Wenke Warninck, Kader-Trainerin des WSC Rostock, über das bisherige Wettkampfjahr im Wasserspringen

Blick in die 1955 eröffnete Neptunschwimmhalle in Rostock während eines Internationalen Springertages. Foto: Wolfgang Gross

Das „Wassersprung-Jahr“ 2018 ist auch schon acht Monate alt. In Mecklenburg-Vorpommern gab es dabei in den letzten Monaten einige wichtige Wettkämpfe, wobei der 63. Internationale Springertag in Rostock, zweifellos der Höhepunkt war. Zu den Highlights auf internationaler Bühne gehören ganz klar der Weltcup in Wuhan, die EM in Glasgow sowie die Weltserie in Peking, Fuji, Montreal und Kasan.

Wie verliefen aber die vergangenen Monate aus Rostocker Sicht? Nachgefragt bei Wenke Warninck, Kader-Trainerin des WSC Rostock.

Interview

Frage: Das Jahr ist nun schon wieder zu drei Vierteln um. Wie lautet Ihr (vorläufiges) Resümee aus Sicht des WSC?

Wenke Warninck: Die Saison 2017/18 ist für uns ja mit den Wettkämpfen im Sommer abgeschlossen. Unsere Sportlerinnen und Sportler zeigten bei den Deutschen Meisterschaften, gerade im Nachwuchsbereich, ausgezeichnete Leistungen und konnten einige Medaillen gewinnen.

Für die Junioren-EM in Helsinki Ende Juni konnte sich vom WSC Rostock mit Thalea Paschel, Jette Müller, Naomi Hinzmann, Anna Shyrykhay und Leonard Bastian ein Quintett qualifizieren. Bei den folgenden Junioren-WM in Kiew Ende Juli waren dann ebenfalls Anna Shyrykhay und Jette Müller dabei. Beide konnten dort mit starken Leistungen beeindrucken und weitere internationale Erfahrungen sammeln. Wenn es letztendlich sowohl in Helsinki als auch in Kiew noch nicht zu einer Medaille reichte, alle genannten Sportlerinnen und Sportler präsentierten sich sehr gut.

Frage: Welcher Ihrer Schützlinge imponierte Ihnen besonders? Wie bewerten Sie deren internationalen Perspektiven?

Wenke Warninck: Die bei den Junioren-EM und bei den Junioren-WM gestarteten Sportlerinnen und Sportler bewiesen, dass sie sich national durchsetzen konnten und international durchaus mithalten können. Gerade Anna Shyrykhay und Jette Müller nutzten die Teilnahme an den JEM und JWM, um ihr großes Können unter Beweis zu stellen. Sie zeigten starke Leistungen.

Frage: Wie beurteilen Sie das internationale Kräfteverhältnis – zwei Jahre vor Olympia in Tokyo?

Wenke Warninck: Wir haben 2018 „Halbzeit“ im aktuellen olympischen Zyklus 2016-2020. Nach den olympischen Wettkämpfen 2016 in Rio beendeten einige erfahrene und erfolgreiche Wasserspringerinnen bzw. Wasserspringer ihre sportliche Karriere. Viele Mannschaften sind daher in einem personellen Umbruch und schicken zu den Elite-Meisterschaften insbesondere Nachwuchs-Sportlerinnen und -Sportler, um diese auf die kommenden Herausforderungen, die WM 2019 in Gwangju und auf Olympia 2020 in Tokyo, vorzubereiten. Bei den EM in Edinburgh dominierten vor allem die Sportlerinnen und Sportler aus Russland mit 15 Medaillen, darunter fünfmal Gold, und Großbritannien mit 10 Medaillen, darunter viermal Gold.

Auch die deutschen Teilnehmerinnen und Teilnehmer überzeugten und gewannen acht Medaillen. Insbesondere die deutschen Wasserspringerinnen gefielen. Im Mixed-Synchronspringen vom Drei-Meter-Brett gab es sogar Gold durch Tina Punzel/Lou Massenberg. Wie es international um das deutsche Wasserspringen steht, werden die Welttitelkämpfe im kommenden Jahr, im Juli 2019, in Gwangju zeigen. Dort starten dann auch die herausragenden Athletinnen und Athleten aus China, Nordamerika und Australien.

Beim Weltcup im Juni 2018 in Wuhan war China wieder einmal deutlich überlegen, holte 15 der 33 Medaillen, darunter alle 11 Goldmedaillen. Gut dabei waren in Wuhan zudem die Sportlerinnen und Sportler aus Kanada, Großbritannien und Russland.

Frage: Zurück zum WSC: Wie entwickelte sich generell der Zuspruch der jungen Sporttalente zum Wasserspringen?

Wenke Warninck: Wir haben weiterhin einen regen Zulauf von jungen Sporttalenten, die sich für das Wasserspringen interessieren und begeistern. Wir sind aber dennoch immer auf der Suche nach weiteren Talenten, die mutig sind, sich gern bewegen und Wasserspringen mögen.

In der Rostocker Neptunschwimmhalle gibt es ja wöchentlich jeden Freitag ein Schnupper-Training, ein Probe-Training für junge Sporttalente. Viele, die diese Möglichkeit nutzten, trainieren auch beim WSC. Zurzeit haben wir im Bereich Vorschule bis zur vierten Klasse rund 80 Wassersprung-Talente und im Bereich ab fünfter Klasse bis zum Erwachsenenbereich 23 Athletinnen und Athleten.

Unsere derzeit älteste Sportlerin ist Saskia Oettinghaus, Jahrgang 1998, die schon einige nationale und internationale Erfolge aufweisen kann. So wurde Saskia bei den Europaspielen 2015 in Baku Siegerin im Synchronspringen vom Drei-Meter-Brett zusammen mit Louisa Stawczynski und Dritte im Einzel vom Drei-Meter-Brett. Außerdem nahm Saskia schon an einigen FINA Grand Prix-Wettkämpfen teil und war auch Teilnehmerin der Elite-EM 2017.

Frage: An welchen Wettkämpfen nehmen Rostocker Athletinnen und Athleten dieses Jahr noch teil?

Wenke Warninck: Bis zum Jahresende 2018 stehen noch einige Wettkämpfe auf dem Programm, so der Methodik-Pokal im Oktober. Im November werden Sportlerinnen und Sportler unseres Vereines noch bei internationalen Wettbewerben starten, in Lund und in Aachen. Ganz wichtig sind außerdem die Deutschen Mannschaftsmeisterschaften im Dezember in Leipzig. Und vorher, am 24. November 2018, laden wir zu unserer 19. Springershow in die Rostocker Neptunschwimmhalle.

Vielen Dank und weiterhin bestes Engagement für das Wasserspringen!

M.Michels

Impression von einem früheren Springertag in Rostock. Foto: Wolfgang Gross

Impression von einem früheren Springertag. Foto: Wolfgang Gross