Die EM im Gewichtheben in Split

Kurz vor dem Osterfest wurden 2017 auch noch europameisterlich die Gewichte gehoben. Bei den 96.Europameisterschaften im Gewichtheben vom 2.April bis 8.April in Split werden insgesamt 16 Goldmedaillen bei den Frauen und bei den Herren im olympischen Zweikampf vergeben.

Deutschland mit Sieben vor Ort

Aus deutscher Sicht waren Athletinnen und Athleten vor Ort, so Nina Schroth (bis 90 Kilogramm), Robert Joachim (bis 69 Kilogramm), Nico Müller (bis 77 Kilogramm), Max Lang (bis 77 Kilogramm), Tom Schwarzbach (bis 85 Kilogramm), Michael Müller (bis 85 Kilogramm) und Jürgen Spieß (bis 94 Kilogramm). Insgesamt meldeten 324 Heberinnen und Heber aus 42 Nationen für die EM im Gewichtheben 2017.

Aus deutscher Sicht gab es zwei Medaillen. Robert Joachim gewann in der Gewichtsklasse bis 69 Kilogramm im olympischen Zweikampf Bronze und im dortigen Stoßen Silber. Die anderen Ergebnisse für die deutsche Gewichtheber-Mannschaft in Split im olympischen Zweikampf lauteten: Platz sechs für Nina Schroth, Platz fünf für Max Lang, Platz 11 für Nico Müller, Platz fünf für Tom Schwarzbach, Platz sieben für Michael Müller und Platz fünf für Jürgen Spiess.

Russland am erfolgreichsten

Die erfolgreichsten Länder bei den EM in Split im Medaillenspiegel waren indes im olympischen Zweikampf der 16 Gewichtsklassen bei den Damen und Herren Russland mit 5 x Gold, 4 x Silber, 2 x Bronze vor Rumänien mit 2 x Gold, 2 x Silber, 3 x Bronze und Frankreich mit 2 x Gold. 18 Länder sicherten sich in Split 2017 Zweikampf-Medaillen, darunter 9 Staaten eine oder mehrere Zweikampf-Titel.

Im Medaillen-Ranking der Gewichtheber-EM 2017 in den Disziplinen Zweikampf, Stoßen und Reißen – insgesamt wurden in den angesprochenen Disziplinen 48 Titel bzw. 144 Medaillen  verteilt – stellte Russland ebenfalls das erfolgreichste Team mit 33 Medaillen, darunter 13 x Gold, vor Rumänien bzw. der Ukraine mit jeweils 17 Medaillen. Rumänien erkämpfte dabei 6 Titel, die Ukraine 5. Letztendlich schafften im Zweikampf, Stoßen und Reißen 23 Nationen Edelmetall, darunter 14 Staaten eine oder mehrere Goldmedaillen.

Die „Stärksten“ 2017…

Zum stärksten „leichtesten“ Gewichtheber in Split avancierte der Italiener Mirco Scarantino (Gewichtsklasse bis 56 Kilogramm). Der Georgier Lasha Talakhadze war bei den „ganz schweren Jungs“ (über 105 Kilogramm) die Nummer eins. Dagegen holte die Französin Anais Michel Gold in leichtesten Gewichtsklasse bei den Frauen (bis 48 Kilogramm). In der höchsten Gewichtsklasse bei den Frauen setzte sich die Russin Tatjana Kaschirina durch.

Der Jahreshöhepunkt im Gewichtheben 2017 sind die WM in Anaheim vom 28.November bis 5.Dezember. Die ersten WM im Gewichtheben gab es 1891 in London.

Seit 1896 EM im Gewichtheben

Seit 1896 in Rotterdam – mit nur einer Entscheidung, in der Klasse ohne Gewichtsbegrenzung – werden hingegen EM im Gewichtheben veranstaltet. Und das erste EM-Gold im Gewichtheben sicherte sich damals der Bayer Hans Beck.

Auch M-V vorn dabei

In den Folgejahren gehörten deutsche Heber regelmäßig zu den Siegern und Medaillengewinnern bei EM im Gewichtheben. Auch Sportler aus M-V waren regelmäßig vorn mit dabei, so unter anderem Helmut Losch, Jürgen Heuser oder Andreas Behm (Motor Stralsund bzw. TSV 1860 Stralsund), die gebürtigen Schweriner Jürgen Ciezki bzw. Marco Spanehl oder der gebürtige Rostocker Mario Kalinke. Vor mehr als 30 Jahren, 1985 in Katowice und 1986 in Karl-Marx-Stadt, holte der Stralsunder Andreas Behm jeweils Gold im Zweikampf im Leichtgewicht.

– Übrigens: Seit 1988 in San Marino werden auch im Frauen-Gewichtheben EM-Titel verteilt.

…Exkurs: Das olympische Jahr 2016 im Gewichtheben – ein Rückblick

Das vergangene Olympia- Jahr 2016 hatte natürlich auch im Gewichtheben zahlreiche Höhepunkte – in einer traditionsreichen Sportart, die allerdings seit Jahren unter Doping-Manipulationen leidet.

Von der EM in Forde…

Der erste große Höhepunkt für die Gewichtheberinnen und Gewichtheber in den vergangenen zwölf Monaten waren die Europameisterschaften im April 2016 in Forde (Norwegen)

An diesen EM nahmen insgesamt 144 Gewichtheberinnen und 156 Gewichtheber aus 40 Ländern teil. Im olympischen Zweikampf wurden bei den Damen und bei den Herren 45 Medaillen vergeben, darunter 15 Goldmedaillen.

In den sieben Forder Gewichtheber-Tagen, vom 10.April bis 16.April, konnten letztendlich Armenien (3 x Gold, 2 x Silber, 1 x Bronze), die Türkei (3 x Gold), die Ukraine (2 x Gold, 1 x Silber), Russland (1 x Gold, 3 x Silber, 1 x Bronze) und Rumänien (1 x Gold, 2 x Silber, 4 x Bronze) die meisten Medaillen im olympischen Zweikampf „ergattern“.

Das deutsche Team ging leider leer aus, konnte aber mit einigen Top Ten-Platzierungen glänzen. Gewichtheberinnen und Gewichtheber aus insgesamt 18 Nationen erkämpften letztendlich Zweikampf-Medaillen und immerhin 10 Länder konnten über Gold jubeln.

Der „leichteste“ Stärkste, also der Sieger in der Gewichtsklasse bis 56 Kilogramm bei den Herren, wurde Josue Brachi aus Spanien. Bei den ganz schweren Jungs, also in der Gewichtsklasse über 105 Kilogramm ließ sich Lasha Talakhadze (Georgien) den Sieg nicht nehmen.

Die Türkin Sibel Özkun freute sich hingegen über ihren Erfolg in der leichtesten Gewichtsklasse (bis 48 Kilogramm) bei den Frauen. In der höchsten Gewichtsklasse im Frauen-Bereich (über 75 Kilogramm) triumphierte dann die Armenierin Hripsine Khurshudyan.

…zu den olympischen Wettkämpfen in Rio

Mit Spannung wurden dann im August die olympischen Entscheidungen im Gewichtheben in Rio erwartet.

– Blick auf die letzten WM vor Rio – 2015 in Houston

Beim letzten globalen Aufeinandertreffen der Gewichtheberinnen und Gewichtheber vor Rio, den WM im Gewichtheben 2015 in Houston, gab es zahlreiche Doping-Skandale.

Letztendlich dominierten im olympischen Zweikampf China mit 6 x Gold, 4 x Silber, Russland mit 2 x Gold, 3 x Silber, 2 x Bronze, Kasachstan mit 2 x Gold, 1 x Silber, 1 x Bronze, Nordkorea mit 1 x Gold, 1 x Silber, 2 x Bronze, Taiwan mit 1 x Gold, 1 x Bronze sowie Aserbaidschan, Weissrussland und Georgien mit jeweils 1 x Gold.

In den leichtesten Klassen errangen Jiang Huihua (China, Frauen, bis 48 Kilogramm) bzw. Om Yun-chol (Nordkorea, Herren, bis 56 Kilogramm) die WM-Goldmedaillen 2015. Tatjana Kaschirina (Russland, Frauen, über 75 Kilogramm) und Lasha Talakhadze (Georgien, Herren, über 105 Kilogramm) erkämpften vor Jahresfrist die WM-Goldmedaillen in den höchsten Gewichtsklassen.

24 Länder schafften in Houston 2015 WM-Medaillen, darunter 12 Staaten eine oder mehrere Goldmedaillen.

Olympische Gewichtheber-Konkurrenzen 2016 unter keinem guten Stern

Die olympischen Konkurrenzen in Rio mussten dann ohne russische und bulgarische Gewichtheberinnen und Gewichtheber auskommen, nachdem dort massive Dopingvergehen nachgewiesen wurden. Dafür waren andere, ehemals des Dopings überführte Athleten wieder zugelassen. Diese präsentierten Leistungen, die teilweise noch besser waren als vor deren Doping-Sperren. Nicht nur ein Schelm, der Böses dabei denkt…

Die olympische Medaillen-Wertung im Gewichtheben 2016 gewann China mit sieben Medaillen (5 x Gold) vor Kasachstan mit fünf Medaillen (1 x Gold), Thailand mit vier Medaillen (2 x Gold) und Nordkorea mit vier Medaillen (2 x Gold).
Sopita Tanasan (Thailand) wurde Olympiasiegerin bis 48 Kilogramm, die Chinesin Meng Suping hingegen in der Gewichtsklasse über 75 Kilogramm. Bei den Herren wurde Long Qingquan (China) Bester bis 56 Kilogramm. Der Georgier Lasha Talakhadze konnte, wie erwartet, Olympia-Gold in der Klasse über 105 Kilogramm erringen

Deutsche Olympia-Gewichtheber mit guten Plätzen

Aus deutscher Sicht belegten Sabine Kusterer (bis 58 Kilogramm), Nico Müller (bis 77 Kilogramm) sowie Jürgen Spieß (bis 105 Kilogramm) jeweils zehnte Ränge. In der Gewichtsklasse über 105 Kilogramm schafften Alexej Prochorow und Almir Velagic die Ränge sechzehn bzw. neun. 260 Gewichtheberinnen und Gewichtheber aus 94 Ländern waren in Rio am Start, 21 Nationen holten Medaillen, darunter neun Staaten eine oder mehrere Goldmedaillen.

Übrigens: Vor mehr als 40 Jahren, bei den XXI.Olympischen Spielen der Neuzeit in Montreal, erkämpfte der gebürtige Barther Helmut Losch (BSG Motor Stralsund, 1947-2005) Bronze im olympischen Zweikampf des Superschwergewichtes – die erste olympische Gewichtheber-Medaille für Mecklenburg und Vorpommern.

Marko Michels