„Meine beiden Olympia-Teilnahmen waren echte Highlights…“

Erfolgsgewichtheberin Julia Schwarzbach ĂŒber Vergangenes und Kommendes in der schwerathletischen Sportart…

Der Countdown zu den WelttitelkĂ€mpfen 2018 im Gewichtheben lĂ€uft. Vom 1. bis 10. November treffen sich die weltbesten Schwerathletinnen und -athleten in Ashgabat (Turkmenistan). Leider wurde die traditionsreiche Sportart in den letzten Jahren von zahlreichen Doping-Skandalen ĂŒberschattet, eine Streichung aus dem olympischen Programm stand bereits zur Debatte. Allerdings wĂ€re das ein Gau sondergleichen. War das Gewichtheben immerhin schon Sportart bei den Olympischen Spielen der Antike und seit den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit 1896 ist es fest in deren Programm. Aber wie sieht die Zukunft aus?

Gewichtheben – Symbolfoto

Im GesprÀch mit Julia Schwarzbach, Mitarbeiterin beim Bundesverband Deutscher Gewichtheber

Frage: Sie gehörten in den letzten 15 Jahren zu den erfolgreichsten deutschen Gewichtheberinnen, gewannen Medaillen bei Nachwuchs- und Elite-EM sowie bei Junioren-WM und starteten zweimal bei Olympia (2008, 2012). Was waren die persönlichen Highlights in Ihrer Karriere?

Julia Schwarzbach: Meine persönlichen Highlights waren natĂŒrlich die olympischen Spiele mit den Platzierungen 6 und 10. Des Weiteren waren meine drei Silbermedaillen bei der Europameisterschaft 2015 ein Höhepunkt, zu dieser Zeit war ich eigentlich schon nicht mehr zu 100 Prozent dabei, weil ich bereits mitten in der Ausbildung war. Zudem trainierte ich nur viermal wöchentlich und hatte Probleme mit einer Schulterverletzung.

Frage: Bleiben Sie trotz Ihrer TĂ€tigkeit beim Bundesverband Deutscher Gewichtheber ihrer Sportart aktiv treu?

Julia Schwarzbach: Aktuell hebe ich noch in der Bundesliga fĂŒr den AV 03 Speyer, aber nur „aushilfsweise“.

Frage: Was fasziniert Sie besonders am Gewichtheben? Wie gelangten Sie zu dieser traditionsreichen Sportart?

Julia Schwarzbach: Mich fasziniert daran, dass man allein auf dieser BĂŒhne steht und fĂŒr seinen Fleiß belohnt wird. Dieser kurze Moment, an dem die Hantel perfekt auf dem Punkt sein muss… Das entscheidet ĂŒber alles.

Frage: Leider war das Gewichtheben in den letzten Jahren nicht gerade positiv in den Schlagzeilen. Was erwarten Sie von den WM in Ashgabat? Wie beurteilen Sie das derzeitige internationale KrÀfteverhÀltnis?

Julia Schwarzbach: In den letzten Jahren ist sehr viel positives im Kampf gegen Doping passiert. Viele positive FĂ€lle wurden aufgedeckt, weil mehr kontrolliert wurde. Den Sportlern wird immer mehr bewusst, dass Dopen nicht mehr einfach ist. Nur leider sind die Konsequenzen manchmal nicht hart genug. Wer einmal dopt, sollte nie wieder eine WettkampfbĂŒhne betreten dĂŒrfen.

Frage: Wie beurteilen Sie die Entwicklung des Gewichthebens in Deutschland?

Julia Schwarzbach: Jetzt, wo ich selbst auch mit in der GeschÀftsstelle des Bundesverbandes Deutscher Gewichtheber in Leimen arbeite, sehe ich, wie viel Hintergrundarbeit im Jugend-Bereich vom Verband unternommen wird. Die Mitgliederzahlen steigen mittlerweile, auch bei den Jugendlichen.

Letzte Frage: Waren Sie schon einmal in MV, vielleicht zu Trainingslagern? Kennen Sie den deutschen Nordosten etwas?

Julia Schwarzbach: Ich muß gestehen, sehr oft waren wir nicht im Nordosten. Ich weiß allerdings noch, dass ich mal in Stralsund war…

Vielen Dank und weiterhin maximale Erfolge!

Gewichtheben – Symbolfoto

Erfolgsgeschichten aus M-V

Gewichtheben und MV – da gab es insbesondere zwischen 1970 und 1996 einige Erfolgsgeschichten.

aus Stralsund:
Aus den Reihen der Stralsunder Gewichtheber (Motor / TSV 1860) gingen bereits eine Reihe von Weltklasse-Athleten hervor, so unter anderem Helmut Losch, JĂŒrgen Heuser und Andreas Behm. Losch, 1947 in Barth geboren und 1963 mit dem Gewichtheben in Stralsund beginnend, war bereits 1971 WM-Erster im Stoßen. Bei Olympia 1972 in MĂŒnchen wurde er Vierter. 1972/73 auch Vize-Europameister. Seinen grĂ¶ĂŸten Erfolg feierte Losch bei Olympia 1976 in Montreal mit Bronze! JĂŒrgen Heuser (geb. 1953 in Barth) feierte seinen grĂ¶ĂŸten Triumph in Moskau 1980. Dort erkĂ€mpfte er die olympische Silbermedaille. 1974 war er bereits WM-Dritter, 1975 WM-Vierter und 1978 gar Zweikampf-Weltmeister. Vier Jahre spĂ€ter sorgte dann Andreas Behm fĂŒr viel internationale Furore: mit EM-Silber 1962. Anno 1982 folgte die WM-Silberne. Im Leichtgewicht gab es als “Zugabe” 1985/86 die europĂ€ischen Titel. 1987 gewann der gebĂŒrtige Stralsunder erneut die Vize-Weltmeisterschaft, 1992 gar die olympische Bronzemedaille. Bei seinen letzten Olympischen Spielen 1996 in Atlanta kam der Ausnahmeathlet im Leichtgewicht noch auf Rang zehn.

aus Rostock und Schwerin:
Beachtliche olympische Erfolge erzielten auch drei Schwerathleten aus Rostock und Schwerin. Der gebĂŒrtige Schweriner JĂŒrgen Ciezki wurde in Montreal 1976 FĂŒnfter. Dessen „Stadtkollege“ Marco Spanehl (Jahrgang 1967) kam 16 Jahre spĂ€ter in Barcelona auf Rang dreizehn. Mario Kalinke, in Rostock geboren aber fĂŒr Stralsund antretend, war 1996 zusammen mit Andreas Behm in Atlanta aktiv und wurde dort im zweiten Schwergewicht Neunter.

aus der jĂŒngsten Vergangenheit:
Aber auch in jĂŒngster Vergangenheit gab es speziell fĂŒr den TSV 1860 Stralsund WM-Freude. Allein schon mit der Teilnahme bewiesen Annett Damme, Harry Barth (beide frĂŒher TAV BrĂŒel) und Ralf Klingschat ihre Klasse. Die BrĂŒelerinnen Pamela Heye, unter anderem Deutsche Meisterin 1998 (Gewichtsklasse bis 53 Kilogramm) und 1999 (Gewichtsklasse bis 58 Kilogramm), Stefanie Jung, Heike Alm und Desiree DrĂ€ger feierten ebenso wie die Rostockerin Swetlana Adam Erfolge und gute Platzierungen auf regionaler und nationaler Ebene.

[box type=“info“]Der Schweriner Athleten-Club „Germania“

Neben Rostock und Stralsund hatte die Schwerathletik stets auch eine gute sportliche Heimat in Schwerin. Im Jahr 1892 grĂŒndete sich hier der Schweriner Athleten-Club „Germania“, der Ringen, Gewichtheben und Gewichtwerfen anbot. Der Schweriner Athleten-Club kooperierte seinerzeit auch eng mit anderen Sport-Vereinen der Stadt und bot beispielsweise Ruderern und Schwimmern Übungsstunden an, die diese oftmals dankend mit absolvierten.[/box]

 

Aktuelles vom Gewichtheben – in Zahlen

Bei den letzten Weltmeisterschaften, 2017 in Anaheim, kamen in den 16 Entscheidungen 26 LĂ€nder zu Medaillen-Erfolgen im olympischen Zweikampf , darunter 13 Nationen zu einem bzw. mehreren Titeln. Am erfolgreichsten mit jeweils zwei WM-Titeln im Zweikampf waren Kolumbien, der Iran und Georgien. Wegen massiver Dopingvergehen in der Vergangenheit blieben die Teams aus Russland, China, Kasachstan, Armenien, der TĂŒrkei, Moldawien, der Ukraine, Weißrussland und Aserbaidschan ausgeschlossen.

In Bukarest, im FrĂŒhjahr 2018 bei den Europameisterschaften, erkĂ€mpften Gewichtheberinnen und Gewichtheber aus 16 LĂ€ndern Edelmetall im olympischen Zweikampf, darunter 8 Nationen eine oder mehrere Goldmedaillen. Georgien (vier Titel) bzw. RumĂ€nien und Polen (je drei Titel) waren am erfolgreichsten. FĂŒr die deutsche Mannschaft gab es ebenfalls Medaillen im Zweikampf: Gold durch Nico MĂŒller in der Gewichtsklasse bis 77 Kilogramm und Silber durch Robert Joachim in der Gewichtsklasse bis 69 Kilogramm. Auch in Bukarest blieben Russland, Armenien, die TĂŒrkei, Moldawien, die Ukraine, Weißrussland und Aserbaidschan vom Wettkampfgeschehen ausgeschlossen.

Gewichtheben – Symbolbild

Bei den Olympischen Jugendspielen 2018 in Buenos Aires (7. bis 13.Oktober) standen 12 Entscheidungen im Gewichtheben auf dem Programm. Insgesamt nahmen 102 junge Schwerathleth_innen aus 63 LĂ€ndern an diesen Wettbewerben teil. Die 12 Erfolge im Zweikampf verteilten sich dabei ebenfalls auf 12 Nationen: TĂŒrkei, Thailand, Usbekistan, Vietnam, Mexiko, RumĂ€nien, Armenien, Indien, Iran, Italien, Tunesien und Venezuela.

Und bei den olympischen WettkĂ€mpfen 2016 in Rio, mit 260 Schwerathletinnen und -athleten aus 76 LĂ€ndern, waren China (fĂŒnf Erfolge) und Thailand bzw. der Iran (je zwei Erfolge) die besten LĂ€nder im olympischen Zweikampf.

Text und Interview: M. Michels

Gewichtheben: Langhantel und Hantelscheiben auf Plattform

Verein ….

Reklame

Scroll to Top