Speerwurf-Weltmeisterin Katharina Molitor über die kommenden Herausforderungen

Frauen mit dem Speer. Das hat in M-V eine große Tradition. Ruth Fuchs, die in den 1960ern an der Kinder- und Jugendsportschule in Güstrow lernte, wurde – allerdings für Jena startend – Olympiasiegerin 1972 in München und 1976 in Montreal bzw. Olympia-Achte 1980 in Moskau sowie zweifache Europameisterin 1974 und 1978.

Von Tanja Damaske bis Steffi Nerius

Die einstige Wahl-Schwerinerin Tanja Damaske, von 1985 bis 1989 SC Traktor Schwerin bzw. von 1990 bis 1992 Schweriner SC, erreichte WM-Bronze 1997 und EM-Gold 1998.

Und die gebürtige Rüganerin Steffi Nerius sammelte zudem fleißig Medaillen im Speerwerfen, so WM-Gold 2009, Olympia-Silber 2004, EM-Gold 2006, EM-Silber 2002 und dreimal WM-Bronze 2003, 2005 sowie 2007.

Katharina Molitor – die Weltmeisterin 2015 im Fokus

Eine deutsche Speerwerferin, deren Wiege zwar nicht in Mecklenburg-Vorpommern stand, die aber dennoch ungemein viele Erfolge feierte, ist Katharina Molitor, Jahrgang 1983, für Bayer 04 Leverkusen startend. Katharina wurde 2015 in Peking Weltmeisterin, konnte bei den Olympischen Spielen 2008 Rang acht bzw. 2012 Rang sechs belegen. Bei der Universiade 2007 gab es Rang sechs und bei den EM 2010 bzw. 2012 jeweils Rang vier bzw. fünf.

Nachgefragt bei der sympathischen und anmutigen Speerwerferin – bezüglich der kommenden olympischen Herausforderungen…

Katharina Molitor über die kommenden Herausforderungen, das Training, ihre olympischen Ambitionen, mögliche volleyballsportliche Einsätze und über ihre Form des Relaxens

„Hoffe auf friedliche Spiele…“

Frage: In nicht einmal mehr 40 Tagen beginnen die Olympischen Spiele 2016 in Rio. Mit welchen Hoffnungen und Erwartungen – nicht nur in sportlicher Hinsicht – reisen Sie nach Rio, Katharina?

Katharina Molitor: Leider bin ich noch nicht für die Olympischen Spiele nominiert. Deshalb ist meine erste große Hoffnung, dass ich bei der EM durch eine gute Leistung überzeugen kann und der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) mich mit zu den Spielen nach Rio nimmt. Es wäre schön, wenn wir friedliche Spiele ohne Terror, Rassismus oder ähnliche Dinge erleben und wir als Sportler – wie schon bei den letzten beiden Spielen – gute Bedingungen im Olympischen Dorf und an den Wettkampfstätten vorfinden.

Ganz besonders freuen würde ich mich wieder auf das Leben im Dorf mit all den anderen Sportlern aus so vielen Nationen und Sportarten. Sportlich hoffe ich, dass ich meinen sechsten Platz aus London nochmal verbessern kann.

Zufrieden wäre ich aber auch, wenn ich dort eine Saisonbestleistung werfe und vielleicht in die Nähe meiner persönlichen Bestleistung komme.

Frage: Wie beurteilen Sie den bisherigen Verlauf der Saison 2016?

Katharina Molitor: Ich bin ganz gut in die Saison eingestiegen mit zwei Wettkämpfen über 62 Meter, wobei der erste Wettkampf direkt nach dem Trainingslager war und beide Wettkämpfe (Doha, Peking) mit längeren Reisen verbunden waren. Gar nicht zufrieden war ich dann mit den beiden folgenden Wettkämpfen in Rom und Birmingham. Die lagen beide in einer Woche und da war wirklich der Wurm drin. Zu allem Überfluss kam noch eine Bronchitis dazu.

Ich war daher froh, dass ich bei den Deutschen Meisterschaften in Kassel wenigstens einigermaßen wieder fit war. Der Einstieg dort mit 62,86 Meter war auch gut. Leider hat die Jüngste aus unserem Vierer-Team dann gezeigt, was in ihr steckt und mich zumindest etwas aus der Bahn geworfen.

Jetzt mussten 66,5 Meter her, um noch eine Chance auf den Sieg zu haben. Mit 64 Metern oder 65 Metern hatte ich gerechnet und auch gehofft, diese Weite an dem Tag werfen zu können, aber leider glaubte ich nicht an diese 66,5 Meter, auch wenn ich diese letztes Jahr schon übertroffen habe. Letztendlich bin ich etwas zu fest geworden und konnte mich leider nicht mehr steigern, womit ich natürlich gar nicht zufrieden war.

Frage: Wie sieht eigentlich ein Trainingstag bei Ihnen aus? Wobei entspannen Sie?

Katharina Molitor: Mein Wecker klingelt glücklicherweise erst um 7:45 Uhr. Zweimal in der Woche geht es dann um 9:00 Uhr zum Stabi-Training. Die anderen Tage beginnt das erste Training meistens erst um 10:00 Uhr. Wenn ich zweimal am Tag trainiere, dauert die erste Einheit in der Regel so zwischen anderthalb und zwei Stunden.

Im Anschluss habe ich entweder Physio oder es geht nach Hause. Dort wird dann gekocht und gegessen und gegen 15:00 Uhr mache ich dann die zweite Einheit. Dadurch, dass ich nachmittags häufig recht früh trainiere, habe ich abends dann Zeit zu entspannen.

…Oft auf der Couch vor dem TV, aber auch gerne mal mit Freunden in einer gemütlichen Runde. Wenn am Wochenende kein Wettkampf ist, bin ich viel mit der Familie oder Freunden unterwegs.

Frage: Welche Wettkämpfe stehen für Sie bis Rio noch auf dem Programm?

Katharina Molitor: Nächste Woche stehen die Europameisterschaften in Amsterdam an und danach werde ich noch beim „Diamond League Meeting“ in Monaco an den Start gehen.

Frage: Noch etwas zum Volleyball… Sie sind ja auch eine exzellente Volleyball-Spielerin, waren bzw. sind sowohl im ersten als auch im zweiten Team von Bayer 04 Leverkusen aktiv. Welche weiteren Ambitionen im Volleyballsport haben Sie noch?

Katharina Molitor: Ich würde auch gerne in der nächsten Saison wieder mit meinem Team an den Start gehen. Das wird in der zweiten Liga Nord sein.

Dieses Jahr sind wir in der Liga Meister geworden. Ich denke, es formieren sich neue gute Teams, aber der Meistertitel ist auch im nächsten Jahr unser Ziel. Für mich steht aber vor allem die Mannschaft und der Spaß im Vordergrund.

Letzte Frage: Sind Sie auch mal „ab und zu“ in M-V?

Katharina Molitor: Auch wenn ich gehört habe, dass es dort sehr schön sein soll, wenn dort nicht gerade ein Wettkampf oder ein Spiel statt findet, leider nicht.

Vielen Dank, alles erdenklich Gute, eine optimale EM und maximale Erfolge in Rio!

Marko Michels