Rostock – Wie die Familie von Lothar Metz mitteilte, verstarb der Olympiasieger von 1968 in Mexiko am 23. Januar nach langer Krankheit. Lothar Metz, geboren 1936 in Meerane, führte ihn der Weg in seiner Jugendzeit ins erzgebirgische Auerbach, wo er zum Ringkampf fand. Metz war sportlich talentiert, probierte sich im Skispringen, aber auch in der Leichtathletik aus. Doch die Trainer attestierten ihm beste Voraussetzungen für den Ringkampfsport. Und sie sollten Recht behalten, bereits mit 19 Jahren gewann Lothar Metz Bronze bei den Weltmeisterschaften 1958 in Budapest (HUN).

Doch intensives Training und Schichtarbeit in den Strumpfwerken von Auerbach/E. ließen sich kaum vereinbaren und so folgte Lothar Metz dem Ruf des ASK Rostock, einem der neu gebildeten Sportclubs der damaligen DDR, wo beste leistungssportliche Bedingungen-, aber auch berufliche Perspektiven geboten wurden.

Der Wechsel in den Norden der DDR erwieß sich als gute Entscheidung, bereits ein Jahr später gewann Metz bei den Olympischen Spielen in Rom 1960 die Silbermedaille, nur dem Bulgaren Dimitar Dobrev musste sich der Mittelgewichtler (87 kg) geschlagen geben. Lothar Metz revanchierte sich für die Niederlage gegen Dobrev ein Jahr später mit einem Sieg bei einem Turnier in Bukarest (ROU). Der nächste, große Medaillengewinn gelang Lothar Metz 1964 bei den Olympischen Spielen in Tokio (JPN) mit Bronze. Nun fehlte nach Silber in Rom 1960 und Bronze in Tokio das I-Tüpfelchen seiner glanzvollen Ringerlaufbahn, die er dann 1968 mit der olympischen Goldmedaille in Mexiko krönte. Im entscheidenden Kampf um Gold bezwang Lothar Metz den Rumänen Nicolae Negut, bei einer Niederlage wäre es der 4. Platz geworden.

Die olympische Goldmedaille bezeichnete Metz als wichtigsten Erfolg seiner Laufbahn, für ihn war sie ein Ergebnis jahrelangen, intensiven Trainings unter dem langjährigen Nationaltrainer Fritz Schubert, der wie Metz aus dem Erzgebirge kam, nur wenige Kilometer von Auerbach entfernt, in Gelenau beheimatet war. Doch Lothar Metz stand in Mexiko nicht allein auf dem höchsten, sportlichen Thron, auch sein Trainingspartner Rudolf Vesper aus dem Armeesportclub Rostock, gelang im Weltergewicht der Sprung auf das oberste Treppchen. Damit kehrten zwei deutsche Ringer als Olympiasieger aus Mittelamerika zurück, ein Erfolg der einmalig in der deutschen Ringergeschichte ist.

Lothar Metz startete 4 Jahre später noch einmal bei einem Olympischen Turnier, in München 1972 blieb ihm jedoch der Sprung auf das Siegertreppchen verwehrt.  Danach beendete er seine aktive Laufbahn, studierte an der Deutschen Hochschule für Körperkultur und Sport. Lothar Metz schloss das Studium als Diplomsportlehrer ab und der dreifache Medaillengewinner bei Olympischen Spielen gab seine Erfahrung bis 1989 als Nachwuchstrainer an junge Rostocker Ringer weiter.

Lothar Metz gilt damit als einer der erfolgreichsten deutschen Ringer, er galt als bescheiden und zurückhaltend, stand nicht gerne im Rampenlicht der Öffentlichkeit. Den nationalen- und internationalen Ringkampf verfolgte Lothar Metz zuletzt mit etwas Abstand, widmete sich vor allem seiner Familie. Einzig die Treffen mit den ehemaligen, Rostocker Weggefährten waren noch Berührungspunkte mit dem Ringkampf, bei denen alte Erinnerungen wachgerüttelt wurden.

Jörg Richter

Deutsche Olympiasieger im Ringen:

1896 Carl Schumann
1960 Wilfried Dietrich
1968 Lothar Metz
1968 Rudolf Vesper
1984 Pasquale Passarelli
1992 Maik Bullmann