpommern, seit fast 60 Jahren, seit 1958 Medaillen bei Hallen-WM im Handball erkämpfen: Die ersten WM-Medaillen für M-V wurden vor fast 60 Jahren erspielt. 1958 gab es Bronze für Hans Beier, Hans-Jürgen Hinrichs, Klaus-Dieter Matz, Günter Mundt und Wolfgang Niescher, der zeitweise bei Wissenschaft Greifswald bzw. beim SC Empor Rostock spielte.

Die Hallen-Handball-WM 1958 wurde seinerzeit in der DDR ausgetragen und Schweden setzte sich vor der Tschechoslowakei, der gesamtdeutschenMannschaft und Dänemark durch.

Hans-Jürgen Hinrichs, der 1933 im mecklenburgischen Rodenwalde geboren wurde, gehörte auch zum gesamtdeutschen Aufgebot bei den WM 1961 in Westdeutschland als die gesamtdeutsche Mannschaft Vierter wurde.

Sogar für „Team U.S.A.“ stand Jürgen Hinrichs im Tor – bei den WM 1964 in der Tschechoslowakei. Allerdings kamen die US-Boys mit dem mecklenburgischen Goalie nicht über die Vorrunde hinaus, mußten Niederlagen gegen die DDR mit 9:20, gegen Jugoslawien mit 3:22 und gegen Westdeutschland mit 13:24 hinnehmen. Was aber nicht an Jürgen Hinrichs gelegen hat …

Danach folgten zahlreiche weitere Erfolge, so der Olympiasieg 1980 der DDR mit den Rostockern Frank-Michael Wahl oder Hans-Georg Jaunich und zuletzt der EM-Titel der DHB-Auswahl mit dem gebürtigen Wolgaster Johannes Sellin.

Von den Handball-Männern zu den Handball-Frauen in M-V

Mecklenburg-Vorpommern hat zudem eine große WM-Tradition im Frauen-Handball, denn der Vergangenheit hatten Mecklenburgerinnen und Vorpommerinnen schon große weltmeisterliche Erfolge feiern können. Zum DDR-Weltmeister-Team 1971 gehörte nämlich auch die gebürtige Rostockerin Hannelore Burosch (SC Empor Rostock).

Vier Jahre später gab es wieder einen Weltmeistertitel für die DDR – mit Ursula Putzier vom SC Empor Rostock, mit der gebürtigen Dresdnerin Eva Paskuy in Diensten des SC Empor Rostock, mit der gebürtigen Perlebergerin Christina Lange, verheiratete Voß, die für den SC Empor Rostock agierte, und wieder mit Hannelore Burosch. In der goldenen weltmeisterlichen DDR-Mannschaft 1978 spielten erneut Hannelore Burosch und Sabine Röther, die gebürtige Rostockerin und Empor-Spielerin.

Und die Olympia-Medaillen im Frauen-Handball (1976 Silber, 1980 Bronze jeweils für die DDR) wurden auch dank Rostock-Beteiligung errungen.

WM-Gold 1993 für DHB-Frauen

Vor 20 Jahren, 1993 in Norwegen, konnten das deutsche Team mit drei Mecklenburgerinnen das letzte WM-Frauen-Gold aus deutscher Sicht erobern.

Zur DHB-Auswahl ’93 gehörten seinerzeit die gebürtige Wismarerin Heike Axmann, geborene Dombrowski, von 1983 bis 1990 SC Empor Rostock, die gebürtige Rostockerin Andrea Bölk, geborene Stein, auch von 1983 bis 1990 SC Empor Rostock und die gebürtige Rostockerin Birgit Wagner, verheiratete Peter, bis 1990 ebenfalls beim SC Empor Rostock.

Eine Handballerin, die bis 1952 bei der Betriebssportgemeinschaft Empor Schwerin spielte, schaffte sogar den Wechsel auf das Eis: Helga Obschernitzki, verheiratete Haase, wurde 1960 bei den Olympischen Winterspielen in Squaw Valley als Mitglied des SC Dynamo Berlin Olympiasiegerin über die 500 Meter und Olympia-Zweite über die 1000 Meter im Eisschnelllaufen.

Und die erste Handball-Nationalspielerin des SC Empor Rostock war Ingrid Lemke, Jahrgang 1937, die 1957 ihr erstes Länderspiel für die DDR-Auswahl bestritt und 1960 mit der gesamtdeutschen Auswahl Dritter bei den Feldhandball-WM hinter Rumänien bzw. Österreich und vor Gastgeber Niederlande wurde.

Der aktuelle Handballsport in M-V

M-V ist also ein begeistertes und erfolgreiches Handball-Land, auch wenn (noch) aktuell mit dem HC Empor Rostock nur ein Herren-Team aus M-V in der zweiten Bundesliga vertreten ist. Und das derzeit beste Frauen-Handball-Team aus M-V, der SV Grün-Weiß Schwerin, stieg Anfang Mai von der Ostsee-Spree-Liga in die dritte Liga auf.

Text und Interview: Marko Michels

Übrigens: Die dritte Auflage von „111 Gründe, Handball zu lieben“ (mit sechs Bonusgründen) ist bereits im Druck!