Zwischen Zuneigung und Ablehnung in deutschen Landen…

Der 22.November 2017 steht im „Zeichen des Centre Courts“… Foto: M.M.

Das tennissportliche 2017 ist auch im Endspurt. International gab es zahlreiche Höhepunkte. Im Fokus standen dabei die vier Grand Slam Turniere. Während es bei den Frauen vier verschiedene Gewinnerinnen gab, machte „ein Duo“ die ersten Ränge unter sich aus.

Bei den Frauen holten sich die diversen Schalen Serena Williams (USA, Australian Open), Jelena Ostapenko (Lettland, French Open), Garbine Muguruza (Spanien, Wimbledon) und Sloane Stephens (USA, US-Open). Roger Federer (Schweiz, Australian Open bzw. Wimbledon) und Rafael Nadal (Spanien, French Open bzw. US-Open) machten hingegen die Triumphe bei den Herren unter sich aus.

Die Weltmeister-Titel gingen 2017 an Caroline Wozniacki (Dänemark, WTA Tour Championships) und Grigor Dimitrow (Bulgarien, ATP World Tour Finals).

Den Fed Cup sicherten sich in diesem Jahr die USA und Ende November machen Frankreich und Belgien unter sich aus, wer den Davis-Cup 2017 Frankreich/Belgien „in die Vitrine stellen“ darf.

50 Jahre mit Erfolgen und Niederlagen

Und ein Tennis-Ass feiert am 22.November 2017 ein rundes Jubiläum. Boris Becker jubelte über seinen 50.Geburtstag. Der Gewinner von Wimbledon 1985, 1986 bzw. 1989, der US-Open 1989, der Australian Open 1991 bzw. 1996, der WCT-Finals 1988, des Davis-Cups mit dem deutschen Team 1988 bzw. 1989 und von Olympia-Gold 1992 im Doppel mit Michael Stich prägte den Tennissport, ja den Weltsport deutlich mit.

Was wurde 1985 über seinen Wimbledon-Erfolg in Deutschland-West (und insgeheim auch in Deutschland-Ost) gejubelt. Er wurde zum Tennis-Heiligen erkoren, als „lebendes Tennis-Denkmal“ betitelt, als „unser“ Boris deklariert, so, als sei er ein „Kunstwerk“, dass man sich hinstellt und bei Gelegenheit immer mal wieder anschaut.

„Leider“ – aus Sicht der sportiven Apparatschiki –  ist Boris Becker jedoch ein Mensch und die machen Fehler. Was sympathisch ist, angenehm und ungemein lebendig..

Wie war das noch mit dem Glaser?

Es gibt eine alte deutsche Handwerker-Weisheit“, die von einem „Glaser“ stammt: „Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen!“.

Genau das taten jedoch, diejenigen, die ihn für jeden Fehler öffentlich an den Pranger stellten und die eigenen „Missetaten“ vergaßen. Aus dem „Helden“ wurde der „Pleitier“, fast schon ein „Aufsässiger“ bzw. ein „gefallener Held“…

Sturz des Denkmals?!

Das Denkmal Boris Becker, das er nie sein wollte, wurde geschliffen, ja gestürzt. Und warum? Weil er nicht so funktionierte, wie es eine verlogene Sportpolitiker-, Sportjournalisten- und Sportfunktionärskaste wollte.

In deutschen Landen gilt unter diesen Herrschaften (und immer mehr Damenschaften) nämlich, dass eigene Fehler verziehen werden, nur nicht Verfehlungen anderer. Bei denen gilt „Sportler haben gefälligst keine eigene Meinung zu haben und sollten vor allem funktionieren und Medaillen, möglichst goldene, sammeln.“ Das war in Deutschland-Ost so, in Deutschland-West so und ist – in etwas anderer Graduierung – auch im Einheits-Deutschland wieder so. Wohin das führte, wissen wir heute…

Das Problem mit dem Fingerzeig…

Zeigt man also mit den Fingern auf Russland, China, die USA, Großbritannien, dann sollten diese vor allem erst einmal auf Deutschland und die „Deutschländer“ gerichtet werden.

Boris Becker gehört – neben Steffi Graf, Max Schmeling aus Vorpommern, den „Helden von Bern“ um den Ex-Wismarer Fritz Laband, Fußball-Kaiser Franz Beckenbauer, Rad-Idol Täve Schur (der nicht einmal in die „Hall of Fame“ des deutschen Sports aufgenommen wurde), Formel 1-Idol Michael Schumacher oder Eiskunstlauf-Queen Katarina Witt – zu den wenigen deutschen Sport-Stars, die auch über die deutschen Grenzen hinaus gekannt, bewundert und geschätzt werden.

Persönlichkeiten mit „Ecken und Kanten“ – keine „Katzbuckler“

Die Gründe dafür sind vielfältig. Das liegt daran, dass die Genannten Widersprüche aufwiesen, dass sie Brüche in ihren Karrieren hatten, stets eine eigene Meinung vertraten und sich selbst treu blieben. In der Gegenwart lassen sich leider viel zu viele Sportlerinnen und Sportler „massen-kompatibel“ zurechtstutzen – von selbstgefälligen Managern bzw. Beratern, eigenen Presse-Männeken bzw. Presse-Tanten und haben „Maskenbildnerinnen“ bzw. „Haar-Artisten“ für den „äußerlichen Notfall“.

Das brauchten Boris & Co. in ihren Jahren aber kaum – und wenn, blieben sie immer sie selbst. Das ist eigentlich das, was auch die Faszination von Boris Becker ausmacht.

Sich treu bleiben

Nicht wenige empfanden erst nach Wimbledon 1985 Begeisterung für ihn, als er zu einer großen Sportlerpersönlichkeit reifte. Andere ließen deshalb von ihm ab. Aber: Lieber weniger, aber die besten Fans, als scheinheilige Pharisäer, die Bewunderung nur aus Eigen-Nutz äußern.

50 Jahre Boris Becker. Mehr als 40 Jahre Tennis-Geschichte und Tennis-Geschichten. Olympia-Gold, Wimbledon, WM-Titel und und und

Das alles wird bleiben und – was viel wichtiger ist – stets die Erinnerung an einen großen Sportler, der sich den „deutschen Luxus“ erlaubte, „sein Ding“ zu machen…

Marko Michels